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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 896 Vr» Blockes Wochrnft^rM Nr. 50 Führung seiner Präsidentin Frau Rosa Schiff und zahlreiche Gäste theilnahmen, unter denen wir Herrn kais. Rath Branky, Bezirksvorsteher Niebauer. Gemeinderath Eltbogen. Commercialrath Stiaßny, Bezirksarzt Dr. Berdach, Bezirksrath Pollak, Ortsschulrath Kanders, RabbinerDoctor Bach und Frau, Jnspector Dr. K a n i tz, Obercantor S ch o r r, die Vorsteher des Bethauses der Kinderbewahranstalt S. Brod, Dr. Steiner, Schimmerling und Schick, Frau Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Frau Dr. F r i s ch a u e r, Fräulein Lydia v. Wolfring u. A. bemerkten. Die Kleinen trugen in bunter Abwechslung Lieder und Gedichtchen vor, worauf sie beköstigt und sämmtlich — 201 an der Zahl — mit Kleidern, Schuhen, Spielsachen und Bäckerei bescheert wurden. Linz a. d. Donau. Vor längerer Zeit hat sich hier ein Dr. Julius Löcker als Advocat etablirt, welcher dieses erfreuliche Ereigniß durch Circulare bekanntgab, in welchen zum Voraus bekanntgegeben wurde, daß — dieser Herr Rechtsanwalt — Vertretungen jüdischer Interessenten ablehnt. * Wenn Dr. Löcker ostentativ „die Vertretung jüdischer Interessenten" zum Voraus ablehnen zu müssen glaubte, konnte dies nur bezwecken, in den Augen seiner hiesigen Gesinnungsgenoffen „besonders schön dazustehen". Es ist allgemein bekannt, daß die auch sonst als ^Deutschnationale" sich hervorthuenden Advocaten gelegentlich ihren Antisemitismus säuberlich und fest einpackten und bei den Juden Matschek — Weiß — oder Kohnstein, ihre „ganz ergebenste Aufwartung" machten, wenn ein saftiger Bissen zu erlangen war. Also in Linz und Umgebung, wo nur eine Handvoll Juden sind, da verschmähte Dr. Löcker deren Vertretung und ist ein stolzer Antisemit, — auf eine Entfernung bis 20 Kilometer; soweit ist es bis zur nächsten Kronlands-Grenze. Tarnopol und Krakau — Brody und Warschau liegt ja nicht mehr in Oberösterreich — und dorthin hat man das famose Eröffnungs- Circulare niemals gesendet; was thut man also? Dank dem neuen Gerichtsverfahren — den öffentlichen Verhandlungen — konnte jeder bei den hiesigen k. k. Gerichten zufällig Anwesende bald nach Erscheinen des famosen Circulares hören: „In Sachen des z. B. Abraham Tannenduft — des Moses Fränkl — des Jsac Taub — des Nathan Ehrlich aus Galizien, Bukowina — Rußland, wer wurde da gleichzeitig als Vertreter und Rcchtsbeistand aufgerusrn: Der Herr Dr. Julius Löcker! Wie dieser und die polnisch-russischen Juden sich gefunden — wohin der große Antisemit seine Principien gestellt hat — das ist ein Räthsel, von-dem man in Linz schon seit Langem spricht. Unsere Glaubensgenoffen mögen sich hieraus die entsprechende Nutzanwendung entnehmen und wissen, daß hier genug Advocaten sind, von denen gar keiner es für nöthig fand, seinen Antisemitismus in so provocirender Weise von sich zu geben, als Dr. Julius Löcker. Briel. Bulfchowitz. (Rabbiner-Jnstallirung. — Religio n s p r ü f u n g.) Am Sonntag den 2. December um halb 2 Uhr Nachmittags fand hier die feierliche Jnstallirung des kürzlich ncugewählten Bezirksrabbiners Herrn Dr. Max Steif statt. Demselben unterliegt die Seelsorge der diesbezüglichen drei vereinigten Cultusgemeinden Butschowitz, Austerlitz und Neu- Rausnitz und hat derselbe seinen Sitz im letztgenannten Orte. Der Herr Rabbiner wurde am hiesigen Bahnhofe vom Borstande mittelst Wagen erwartet und bald nach Ankunft in der Stadt in den hell erleuchteten Tempel geleitet, woselbst die ganze Gemeinde und auch fremde Gäste in Festkleidern zahlreich versammelt waren. Auch die israelitische Schuljugend unter Führung des Schulleiters betheiligte sich an diesem Festgottesdienste. Herr Cantor R e i ch n e r trug das Minchagebet, sowie entsprechende Festgesänge mit einem verstärkten gemischten Chore vor. Die vom installirten Herrn Rabbiner Dr. S t e i f in formvollendeter und gediegener Weise gehaltene Festrede, welche von demselben mit seinem angenehm klingenden Sprachorgane so weihevoll zum Ausdrucke kam, wirkte wohlthuend auf die andächtigen Zuhörer. Bei dem zu Ehren des neuen Herrn Rabbiners-veranstalteten Festmahle wurden einige Toaste, darunter ein officieller vom Schulleiter Herrn Gans eil als Religionslehrer, dem Ehrwürden Herrn Dr. Steif dargebracht. — Am Sonntag den 9. December kam wieder Herr Rabbiner Dr. Max Steif hieher, um den Religions- und hebräischen Unterricht der hiesigen israelitischen Schuljugend zu inspiciren. Nach eingehender Prüfung drückte sich derselbe über die gemachten Wahrnehmungen sehr befriedigend aus. Ölmütz. Die allgemeine Aufregung, welche die nahenden Reichsrathswahlen in unserer Stadt erregen, hat mit besonderer Heftigkeit die Gemüther der hiesigen Judenschaft ergriffen. In der durchgedrungenen deutschen Liste der Wahlmänner für die V. Curie befinden sich auch die beiden höchsten Würdenträger der Judengemeinde (Herr Ed. Hamburger und Herr Josef Loew), die bereit sind, ihre Stimmen dem Compromißcandidaten der deutschen Parteien für das Mandat der V. Curie Nvrdostmährens, nämlich dem Herrn Zimmermeister Heinrich Münster, zu geben. Da dieser aber enragirter Schönerianer ist, hält ein Großtheil unserer Judenschaft es für unangemessen, daß ihre Repräsentanten aus Parteitreue dem erklärten Judenfeind zum Sieg verhelfen. Hoffentlich wird diese Frage im Sinne jüdischer Selbstachtung entschieden werden. — Am 10. Jänner findet die Reichsrathswahl im Städtebezirk Olmütz-Proßnih-Brodek statt, den die Deutschen den Czechen entreißen wollen. Die Agitation ist seit vielen Wochen beiderseits hoch in Gang und die Juden, welche die Entscheidung in der Hand haben, werden namentlich in Proßnitz von den Czechen mit allen Mitteln geschreckt. Andererseits ist es interessant, daß die Deutschen selbst in dieser für sie so kritischen Situation ihre antisemitischen Gelüste nicht unterdrücken können. So wurden zu der am 17. Nebelungs stattgehabten Eröffnung der meist von Judengeld erbauten deutschen Turnhalle die Juden überhaupt nicht geladen, und als sich einige derselben dadurch verletzt fühlten, entschuldigten sich die wackeren Heilohbrüder. es sei ein „bedauerliches Mißverständniß" unterlaufen. Unter solchen Umständen wäre es am besten, die Juden zögen sich aus dem öffentlichen Leben, wo ihnen ohnehin keine Partei Dank weiß, zurück und widmen sich ganz den Angelegenheiten ihrer jüdischen Gemeinwesen. Krakau. (Die Mädchen entführungen in G a l i z i e u.) In Angelegenheit des vor einigen Monaten aus dem Elternhause verschwundenen Mädchens Rachme Weiß hat das Krakauer Landesgericht dem Recurse des Vertreters ihres Vaters, Dr. Landau, Folge gegeben und dem Gerichte in Wieliczka den Auftrag ertheilt, das Mädchen' aufzusuchen und den Eltern zurückzustellen, da der Eintritt in ein Kloster nicht als eine Berufswahl im Sinne des Gesetzes anzusehen sei. Rachme Weiß jedoch, die sich bis vor einigen Wochen noch in dem Kloster in Wieliczka befand, ist von dort verschwunden und es fehlt jede Spur von ihr. Budapest. Der „Ungarisch-israelitisch e L a n d e s f o n d * hat in der Gemeinde Körösmezö (Comitat Marmaros) eine confessionelle ungarische Volksschule errichtet, welche kürzlich unter der lebhaften Theilnahme der christlichen und jüdischen Bevölkerung eröffnet wurde. Das Präsidium des „Landesfonds" vertrat Herr Dr. Franz M e z e y, der die Schule durch folgende, von patriotischem Geiste getragene Rede einweihte, welche zugleich die gemeinnützigen Ziele des „Landesfonds" beleuchtet: „In dem Jahre, in welchem die ungarische Nation ihr tausendjähriges Bestehen feierte, fühlten die vaterländischen Israeliten das seelische Bedürfnis, dem Genius der Nation ihre Huldigung darzubringen. Die Besten der israelitischen Konfession dachten, ihrer Zugehörigkeit zur moralischen Gemeinschaft der ungarischen Nation, ihrer flammenden Vaterlandsliebe in der Weise würdigen Ausdruck zu geben, wenn sie eine Institution ins Leben rufen, die ein ewiges Denkmal der nationalen Aspirationen des Judenthums, eine erfrischende Quelle für seine sich selbst überlassenen, isolirt schmachtenden Glieder sein wird. So entstand der „Ungarisch-israelitische Landesfond", dessen Aufgabe es ist, der Entwicklung der ungarischen Judenschaft in nationalem Geiste zu dienen. Wir thun dies jetzt noch mit bescheidenen Mitteln, doch mit unerschütterlicher Treue für unseren Glauben und mit der ganzen Wärme der Vaterlandsliebe. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß, indem wir unseren vernachlässigten religiösen Institutionen helfen, ungarische Bildung verbreiten, dem Staate arbeitssame und nützliche Bürger erziehen, unftr Landesfond sich unter den culturellen Instituten des Landes einen bescheidenen Platz erbitten und auf die Unterstützung eines jedes Patrioten rechnen darf. Aus dieser Ueberzeugung unsere Kraft schöpfend und auf dem begonnenen Wege fottschreitend, gingen wir an die Gründung von Schulen, und so gelangten wir hierher, in diese idyllisch gelegene Grenzgemeinde, in der wir auf der Front dieser würdigen Stätte unsere Fahne entfalten. Diese Fahne weihten Vaterlandsliebe, religiöse Treue und Nächstenliebe als heilig; blicket auf sie mit warmer Sympathie! Unser Ziel besteht an diesem Ort darin, daß wir für die patriotische Erziehung der Kinder unserer armen Religions genossen sorgen wollen. Wir halten die religiösen Empfindungen unserer hiesigen Brüder in Achtung, denn wir sehen in ihrer Anhänglichkeit an unseren gemeinsamen Glauben eine feste Bürgschaft des Bestehens unserer Religion. Doch auch sie sehen schon die Wahrheit jenes Satzes ein, daß die göttliche Lehre schön ist, wenn sie sich mit weltlichen Kenntnissen paart, ruhmvoll der religiöse Eifer, wenn er mit den

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