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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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rom^«aty7Brriiinrr'n-arniMr- WiJsK&ü Nr. 50 L)r^ S'och's Wochrnschrift. "Seue 895 jährlich K 8000, welche die israelitische Cultusgemeinde der israelitisch-theologischen Lehranstalt zuwendet, bei der Bewilligung an eine Bedingung geknüpft worden, welche bis nun nicht erfüllt wird. Der Cultusvorstand hat die Forderung an seine Subvention geknüpft, daß an dieser Anstalt auch jüdische Religionslehrer ausgebildet werden. Zn diesem Behufe wurde eine sogenannte Unterabtheilung eingerichtet, die sich als unzweckmäßig und verfehlt heraus gestellt hat und darum bald gänzlich aufgelassen wurde. Redner begnügt sich, diese Thatsachen zu constatiren. Der Bedarf an Religionslehrern ist viel größer als der Bedarf an Rabbinern, man muß für einen tüchtigen, pädagogischen Nachwuchs sorgen. Im Laufe des Jahres wird sich vielleicht die Nothwendigkeit einer Aenderung dieser Post ergeben. Cultusvorsteher Dr. Markus Spitzer bespricht die Leistungen der II. Section. Er sei anfänglich selber den Leistungen des Religionsunterrichtes gegenüber kritisch und mißtrauisch gewesen. Die Arbeit in der Section, die langjährige persönliche Beobachtung des Unterrichtes habe ihn die Ueberzeugung gewinnen lassen, daß in der That das Möglichste gethan wird. Die Lehrer geben sich redliche Mühe und sind im Großen und Ganzen ihrer Aufgabe gewachsen. Redner erwähnt mit hoher Anerkennung die von Director Simon ausgearbeiteten Instructionen für die Lehrer. Trotzdem genügen die gesetzlich normirten zwei Unterrichtsstunden wöchentlich nicht für alle Erfordernisse, speciell des hebräischen Unterrichtes. Die Cultusgemeinde hat deswegen für den Unterricht des Hebräischen, dann auch für den Bibelunterricht eigene Schulen eingerichtet, die aber, weil der Besuch nicht obligat ist, verhältnißmäßig wenig frequentirt werden. Die Familienväter, denen es darum zu thun ist, ihre Kinder dem Judenthume zu erhalten, sollten dieselben zum Besuch dieser Schulen ermuntern. Als eine Aufgabe des Cultusvorstand es bezeichnet der Redner die Errichtung einer Lehrerpräparandie zur Heranbildung tüchtiger Lehrkräfte für den jüdischen Religionsunterricht. Derartige Anstalten bestehen in allen Großgemeinden und auch die Wiener wird sich für die Dauer dieser Aufgabe nicht entziehen dürfen. Kais. Rath Wilhelm P o l l a k bringt einen Fall zur Sprache, daß die Kinder an eurer Sammslschule zum Religions^ unterricht gekommen sind, während der Lehrer ausblieb. Die Steuerträger haben ein Recht, zu beanspruchen, daß solche Dinge nicht Vorkommen. Auch die Religionslehrer an den Mittelschulen geben zu erheblichen Beschwerden Anlaß, denen der Redner bei dieser Gelegenheit Ausdruck leihen müsse. Vice-Präsident Dr. Gustav K o h n bemerkt, daß der Vorfall, daß ein Religionslehrer, ein übrigens sehr pflichtgetreuer Mann, wegen plötzlicher sehr schwerer Erkrankung den Unterricht verabsäumte, ein derartiger war, daß die Familie des Lehrers die rechtzeitige Anzeige nicht erstatten konnte. Die Religionslehrer an den Mittelschulen sind nicht Beamte der Gemeinde, sondern vom Staate angestellt. Allein die ausgearbeiteten Instructionen werden den Lehrern durch den k. k. Landesschulrath amtlich zugemittelt werden, so daß in Zukunft auch die Lehrer au den Mittelschulen nach diesen Instructionen, mit deren Abfassung College Director Simon ein classisches Werk geschaffen, sich zu richten haben werden. Cultusvorsteher Director Simon erinnert an die schwierige Stellung des jüdischen Religionslehrers überhaupt und insbesondere jener an den Sammelschulen, welche der unterstützenden Autorität durch die Claffenlehrer und den Schuldirector vollständig entbehren. Die jüdischen Familienväter erachten sich leider nicht für verpflichtet, den jüdischen Religiouslehrer und den jüdischen Religionsunterricht mit dem gebührenden Nachdruck zu unterstützen. In den jüdischen Wählerversammlungen vernimmt man blos Klagen und Anklagen gegen die Vorstandsmitglieder. Redner möchte einmal einer Wählerversammlung beiwohnen zu dem Zwecke, um den Wählern und Mitgliedern der Gemeinde eindringlich die Wahrheit zu sagen. Die Rettung und Erhaltung des Judenthums kann nicht am grünen Tische sozusagen decretirt werden, da muß die ganze Gemeinde, müssen alle Familienväter mithelfen. Präsident kais. Rath Klinger bemerkt, auch ihm möge es gestattet sein, einige Worte zum Fenster hinauszusprechen; er wünsche, daß all; diejenigen, welchen die Erhaltung des Judenthums am Herzen liegt, sich zu einem Appell vereinigen an die Frauen und Mütter in unserer Gemeinde. In jedem unserer Berichte, welchen wir an die Mitglieder herausgeben, versäumen wir es nicht, zu betonen, daß der Religionsunterricht allein die religiöse Erziehung zu bieten nicht im Stande sei; diese muß in der Familie erfolgen. Aufgabe der Frauen und Mütter in erster Linie ist es vor Allem, die junge Generation im Geiste des Judenthums zu erziehen, mit Liebe zum Judenihum zu erfüllen. Ich bin Großvater einer größeren Enkelschaar und preise es als Glück und danke der Vorsehung dafür, daß meine Tächter und Schwiegertöchter es als ihre Pflicht ansehen, die jungen Kinder im religiösen Geiste zu erziehen, in ihre jungen Herzen die Liebe zum Judenthum einzupflanzen. Sie begleiten die Kinder persönlich zum Jugend-Gottesdienst und geben ihnen das Vorbild, Religion und Judenthum zu schätzen und zu achten. Wo das fehlt, da find die zwei Stunden Religionsunterricht wöchentlich ein karger Nothbehelf, damit kann man die Versäumnisse des Hauses nicht wieder gutmachen. Darum haben wir uns an die jungen Frauen und Mütter zu wenden, deren vornehmste Aufgabe ist es. die kommende Generation dem Judenthum und das Judenthum der kommenden Generation zu erhalten. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Nach Annahme des Budgets für die ll. Section schließt der Präsident die öffentliche Sitzung. Die Fortsetzung der Budger-Berathung erfolgt in der Plenarsitzung am 16. December l. I. Wien. (Der Sultan gegen die Zionisten.) Wie der „P o l i t i s ch e n C o r r e s p o n d e n z" aus Consta n t i n o p e l gemeldet wird, hat die Pforte den dortigen fremden Missionen in einer Cireularnote mitgetheilt, daß in Bezug auf die sich nach Palästina begebenden i s r a e l iti scheu Pilger ein eigenes Reglement ausgearbeitet worden sei, welches auf die Verhinderung der festen Ansiedlung der bezeichneten Kategorie vonPilgern inder genanntenProvinz abziele. Zu diesem Zwecke habe die Pforte festgesetzt, daß für die Dauer derartiger Pilgerfahrten (Hin- und Rückreise) ein Maximum von drei Monaten einzuräumen ist. — Das ist der Agitationserfolg der Zionisten, durch welche das Colonisationswerk. vor Allem jene Armen und Unglücklichen, deren letzte Zuflucht die Auswanderung nach Palästina bildet, hart geschädigt werden. Wien. Die Gedächtnißfeier zur Erinnerung an seinen verewigten langjährigen Rabbiner Dr. Ehrwürden Jacob Fleißig, welche der Vorstand des Bethausvereines „Bet-Hachneteih" IH., Untere Viaductgasse 13, Samstag den 9. d. M. um 4 Uhr Nachmittags veranstaltete, zeigte, wie hoch in Ehren der Verblichene nicht blos im lll. Bezirke, sondern auch bei der gesammten jüdischen Bevölkerung Wiens gestanden. Corporationen und Vertretungen aus allen Bezirken und Bethausvereinen waren erschienen, um ihre Verehrung und Hochachtung vor dem Geiste dieses unvergeßlichen Mannes durch die Theilnahme an der Trauerfeier zum Ausdrucke zu bringen. Gleich dem vor einem Monate stattgefundenen Leichenbegängnisse gestaltete sich auch diese Trauerandacht zu einer in ihrer äußern Form zwar schlichten, aber von einer inner« Weihe und Heiligkeit getragenen würdigen und wahrhaft erhebenden Feierlichkeit. Lange vor der festgesetzten Stunde war das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, wobei jedoch, dank der Umsicht des vollzählig erschienenen Bethausvorstandes, die schönste Ordnung herrschte. Vom Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde waren anwesend : Der Präsident kaiserl. Rath Heinrich Klinger, der Vice- Präsident Dr. Gustav Kohn, die Vorsteher Dr. Berger, Doctor Spitzer, Eltbogen. Von der israelitisch-theologischen Lehranstalt: Rector Schwarz, Professor Büchler, Lector Friedmann. Secretär Josef Fuchs. Die Rabbiner Mayersohn, Sor, Löwy, Obercantor Singer, Cantor Blatt, Jnspector Kanitz, Professor Dr. Pollak, Vorsteher Josef Jellinek. In Vertretung der Bethausvereine die Herren: Meisels, Bondy, Kauders, Tausky, Jour, Kann, Werther, Hager, Schwarz, ferner die Herren: Dr. A. Schrecker, Emil Robitschek, Emanuel Robitschek u. v. A. Nach dem Minchegebete und dem von Cantor Schwarz recitirten Trauerpsalme bestieg der Bereinsrabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. Abeles die schwarz drapirte Kanzel, um in einer formvollendeten, sehr wirkungsvoll vorgetragenen Rede von dem Verblichenen, als einem Manne der Wahrheit in seiner Wissenschaft, sowohl als in seinem Leben ein getreues Lebensbild zu entwerfen. Der Nachruf erzielte bei allen Anwesenden einen wahrhaft tiefen und nachhaltigen Eindruck. Wien. Am 9. d. M. fand an der israelitischen Kinderbewahranstalt in Wien, IL, Schiffamtsgasse 15, die alljährliche Gründungsfeier statt, an welcher der gesammte Vorstand unter

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