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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-14 · 50 (14.12.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 60 Dr. Bloch's Wochrnschrist. Sette 891 II. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes fordert eine „jüdische Hausfrau" andere Hausfrauen auf, ihre Erfahrungen in Dienstboteu-A'igelegenheiten für eine angeblich gute Sache zu verwerthen. Es handelt sich um jüdische Dienstboten. Woher sollen nun die Erfahrungen stammen? Hat die den Aufruf erlassende Hausfrau selbst jüdisches Personal? Sollte die geringe Nachfrage nach jüdischen Dienstmädchen wirklich einzig darin begründet sein, daß zu wenig tüchtige Kräfte da sind? Nun, wir wollen der Sache näher an den Leib rücken. Die Fragestellerin behauptet, wir hätten Bedarf an jüdischen Dienstmädchen. Ja, wenn man die wenigen Häuser, in denen heute noch streng rituell gewirthschaftet wird, und die verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsinstitute ins Auge faßt, doch auch da nur mit der Einschränkung, an guten Köchinnen wäre Bedarf. Die übrigen Hausfrauen, ja möchten die nicht am liebsten in Zeitungsannoncen verkünden „Mädchen, nur Christin, gesucht?" Es ist so. Man will den jüdischen Dienstboten nicht. Nicht, weil er arbeitsscheu, nicht weil er der Arbeit unfähig ist; man meidet ihn, weil man fürchtet, er würde bald keinen Unterschied zwischen sich und der Hausfrau kennen. Man scheut das patriarchalische Berhältniß, wie es sich die „sociale Zukunft" gestalten möchte. Und die christlichen Mädcyen? Die gehen ja in den meisten Fällen lieber zu Juden, und haben sie dort nur Einblick in das traute Familienleben genommen, haben sie nur von der ungleich besseren Behandlung gekostet, die man ihnen da zutheil werden läßt, nie suchen die mehr „nur ein christliches Haus". „Die Ausnahmen dürfen in diesem Falle nicht für die Regel gelten". Man spricht uns von „geschulten" Dienstboten. Woher nehmen denn die christlichen Mädchen ihre Schulung? Wo existirt für Christinnen eine Schule, in der „Kochen, Waschen, Bügeln, Flicken, Nähen" gelehrt wird? Sehen wir von der Kochschule des Hausfrauenvereines ab, die einige Mädchen im Kochen erzieht, und da sind es nicht die Kreise, aus denen sich die dienende Classe recrutirt, so gibts keine Schule, die die Christinnen in dieser Art vor uns voraus hätten. Haben unsere christlichen Dienstboten ihre Kenntnisse überhaupt aus Schulen? Nein. Da kommt so ein Mädel aus der Provinz — ihr Vater ist Bauer, Taglöhner oder Arbeiter — und fängt in der Vorstadt bei kleinen Leuten an. Sie wird geschunden, doch sie lernt. Später bessert sie mit ihren gesteigerten Kenntnissen ihre Stellung. Der Jude in der Provinz ist Kaufmann, Gastwirth, Geschäftsmann. Läßt der seine Tochter Dienstbote werden? Gehl er nicht lieber betteln, ehe er sein Kind dienen läßt? Schneidern, Nähen läßt er sie lernen, und Kochen, das lernt sie zu Hause, denn dort hat man es noch nicht unternommen. seine Töchter zu über- und zu verbilden. Und so find in der That die meisten der wenigen jüdischen Dienstboten nicht „Gelernte", die von der Pike auf gedient haben; verschiedene Zwischenfälle haben ihnen diesen Beruf aufgedrängt, und auch da finden wir sie nur als Köchinnen, Wirtschafterinnen, Stützen der Hausfrau. Und nun noch ein Punkt, die sociale Frage betreffend. Ich wende mich gegen die Worte der Einsenderin: „In die Dienstbotenschule locken." Ist das recht? Soll man zum Berufe eines Dienstboten verleiten? Heute zieht es auch die arme Christin vor, Fabriksarbeiterin zu werden, um so ihre Freiheit sich zu erhalten. Warum sollten nun gerade die Juden, deren ursprünglichste Eigenschaft die Hochhaltung der individuellen Freiheit ist, ihr Kontingent zur dienenden Classe stellen? Warum wollen Jüdinnen ihre Glaubensgenossinnen in ein Abhängigkeitsverhältniß locken? Aus all den angeführten Gründen halte ich die Action, die die Einsenderin gewiß in bester Absicht einleiten wollte, für eine ungerechte und verfehlte. N. N. Gegen die jüdischen Schädlinge. Berlin. 3. December. Einen großen Theil der gestrigen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde nahm ein Dringlichkeits-Antrag der Herren Landgerichtsrath Loewe, Leonh. Sachs, Professor Blaschke und W. Loewenthal in Anspruch: daß die Repräsentanten-Bersammlung in einer Resolution gegen die aus jüdischer Feder stammenden Angriffe, welche ein im October- Heft der „Preußischen Jahrbücher" erschienener Aufsatz wider die jüdische Religion und den jüdischen Gottesdienst richtet, Verwahrung einlegen und es als widerspruchsvoll und unehrenhaft bezeichnen möge, die Kinder einem Bekenntnisse zuzuführen, welches man für sich selbst als unannehmbar betrachtet. In eingehender Begründung betonte Herr Landgerichtsrath Loewe, daß der betreffende, vielbemerkte Aufsatz zwar bereits in einigen jüdischen Blättern gekennzeichnet worden sei, daß aber auch die Repräsentanten-Bersammlung dagegen Stellung nehmen möge, weil die darin zum Ausdruck gelangenden Anschauungen hier in Berlin nur allzu sehr verbreitet seien und bethätigt würden, wie ja der procentuale Rückgang der jüdischen Schüler an den höheren Unterrichts-Anstalten mit den zahlreichen Kindertaufen begründet werde. Mit nachdrücklicher Schärfe wendet sich Redner gegen drei Hauptthesen des Pseudonymen Artikelschreibers: zunächst gegen die völlig haltlose Unterstellung, daß unsere Religion uns vom Deutschthum trenne. „Muß man denn Christ sein, um ein Deutscher zu sein? Wir find Deutsche in Sprache und Cultur; keine Seite des nattonalen Lebens im Kriege und im friedlichen Wettbewerb, in Kunst und Wissenschaft ist uns verschlossen. Wir sind Deutsche!" Gleich entschieden müffe die Kühnheit gebrandmarkt werden, mit der dem Judenthum das sittliche Ideal abgesprochen und die jüdischen Feste als „burleske Späße" verunglimpft werden, und schließlich sei es Pflicht, gegen den widerspruchsvollen und unehrenhaften „Ausweg" der Kindertaufen Front zu machen. Der Berfaffer entstamme augenscheinlich einer Zeit, in der die Jugend nicht genügend im Judenthum gekräftigt wurde, und sein Aufsatz enthalte die ernste Mahnung: unsere Kinder zu unterweisen in der Geschichte, zu erziehen in der Religion des Judenthums und Lehrer heranzubilden, welche diesen Aufgaben gewachsen find. Herr Professor Lewin schließt sich diesen Ausführungen an und kennzeichnet in kraftvollen Accenten das Gebühren des Pseudonymus, der sich erdreiste, die Juden zu schulmeistern, ohne selbst vom Wesen des Judenthums eine Ahnung zu haben. Die Resolutton wird einstimmig angenommen. Sie Cultuswahlen in Brünn- Auch der Brünner Judenfchast durste die Spaltung im eigenen Lager nicht erspart bleiben in einer Zeit, wo es des Zusammenfaffens aller Kräfte bedurfte, um uns der Dränger zu erwehren, die, nach unserem Blute lechzend, vor der Wiederbelebung der unsinnigsten Beschuldigungen nicht zurückschrecken — so wollten es einige Stürmer und Dränger. Darum sollten die heutigen Ergänzungswahlen in den Vorstand der Cultusgemeinde auch hier unter Kampfeslosung vollzogen werden, und nachdem das Wahlresultat ergeben hat, daß die bisherige Haltung des Cultusvorstandes von mehr als zwei Drittel der an der Wahl sich Berheiligenden gebilligt wurde, erscheint es den unterlegenen Unzufriedenen als unabweisliche Nothwendigkett, in mehreren Zeitschriften die Majorität theils als erschlichen zu bezeichnen, theils die ihrer Parole sich nicht blind unterwerfenden. Wähler als im politischen Leben ganz unerfahren zu bezeichnen. Ich suche hier absichtlich nach euphemistischer Umschreibung der gegnerischerseits gebrauchten, viel kraftvolleren Ausdrucksweise, weil ich weit davon entfernt bin, die Gegensätze verschärfen zu wollen, vielmehr eine Verständigung anbahnen möchte, mag die Aussicht auf Erfolg eine noch so geringe sein. Bon diesem Gesichtspunkte ausgehend, ist es mir erwünscht, daß ich ein wenig verspätet von den Angriffen der „Welt" und des „Jüdischen Volksblattes" in Wien und der „Jüdischen Bolksstimme" hier, Kenntniß erhielt, und daß ich erst jetzt zur Feder greife, wo der Pulverdampf des Wahlkampfes sich schon wieder ein wenig verflüchttgt hat. Die Berichte der genannten drei Blätter find alle auf einen Ton gestimmt und weisen so auf eine gemeinsame Quelle hin. Was da von Wahlbeeinflusiung gesprochen wird, bedarf keiner Widerlegung. Wenn von rund 1200 Wählern 700 an der Wahlurne erscheinen und unter diesen über 500 der bisherigen Cultusvorstehung ihr Vertrauen kundgeben, läßt sich diese Th a ts a ch e nicht mit der wohlfeilen Phrase von der Macht des Capitals und überragender socialer Stellung aus der Welt schaffen, und so lange bei Wahlen das Majoritätsprincip Geltung hat, kann die unterliegende Minorität sich bestenfalls nur mit dem allerdings in einem polnischen Landtage gesprochenen Dichterworte trösten, daß die Mehrheit Unsinn, Verstand stets nur bei Wenigen gewesen sei. Und wenn der Mehrheit Wahlpraktiken zum Borwurfe gemacht werden, so bedarf es nicht einer Widerlegung dieses würdelosen Borwurfes, vielmehr nur des Hinweises darauf, daß die unterlegene Minderheit den angedrohten Protest gegen die Giltigkeit der Wahl Unterlasten hat, wahrscheinlich doch nicht aus sonst nicht zu Tage tretender Rücksicht für Diejenigen, die nicht auf den Zionismus schwören. Bon etwas Jntereffe dürste dagegen eine ungeschmintte Darstellung der von der Gegenseite in der Wahlbewegung eingenommenen Haltung und der der Wahl vorhergehenden Einigung--

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