Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-12-07 · 49 (7.12.1900) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021381--10431-3034912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

N. 49 Sette 879 Dr. Vloch's Wochenschrift auf deu Friedhof gab, bemerkte man unter Anderen den Landes- Sanitätsinspector Dr. S. Spitzer, der ebenfalls ein Verwandter des Verstorbenen ist, ferner den Finanzrath Dr. Kohn aus Brünn, einen Vertreter der Bezirkshauptmannschaft in Ungarisch- Hradisch, den Bezirksrichter von Ungarisch-Ostrau, den gekämmten Gemeinderath und zahlreiche Bürgermeister und Ortsvorsteher der Umgebung, sowie Vertreter aller benachbarten Cultusgemeinden. Budapest. (In der israelitisch-ungarischen literarischen Gesellschaft verlas am 20. v. M. Prof. Bernhard Heller eine interessante Studie. »Das Judenthum in der Pariser Ausstellung". Nach einer Revue über die Rolle und die Sammlungen der einzelnen Consefsionen auf der Pariser Weltausstellung constatirte der Vortragende, daß das Judenthum ohne Plan und System in andere Kreise hineingerathen sei. Dieser Mangel sei umso auffälliger, als ja auf der vorherigen Pariser Ausstellung eine so glänzende Sammlung jüdischer Ceremonialgegenstände zusammengestellt war, die jetzt im Cluny-Museum untergebracht ist und eine ständige Anziehungskraft bildet. Redner erörtert sodann ein nach dem Muster des Cluny-Museums, des Louvre und anderer Museen zusammengestelltes Programm für eine jüdische Expositionsgruppe. — Hierauf las Präparandie-Profeffor Ludwig Palagyi seine an poetischen Schönheiten reiche Abhandlung »Die Frauen der Bibel". Vortragender skizzirte die sociale Stellung der Frauen in der palästinischen Aera und gelangte zu der Ueberzeugung, daß die Frauenemancipation damals mehr entwickelt war als heute. Beide Vorträge fanden den lebhaften Beifall des zahlreichen distinguirten Publicums. Budapest. Löbliche Redaction! Ich bitte um Aufnahme nachstehender Zeilen in Jdrem geschätzten und vielgelesenen Blatte: In der Nummer 48 Ihres Blattes lesen wir einen Artikel, in welchem Herr G. Brandeis in geringschätzender Weise über die billige Mildthätigkeit, welche der Budapester Cultusvorstand unseren hartbedrängten rumänischen Glaubensgenossen zu Theil werden ließ, urtheilt. Zur Rectificirung dieser Zeilen erlaube ich mir Folgendes zu antworten: Jeder Durchzug der rumänischen Emigranten wurde von Seite des hiesigen Cultusvvrstandes, und zwar von der Wohlthätigkeitssection, sowohl mit Nahrungsmitteln als auch mit Geld unterstützt, und als der letzte Transport von 300 Familien hier anlangte, welche das trockene Land nicht betreten durften und ihnen auch die Weiterreise nach Wien ohne Reisegeld verboten wurde, da war es wieder der Budapester Cultusvorstand, welcher ein Comite bildete, an dessen Sp tze der hiesige Oberrabbiner Dr. Cohn eine Sammlung einleitete, wo ohne Unterschied der Confession in dem kurzen Zeitraum von 7 Tagen die ansehnliche Summe von 111.000 K gesammelt wurde, um unseren schwergeprüften Glaubensbrüdern die Weiterreise nach Canada ermöglichen zu können. Herr G. B r a n d e i s dürfte dies seinerzeit auch gelesen haben, demzufolge ich seine geringschätzende Sprache über den hiesigen Cultusvorstand auf das Entschiedenste zurückweise. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung Sigmund Läufer. Braffü. Hochgeehrter Herr Redacteur! Herr G. Brandeis fühlte sich durch das gedruckte Wort zionistischer Blätter veranlaßt, ein abfälliges Urtheil über die Hilfsthätigkeit der »Israelitischen Allianz" zu Wien in Sachen der Auswanderung rumänischer Juden zu fällen. Als nun vor einigen Tagen die »Wiener Allianz" ihren Bericht und nicht »eine Antwort gegen die Anklage der Zionisten" dem Drucke übergab, machte er »Kehr' um" und griff an deren Stelle die Budapester Cultusgemeinde an, indem er ihre Theilnahme eine »billige Wohlthätigkeit" und , Transito-Hmnanität" nennte. Gestatten Sie mir daher, geehrte Redaction, daß auch mein Wort in Druck erscheine, vielleicht würde dieses deu Herrn Br an d eis dahin bestimmen, seine Meinungsäußerung bezüglich der Budapester Cultusgemeinde auch zu ändern. Nicht als wollte ich genannte Cultusgemeinde dem Herrn Brandeis gegenüber in Schutz nehmen und vertheidigen; fie ist deffen, wie auch die Allianz, nicht bedürftig. Da aber die Schuld, die man der Cultusgemeinde in die Schuhe sckiebt, nicht sie — sondern mich betrifft, weil ich fie in dieser Sache zu vertreten die Ehre hatte, fiihle ich mich veranlaßt, einige Aufklärungen in dieser verwickelten Angelegenheit der Oeffentlichkeit zu bieten. Mitte Juni laufenden Jahres erschien hier ein Trupp von 42 jungen Leuten, welche von hier zu Fuß nach Wien wollten, um von dort, wie fie sagten, vorläufig nach Canada zu reisen, von wo sie dann Dr. Herz! ins gelobte Land führen werde. Trotz meiner Mahnungen und Beweisführungen, daß sie einem Spaßvogel aufgeseffen find, blieben fie beharrlich und wollten die Reise »per peckes apc>8to1orum" fortsetzen. Da war wenig Zeit, nachzudenken und nicht möglich, fie hier auf Kosten der hiesigen Gemeinde zu behalten, ich veranlaßte daher, daß die Gemeinde sie per Bahn nach Budapest schickte. Da der Aufenthalt rumänischer Auswanderer hierzulande verboten ist und ich die Garantie übernahm, daß diese das ungarische Territorium verlassen werden, fuhr ich selbst nach Budapest, um dort ihre Weiterreise zu veranlassen. Ich sprach mit dem Vorsteher der Cultusgemeinde. der mir bereitwilligst Alles gewährte, was ich für diese und für eventuell später ankommende Emigranten verlangt habe, meinte aber doch, wir sollen nicht so blindlings in die Sache eingehen, ehe wir die Garantie haben, daß sie vonWienohneSchwierigkeiten weiter expedirt werden. Auch ersuchte er mich, da ich an der Grenze wohne und mit rumänischen Glaubensgenoffen in Beziehung stehe, ich solle einige der größeren Städte Rumäniens besuchen und die armen Leute von dieser Maffenauswanderung nach Möglichkeit zurückhallen. Ich wollte nach Hause, da erhielt ich eine Depesche, daß einige 70 Emigranten in Braffü angelangt find, harrend oer Weiterbeförderung. Ich ließ auch diese kommen auf Kosten der Budapester Cultusgemeinde und nach Wien expediren. Nachher erwirkte die Budapester Gemeinde ermäßigte Fahrkarten, die ich als deren Bevollmächtigter an die Emigranten vertheilte. Am 10. Juli erhielt ich eine Depesche von der Budapester Gemeinde und gleich darauf auch von der Wiener Allianz, die Emigranten bis auf Weiteres hier im Lande und an der Grenze zurückzuhalten. Ich telegraphirte und schrieb nach mehreren Städten und an viele Gemeinden Rumäniens, die Auswanderer zurückzuhalten, aber ohne jeden Erfolg. Im Gegentheil sammelten sich an der Grenze zu Predeäl mehrere Trupps bis auf 643 Personen an. Da ich hörte, daß die unglücklichen Glaubensgenvffen in Rumänien meine Depeschen und Briefe als gefälscht erklärten und an die Einstellung der Maffenauswanderung nicht glauben wollten, hielt ich es für angemeffen, die Reise zu unternehmen, zuvor aber schrieb ich nach Budapest und Wien wegen der PredeÄer Trupps und erhielt die Antwort, fie nach strenger Sichtung zu schicken. Das war aber unmöglich! Da ich aber wußte, daß die 643 Auswanderer kaum die Reisespesen nach Wien haben, war ick überzeugt, daß fie ohne meine Hilfe und Reduction nicht fahren können. Ich entsprach daher dem Wunsche der Budapester Cultusgemeinde, ging nach Bukarest, Braila, Galatz, Jaffy und klärte das Volk durch öffentliche Vorträge über die Sachlage auf und beruhigte es. In Bukarest überfielen mich mehrere angesehene Herren und baten mich, bei der Versicherung, weitere Auswanderung selbst zu unterdrücken, noch diesen 643 Auswanderern die Durchreise zu ermöglichen. Ich machte fie auf die bevorstehende Katastrophe, die da eintreten könnte, aufmerksam, aber auch das nützte nicht. Wenn fie einmal in Wien find — sagten fie — so wird die Allianz sie schon weiter befördern. Ich verließ Bukarest in der größten Hoffnung, Alles am besten ausgerichtet zu haben; allein einige dieser Herren, nachdem fie sich den Hergang solcher Expedition haben erklären laffen. gingen nach Braffü und benützten meine Abwesenheit zu diesem — wie die Allianz ihn nennt — „frommen Betrug". So gelangten plötzlich diese 643 Auswanderer zur Ueberraschung der Cultusgemeinde nach Budapest, die fie in der Meinung, daß ich fie geschickt und somit auch der Allianz geschrieben habe, ohneweiters nach Wien expedirte. Die Pester Gemeinde frug mich, auf welche Beranlaffung ich diese geschickt habe und, nachdem sie erfuhr, daß ich nicht zu Hause sei, merkte fie, woran fie ist, und avifirte schnell die Ankunft dieser Maffentruppe der Wiener Allianz. Das der Sachverhalt! Empfangen Sie, geehrter Herr Redacteur, den Dank für Ihre Güte und den Beweis meiner Hochachtung. Braffü den 2. December 1900. Dr. Ludwig Rosenbaum, Rabbiner. Zum Konitzer Proceß. Aus Berlin wird gemeldet: Das Schwurgericht in Beuthen (Oberschlefien) verurtheilte den Privatschreiber Paul Orda aus Kattowitz wegen wiffentlichen Meineids zu fünfjährigem Zucht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.