Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 880 Dr. Vlvch's WorttrnMrrttl Nr. 49 Haus und zehnjährigem Ehrverlust. Orda hatte in einem an die Staatsanwaltschaft gerichteten Schreiben Jsraelski der Ermordung des Gymnasiasten Winter beschuldigt. Als er hierauf in Kattowitz eidlich vernommen wurde, bekundete er, er sei am 11. März in Könitz gewesen und habe gesehen, wie Winter von zwei Männern, anscheinend Juden, überfallen und in einen Wagen geschoben wurde, der dann schnell davongefahren sei. Einer der Männer hätte den anderen Jsraelski gerufen. Die angestellten Ermittlungen ergaben, daß die Behauptungen Ocda's erfunden waren, da er am 11. März in Zajodzie bei Kattowitz einen Halbpaß gelöst hatte. Ern jüdisches Fürstengeschlecht in Rußland. Der vor Kurzen erfolgte Tod des Fürsten Alexander Konstantinowilsch I m e r e t i n s k y, des General-Gouverneurs von Warschau, erweckt die Erinnerung an eine interestante genealogische Legende, die in dem Geschleckte der Jmeretinsky gleichsam als Fauliliensage fortlebte und noch heute gewahrt wird. Die Familie Jmeretinsky bildet nämlich einen Zweig des russischen Fürstengeschlechtes B a g r a t i o n, welches seine Abstammung bis auf den König David zurückführt. Auch der byzantinische Kaiser Constantin Porphyrogeneta bezeugt in seinen Annalen, daß die Bagratiden von König David abstammeu. Bezeichnend für die ernste Austastung dieser Tradition in dem Geschlechte derer von Bagration erscheint der Umstand, daß der russische „Gotha", das „Annuaire de la noblesse de Russie contentant les princes de l’empire“, gedruckt in der kaiserlichen Druckerei zu Petersburg, sich auf das Ausführlichste mit der jüdischen Abstammung des Fürstengeschlechtes Bagration-Jmeretinsky befaßt und nachdrücklich betont, daß die Fürsten Jmeretinsky an ihre Abstammung vom König David glauben, und daß keine andere souveräne Dynastie einen so alten Ursprung historisch Nachweisen könne. In der Tbat kommt in der Genealogie der Bagratiden des Oesteru der Name David vor. So gib es einen David J.f der im Jahre 881 starb, dann einen David II., genannt Je Reparateur“, u. s. f. Diese Träger der Fürstenkrone von Bagratiou bekannten sich, so heißt es in dem „Annuaire de la noblesse de Russie“ zum jüdischen Glauben und seien erst durch Verfolgungen aller Art genöthigt worden, ihren alten Glauben abzuschwören und Christen zu werden. Um welche Zeit die Bagratiden das Christenthum angenommen haben, steht nicht fest. Es ist nur bekannt, daß einzelne Mitglieder des bagratidischen Fürstenstammes im fünfzehnten Jahrhundert Mönche gewesen sind. Odessa. (Die Zukunft der jüdischen Taglöhner r u P a l ä st i n a) beschäftigt die jüdische öffentliche Meinung in Rußland überaus lebhaft. Da neue Anpflanzungen in den jüdischen Colonien Palästinas, so lange der Palästinaverein sich den Weltmarkt noch nicht erobert hat, nicht gemacht werden, sehen sich 300 jüdische Taglöhner, von denen der größte Theil seit 10 Jahren den palästinischen Boden als Landarbeiter bebaut, ohne Arbeit und zur Auswanderung gezwungen. Die Auswanderung von fleißigen, zum Ackerbau geeigneten, jüdischen Elementen aus Palästina ist aber für die Freunde des heiligen Landes, welche in der Förderung der Emigration nach Palästina eine der wichtigsten Aufgaben des modernen Judenthums erblicken, ein schmerzlicher Gedanke. Da alle bei der Jewish Colonisation Association gemachten Versuche, die 300 jüdischen Taglöhner in neu zu gründenden Colonien anzusiedeln, ohne Erfolg waren, suchen die Palästinafreunde in Rußland die zur Unterstützung der jüdischen Taglöhner beim Obessaer Comite bestehenden Fonds, denen während der Feiertage des Monats Tischri nicht weniger als 25.000 Francs zugeflossen sind, zu verstärken. Außerdem wurde in Odessa ein Specialfond zur Errichtung von Taglöh nercolonien gegründet, den das Odeffaer Comite aus seinen laufenden Einnahmen um weitere 25.000 Francs verstärkt hat. Da endlich für diesen Specialfond fortwährend ganz bedeutende Spenden einlaufen (so aus Wilna circa 4000 Francs), so glauben die Freunde der Colonisation Palästinas die Zeit nicht gar so fern, wo diese Fonds auf 200.000 Francs steigen werden. Haben aber so die russischen Juden auf dem Wege der Selbsthilfe diesen Betrag aufgebracht, so ist, wie aus bester Quelle mitgetheilt wird, sicher zu erwarten, daß auch die Jewisli Colonisation Association anderen Sinnes werde und ihrerseits 300.000 bis 500.000 Francs zuschießen werde. Sie dürfte dieses umso eher thun, als die Auswanderung der Taglöhner sammt ihren Familien nach Argentinien, deren Kosten zu bestreiten die Jewisli Colonisation Association bereit ist, ihr fast ebenso treuer zu stehen kommen werde, wobei sie noch das Odium auf sich laden würde, jüdische Ackerbauer zum Auszug aus Palästina angetrieben zu haben. Vermischtes. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien (I., Seikenstettengasse 4, II. St.) findet am Sonntag, 9. December 1900, 10 Uhr Vormittags, statt. Tagesordnung: Budgetberathung (§ 96 Statut). Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat den Procuristen des Hauses S. M. v. Rothschild, Herrn Emil Horner, Cultusvorsteher, das Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens verliehen. In dieser kaiserlichen Auszeichnung liegt die Anerkennung für eine ganz ungewöhnliche, seit vielen Jahren mit Hingebung geübte humanitäre und gemeinnützige Thätigkeik. Wien. (T r a u u n g.) Im Seiteustettentempel fand Sonntag den 2. d. M. die Trauung des Fräulein Gisela Klein, Tochter des Beamten der Staatseisenbahn-Gesellschaft Sigmund Klein, mit dem Steueramtsofficial der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Adolf Popper statt. Die rege Sympathie, deren sich der Herr Bräutigam, der durch ein Decennium als pflichtgetreuer Beamter unserer Cultusgemeinde thätig ist, erfreut, kam an seinem Hochzeitstage deutlich zum Ausdrucke. Man lemerkte im Tempel: den Präsidenten der isra"litischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Kling er, Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern, die Vorsteher Baurath Ritter v. G o l d s ch m i d t, Banrath S t i a ß n y. den I. Secretär kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben, Amtsvorstand Wiener, die dienstfreien Beamten der Cultusgemeinde, höhere Beamte der k. k. Polizeidirection, der Staatseisenbahn- Gefellschast u. v. A. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n nahm die Trauung vor und hielt an das Brautpaar eine schmeichelhafte Ansprache, in der er die Tugenden der Brauteltern und des Brautpaares rühmlichst hervoryob. Herr Obercantor Singer besorgte die cantorale Function in erhebender Weife. Wien. Am Sonntag den 9. d. M., präcise 1/„ II Uhr Vormittags, findet, wie alljährlich, auch heuer in Sohr'e Restauration, II., Circusgasse, seitens der dort bestehenden Humanitären Tischgesellschaft die Betheilung alter, dürftiger und würdiger Glaubeusbrüder mit completer Winterkleidung statt, wozu die Gönner und Freunde dieser gewiß schätzenswerthen Humanitären Thätigkeit willkommen sein werden. Wien. Der Bethausvorstand für den Xll. und XV. Bezirk hat Herrn Cautor Julius S m o t r i tz k y eingeladen, Freitag den 7. d. M. Abends und Samstag den 8. d. M. Morgens im israelitischen Tempel, XV., Turnergasse 22, Probevorträge abzuhalten. Wien-Ottakring. Der Verein zur Ausspeisnng armer israelitischer Schulkinder des XVI. und XVII. Bezirkes veranstaltet Samstag den 15. December a. c. in Gschwandner's Saallocalitäten, XVll.. Hauplstraße 41 eine Wohlthätigkeits-Akademie, verbunden mit Tauzkräuchen. In Anbetracht des humanen Zweckes haben bedeutende Kuustkcäfte ihre Mitwirkung zugesagt. Eintritt per Person 1 X 40 Ir. Dieser wahrhaft humane und nothwendige Verein, der täglich 60 arme jüdische Kinder ausspeist, verdient allenthalben Unterstützung. Wien. (G e d ä ch t n i ß f e i e r.) Sonntag den 9. Decembcr l. I., um 4 Uhr Nachmittags, findet für den verstorbenen Rabbiner Se. Ehrwürden, Herrn Jakob Fleißig, im Bethause, Untere Viaductgassr Nc. 13, woselbst der Verewigte mehr als 25 Jahre als Vweiusrabbiner thätig war, eine Trauerandacht statt. Die Gedächtnißrede hält der Vereinsrabbiner Se. Ehrwürden Herr Dr. A b e l e s. Wien. Der Verein „Ferienheim" veranstaltet am Sonntag de» 13. Jänner 1901 zu Gunsten des Kaiser Franz Josef-Ferienheims eine höchst interessante Theatervorstellung, und zwar wird die seit vielen Jahren in Wien nicht aufgeführte Operette „Angot" von Lecqnoc unter Mitwirkung von hervorragendsten Kunstkräften zur Darstellung gelangen. Wien-Josefstadt. Der israelitische Frauen- Wohlthätigkeitsverein veranstaltet am Samstag, den 8. December d. I., von 4 bis 6 Uhr Nachmittags, im Hotel de France, I, Schottenring, eine Kinderbekleidung, zu welcher die Vereinsleitung die verehrten Mitglieder und Gönner um recht zahlreiches Erscheinen bittet.