Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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src. 49 Vr. BTmJiV MnchenfchrM Seite 877 müßte. Gerade die Weglassung des „Pro" und die bloße Berufung auf das „Contra" läßt uns vorahncn, was von diesem Manne zu erwarten ist: eine einseitige Handhabung der ihm übertragenen Gewalt im Sinne einer einseitigen Parteianschauung. Schule und Gewerbe, Handel und Bauwesen, Arbeit und Verkehr hängen im Wesentlichen von den Entscheidungen des Magistrats ab, auf Armen- und Hunianitätstvesen, auf Leben und Erwerb nimmt er einen bedeutenden Einfluß; von seiner Entscheidung hängt die Existenz Tausender Familien ab, seine Vorkehrungen geben den politischen Wahlen Richtung, es ist also nicht gleichgiltig, ob an der Spitze der politischen Behörde in der Residenz ein Mann von unbeugsamen Charakter steht oder ein schwankes Rohr, das von der Parteien Hauch bewegt wird. Da begreift es sich wohl, daß man der Ernennung Preyer's mit sehr viel Mißtrauen entgegensieht. A. Wiener. Wien. (Die Cultuswahle u.) Dienstag den 4. December fanden die Wahlen aus der Curie der Höherbesteuerten für die Repräsentanz dcr Wiener israelitischen Cultusgemeinde statt. Zu Cultusvorstehern mit sechsjähriger Amtsdauer wurden gewählt die Herren : - Rudolf A u s p i tz, Dr. Josef Breuer, David Ritter v. Gut m a n n, Dr. Felix K a tz a u, Moriz Edler v. Kuffner, Wilhelm K u f f n e r, Dr. Arthur K u r a n d a, Leopold Edler v. Liebe»., Commerzienrath Leopold Pollack, Oberbaurath Sigmund T a u s s i g, Director Theodor Ritter v. T a u s s i g, Commercialrath Jonas Weil. Zu Vertrauensmännern wurden gewählt die Herren: kaiserlicher Rath Bernhard Bücher, Director Moriz Bauer, Sigmund Ritter v. B a u e r, Dr. Eugen Ritter v. B o s ch a n, Moriz B. Eißler, Commercialrath Alexander E n g e l d e I a n o s y, David F a n t o, Alexander Fischel, Philipp Fl ei sch l, Julius Frankl, Ignaz Gew it sch, Director Eduard Groag, Josef Jerusalem, Theodor Kantor, Salomon Kohnberger, Leopold Langer, Gottlieb Lederer, Alois Lemberger, Sigmund Mandl, die kaiserlichen Räthe Bernhard und Friedrich P o l l a k, Commercialrath Wolf Polaczek, Max v. Portheim. Max Q u i t t n e r, Leopold Sachs, die kaiserlichen Räthe Naumann S ch e f f t e l und Max N. Schiff, Commercialrath Kart Schütz, Berthold Schwitzer, Ignaz S ch i n k o, Bernhard Steinhof. Julius Stern, Dr. Alfons T h o r s ch, kaiserlicher Rath Friedrich B o g l, Julius Wolf und Donat Zifferer. — Sonntag den 2. December hat die erforderliche Stichwahl stattgefunden. Für ein Mandat mit sechsjähriger Amtsvauer wurde Herr Hermann E l t b o g e n, für ein solches mit vierjähriger Amtsdauer Herr Isidor G e w i t s ch gewählt. Antisemitische Corrnption. Von dem Wiener Gericht ist der Secretär der antisemitischen Schneidergenossenschaft Swoboda zu mehrjähriger Kerkerstcafe verurtheilt worden. Swoboda ist auf sechs Jahre in den Kerker geschickt worden, aber seine Person war es nicht, die dem Proceß Farbe gegeben hat. Das Einzige, was ihn von vielen anderen Schwindlern unterscheidet, daß er nämlich so religiös erzogen wurde, daß er als Schneidergeselle noch ins Kloster ging, um Geistlicher zu werden, und dabei Gelegenheit hatte, von den Jesuiten feine Sittlichkeit läutern zu lassen, ist nach den vielen Erfahrungen, die man mit Frommen machte, kein charakteristisches Merkmal dieses Betrügers. Zahlreichen „kleinen Leuten",die zu schirmen und zu schütz n die Christlich-Socialen als den Zweck ihrer Partei ausgeben, ist ihr schwer erworbenes Geld aus den Taschen gezogen worden, aber nicht, weil ein gewesener Jesuitenordensbruder in der höheren Gaunerei bewandert war, sondern weil die hervorragendsten Vertrauensmänner der Christlich-Socialen, ihre Besten, den Diebstahl nicht als unehrenhaft ausehen. Da ist ein Mann, der von der Welt nicht mehr weiß, als daß Lueger und Ernst Schneider die glänzendsten Gestalten des Jahrhunderts sind. Er wird Vorsteher einer Corporation, die siebentausend Mitglieder und eine Million Vermögen hat, er bekommt andere Würden und Auszeichnungen. Zu ihm kommt ein junger Mann, der lesen und schreiben kann und etwas Beredsamkeit hat. Ec wird sofort der erste Beamte dieser Körperschaft. Daß er ein Dieb ist, kann der hervorragende Christlich- Sociale leicht erfahren, er braucht nur einen bekannten Parteigenossen, zu befragen. Und er hat guten Grund, in der Auswahl seiner Leute vorsichtig zu sein, denn einmal hat er schon einen Lumpen wirthschaften lassen, der dann eingesperrt wurde, der neue Mann defraudirt eine große Summe. Der gütig, es ihm zu verzeihen und das Verbrechen vor thümern des Geldes zu verheimlichen. Der Defraudant setzt m t immer größerer Kühnheit sein Handwerk fort. Der Vorsteher der Genossenschaft breitet wieder den Mantel der Nächstenliebe darüber. Ec verlangt nur Ersatz des Schadens. Und der Verbrecher, der ganz vermögenslos ist und nur ein geringes Einkommen hat, ersetzt wirklich die veruntreute Summe, und dabei lebt er noch in Saus und Braus. Der Vorsteher sieht das mit Vergnügen an. Ec weiß wohl, woher das Geld kommt. Es wurde den Leuten herausgelockt, die vom Gesetze gezwungen werden, ihre „Interessen" durch die Genossenschaft schützen zn lassen, und für diesen Schutz noch bezahlen müssen. Der Vorsteher bezieht ein großes Einkommen aus den Summen, die arme Lehrlinge und Gehilfen entrichten müssen, und er sieht seine Aufgabe darin, die Leute, die sich nunmehr uuter dem Zwange des Gesetzes seinem Schutz anvertrauen, einem Betrüger in die Arme zu treiben, weil er hofft, daß das Geld des Betrügers die Gefahren bannen wird, die ihn selbst bedrohen, denn auch er hat Ursache, vor dem Strafgericht zu zittern, und vor seinem Mitwisser muß er sich in Acht nehmen. So konnte durch lange Jahre der Schwindel fortgesetzt werden. Zwei Ehrvergessene arbeiteten sich gegenseitig in die Hände. Den Einen hat endlich der Staatsanwalt gepackt, der Ändere ist aber noch immer in Amt und Würden. Er hat zwar blutarme Leute um ihre letzte Habe gebracht, aber die christlichsocialen Hüter des Privateiger.thums berührt das nicht. Sie stören ihn nicht und finden an ihm keinen Makel. Darin gleichen sie sich Alle, ob sie durch die Gunst der Wähler zu Würven gekommen oder ob sie öffentliche Beamte sind. Beamte des W i e n e r Magistrats haben in ihrer dienstlichen Thätigkeit erfahren, daß die Leute in der Schneidergenoffenschaft betrogen werden. Sie wissen, daß sie ein Theil der Behörde sind, die die Genossenschaft zu beaufsichtigen hat, aber sie rühren sich nicht. Wozu auch einen Parteigenossen in das Unglück stürzen? Die Beamten des Herrn Lueger schicken die Leute, die sich über den Gauner beklagen, zu diesem zurück, und sie thun noch mehr. Sie hören, daß die Partei in der Genossenschaftskanzlei das Gewerbe angemeldet hat. aber statt sich zu erkundigen, ob es wahr ist, strafen sie die Hilfesuchenden mit Geld und sperren sie ein. Der Betrug ist der Befähigungsnachweis zum Christlich-Socialen, und seine befähigtsten Parteigenossen muß der Magistratsbeamte schonen. Die schauderhaften Dinge, die der Proceß zu Tage gefördert hat, würden in jeder anderen Stadt das Bürgerthnm mit Scham erfüllen. Wien hat aber neben seinem F«mzl seinen Purscht, und neben seinem Purscht seinen Vergani, und neben seinem Vergani seinen . . . Na, man kennt ja die Gesellschaft. Wien. (Brigittenauer Bethaus - Verein.) Am 29. November fand im Saale des „W e i l a n d h o fes" im XX. Bezirk die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, der man seit mehreren Wochen in der Brigittenau mit Spannung und Interesse entgegensah. War sie doch die Vollversammlung des heurigen Jahres, das durch die Vollendung des herrlichen Gotteshauses, eines wahren Schmuckkästchens von Innen und Außen, in der Geschichte dieses Vereines immerdar denkwürdig bleiben wird. Diesem Interesse entsprach auch der Besuch; der Saal war in allen seinen Theilen gedrängt voll; unten saßen und standen die Mitglieder, während auf den Galerien zahlreiche Damen anwesend waren. Herr Obmann E l t b o g e n begrüßte auch nach Eröffnung der Versammlung die zahlreich erschienenen Mitglieder; den Vertreter des Cultusvorstandes Herrn Dr. Alfred Berger und richtete auch einige Worte des Dankes an die erschienenen Damen. Ueber den Bericht des Vorstandes entspann sich eine kurze Debatte, die mit dem Anträge endigte, dem Vorstand das Absolutorium, die wärmste Anerkennung auszusprechen. Hierauf wurde zur Wahl geschritten, an welcher nicht weniger als 166 Mitglieder theilnahmen. Während des Scrutiniums wurde über „Personalangelegenheiten" berathen und nach einem von Herrn Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger hiezu gesprochenen Entrefilet und nach einer wenn auch regen, so doch maßvollen Debatte dem Vorstande eine Commission von zwölf Vertrauensmännern zur Erledigung dieser Angelegenheit an die Seite gegeben. Schließlich wurden die Herren Dr. Heinrich Schreiber, unter dessen ^Mannschaft die Actio« zur Errichtung eines Tempels kraftvoll Leitet, Hermann E l t b o g e n, unter dessen Obmannschast 'ction mit Energie und Umsicht weiter und zu Ende ge-