Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 49 Lejte 878 Juden nur als Bürger zweiter Classe mit beschränkten Rechten behandeln . . "D a s wird aber anders, wenn sie in Palästina einen wohlgeordneten, ügenen nnd selbstständigen Staat bilden . ,!>" »Dann kann man auf einen Tag die Juden vor die Option stellen mit der Frage, wollt ihr Juden sein, Bürger Palästinas, dann werdet ihr n u r d i e Rechte und Pflichten von ausländischen Niedergelassenen bei uns haben und euere Eonsule werden wachen, das; ihr in keinem dieser Rechte gekränkt werdet; aber wollt ihr echte volle Deutsche sein, dann werdet ihr es ganz und voll werden müssen, dann müßt ihr die B e s ch n e i d u n g, das unauslöschliche M e r t m a l d e s I u d e n st a m m e s und der jüdischen Nationalität, a u s g e b e n. Desgleichen die Speiseverbote, welche euch mit Deutschen zu essen und zu trinken verbieten; desgleichen Werder ihr euch mit den deutschen Tobten in gleicher Reibe und nicht an gesonderler Stätte begraben lassen müssen, dann müßt ihr. auch den Sabbath aufgeben, der euch hindert, mit den Deutschen zu arbeiten und zu ruhen Dann sollt ihr aller Deutschen Ehre und Ehrenstellen, falls ihr euch würdig zeigt, theilhaftig sein, dann werdet ihr allmälig euer jüdisches Temperament, euere jüdische Körperconstitution und Physiognomie verlieren und in der deutschen Race aufgehen nnd dann seid ihr Deutsche, gegen die wir keine Antipathie mehr hegen. Das wird eine gründliche, z w a ngslose Lösung der Juden frage sein, denn es wird in jedes Juden freiem Willen gelegen sein, das Judenthum und die jüdische Nationalität oder das Deutschthum und deutsche Nationalitä zu optiren." Anderthalb Jahrtausende haben wir unser Heimatsrecht im Vaterlande mit dem Märtyrerblut unserer Ahnen heldenmüthig vertheidigt, an den Fortschritten und der Entwicklung der nationalen Cultur und Literatur unser redlich Autheil mitgewirkt, um schließlich vor die Wahl gestellt zu sein; entweder unter den Schutz des Fremdenrechts uns zu begeben oder die Taufe zu nehmen! Ob das problematische Staatengebilde von Bestand bleibt und die Bürgschaften der Dauer enthält, — die Bodenfläche bietet nach H e m a n blos für eine Million neue Einwanderer Raum — der restirende Theil der derzeitigen jüdischen Bevölkerung von sechs Millionen, welcher in Europa verbliebe, würde zu optiren haben zwischen dem Fremdenrecht und der Taufe. Bis heute hat kein einziger Führer der Zionisten Gelegenheit genommen, gegen dieses Programm des „christlichen Parteigenossen" energisch Verwahrung rinzulegen, obgleich wiederholt die Verderblichkeit und Gefährlichkeit solcher Aeußerungen ihnen vorgehalten wurde. Warum schweigen die sonst so redefertigen, schriftgewandten, streitlustigen Herrschaften? Im Gegentheil, die Schrift des „christlichen Ziouisten Professor Hem an" wurde in dem officielleu Organ der zionistischen Partei wärmstens empfohlen. Unterdeß scheint Professor Heman längst überholt: während dieser mit der Entrechtung der Juden in Europa bis zur Etablirung des Judenstaates in Palästina warten wollte, scheint Herrn Max Nordau diese Zeit etwas lange zu dauern. Welche Absichten ihn immer geleitet haben mögen, seine Studie über die „Emancipation der Juden" ist das bösartigste, zerstörungswüthigste Geschoß, welches gegen die Stellung der Juden innerhalb der Staaten Europas losgefeuert worden. Zur Frauenfrage. Eine aktuelle Angelegenheit. Die Frauenfrage ist der Brennpunkt unserer Zeit geworden. Sie erfaßt jene denkenden Kreise von Männern und Frauen, die, nicht vom Augenblick beherrscht, mit Seherblick die sociale Zukunft erschauen, welche geänderte Verhältnisse und neue Formen im Leben und Treiben der Menschen bringen sollen. Der Frau soll sohin im Weltgetriebe und Wettbewerbe, kurz im socialen Leben der Platz zugewiesen werden, wie er jedem Lebwesen in der Natur gegönnt erscheint. Das ewig Weibliche, das die Männer an- und leider nur zu oft auszieht, ist längst überholt und ist nur mehr als Citat zu verwenden. Auch soll die persönliche Anziehung, die Summe ihrer ebenso charakteristischen als beliebten Eigenschaften, kein Hinderniß abgeben, daß die Frau, dem neuen Zeitgeist folgend, schaffend und fördernd ihren Platz im Leben ausfülle. Berücksichtigen wir zunächst das Los der Mädchen im modernen Leben. Es ist gewiß eine schöne Einrichtung, geheiratet zu werden, ja es ist eine patriarchalische Sitte, fast ein Gebot, bei den Juden, Mädchen durch die Ehe zu versorgen. Allein dieses Ziel läßt sich nicht immer erreichen. Oft genug kann der beste Wille, die eifrigste Förderung, ein Mädchen nicht an den Mann bringen. Das Mädchen bleibt unversorgt. Noch wartet es verbittert auf den Erlöser, der oft saumselig ist oder gar nicht erscheint. Oder die Ungeduld erfaßt die Angehörigen und die Jungfer. Sie heiratet pur toree den ersten oft nicht Besten, nur, um angeblich versorgt zu sein. Versorgt ist sie allerdings in des Wortes negativer Bedeutung. Wie oft hören wir, daß einem solchen Gewaltact der Versorgung bald ein zweiter Act folgt, der die Tragödie zu einem Abschluß bringt. In mannigfacher Gestalt erscheinen die weiteren Consequenzen der Hilflosigkeit und Armuth, welche später die Sorgen der Wohlfahrtseinrichtungen bilden. Andersgestalten sich die Verhältnisse, wenn Vorsorge getroffen wurde. Im Falle der Aneignung eines sicheren, ehrlichen Berufes würde das Mädchen nicht ohne Ueberlegung ein solches Bündniß eingegangen sein, die ehrliche Arbeit hätte ihr die Wartezeit verkürzt, bis eine gute Partie sie zur Hausfrau und Mutter macht. Dies zu werden, ist eine schöne Sache, aber sie ist leider nicht Jeder beschieden und deshalb sollen dem Mädchen, wie dem Manne Wege geebnet werden, sich in manchen Fächern auszubllden, die zum Unterhalt, zum Erwerb führen. Wir haben ein Gymnasium für Mädchen, aber nur für solche aus wohlhabenden Ständen, denn welch' armes Kind kann das bis jetzt theuere Studium ergreifen, welches viel Zeit und Geld kostet. Wir haben Fortbildungsschulen für kaufmännische Fächer, für den Lehrberuf, für die verschiedensten Beamtenkategorien, ja für technische und andere Studien, welchen sich Mädchen mit Erfolg widmen. Eine Reihe von Handwerken betreiben Mädchen und Frauen und sie füllen ihren Platz zu voller Zufriedenheit aus. Alan strebt in Wien die Heranbildung von Krankenpflegerinnen an, welche in Deutschland, Frankreich und England so segensvoll wirken und einen geachteten Berufszweig für Fraueu in diesen Ländern inaugurirt haben. Bei uns braucht eben Alles längere Zeit, bis es zum Durchbruch kommt, und der embryonale Zustand dauert länger an, als es die normale Reife erfordert. Diese angeführten Berufsarten bedingen eine gründliche Schulbildung. Es handelt sich aber um Mädchen, namentlich aus der Provinz, die darauf angewiesen sind, ihre Kraft und ihre Gesundheit in gröbere Arbeit umzusetzen und Mägde zu werden. Dieser Zweig für untergeordnete, nothwendige Thätigkeit scheint mir vernachlässigt, dem nach Aussage vieler jüdischer Hausfrauen ein Augenmerk gebührt. Wir haben nämlich keine geschulten jüdischen Dienstmädchen, die in der heutigen Zeit in einem jüdischen Hause dringend gebraucht werden. Welcher Hausfrau steigt nicht die Zornesröthe der Scham in's Gesicht, wenn sie in Zeitungsannoncen als nvli ms tangere die Worte lieft, „nur in ein christliches Haus!" Wir wollen Euch nicht, die Ihr unser Brot mit gehässigem Beigeschmack für Eure Herrschaft esset; wir wollen unsere Zeitungen nicht vor den Augen unserer Dienerschaft verstecken, wenn dieselben sich mit Thränen füllen über die Verirrungen einer Zeit und der daraus resultirenden Proceffe! Wir haben auch noch wohlhabende Familien in Wien, die ein rituelles Haus führen und eine dringende Nachftage nach jüdischen Dienstmädchen haben. Infolge mangelhafter Vorschulung der jüdischen Mädchen müssen wir auf solche verzichten. Man wird mir einwende«, daß Judenmädchen nicht gern arbeiten; dem muß entschieden widersprochen werden. Einen solchen ungerechtfertigten Vor- Dr. Bloch's Wochenschrift zu