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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«bette 866 Dr. Moch s Mortzettsarrrrr. Nr 08 durch Herrn Al. Lö bl, Tobitschau durch die Herren Brüll, Löw und Steinschneider, der Veteranenverein, die hiesige und die Kremsierer Feuerwehr und die Schuljugend der deutschen Volksschule, weiters Deputationen mehrerer Dorfgemeinden. Nebst den von den Verwandten und Freunden gespendeten Kränzen legten auch solche an der Bahre nieder: die Stadtgemeinde Kojetein, der Chef d'r Kojeteiner Zuckerfabrik, die Gastwirthegenossenschast, die Cultusgemeinde, der Frauenverein, die Hausbeamten. Eine größere Betheiligung an einem Begräbnisse sah wohl noch nie unsere Stadt. R. Gfd. Brünn. Bei der Ergänzungswahl des Cultusvorstandes wurden bei einer Gesammtzahl von 1194- Wahlberechtigten 701 Stimmen abgegeben. Als gewählt erscheinen: a) für eine ß jährige Functionsdauer: Alois Witrofsky mit 689 Stimmen, Jonas Karpeles mit 530 Stimmen, Heinrich Kätscher mit 520 Stimmen, Ludwig S t r a ß e r mit 512 Stimmen, Samuel Rosenthal mi 4-96 Stimmen; b) für eine 2 jährige Functionsdauer Philipp Roth mit 517 Stimmen. Die Wahlcommission bestand aus den Herren: Kaiser!. Rath Hermann E p l e r, Vorsitzender, Leopold Bauer, Siegmund Königsga rten, Salomon Perlhefter und Siegmund Schwarz. Nikolsbmg. Die Lehrkräfte der hiesigen Jsraelitengemeinde leiteten,' um die die Schule in der Jsraelitengemeinde besuchenden Kinder mit Winterkleidung versehen zu können, eine Sammlung ein, deren namhaftes Erträgniß von 64-0 K es ermöglichen wird, eine verhältnißmäßig große Zahl Schüler und Schülerinnen für den Winter auszustatten. Die städtische Sparcaffa hat, wie immer, in gewohnter Munificenz einen ansehnlichen Betrag zu diesem Zwecke gewidmet. GroßMeseritsch. Bor wenigen Tagen verließ Herr Emil Glaser, Verwalter der Eisler',chen Dampfsäge, sammt Familie nach zwanzigjährigem Aufenthalte unsere Stadt. Während dieses langjährigen Domicils hat sich Herr E. Glaser durch vortreffliche Herzens- und Charaktereigenschaften die allgemeine Sympathie und Hochachtung in einem solchen Grade erworben, daß deffen Scheiden aus unserer Gemeinde allseitig das lebhafteste Bedauern wachrust. Mit Rücksicht hierauf, insbesondere in Würdigung des Umstandes, daß Herr Emil Glaser volle 20 Jahre hindurch unserer Cultusgemeindevertretung als Mitglied und auch als Cultusrath angehörte, hat die Gemeinderepräsentanz denselben dadurch geehrt, daß ihm in öffentlicher Sitzung das Diplom als Ehrenmitglied unserer Gemeinde unter einer angemeffenen Ansprache seitens unseres verdienstvollen Cultusvorstehers Herrn I. G. M ü l l e r in feierlicher Weise überreicht wurde. Tiefbewegt dankte Herr E. G l a s e r für die ihm erwiesene Ehrung, und die hiebei ausgesprochene Versicherung, dieser ihm liebgewordenen Gemeinde stets in- Wärme zu gedenken, weckte allseits ein gleich tief empfundenes Echo. Graz, 20. November. Am 16. d. M. haben wir einen Mann zu Grabe getragen, der sich hier allgemeiner Sympathien erfreute und die Werthschätzung vollauf verdient hat, die ihm von Jedermann gezollt wurde. Es ist dies Herr Heinrich Pollak, Weingroßhändler in Graz, der nach kurzem Krankenlager in den besten Mannesjahren hingerafft wurde. Er verstand es, durch eine streng reelle Gebahrung seiner Firma einen allgemein geachteten Namen zu erwerben. Seine persönlichen Eigenschaften, die Offenheit und Leutseligkeit seines Wesens und die Friedfertigkeit seines Charakters haben ihm einen großen Kreis von Freunden verschafft, die sein Andenken noch lange ehren werden. Ein Ehrenmann in des Wortes bester Bedeutung, ausgestattet mit einem lichten Geiste und umfaffender Bildung, hat ihn die hiesige Cultusgemeinde zu ihrem Präses gewählt, und als solcher hat er mit Treue und Hingebung seines Amtes gewaltet. Während seiner Amtsführung hat unsere Cultusgemeinde die Auszeichnung erfahren, daß Se. Majestät der Kaiser unser Gotteshaus mit dem Allerhöchsten Besuche verherrlichte. Sein Leichenbegängniß war eine Kundgebung der ungetheilten Achtung, die er bei Juden und Christen genossen. An seiner Bahre schilderte Herr Rabbiner Dr. Mühsam den Verlust, den die Familie, unsere Gemeinde und die menschliche Gesellschaft durch den Heimgang dieses biederen Mannes erlitten, rühmte seinen festen Charakter, sein edles Herz und seine vornehme Gesinnung. Am Grabe hielt der derzeitige Präses, Herr Bernhard Biller, dem Dahingeschiedenen einen herzlichen Nachruf, in welchem er dem Freunde und Amtsvorgänger im Namen der ganzen Cultusgemeinde dankte und den Gefühlen fortdauernder Erkenntlichkeit Ausdruck gab. Herr Obercantor Horn trug mit Begleitung seines vortrefflich geschulten Chores die üblichen Trauergesänge in rührender Weise vor. Feuilleton. Holle schauer Reminisren;. Von Franz Schamann. (Schluß.) Kellermann sah einige Stunden nach seiner Entlassung seinen Sohn Rudolf. Wo kommst e her? Ich führe das Commando über die Halbcompagnie . . . Eso — soo? Und nach einigen Tagen erfuhr der Alte, daß es 37 Todte gegeben. Seit dieser Zeit wollte er von seinem Sohn Rudolf nichts wissen. In diese Gedanken versunken, bemerkte ich's nicht, daß mittlerweile die Straßenlaternen angezündet wurden und sich die frühe Winternacht ganz herabgeseukt hatte. Die kleine, ausgehauchte Lucke war längst wieder übereist, eine zierlich verschnörkelte Blume mit überaus zartem, flaumigem Blüthenkelch hatte sich gebildet und strahlte in den buntesten, schillerndsten Farben in dem gedämpften Lichte, welches eine Straßenlaterne flackernd durch die matte Scheibe warf. Der Schnee mußte noch immer herabwirbeln, denn ich sah. daß der Wagen bis zu den Räderspeichen in der flaumigen Decke stack, jetzt kam Fritz und öffnete das Coupße. Wohin willst D' fahren? Cafs Schopp. Alsdann fahren S' Cafä Schopp. Er nahm Platz, das Vehikel setzte sich in Bewegung, jedoch so langsam und schwerfällig, daß es schien, als zöge das dürre Pferd nur mit einer gewissen Unlust an den erstarrten Strängen, die durch die Kälte bockig geworden. . . . hast lang warten müssen, was? Ich Hab' mich etwas länger aufgehalten, meine Wirthin hat mir da Sachen erzählt von meinem Bruder, dem Oberlieutenant, Sachen, sag' ich Dir -weiß ich! Da Du g'rad von Deinem Bruder sprichst, sag', was ist mit ihm? Ich Hab' ihn täglich bei Schopp mit einer kleinen, brünetten Chanteuse geseh'n, 's war eine ordinärste Sorte, aber seit einigen Tagen kommt er nicht mehr hin, man sieht ihn auch sonst nicht. 's wird sei' Grund haben! Gewiß. Aber sag' Fritzl, was gab's eigentlich? 's ist eine lange Geschichte, ich werd' Dir's im Kaffeehaus erzählen. In diesem Moment hielt der Wagen und wir stiegen aus. Wieviel kriegen S', srug Fritz den versoffenen Kutscher. Fimf Krane ... Se wer'n e alter Ganef, eh' S' von mir zweiehalb Gulden seh'n. Jo es wor'n einahalbe Stunden . . . Geb' ihm, was er verlangt und komm' — rief ich ungeduldig, da ich sah, daß die Passauten zu spötteln begannen; dann nahm ich Fritzens Arm und stieg durch das schmale Stiegenhaus empor in die Cafäräume. Wir saßen still an einem der Marmortische und rauchten nach dem Thee. Ich sah schweigend Fritz an und bemerkte in seinem Gesichte die Spuren erlittenen, herben Leids, namenlosen Schmerzes; diese tiefgegrabenen Furchen um die Augen, Nase und den geschlossenen, bleichen Mund schienen mir mehr zu sagen, als es mein armer Freund vermocht hätte, der stier vor sich hin blickte, vielleicht traumverloren dem bläulichen Rauch nachsah, der sich wie ein Schleier, lang hin um die Luster zog.

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