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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 864 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 48 sie gesetzlich ausgeschlossen, so von der Tabakfabrikation, vom Droguenhandel. vom Hausirgewerbe, vom Betriebe der Gast- und Schankwirthschaft u. A. m. Selbst die Verdingung zu Tagelohnarbecken, die keine berufliche Vorbildung fordern, ist ihnen zu einem großen Theile versagt, weil das rumänische Gesetz die Beschäftigung ausländischer Arbeiter — und zu diesen zählt der rumänische Arbeiter jüdischen Glaubens — erheblich einschränkt. So sind die Juden in Rumänien nicht blos rechtlos, sondern auch brotlos und ihre Nahrungssorgen sind um so drückender, als die wirthschaftlichen Verhältnisse Rumäniens schon infolge mehrjährigen Mißwachses darniederliegen. Zur leiblichen Roth ist überdies die geistige getreten. Die Kinder rumänischer Juden dürfen zum Besuch der öffentlichen Schulen nur soweit zugelassen werden, als das Uuterrichcsbedürfniß für die Kinder der nichtjüdischen Laudcsbewohner völlig gedeckt ist. Könnte ein solches Elend an sich noch erträglich scheinen, so wird es zur wahren Plage durch die Anfeindungen und Verfolgungen, mit denen der rumänische Pöbel die Bedrängten peinigt und nicht blos ihren Frieden, sondern auch ihr Leben gefährdet. Wer dieser Drangsal entrinnen kann, der flüchtet aus dem Lande und sucht eine neue Heimat. Tausende haben den Wanderstab bereits ergriffen. Aber viele Tausende entbehren die Mittel, um eine Auswanderung zu unternehmen; sie sind von allen Nahrungsquellen abgeschnitten, an den rauhesten Boden gekettet, und blicken verzweifelnd der Zukunft entgegen. Es gilt jetzt, diesen Bedrängten in ihrer traurigen Lage aufzuhelfen. Von jedem wahren Menschenfreunde dürfen wir erwarten, daß er sich dem geschilderten Elend nicht entziehen will, am meisten freilich erwarten wir von der viel bewährten Opferfreudigkeit unserer Glaubensbrüder, daß sie dem Rufe, die große Noth nach Kräften zu lindern, Gehör geben werden. Es ist vor Allem geboten, Mittel zu sammeln, mit denen eine Hilfsaction, wie solche von der Alliance Jsraelite Universelle in zweckmäßiger Weise zuerst eingeleitet und organisirt worden ist, gefördert und gekrästigt werden kann. Wir richten deshalb besonders an unsere Gemeindegenossen die dringende Bitte, sich an dem Hilfswerk mit reichlichen Beiträgen zu bechciligen. Jeder von den Unterzeichneten dieses Aufrufs ist zur Empfangnahme von Beiträgen bereit; ebenso der Vorstand der jüdischen Gemeinde hier; auch können die Spenden zur Cassa der hiesigen Synagogengemeinde (Graupenstraße) gezahlt werden. Der Empfang der Gaben wird regelmäßig durch die Zeitung bescheinigt. Das Cvmite: Josef Abramczyk, Professor Dr. Badt, Moritz Baruch. Lippmann Bloch, Louis Burgfeld, Geheimer Sanitätsrath Dr. Caro, Professor Dr. Leopold Cohn, Louis Cohn, Rudolf Daniel, Salomon Danzinger, Josef Deutsch, Hermann Freudenthal, Geheimer Justizrath Freund, Rabbiner Dr. Guttmann, Hermann Hamburger, Rechtsanwalt Dr. Honizmann, Rechtsanwalt Heilberg, Rechtsanwalt Hirschberg, Albert Holz. Samuel Jaffe, Julius Jarecki, Rechtsanwalt Joel, Wilhelm Kalisch, Samuel Kohn, Albert Kuh. Hermann Landsberg, Carl Leipziger, Louis Loewenthal, Richard Leuchtag. Eugen Lilienfeld, Director Lyon, Stadtrath Marck, David Mugdan, Hermann Neustadt, Rechtsanwalt Ollendors, Theodor Oschinsky, Simon Pfeffer, Stadtrath Pringsheim, Dr. Carl Reich, Moritz Rosenberg, Rabbiner Dr. Rosenthal. Georg Sachs, Emil Sachs, Rechtsanwalt Dr. Samuelsohn, Dr. ineck. Sandberg. Jsaac Scharfer, Louis Schaps, Simon Scheye, Eugen Schiff, Carl Schlesinger, D. N. Schlesinger, Louis Schlesinger (Freiburgerstraß- 11), Rechtsanwalt Schreiber, Adolf Schwerin, Joel Struck, Salomon Weigert. Landgerichtsrath Wollstein. Hamburg, 12. November. Die Feier des 25jährigen Amtsjnbiläums des Predigers Dr. D. Leimdörfer l'gte ein beredtes Zeugniß von der Werthschätzung ab, welcher sich der Jubilar weit über seinen Wirkungskreis erfreut. Die'Wohnung in der Grindelallee glich einem wahren Blumengarten; sie wurde während des ganzen Tages nicht leer von Gratulanten. Bereits in früher Morgenstunde erschien Herr Gemeindevorsteher M. W. Hinrichsen, um im Namen des Gemeindevorstandes die Glückwünsche darzubringeu, ferner der igesammte Vorstand des Tempelverbandes, der Ämtscollege des'- Jubilars Dr. C. Seligmanu und die übrigen Beamten. Sodann erschienen Deputationen der Henry-Jones-Loge, der israelitischen Töchterschule, des Hamburger Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, des Vereins der Oesterreicher-Ungarn, des Magyar-Nemzetti-Club,' welcher eine künstlerisch ausgeführte Adreffe in einer Ledermappe, reich verziert mit den ungarischen Farben, dem Jubilar überreichte und ihn i um Ehrenmitglied des Vereins ernannte. Kostbare Ehrengeschenke liefen ebenfalls in großer Anzahl ein. Bon auswärtigen Adressen seien noch besonders erwähnt die der Gemeinde Nordhausen, wo Dr. L. früher wirkte; ferner liefen Adressen und Depeschen ein von der Alliance israelite universelle, vom Professorencollegium der Landesrabbinerschule in Budapest, von der Heimatsgemeinde Dr. L's, Hlinik in Ungarn, vom deutschen Rabbinerverband, vom Verband der Vereine für Mische Geschichte und Literatur. Fast sämmtliche Berufscollegen des Jubilars statteten telegraphisch ihre Glückwünsche ab. Brüffel. In Brüssel hat sich ein Comite gebildet, das den Papst ersuchen will, den Antisemitismus zu verdammen und besonders, wie einige seiner Vorgänger, die Haltlosigkeit der Blutlegende auszusprechen. Wie berichtet wird, soll dieses Bittgesuch bereits viele Tausende von Unterschriften, namentlich aus katholischen Kreisen, haben. In diesem Appell an den Papst wird ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Blutbeschuldigung schon gegen verschiedene Confessionen erhoben wurde, und daß sie dem Judenthum und der jüdischen Race ebenso fremd ist wie diesen. F«4ier heißt es darin, daß die edle Seele des Heiligen Vaters ja mit Schrecken erfüllt sein müsse über die Fortschritte, die der Antisemitismus in verschiedenen Ländern Europas mache. Nur mit Augst könne man der Verbreitung der häßlichen und absurden Blutlüge in den ungebildeten Massen entgegensehen — und tief zu beklagen seien die Unruhen und Plünderungen, denen diese Legende als Vorwand gedient hat. Aus diesem Grunde wenden sich die Bittsteller an das Oberhaupt der katholischen Kirche mit dem Anliegen, die christliche Welt vor der Wiederkehr mittelalterlicher Blutscenen und Justizmorde zum Schaden der Humanität eindringlich zu warnen. Die „Jndependance Belge", das angesehenste belgische Blatt, trifft wohl das Richtige, wenn sie in ihrer Besprechung jenes Memorandums sagt, mau könne die jugendlichen Illusionen dieser Bittsteller nur mit herzlichem Beifall begrüßen. Die „Italic" aber meint: Obschon der Papst persönlich die antisemitische Propaganda mißbillige, werde er doch das gewünschte Machtwort nicht sprechen, ja vermuthlich nicht einmal eine Antwort geben, da die leitenden Kreise des Vaticans entschieden antisemitisch seien. Odessa Das berühmte Kensingtoner Museum in London, welches eine Bilderausstellung (und die Abbildungen davon, die seit dem Jahre 1860 gemalt wurden) veranstaltet, wendete sich an den Moskauer Künstler L. O. Pasternak mit der Einladung, derselben seine Bilder, die sich auf der Pariser Weltausstellung befanden, namentlich „Der Student" und die Illustrationen zur „Auferstehung" des Grafen Leo Tolstoi zu schicken. — Dem hiesigen Stadthauptmann Grafen Schuwalow sind die Listen der Mitglieder der hiesigen Synagogen zugestellt worden. Nach Bestätigung derselben werden Ende Decemder die Wahlen des Stadtrathes und seines Gehilfen vorgenommen werden. Von den 18.000 Mitgliedern werden 60 oder 70 Deputirte zur Wahl des Rabbiners gewählt werden. — Am 31. October waren es fünfzig Jahre, daß einer der ältesten hiesigen Aerzte, Staatsrath und Ritter Dr. A. W. B e r t e u s o n, seine ärztliche Praxis ausübt. Nach Beendigung der Charkower Universität kam Dr. Berteuson nach Odessa, wo er mehr als 25 Jahre (1856—1863) als Ordinarius am städtischen Hospitale wirkte und ein volles Vierteljahrhundert au der Spitze der städtischen Curanstalt auf dem Liman stand. Außerdem bekleidet der greise Jubilar noch jetzt die Posten eines Arztes beim Mädchengymnasium „Marie" (seit 1868), wie beim Stadtheater (seit 1862). Dr. Bertenson widmet außerdem seine Zeit den hiesigen jüdischen wohlthätigen und Lehranstalten. Er ist Mitglied des Curatoriums der Handwerkerschule „Trud", Vorstandsmitglied des hiesigen Comites der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland", Curator einer jüdischen Mädchenschule und anderer Anstalten. Zum Gedächtnisse seiner Eltern errichtete er auf seine Kosten eine Synagoge in der landwirthschaftlichen Farm des jüdischen Waisenhauses auf dem Chadjibejer Liman. — Zu dem am 14. Jänner 1901 stattfindenden zweihundertjährigen Jubiläum des Petersburger Marinecorps wurde beschlossen^ im Saale dieser Anstalt die Statue des Gründers derselben, Peter des Großen, zu errichten. Es sind dafür 20.000 Rubel angewiesen. Die Ausführung dieser Statue ist dem berühmten Bildhauer Professor M. M. Antokolsky in Paris übertragen worden. —' Der regierende Senat entschied, daß die Erzeugung von Säcken ein Handwerk ist, und die Juden, die sich damit' beschäftigen, das Recht haben, außerhalb des An-

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