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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 Lette 868 Dr. Blvch's Wochenschrift. In ähnlichem Sinne sprach auch Herr S Weltsch, worauf noch mehrere Taste folgten, welche zumeist in eine Huldigung aus Professor Kisch ausklangen. Lichtenstadt. Bei der am 11. November 1900 stattgefundenen Wahl eines neuen Cultusvorstandes sind folgende Herren in den Ausschuß gewählt worden: Siegmuud Binder in Lichtenstadt als Cultusvorsteher, Leopold Schulz in Neudek als Cultusvorsteher-Stellvertreter, Isaak Mayer in Lichtenstadt als Tempelvorsteher, Sebald Pick in Lichtenstadt als Cassier und Armencassa-Verwalter, I. U. Dr. Anton Gras in Neudek. Rudolf Löwenstein in Schlackenwerth, Wilhelm Zentner in Schlackenwerth als Beiräthe; folgende Herren als Ersatzmänner: Philipp Mayer in Lichtenstadt, Moriz Löw in Schlackenwerth und Wilhelm Zentner in Neudek. In die Umlagecommission wurden ferner gewählt die Herren: Isaak Mayer, Alexander Zentner, Alois Löwy, sämmtlich aus Lichtenstadt; Siegmund Bruckner, Moritz Maier, Bernhard Löwy, sämmtlich aus Neudek; Leopold Samuel, Eduard Hermann, beide aus Joachimsthal; Moritz Löw, Wilhelm Zentner, beide aus Schlackenwerth. Neutitschein. Aus Anlaß einer an die Stufen des Allerhöchsten Thrones Sr. Majestät Kaiser Franz Josef l. gelangten Druckschrift des Herrn Rabbiners Dr. Simon Mandl in Neutitschein erhielt der genannte Herr Rabbiner folgendes Handschreiben : Z. 14295. Neutitschein, am 20. November 1900. Seine k. u. k. Apostolische Majestät'haben zufolge Zuschrift des k. u. k. Oberstkämmereramtes vom 12. November I960, Z. 1937. das gedruckte Exemplar Ihrer anläßlich des Allerhöchsten 70. Geburtstages im Bethause in Neutitschein gehaltenen „Gottesdienstlichen Festrede" allergnädigst anzunehmen geruht und gestattet, daß Ihnen hiefür der Allerhöchste Dank ausgesprochen werde. Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen. Euer Wohlgeboren hievon zufolge Erlasses des k. k. Statrhalterei-Pr'äsidiums äs äatv 15. November I960, Z. «911, in Kenntniß setzen zu können. Der k. k Statthaltereirath: Römer, m. x. Der hiesige Rabbiner Herr Dr. S. M a n d l hat iw Vereine mit dem Cultusvorstande veranlaßt, für unsere der Schule entwachsene Jugend jüdische Lese- und Discussionsabende zu eröffnen. Dieselben bestehen nunmehr seit 14- Tagen, und nach der ersten zahlreichen Betheiligung ist von ihnen das Beste zu erwarten. Sie erstrecken sich auf die Lectüre der besten populären Schriften des Judenthums. Wenn etwas in unserer materiellen Zeit, wo das sociale Streben jedes jüdisch-religiöse Interesse verdrängt, bildsam auf Haus und Heim wirken kann, so ist es unsere Jugend. Wer sie besitzt, der besitzt nicht nur, nach einem bekannten Worte, die Zukunft, sondern auch das Herz ihrer Eltern. Die Eltern sind es, die leider nicht immer ideal bewegt werden wollen oder können, dafür aber mögen wir umsomehr uns bemühen, das Herz ihrer Kinder für unseren Glauben, für alles Schöne, Wahre und Edle unserer Religion in Bewegung zu bringen. In der That hoffen wir von den Proben aus Mendelssohn, Graetz, Nahida Remy, Lazarus, Heller, Jellinek u. A. m., die an unseren Vortragsabenden zur Verlesung gelangen sollen, das Ersprießlichste und Segensvollste nach dieser Richtung hin. Aus dem gleichen Streben der Gewinnung unserer Jugend für die Erhabenheit unseres Glaubens besteht die Absicht, am kommenden Makkabäerfest eine Feier für die Schuljugend zu veranstalten und dieselbe bei diesem festlichen Anlaffe mit paffenden jüdisch-pädagogischen Erzählungen zu beschenken.', rZ _ Paris. (Der Fall Coblentz.) Der Hauptmann Coblentz hat dem Herrn Luzarche d'Azay, dem Schwager des Herrn Lebaudy, wegen der bekannten Jagdgeschichte seine Zeugen gesandt, und der Zweikampf auf Degen hat stattgefunden. Er endete mit der „Abfuhr" des Hauptmanns, der einige leichte Verwundungen davontrug. Dam't ist die persönliche Seite des Zwischenfalls erledigt. Die nationalistische Preffe stellt sich an, als ob es überhaupt in dem ganzen Fall Coblentz nur eine persönliche Seite gebe, sagt aber nicht, was der Hauptmann Coblentz persönlich verbrochen hat, um diese kamerad- und gesellschaftliche Aechtung zu verdienen. Der Grund ist, daß sie dies selbst nicht weiß. Denn, wüßte sie es, sie würde sicherlich keine Minute damit hinter dem Berge halten. In dem Fall Coblentz zeichnen sich vielmehr wieder zwei Momente ab, die ihm eine allgemeine Bedeutung geben: der Widerstand der Officiere von Fontainebleau gegen die ihnen mißliebige Ernennung und der Trotz gegen die Autorität des Kriegsminifters, und anderseits die Ursache dieses Widerstandes, die Abneigung gegen den jüdischen Kameraden, mit einem Worte, der Antisemitismus im Heere. Das eine ist das politische Element des Falles, die der Nationalismus ausnützt, um den Gegensatz der republikanisch-bürgerlichen Gewalt zum Heere — auf Kosten natürlich der Disciplin wiederum — zu verschärfen. Das andere Moment ist socialer Art. Die französischen Juden, die sich vor dem Ansbruch des Dreyfushandels der Officierslaufbahn zuwandten, glaubten offenbar, daß, nachdem man sie einmal als Officiere in die Waffenbrüderschaft des Heeres ausgenommen, nun der kameradschaftliche Geist auch den Ausschlag geben und ihnen gegenüber wenigstens die Stimme des Racenhaffes zum Schweigen bringen werde. Das Gegentheil annehmen hieß in der That, eine Verleugnung der Kameradschaft für möglich halten, die eine Art Berrath war. Nun, die französischen Juden haben sich getäuscht. Das Heer öffnete ihnen zwar den Frontdienst, als aber der erste Jude in den Generalstab eintrat, Dreyfus, wurde er ein Ovser des Antisemitismus seiner Kameraden, nicht obwohl er ein Officier, sondern eben weil er Officier war. Und jetzt, da es sich darum handelt, einen jüdischen Officier dem Lehrkörper einer der höhern Militärschulen einzuverleiben, die der im Heere zur Herrschaft gelangte clericale Kastengeist ebenso als seine ausschließliche Domäne für sich und seine Günstlinge in Beschlag genommen hat, wie er bis vor Kurzem den Generalstab als seine Domäne vor jedem nicht gesinnungstreuen Eindringling hütete, macht derselbe Geist mit alle»! seinen Hilfstruppen wiederum mobil, um die Bresche, die der Kriegsmiklifter Aridrä auch in diese seine Feste gelegt hat, zu vertheidigen. Von Kameradschaft keine Spur mehr. Man duldet den jüdischen Officier in der Front, aber darüber hinaus tritt ihm dieser nationalistisch-clericale Kastengeist, dem Brunetiere die Formel gab .Frankreich ist der Katholicismus und der Katholicismus ist Frankreich", in der vollen Solidarität seiner militärischen und bürgerlichen Elemente entgegen. Die gesammte nationalistische nnd clericale Preffe tritt auf die Seite des ersten besten Emporkömmlings, der den bisher ihm persönlich gänzlich unbekannten jüdischen Officier öffentlich beleidigte, und seine Kameraden von Fontainebleau, weit entfernt davon, diese in ihrer Gegenwart erfolgte beleidigende Zurückweisung ihres Kameraden durch den bürgerlichen Zuckermillionär mitzuempfinden, murren vielmehr gegen den Kriegsminister, der ihnen durch das Verbot fernerer Theilnahme an den Jagden Lebaudy's das Gefühl der kameradschaftlichen Solidarität zum Bewußtsein bringen will. Es ist eben für den jüdischen Officier nicht da und Erläffe und Verordnungen schaffen es nicht. Nur eine Ausnahme macht diese clerical-nationalistische Gesellschaft in ihrem Antisemitismus, und eine Ausnahme, wobei ihre Spitzen, der alte Fendaladel des Faubonrg Saint-Germain bis zu seinen glänzendsten Namen hinauf, mit leuchtenden Beispielen vorangeht: gegenüber den Jüdinnen. Bor einiger Zeit ging eine Reihe von Namen durch die französische Preffe, die nach der Formel Brunetisres das „allerchristliche" katholische Frankreich in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vertreten, deren altadelige Hoffnung indeß auf der Verbindung mit Jüdinnen beruht. Danach rollt das Blut von Töchtern des Alten Testaments, als da geheißen haben Rothschild, Furtado, Heine, Mirss. Oppenheim, Herz. Jacob, Heilbronn, Cahen, Löwenheim, Emdenheim, Erard, Sina. Klein, Haber u. s. w., in den künftigen, zum Theil schon gegenwärtigen Stammhaltern der fürstlichen Häuser Ligne, Wagram. Della Rocca, Lucinge-Faucigny. Murat, Polignac, der herzoglichen Familien Richelieu, Laroche-Faucauld, Elchingen, Etampes, Gramont, Rivoli, Fitz-James, Castries, der Marquise de Plancy, Salignac-Fenelon. Breteuil, Rochechouart, Taillrs, St. Jean de Lentillac, Grouchy. Noailles, der Grafen d'Harcourt, de Kerjsgu, Legrand de Billers u. s. w. Breslau, im November 1900. Folgender Aufruf wird hier ausgegeben: Die Unduldsamkeit, unter der unsere Glaubensbrüder in Rumänien leiden, hat einen Nothstand erzeugt, der sich in letzter Zeit bis zur Unerträglichkeit gesteigert hat. Der rumänische Staat dankt seine völkerrechtliche Existenz dem Berliner Vertrage vom Jahre 1878, der die bürgerliche Gleichstellung der rumänischen Juden grundsätzlich gewährleistet. Dieser von den Großmächten verbürgte Grundsatz hat aber nicht gehindert, die Juden unter Fremdenrecht zu stellen und sie überall vom bürgerlichen Wettbewerbe auszuschließen. Während sie zum Militärdiellst gleich den übrigen Landeskindern herangezogen werden, ist es ihnen nicht gestattet, Grundbefitz zu erwerben; vom Betriebe der hauptsächlichsten Landesgewerbe sind

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