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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 Br. Bloch'« Wochenschrift Seite 861 fReitye nach erörtert mrd tit Vergleich mit den analogen Leistungeu der anderen Staaten gestellt wurden. Die in der Form vollendeten und im Inhalt äußerst instructiven Ausführungen des Vortragenden hielten das zahlreiche Publicum vom Anfang bis zum Ende in gespannter Aufmerksamkeit und wurden durch lebhaften Beifall belohnt. Unter den illustren Persönlichkeiten, bemerkte man: die gewesenen Minister Graf Friedrich Schönborn, Präsident des Verwaltungsgerichtshvfes Dr. Josef B a e r n r e i t h e r, Geheimrath Graf Wurmbrand, Dr. Heinrich R o z fl, Sectionschef im Ministerium des Innern, Max Ritter v. P i ch l e r. Sectionschef im Eisenbahnministerium, die Herrenhausmitglieder Hofrath Ritter v. Hauff e, Dr. Alois M i l k a n i ch, Paul Ritter von Schüller, Präsident der Börse, Sectionsrath Dr. B r e y ch a, Hof- und Ministerialsecretär Dr. Popoviö, die Regierungsräthe Professor L a m b o e ck, S ch r a m m, Gewerbe-Oberinspector K u l k a, die Abgeordneten Dr. K o p p, Dr. K r o u a w e t t e r, Dr. Ofner, Dr. Menger, Wrabetz, Landesgerichtsrath Dr. Kohn, die Großindustriellen Me ding er, Präsident des Oesterr. Brauerbundes, Commercialrath S e y b e l, Anton F i x, Dr. Schlumberger, Edlen v. G o l d e ck, den Präsidenten des Niederösterreichifchen Gewerbevereines v. Harpke und die Verwaltungsräthe desselben, kais. Rath Friedrich Pollak und Oscar v. H o e f f t, die Professoren K a n i tz, R e tz e k, Oberinspector Ingenieur Reifer, Consul Marek, Ortsschulrath Heit, Commercialrath S t i a ß n y, kaiserl. Rath Dr. Lieben, Dr. Gelbhaus, Sor, Vertreter der k a u fmännische n Vereine, der C o l o n i a l g e s e lisch a f t und einer großen Anzahl anderer Vereine. Der k. k. Polizeipräsident H a b r d a und Abgeordneter N o s k e entschuldigten ihr Fernbleiben. Zum Schlüsse dankte der Präsident des Vereines. Herr S. B r o d, den heute so zahlreich erschienenen Gästen und Mitgliedern, und feierte den Vortragenden durch tief empfundene Worte des Dankes. Wien. (Leopold Stern.) Die Wiener Cultusgemeinde hat in der vergangenen Woche durch den Tod des emeritirten Obercantors am Gemeindetempel zu Fünfhaus, Leopold Stern, einen schweren Verlust erlitten. Durch nahezu zweiundvierzig Jahre als Ledeliaeli zibur und Lehrer in ausgezeichneter Weise thätig, zählte Stern zu den hervorragendsten Vertretern seines Standes, dem er auch durch fein tiefes hebräisches Wissen, durch seine gediegene allgemeine Bildung, seinen lauteren Charakter und feiu wahrhaft frommes Gemüth zur Zierde gereichte. Auch eine gewandte Feder, die im Dienste der Pädagogik und der fachwissenschaftlichen Forschung Bedeutsames leistete, nannte er sein Eigen, ebenso wie ihm die Gabe der Rede in reichem Maße zutheil war; denn seine Exhorten, die ihm die Herzen der Jugend gewannen, zeichneten sich nicht nur durch siunvollen Inhalt, sondern auch durch vollendete Form aus. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkuudgebung. Die Leiche Stern's war Freitag den 23. November Morgens auf Anordnung des Wiener Cultusvorstandes aus dem Sterbehause in den Fünfhauser Tempel übertragen und daselbst aufgebahrt worden. Das Gotteshaus selbst hatte sich in Trauer gehüllt. Der Altar war schwarz ausgeschlagen, die Säulen und die Galeriebrüstungen zeigten schwarze Drapirung. Vom Giebel des Tempels wehte an der Hauptfront eine Trauerfahne. Das Gotteshaus war lange vor Beginn der für halb 10 Uhr Vormittags angesetzten Feier von einem zahlreichen Publicum dicht besetzt. Außer den Familienmitgliedern bemerkte man den Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath Klin ger mit zahlreichen Vorstandsmitgliedern, sowie den ersten Secretär kaiserl. Rath Dr. Lieben und den Seccetär-Stellvertreter Dr. Adler, Oberrabbiner Dr. Güd emann, den Chefredacteur des „Fremdenvlatt" Hofrath Dr. Ritter v. Frydmann mit den Redacteuren dieses Blattes, die Chefredacteure Julius Löwy und Dr. Julius Szeps, Hoflieferanten Gottlieb Taussig, die kaiserl. Räthe Ignatz Wilhelm, Friedrich Vogel und Wilhelm Pollak, die Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. G. Winter und O. Ruc z i c k a, die Mitglieder des Fünfhauser Bethaus-Vorstandes, Obmann Samuel Steiner, die Herren Heinrich Neufeld. Mohr, Spitzer, Hecht, Blödy, Schick rc., die Schriftsteller Alexander Landesberg, Dr. Rudolf Lothar, Otto Fuchs, Componist Charles Wein berger U"beraus imposant war die Theiluahme der Wiener Cantoren. An ihrer Spitze erschienen im Ornate die Wiener Obercantoren Joses Singer und Bela G u t m a n n mit den cantoralen Functionären sämmtlicher Bezirkstempel, ferner die Obercantoren I. Sch o rr, I. Bauer, Dü nm a n u und Kläger. Die Trauerfeier begann mit einem Choral, den die Zöglinge des freiberrlich Springer'schen Waisenhauses unter Führung des Waisenhausdirectors Hecht stimmungsvoll Vorträgen. Sodann intonirte der Obercautor an der Fünfhauser Synagoge Salomvn Jurberger, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, mit den vereinigten Chören der Wiener Tempel das Schiwiäsi. Ais diese weihevollen Klänge verhallt waren, trat Rabbiner Dr. Jonathan Wolf an die Bahre, um die Gedenkrede auf de» Verstorbenen zu halten. „Zum ersten Male/ begann der Redner, „hat in dieses Gotteshaus, das seit fast dreißig Jahren steht, ein Todter Einzug gehalten. Es ist die größte Auszeichnung, die man einem Todten erweisen kann." Der Redner entwarf nun ein getreues Bild des Dahingegangenen. Ec baute seine Rede auf das Worl des Propheten: „Anmuth war auf seine Lippen hingegossen", und schilderte Stern als Cantor, Lehrer und Jugendredner, als Schriftsteller und als Familienvater. „Nur eine so tiefe Kenntniß der heiligen Schrift und ihrer Commentatoren". führte der Redner aus. „konnte ihn befähigen, so meisterhaft, so unerreicht aus der Thora zu lesen. Von seinen Lippen floß Leben in das todte Wort. Durch seine „Geschichte der Cultusgemeinde im Bezirke Sechshans" hat er sich ein unvergängliches Denkmal im Schriftthum der Cultusgemeinde geschaffen/ Auch von seiner Feder floß Anmuth. Als Geschichtsschreiber habe dies Stern dadurch bewiesen, daß er die Wahrheit in ein liebenswürdiges Gewand kleiden konnte, so daß sie nicht verletzte. Sein Familienleben sei ein musterhaftes gewesen. Und so werde sein Andenken in dieser Gemeinde unvergeßlich bleiben in den Herzen von Groß und Klein. Die classisch ausgebaute, meisterhafte Rede Dr. W o l s's machte tiefe Wirkung aus alle Hörer. Obercantor Jurberger sang dann überaus wirkungsvoll mit dem Chore einen Sulzerschen Trauerpsalm, mit dem die Feier schloß. Der Sarg wurde sodann gehoben und von Mitgliedern der Chewra-Kadischa aus dem Tempel getragen. Dem Leichenwagen folgten die Wagen der Tcauergäste in unendlich langer Reihe. Gegen 7*12 Uhr langte der Zug aus dem Centralfried- Hose an. Die Ceremonienhalle war dicht besetzt; man bemerkte unter den Anwesenden auch das Vorstandsmrtglied Baurath S t i a ß n y. In außerordentlich weihevoller Weise sang Herr Obercantor Singer, assistirt von den ersten Cantoren Schiller und Blatt, die Beide Schüler Stern's sind, das Hazur tomim. Sodann trat Rabbiner Dr. S ch m i d l an die Bahre, um dem Dahingegangenen einen Nachruf zu halten. Der Redner gedachte seines ein Vierteljahrhundert umsaffenden Wirkens am Fünfhauser Tempel, das ihn mit Stern vereinigte. Auch er hob die tiefe Kenntniß der heiligen Schrift und der hebräischen Sprache hervor, die den Dahingegangeneu als Sänger des Herrn auszeichnete. Er schilderte Stern's Wirken als Jugendredner, der Herz und Sinn der Kinder kannte und gefangen nahm. So wie es Sterne gibt, deren Licht erst nach vielen Jahren zu uns auf die Erde gelangt, so werden die schönen Bilder und Parabeln, die der Dahingegangene in die Vorstellungswelt der Kleinen gezaubert, nach Jahren, wenn die Kinder herangereift, sind, erwärmend und erleuchtend in ihrem Herzen auftauchen. Dr. S ch m i e d l schloß mit der Versicherung, daß Stern's Andenken der Gemeinde unvergeßlich sein werde, denn er habe sich in seinen vielen Thätigkeiten eben so viele Denkmale gesetzt. Der Nachruf Dr. Schmiedl's lockte vielen der Hörer die Thränen aus den Augen. Der Sarg wurde darauf von der Estrade herabgetragen und vor dem Ausgangsthore der Halle aufgestellt. Unter lautloser Stille des Publicums ergriff sodann das Vorstandsmitglied kaiserl. Rath Wilhelm Pollak das Wort, um namens der jüdischen Wvhlthätigkeitsvereine der westlichen Wiener Bezirke, deren Förderer der Verstorbene gewesen. Worte des herzlichsten Abschiedes und Dankes zu sprechen. Stern, der Lehrer von Generationen, führte der Redner aus, werde in dem fortwirken, was in der Gemeinde Gutes geschehe. Der Dahingegangene habe den Tod nicht gefürchtet und habe gar oft an dieser Stätte in Worten heiterer Versöhnung von der Ruhe gesprochen, die hier alle Meuscheu finden. Redner pries den Dahingegangenen als einen Krösus, reich an Wisse;',

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