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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-30 · 48 (30.11.1900) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 854 $zo Bloch?s WvchrnsrML) Str. 48 In der Minorität blieben Dr. Schreiber mit 1286, Brecher mit 1240, Dr. S ch n e p p mit 1142 Stimmen. Ueberdies hatte Jacob Straßberg für ein Mandat mit sechsjähriger Amtsdauer ebenfalls 1214 Stimmen. Die Candidaten Hermann Teltscher und kais. Rath Vogel, die von ihrer in letzter Stunde erfolgten Nominirung selber nicht auf das Angenehmste überrascht waren, vereinigten auf sich je circa 500 Stimmen, welche den Candidaten des Central-Wahlcomites entzogen worden, die Nothwendigkeit einer engeren Wahl herbeigeführt und dem. Central-Wahlcomitö einen Mißerfolg bereitet haben. Die Opposition wiederum muß erst in einer engeren Wahl die zwei Mandate erringen, die man ihr von Vorneherein kampflos einzuräumen bereit war. Versucht man das ziffermäßige Wahlergebniß auf seinen inneren Werth zu würdigen, so muß man sich erinnern, daß bei der letzten Cultuswahl vor zwei Jahren die Zionisten dem Wahlkampfe sich vollständig fernhielten und der Candidat des ^Jüdischen Volksvereines" Hermann E l t b o g e n gegen 900 Stimmen auf sich vereinigte. Nimmt man an, was der Wahrheit kaum entspricht, daß dieser rührige Verein im Laufe dieser letzten zwei Jahre an Einfluß und Anhängern in der Wählerschaft gar nicht zugenommen hätte, so hat die vereinigte Opposition circa 400 bis 500 zionistische Stimmen erhalten und diese Stimmenzahl würde dann das gesammte zionistische Aufgebot darstellen, das Resultat einer beispiellosen Agitation, welche ihre Vorbilder im antisemitischen Lager treulich copirt hat. Mit welchen Versprechungen hat man nicht den „kleinen Mann" zu ködern gesucht! Wenn man die Programmreden des Architekten Oscar Marmorek angehört oder die Agitationsnummer des Zionisten-Organs, welches jedem der nahezu 14.000 Wähler der jüdischen Cultusgemeinde zugesendet worden, gelesen hat, gewann man den Eindruck, daß zionistische Cultusvorsteher über die Häupter der armen Juden eine Fülle des Segens auszuschütten in der Lage wären. Sie versprechen nichts Geringeres als „Schaffung von Berufsgenoffenschasten und Gewerkschaften, Schaffung von Kreditgenossenschaften, Borschußcaffen, Consumvereinen" u. s. w., ja selbst Kranken-, Jnvaliditäts- und Altersversorgung nebst der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit soll mit der Wahl des zionistischen Cultusvorstehers jedem armen Juden bescheert werden. Auch die „Beschaffung gesunder Wohnräume" wäre die Aufgabe einer Cultusgemeinde. Wahrlich Dr. Lueger hat dem dummen Kerl von Wien nicht mit mehr Versprechungen traktirt. Und alle diese „altruistischen Institute" sollen mit dem D eficit der Cuttusgemeinde geschaffen werden! Man fragte sich in vertraulichen Kreisen, ob es den Herren mit all diesen Versprechungen ernst sein kann? Als aber das Central-Wahlcomitä in dem Wahlaufruf zu der schüchternen Bemerkung sich verstiegen, „daß der Steuergulden nicht für utopistische Ziele verwendet werden dürfe", da loderte der Zorn des Herrn Dr. Theodor H e r z l zur hellen Glut aus und in einer Wählerversammlung, welche am vergangenen Donnerstag im Ronacher-Saale abgehalten worden, verbat er sich ernstlich das Vorbringen solcher Argumente, sonst „könnte es Vorkommen, daß, nicht blos metaphorisch gesprochen, Fenster eingeschlagen werden, um einen frischen Luftzug in die dumpfe Gemeindestube zu bringen." Der „Herr von Wien" hat allerdings auch beim Beginn seiner Laufbahn mit Zerttümmerung der Fensterscheiben gedroht, später hat er dann Fortschritte gemacht und er brachte es bis zu dem berühmten Schlagwort vom „Hängen oder Köpfen". Wir wollen aber hoffen, daß Doctor Theodor H e r z l mit der Fenster- Zerttümmerung sich genügen läßt. Und auch in der Beschimpfung der Gegner war man bemüht, [bem Vorbilde nahe zu kommen. Die Männer, welche seit vielen Jahrzehnten hingebungsvoll und opferwillig der jüdischen Gemeinde dienen, wurden in der ärgsten Weise beschimpft und verdächtigt. „Um ihre ureigensten Zwecke war es ihnen zu thun". „Eine Clique von Männern, die sich wie die Auguren verstanden". In dieser lieblichen Tonart ging es weiter. Offen gestanden, wir hatten erwartet, daß diese einzige Agitationsrede Herzl's, die ohne Beispiel dasteht in der Geschichte des jüdischen Gemeindelebens, die gesammte Wiener Judenschaft zu einem flammenden Proteste aufrütteln würde. Allein die Wahlermaffen scheinen Herrn Dr. Theodor Herz! doch nicht ernst genug zu nehmen. Von den nahezu 14.000 Wählern sind blos 3000 zur Abstimmung erschienen, eine Indolenz und Gleichgiltigkeit, die tief bedauerlich ist, und für die Zukunft schwere Gefahren in sich birgt. Diese geringe Wahlbetheiligung ist beschämend für die Wiener Judenschaft. Wohl hat der Präsident, kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r, von den abgegebenen Stimmen nahezu zwei Drittel auf sich vereinigt, und somit ein glänzendes Vertrauensvotum von der Wählerschaft erhalten. Allein daß nicht mehr als 22 Percent der Wähler ihr Interesse für jüdische Angelegenheiten bei der Wahl bekundet haben, ist eine bittere Thatsache. Vor Allem war es die Pflicht jener Gesellschaftskreise, zu deren Gunsten das Wahlstatut reformirt worden, für eine stärkere Wahlbetheiligung zu sorgen, eine Demonstration von imponirender Größe zu veranstalten, welche jede böswillige Kritik und alle Angriffe der Opposition verstummen macht. Vielleicht gelingt es Herrn Dr. Theodor H e r z l, wenn er noch einige Reden solcher Art hält, in allen wohlhabenden Kreisen der Wiener Judenschaft das Bewußtsein der Pflicht aufzurütteln. * * * Von einem hervorragenden conservativen Mitglieds der israelitischen Cultusgemeinde erhalten wir folgende Zuschrift: H err Redacteur! Obschon niemals Zionist, habe ich doch stets dem Zionismus eine gewisse Sympathie entgegengebracht, weil ich der Meinung war, daß durch denselben ein gewisses Interesse für das Judenthum angeregt werde. Als ich aber einer zionistischen Wählerversammlung (am 22. d. M. im Ronacher-Saale) beiwohnte, wurde ich eines Besseren belehrt. Der Präsident der Zionisten setzte nämlich in einer in hochfahrendem Tone gehaltenen, recht inhaltsarmen Rede auseinander, wer vom zionistischen Standpunkte aus ein „guter Jude" sei. Wenn ich aus den bombastischen Phrasen des Herrn Präsidenten den Kern herausschäle, so hat ein „guter Jude" nach seiner Fagon sich um Confession und Tradition gar nicht zu kümmern, sondern sich ausschließlich als Nationalist zu fühlen, den modernen Anschauungen Rechnung zu tragen und sogar den Religionsunterricht nach dieser Richtung ertheilen zu lassen. Da ich der Meinung bin, daß ein „guter Jude" in erster Reihe seiner Religion und erst in zweiter Reihe dem Nationalismus huldigen muß, so war ich von dieser Stunde an vom Zionismus ä la Herzl-Nordau geheilt. Nicht verschweigen kann ich, daß auch begleitende Nebenumstände mich darüber aufgeklärt haben, inwieweit die derzeitigen Führer dieser Richtung dem Judenthum Segen bringen können. Der Präsident der Zionisten nahm in der bezeichnten Wählerversammlung sein Souper (Restaurant Ronacher) ein und bestieg mit dem letzten Bissen (vielleicht Schweinscarrch im Munde, die Rednerbühne, um den „guten Juden" zu definiren. Es kam ihm offenbar gar nicht in den Sinn, daß es die erste Bedingung wahrer Aufklärung sei, die Meinung Anderer zu respectiren und öffentliches Aergerniß zu vermeiden. Kann von dieser Seite dem Judenthume Heil erwachsen? Ein alter Jude. * * * — Vom Herrn k. k. Landesschulrath Dr. G. Kohn werden wir um Aufnahme nachstehender Erklärung ersucht: Wien, den 27. November 1900. Geehrter Herr Redacteur! Anfangs November l. I., nicht unbedenklich erkrankt, war ich längere Zeit theils an's Bett, theils an's Zimmer gefesselt, und mußte ich deshalb der in diese Zeit gefallenen Wahlbewegung für den israelitischen Cultusvorstand sernbleiben. Erst vor Kurzem erhielt ich von den in einigen hiesigen Blättern, sowie in einzelnen Versammlungen vorgekommenen, ebenso unberechtigten als häßlichen Angriffen und Verunglimpfungen des Cultusvorstandes und seiner Mitglieder Kenntniß. Mit Rücksicht hierauf erkläre ich, um auck nur den Schein eines Meinungszwiespaltes innerhalb des Präsidiums nicht aufkommen zu lassen, daß ich mit dem Gesammt-Cultusvorstande jederzeit solidarisch war und demgemäß für dessen bisherige Thätigkeit die volle Mitverantwortung gerne trage. Sie werden, geehrter Herr Redacteur, mich durch die' Veröffentlichung dieses Schreibens in Ihrem werthen Blatte sehr verbinden. In ausgezeichneter Hochachtung, Ihr ergebener Dr. Gustav Kohn. Die Wiener „Allianz" gegen die Anklagen der Zionisten. „Geehrter Herr Redacteur! Gleich vielen anderen meiner Glaubensgenossen habe ich mich in meinem Urtheile über die Hilfsthätigkeit, welche die „Israelitische Allianz" zu Wien, im heurigen Sommer für die jüdischen Auswanderer aus Rumänien entwickelte durch die Darstellungen der zionistischen Blätter bestimmen

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