Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 48 (30.11.1900)
- Date
- 1900-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr.M Dr. Bloch’s Jahrgang XVII. Lentralvrgsn für die gesummten Interessen des Indenthums. Nk- -X K. k. j?v>1fparraUen-rlink C l e ar ing - V e r k c r Nr. 810 976. Bebactton und Administration: Wien IX/1, Berggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien, 30. November 1900. =3* Erscheint jeden Freitag. --» s»-—- Brief-Adresse: Wien, IX/I, Berggasse 39. Teleqrnmm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. vexugsprri» für Srfterrrtch: Laibjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 56 Heller, Tür'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. m Lnyalt. Leilariikel: Die Wiener Cultusgemeindewahlen. — Die Wiener „Allianz" gegen die Anklagen der Zionisten. — Die Reichsrathswahlen — Vom Jahrmarkt des Lebens: Nach der Verurtheilnng Hilsner's. Die Ritualmordzeugen. Pisek und — China. Die medicinischen Gutachter in Xanten— Polna—Könitz. Die Konitzer ülkebenuntersuchungscominission. Eine Staatsaction gegen den Aberglauben. — Häckel's „Welträthsel" und das Judenthum. - E o r r e s p o n d e n z e n : Wien, Stockerau, Aus Böhmen, Prag, Lichtenstadt, Neutitschein, Der Fall Coblentz, Hamburg, Brüssel, Odessa, , London. — Vermischtes: Wien, Kojetein, Brünn, Nikolsburg, Groß-Meseritsch, Graz — Feuilleton: Holleschauer Reminiscenz — Briefkasten. — Inserate. Die Wiener Cultusgemeindewahlen. Sonntag wurden die Wahlen in den Vorstand und in die Bezirkscommissionen der Wiener Cultusgemeinde vorgenommen. Das Central-Wah könnt« der „Oesterr.-Jsrael. Union", des „Politischen Volksvereines" und der vereinigten Tempelvereine hatte für diese Wahl folgende Candidaten empfohlen: a) Mit sechsjähriger Functionsdauer: Dr. Alfred Berger, Hofu. Gerichtsadvocat, I., Judenplatz 8. Emanuel Hoffmann, XVIII., Karl Ludwigstraße 27. Heinrich Klinger, kaiserl. Rath, I., Ebendorferstraße 8. Dr. Gustav Kohn, Hofu. Gerichtsadvocat, IX., Hahngasse 25. Wilhelm Pollak, kaiserl. Rath, Weiugroßhändler, XIV., Reichsapfelgasse 8. Dr. Maximilian Steiner, I., Graben 16. Dr. Alfred Stern, Privatier, II., Unt. Donaustraße 27. Dr. Moriz Schnepp, prakt. Arzt, Bezirksrath, IX., Porzellangasse 22 a. b) Mit vierjähriger Functionsdauer: Jacob S. Straßberg, Realitätenbesitzer, X., Laxenburgerstr. 34. Eine zweite Candidatenliste, die in letzter Stunde auf der Bildfläche erschien, hatte an Stelle der zwei letztgenannten Candidaten den bisherigen Vorsteher kais. Rath Vogel und zur Ersatzwahl Herrn Fabrikanten H. T e l t s ch e r empfohlen. Von dem vereinigten Wahlcomite des „Jüdischen Volksvereines" und der Zionisten wurden folgende Candidaten aufgestellt: a) Mit sechsjähriger Functions dauer: Hermann Eltbogen, Kaufmann, XX., Rafaelgasse 3. Dr. Heinrich Schreiber, Rechtsconsulent und Procurist, XX., Wallensteinstraße 19. Jacob S. Straßberg, Realitätenbesitzer. X., Laxenburgerstr. 34. Dr. Leopold Kohn, Hof- und Gerichtsadvocat, VII., Lindengasse 11. Samuel Mohr, Privatier, XII., Schönbrunnerstraße 289. Adolf Brecher, Banquier, XVIII., Pötzleinsdorferstraße 22. Dr. Gustav Kohn, Hofu. Gerichtsadvocat, IX., Hahngasse 25. Wilhelm Pollak, kaiserl. Rath und Weingroßhändler, XIV., Reichsapfelgasse 8. b) Mit vierjähriger Functionsdauer: Isidor Gewitsch, Kaufmann, ll., Kaiser Josefstraße 37. Von der Candidatur zurückgetreten war Dr. Jacob Kohn, welcher in einzelnen Wählerversammlungen als Candidat des „Jüdischen Volksvereines" gesprochen hatte. Eine eigentliche Wahlagitation wurde blos von der letzten Partei, allerdings in einer Weise entfaltet, wie man sie bisher in Wien, bei Cultuswahlen wenigstens, nicht gesehen hat; während das Central-Wahlcomitä und der Cultusvorstand selber nichts unternommen haben, um eine regere Betheiligung an der Wahl herbeizuführen. Ja, von dem Gedanken geleitet, daß jeder Minorität ein gerechter Anspruch auf eine verhältnißmäßige Vertretung zustehe, hat das Central-Wahlcomite sowohl dem „Jüdischen Volksverein" als auch den Zionisten je ein Mandat angeboten. Man war bereit, E l t b o g e n und Dr. Kahn oder Doctor Schreiber und Dr. Kahn in die Candidatenliste des Central-Wahlcomites aufzunehmen, um den Wahlkampf mit all seinen häßlichen Begleiterscheinungen zu vermeiden. Genannte Personen genießen überdies in weiteren Kreisen vielfache Sympathien, die auch in den beiden leitenden politischen Vereinen, und Viele hofften, daß eine Einigung sich erzielen laffen werde. In dem Central-Wahlcomits war es namentlich der ehemalige Reichsrathsabgeordnete und Herausgeber der „OesterreichischenWochenschrift", Dr. Bloch, welcher den Abschluß eines solchen Compromisses beantragt und in eindringlichen Worten befürwortet hatte. Er verwies auf die bedrohliche Situation, in welcher sich das österreichische Judenthum befindet, die nicht einmal einen Ausblick auf eine bessere Zukunft gestattet und mehr denn je Eintracht und Einigkeit in der eigenen Mitte notwendig macht. Während über unseren Häuptern die Wolken sich immer dichter und bedrohlicher zusammenziehen, haben wir andere Aufgaben, als uns gegenseitig selber zu zerfleischen. Das Central-Wahlcomitä war dieser Argumentation zugänglich und einem Friedensschluß geneigt. Indessen hat die Opposition das Angebot der zwei Mandate abgelehnt, und es vorgezogen, eine besondere Candidatenliste auszugeben, auf welcher neben drei identischen Namen sechs neue figuriren. Und das Resultat? Von circa 14.000 Wahlberechtigten haben 3150 ihre Stimmen abgegeben. Gewählt wurden zu Cultusoorstehern mit sechsjähriger Amtsdauer die Herren kais. Rath Heinrich Klinger mit 1913, Dr. Alfred Stern mit 1831, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn mit 3041, Dr. Alfred Berger mit 1754, Emanuel Hoffmann mit 1676, kais. Rath Wilh. Pollak mit 2972 und Dr. Maximilian Steiner mit 1738 Stimmen. Bezüglich eines Mandats mit sechsjähriger und eines mit vierjähriger Amtsdauer (Ersatzwahl) findet Sonntag den 2. December die engere Wahl statt, und zwar bezüglich des ersten Mandats zwischen den Herren Hermann Eltbogen (1407) und Dr. Leopold Kahn (1320), bezüglich des letzteren zwischen den Herren Jacob Straßberg (1057) und Isidor Gewitsch (1238).