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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-23 · 47 (23.11.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
47 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 850 Br. Bloch's WochLttfchr'lfl. Nr. 47 u. A. Ferner die Präsidentinnen des Fraueichorts, die Damen Donat Zifferer, Fanny F r ö h l i ch und K o p st e i n, so wie die Präsidentin des Damcncomites des israelitischen Altcrsversorgnngshauses Frau Jda D i a m a n t u. A. m. Es muß hervorgchoben werden, das; der wackere Verwalter dieser Anstalten Herr Rudolf K o d i t s ch e k, sowie dessen humane Gattin Frau Kathi Koditschek und deren Fräulein Tochter Hilda bei dieser Gelegenheit, sowie bei anderen feierlichen Anlässen, keine Mühe sparten, den Saal solenn ansznstattcn und mit Blumen zu decoriren. Auch die Wäschebewahrerin der Anstalt Frl. Louise Pollak hat beim Arrangement in lobenswerther Werse thatkrästigst mitgewirkt. Das eifrige wohlthätige Wirken des Vereines Frauenhort ist ein humanes und edles. Mit Recht lehrt der Talmud: «Das Volk Israel ist voller Barmherzigkeit, entstammend von Barmherzigen". Wien. Am 18. d. M. starb in Wien Frau Fanny Frankl Gattin des Rabbiners Dr. Nathan Frankl in Piesling; sie entstammte einer in jüdischen Gelehrtenkreisen sehr bekannten Familie, welcher auch ihre Brüder, Jacob Stern, Rabbiner in Hostonn und Joachim Stern, Religionslehrer in Prag, angehören, und zeichnete sich als liebevolle Gattin und treue Mutter aus; schmerzcrfüllt gedachte der trauernde Gatte am Sarge der Verewigten ihrer Tugenden, wie auch Alle, die sie kannten, ihr ein treues Gedenken bewahren werden. Dem Leichenbegängnisse wohnten bei: Vorstandsmitglied der Ehewra-Kadischa. Herr Abeles, welcher namens des Vorstandes condolirte; Frau Landesgerichtsrath Dr. Bloch; Armenrath Doctor Arnold Ascher; Fabrikant Reiß mit Gemahlin u. a Wien. (S p e n d e.) Für die rumänischen Auswanderer sind uns von Herrn Jonas Fischer in Olmütz K 20.— zugekommen. Brünn. Nach einem jüngst herabgelangteu Ministerialerlaß steht es dem israelitischen Neligionslehrer an Mittelschulen frei, die durch einen katholischen Feiertag entfallende Religionsstunde an einem solchen Tag zu halten, nur muß dies Vormittags geschehen, wenn auch etwa die Stunde aus den Nachmittag fallen würde. Olmütz. (Leichenbegängnis) Unter zahlreicher Theilnahme wurde hier Frau Rosa G r o a g, die 90jährige Mutter des hiesigen Malzfabrikanten Leopold Groag, zu Grabe getragen. Sie dürfte wohl zu den ältesten Bewohnern unserer Stadt gezählt hahen, in welcher sie nahezu dreißig Jahre lebte. Auf dem Friedhofe hielt Prediger D r. O p p e n h e i m der Verstorbenen einen Nachruf. Prag. (Einezeitgemäße Predigt.) In der Prager Peterskirche hielt dieser Tage ein Prediger eine An- Iprache an die Andächtigen, in welcher er die czechischen Frauen zur Frömmigkeit aneiferte und ihnen ans Herz legte, ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Gatten, den Kindern und dem Haushalte zuzuwenden, anstatt, wie bisher, ausschließlich der Hilsner-Affaire. Diese Rede machte auf die Anwesenden lebhaften Eindruck. Tabor. Der Verein „Libanon", welcher seit jeher der hiesigen israelitischen Schuljugend seine Sympathien zuwendet, spendete behufs Anschaffung von Bibeln und Gebetbüchern für arme Schüler der hiesigen Talmud-Thoraschule den Betrag von fünf Gulden. Troppau. Herr Dr. S. K u l k a aus Leipnik hielt am 12. b. M. einen sehr belehrenden Vortrag über das Thema: „Die Juden in der arabischen Literatur und Geschichte". Das zahlreich erschienene Publicum folgte mit Spannung den Ausführungen dieses greisen Gelehrten, der es verstanden hat, dieses noch wenig behandelte Thema in sehr interessanter Weise darzustellen und zeichnete am Schluffe des Vortrages Herrn Doctor Kulka mit lautem Beifall aus. Teplitz. (T em p elv e r e i n.) In der kürzlich abgehaltenen 21. ordentlichen Generalversammlung wurde die seitens des Vorstandes vorgeschlagene Aeuderung der Statuten genehmigt, der Thätigkeits- und Cassabericht beifälligst ausgenommen und die Neuwahl des Ausschusses vorgenommen. Fast einstimmig wurden in den Vorstand berufen: Karl Beamt, Ernst Bechert, Karl C a n t o r; Adolf Fleischer, Julius Hahn, Dr. Siegmund Hahn, Ludwig Heller, Adolf Karpeles, Moritz Langer, Adolf Läufer, Bernhard Schlesinger und Siegfried Steiner. Zu Caffarevisoren wurden Hermann Bloch und Leopold K u s i e n e r wiedergewählt. In der hierauf stattgefundenen Vorstandssitzung wurde Ernst Bechert zum Obmann, Karl Beamt zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Wie seit Jahren, wird in allernächster Zeit wieder ein Wohlthätigkeitsfest, dessen Erträgniß zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet wird, veranstaltet werden. Krakau. Der „Hamagid" vom 1. November d. I. bringt unter Anderem die Notiz, daß Herr Dr. Arnold Rappaport Ritter von Porada, der Reichsraths-Abgeordnete unserer Handelskammer, die Summe von fl. 200.000 zum Fände der Gemeinde gespendet hat. Außerdem hat Herr Dr. von Rappaport fl. 25.000 zur Erbauung eines Kinderspitales in Krakau gewidmet. Temesvar. Nunmehr sind bei der hiesigen Oberstadthauptmannschaft von der Araber Oberstadthanptmannschaft jene corpora delicti angekommen, welche dem in Arad von den Organen unserer Criminalpolizei verhafteten Tempelräuber Alexander S a s s i abgenoinmen wurden. Sassi war dringend verdächtig, der Rädelsführer jener Einbrecherbande gewesen zu sein, welche den so verwegenen Einbruch in den neuen Fabriker israelitischen Tempel ausführte. Durch die heute hier eingelangten oorpora delicti wurde der Verdacht zur Gewißheit. S a s \ t ist wirklich der THüter, denn bei ihm wurden in Arad eine eiserne Hme, Feilen, Brecheisen und Schlüssel gefunden, genau jenen Hauen, Feilen und Brecheisen, wie solche nach dem Einbrüche aus dem Schauplatz; der That im Fabriker Tempel gefunden wurden, welch' Letztere als Eigenthum des vis-ä-vis vom Tempel wohnhaften Baumeisters K. erkannt wurden, bei welchem in dersellen Nacht ebenfalls ein Einbruch vollführt worden war, ferner der Schlüssel des . Tempels. Sassi steht unter dem Verdachte. daß er auch den Lippaer Tempelraub auf dem Gewissen habe. Sarajevo. In der vorigen Woche hat in der hiesigen spanisch-israelitischen Cultusgemeinde die Neuwahl des Ausschusses stattgefunden. Der neue Präses ist Gemeinderath Salomon Eff. Salom; der übrige Ausschuß setzt sich aus nachstehenden Herren zusammen: Rafael Attias, Elias E. K a j o n, Avram S. L e v y (Sadic), Bernardo P i n t o, Leon D. L e v i, Avram I. P a p o, Jesua D. Salom, Josef M. P a p o, Josef S. F i n c i, Josef Israel und Äser A lkalaj; außerdem wurden vier Ersatzmänner gewählt. Feuilleton. Holleschauer Reminisren;. Von Franz Schamann. Es war in der Zeit der Holleschauer Exceffe des Vorjahres. Ich schlenderte vom Cafe de l'Europe ohne Ziel durch die Gaffen hin, ergriffen von einer großen Erregung bei dem Gedanken, wie viel verleitete Menschen die blauen Bohnen statt gewissenloser Redacteure nledergestreckt hatten. So kam ich am Bahnhof vorbei; eben lief der Zug von Kojetein ein und etwas wie Neugier zog mich in die Halle. Ich trat ein, besah mir die Reisenden, ließ mich schieben und stoßen und kümmerte mich wenig darum, als man gerade ein Weib verhaften ließ, welches der Finanzwache mit einem vollen Korb Eier und Butter entschlüpfen wollte. Plötzlich aber glaubte ich meinen Namen vernommen zu haben, ich wandte mich um, da bot sich mir auch schon eine Hand entgegen und Jemand rief: Servus! Jetzt erkannte ich den Rufer. Grüß Gott, Fritz ... nach wem trägst Du Trauer? Der Vater ist mir gestorben ... So? — Hm — kam das so mit einem Mal? Komm mit, ich werd' Dir die Beschicht erzählen, hier geht's nicht, die vielen Menschen machen mich nervös. . Wir verließen die Halle, nahmen einen Einspänner und fuhren hinab zur Krone, nach einem jener Absteigquartiere, welche von jüdischen Kaufleuten und Jahrmarktsbesuchern frequentirt werden. Endlich hielt der Wagen vor einem großen, grauen Zinshause, dessen trübe Fenster eine unendliche Trauer verkündeten. Willst D' mit hinauf gehen? Nein, ich werde warten — eile, wir gehen nachher zu Schopp. Fritz verschwand mit seiner kleinen, braunen Handtasche im Dunkel des Vorhauses und ich blieb im Einspänner, dessen Fenster zarte Eisblumen zierten. Der Tag neigte sich dem Ende zu, langsam schwand das Licht, es dämmerte, vom rauchgrauen Himmel wirbelten dichte Flocken Schnee herab und deckten die Dächer mit ihrer weißen Decke, hüllten die Straßen, das Trottoir in ihr schimmerndes, blendendes Kleid. Mir ward mein kleiner Horizont zu eng, ich hauchte eine Lücke aus der Scheibe aus und

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