Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Date
- 1900-11-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 47 Moch'S WochrnjMisL. Decke 849 Stein über die sanitären Verhältnisse im Preßburger Comitat, welche Anfrage Dr. Stein im günstigen Sinne zu beantworten in der Lage war. Teschen, am 19. November 1900. Es war ein wahrhaft erhebendes Fest, das gestern hier gefeiert wurde, um anläßlich des Jahrestages, an dem die Amtsthätigkeit des Herrn Moriz F a s a l als Vorstandsmitglied in der hiesigen Cultusgemeinde ihr 25. Jahr abgeschlossen hat, der ungetheilten Verehrung des Jubilars sichtbaren Ausdruck zu geben. Die Feier wurde nach traditionell jüdischem Brauche damit eingeleitet, daß der gefeierte Jubilar am Sabbath zur Thora gerufen und für ihn im Mi scheberach der Segen Gottes erfleht wurde für die unverwelklichen Verdienste, die er sich um das Gedeihen und die Entwicklung unserer Mustergemeinde erworben hat, wobei der Jubilar namhafte Beträge für hiesige humanitäre Vereine spendete. Gestern, am eigentlichen Jubeltage, begab sich der Cultusvorstand und Gesammtausschuß unter Führung seines Präses, Großindustriellen Herr I. Ph. Glesinger, in die Wohnung des Gefeierten, woselbst der Cultuspräses eine wahrhaft erhebende und ergreifende Ansprache hielt, in der er den Verdiensten des Jubilars als Vorstandsmitglied, als Obmann des Talmud-Thora-Bereines und insbesondere als Träger und Erhalter des confessionellen Friedens in unserer Stadt in schwuigvollen Worten würdigen Ausdruck verlieh. Se. Ehrwürden Herr Kreisrabbiner Dr. Leimdörfer, der in Amtstracht erschienen war, gab mit oratorischer Meisterschaft dem Wohlthätigkeitssinn des Jubilars Ausdruck. Ferner erschienen als Gratulanten alle Herren Cultusbeamten und zahlreiche Verehrer und Freunde des Jubilars aus Nah und Fern. Der Jubilar verstand es, durch seinen streng rechtlichen Charakter, durch seinen unermüdlichen Pflichteifer in Ausübung des Berufes aller seiner vielen Ehrenämter, namentlich als langjähriges Mitglied des städtischen Gemeindeausschusses, sowie durch seinen außerordentlichen Wohlthätigkeitssinn sich die Liebe und Werthschätzung der ganzen städtischen Bevölkerung, ohne Unterschied der Konfession, im höchsten Maße zu erwerben. Durch Arbeit, Fleiß und Schicksalsgunst zum Wohlstand gelangt, weiß er seinen Ueberfluß zum Wohle der Armen und Bedürftigen zu verwenden und jeder Bittsteller findet bei ihm ein offenes Herz und offene Hand. Ihm zur Seite steht seine würdige Gattin, die durch Klugheit und Bescheidenheit das Ansehen des Hauses zu mehren versteht und als Wohlthäterin und Trösterin die vom Glücke Enterbten reichlich unterstützt. Auch ihre Verdienste finden darin allgemeine Anerkennung, daß sie auch namentlich von vielen christlichen Vereinen mit Ehrenämtern überhäuft wird. Am Abend fand im Hause des Jubilars ein Diner statt, an dem sich der Vorstand und Ausschuß, der Kreisrabbiner Dr. Leimdörfer und der Herr Religionslehrer Gutmann betheiligten, wobei die animirteste Stimmung herrschte und es an geistreichen und witzigen Toasten nicht fehlte. Breslau. Die an hiesiger Universität bestehende „studentisch-wissenschaftliche Verbindung" wurde am 31. Juli d. I. vom Rector und Senat vorläufig, und zwar für die Dauer eines schwebenden Untersuchungsverfahrens suspendirt. Dies Verfahren war durch ein Mitglied der Verbindung herbeigeführt worden, welches einem Mitglied der Turnerschast „Suevia", wegen seines herausfordernden antisemitischen Benehmens eine Ohrfeige versetzt hatte. Diese, in akademischen Kreisen sonst ungewöhnliche Selbsthilfe, zu der sich der j ü d i s ch e S t udent Hinreißen ließ, ist auf eine schwere persönliche Beleidigung zurückzuführen, die ihm von dem antisemitischen Studenten angethan wurde. Die feindliche Stimmung war schon seit längerer Zeit durch verschiedene Vorgänge im Hörsaale vorbereitet worden. Auf den Bänken standen nicht selten von unbekannter Hand geschriebene, offenkundig an die Adresse der jüdischen Commilitonen gerichtete Bemerkungen, z. B. „Duft aus Könitz" oder „Ein schöner Anblick ist hienieden — Ei wai, ei wai, 's sind kauschre Jüden." Aehnliche tactlose Aeußerungen wurden von studentischen Antisemiten in Gegenwart jüdischer Studenten öfters gesprochen, und an diese auch persönlich gerichtet, wie z. B. „In Könitz geschieht noch viel zu wenig, die Juden müßten zu Mus geschlagen werden." Eines Tages riß einem der fortgesetzt Geschmähten die Geduld. Es geschah bei Vorstellung eines schwerkranken galizischen Juden in der chirurgischen Klinik am 9. Juli d. I. Der Patient machte bei Erzählung seiner Krankengeschichte eigenthümliche Gesten, die von dem zufällig gegenwärtigen antisemitischen Sueven in recht auffallender Weise nachgeahmt wurden. Durch dieses Benehmen fühlte sich der neben ihn sitzende jüdische Student beleidigt und ignorirte ihn dafür, was er auch dadurch zeigte, daß er die von dem Antisemiten ihm üverreichten Präparate nicht abuahm. Nach Beendigung des Collegs folgte der Sueve dem jüdischen Studenten in die Garderobe und rief ihm zu: „Sie sind ein unverschämter Mensch!" Als Antwort darauf erhielt er von dem jüdischen Studenten eine schallende Ohrfeige. Auf studentischem Wege wurde die Angelegenheit nicht zum Austrage gebracht, vielmehr beschloß eine Conferenz aller an der Universität bestehenden Verbindungen gegen den Protest des „Vereines jüdischer Studenten" den Herrn, der die Ohrfeige ausgetheilt, beim akademischen Senat zur Anzeige zu bringen, dagegen über den Antrag der jüdischen Vertreter, das Verhalten des Sueven für incommentmäßig zu erklären, zur Tagesordnung überzugehen. Auf diese Anzeige hin wurde die oben erwähnte Untersuchung gegen den jüdischen Studenten eingeleitet, und derselbe vom akademischen Senat der Universität durch ein am schwarzen Brett zum Aushang gebrachtes Urtheil „wegen thätlicher Beleidigung eines Commilitonen mit Entfernung von der Universität bestraft". — Und was, so möchten wir fragen, ist dem rohen Gesellen geschehen, den nicht einmal der Ernst des Krankenbettes von seinen antisemitischen Flegelgelüsten abhalten konnte? Wien. In Bezug auf den in unserer letzten Nummer ge brachten Bericht über die am 14. d. Mts. im Musikvereinssaale stattgefundene Wahlbesprechung der Wiener Israelitischen Cultnsgemeinde werden wir ersucht, richtigzustellen, daß anläßlich des vom Herrn Architekten Marmorek gegen ein Vorstandsmitglied erhobenen Vorwurfes wegen Uebergabe des Baues eines Hauses an einen christlichen Architekten, der Vorsitzende keineswegs die Nennung des Namens des betreffenden Vorstandsmitgliedes verlangt habe. Wien. Der Bethausvorstand für den XII. und XV. Bezirk hat Herrn Cantor Julius S m o t r i tz k y eingeladen, Freita i den 23. d. M. Abends und Samstag den 24. d. M. Morgens im israelitischen Tempel XV., Turnergasse 22, Probevorträge abzuhalten. Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ji dem Bericht über die Plenarversammlung der Oesterreichisch- Jsraelitischen Union hat sich eine kleine, aber sinnstörende Ungenauigkeit eingeschlichen. Bei Abwehr der auf die Leitung der „Allrance" gerichteten und von mir als unzutreffend und ungerecht bezeichneten heftigen Angriffe sagte ich nicht: die Herren hätten „den Kopf verloren", sondern: die Sache (die Auswanderung aus Rumänien) drohte durch ihren Umfang den Herren über den Kopf zu wachsen, und es wäre kein Wunder gewesen, wenn einzelne Herren nervös geworden wären. Für die Aufnahme dieser Zeilen im Vorhinein dankend, zeichne ergebenst Prof. Dr. E h r m a n n. Wien. Donnerstag den 15. d. M. fand im engsten Familienkreise die Haustrauung des Herrn Karl L a n d e i s, Sohnes des Industriellen Herrn Leopold Landeis, mit Frl. Friederike Schwarz statt. Die Functionen versahen die Herren: Rabbiner Dr. I. Wolf und Obereantor Jurberger. Wien. Herr Dr. Sigismund Bauer hat sich nach mehrjähriger beruflicher Thätigkeit hier, II., Untere Donaustraße 35 als praktischer Arzt etablirt. Wien. (Baron Hirsch-Stiftung.) Im letzten Verordnungsblatt (Stück XXII) für den Dienstbereich des Ministe riums für Cultus und Unterricht vom 15. November 1900 lese: wir folgende Kundmachung: Der Minister für Cultus und Unterricht hat den Privat-Volksschulen der Baron Hirsch-Stiftung in Otynia, Tysmienica, Obertyn und Sniatyn das Oeffentlichkeitsrecht vom Schuljahre 1900/1901 an ertheilt. Wien» 18. November. Gestern Abends wurden in dem eleganten großen Saale des neuerbauten, an das israelitische Altersversorgungshaus anstoßenden Siechenhauses von dem Verein „Frauenhort" de- IX. Bezirkes gespendete 200 nette Kinderanziige für das Alter von 3 bi-:- 13 Jahren ausgestellt, welche hieraus, nach der neuesten humanen Reform, um das Gefühl der Eltern und das Kindergemüth nicht zu verletzen, an unbemittelte jüdische Familien ins Haus geschickt wurden. Bei dieser schönen Feier waren von Notabeln anwesend: Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Moritz G ü d e m a n n, der Vorsteher des Müllnertempels Herr G. B e t t e l h e i m, Herr Regierungsrath Wilhelm