Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Date
- 1900-11-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Skr. 47 Dr. Blach'e- Wochenschrift, Seite 841 Wählerversammlung des Central- WahlcomMs für die Cultuswahlrn 1901. (Oesterreichifch-Jsraelitische Union. — Politischer Volks- Verein. — Die vereinigten Tempelvereine.) Samstag, den 17. November 1900. Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Oesterreichisch- Jscaelitischen Union, des Herrn kaiserl. Rath R u z t ß! a, hielt das vereinigte Wahlcomite Samstag den 17. November d. I. im „Hotel Central" eine ungemein zahlreich besuchte Wählerversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand die Anhörung von Candidaten. Zu dieser Versammlung hatten sich vom Cultusvorstande die Herren Präsident kaiserl. Rath Klinger, Vicepräsident Dr. Alfred Stern, Dr. Alfred Berger, Salo K o h n, Architekt Fleischer, Docent Dr. G r ü n f e l d, kaiserl. Rath Hirsch, Em. Hoffmann, kaiserl. Rath P o l l a k, Director Simon, Dr. Max Steiner, Baurath S t i a ß n y und kaiserl. Rath Vogel eingefunden. Außerdem bemerkte man die Herren Bezirksräthe Brill und Neu st adtl, den Präsidenten des jüdischen Volksvereines Dr. Rappaport, Dr. Theodor H e r z l u. A. Ihr Ausbleiben entschuldigten die Herren Cultusvorsteher Regierungsrath Dr. S t e g e r, v. Mises, Gottlieb T a u s s i g und Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, welch Letzterer seine Candidatur erneuerte. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende begrüßte in erster Linie den erschienenen Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r, welcher Gegenstand einer spontanen Ovation wurde. Ferner begrüßte er die erschienenen Mitglieder des Cultusvorstandes und bemerkt mit Rücksicht auf die störenden Zwischenfälle in der unter der Aegide des Cultusvorstandes am letzten Mittwoch stattgehabten Wählerversammlung: der Zweck der heutigen Versammlung ist die Anhörung von Candidaten; im Geiste der hier versammelten Herren Wähler werde ich jede sachliche Kritik zulassen, insoweit sie sich in parlamentarischen Formen bewegt, und die geehrten Herren Wähler werden die Güte haben, an dem correcten und würdigen Verlauf mitzuwirken und damit die Aufgabe des Vorsitzenden, für den parlamentarischen Verlauf der Versammlungen sorgen zu können, erleichtern. Die Versammlung genehmigt sodann die Reihenfolge der Redner, nnd es ergreift als erster Redner das Wort Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger. Derselbe sagte: Ich bin heute derselbe, wie vor 4 Jahren, als Sie mir die Ehre erwiesen, mich in den Cultusvorstand zu wählen. Ich hatte es unternommen, in demselben eine kleine, aber bedeutende Fraction zu vertreten, eine Fraction, die ein Interesse hat, in ritueller Beziehung ein Wort mitreden zu dürfen. Trotzdem habe ich mich nie als Vertreter einer speciellen Fraction, sondern stets als Gemeindevertreter angesehen, und wenn es sich handelte, Gegensätze auszugleichen, habe ich es immer nach beiden Seiten gethan. In einigen Bezirken hat sich aber eine Bewegung gezeigt, die darauf hinzielt, in einzelnen Tempeln weitgehende Reformen einzuführen. Wohl respectirt der Cultusvorstand jede Autonomie. Allein wenn solche Bestrebungen dahin führen, eine Beunruhigung hervorzurufen, dann ist es Pflicht des Vorstandes, hier ein warnendes Wort zu sprechen, umsomehr dort, wo es sich um solche Tempeln handelt, die von der Gemeinde subventiomrt werden. Es ist erfahrungsgemäß, daß solche Reformen geeignet sind, eine Spaltung hervorzurufen, und deshalb habe ich es versucht, diese Herren von ihrem Vorhaben abzubringen. Hat es sich um eine Erhöhung einer Subvention gehandelt, bin ich stets für dieselbe eingetreten; ich war ihr Gegner, wenn dieselbe dazu dienen sollte, die erwähnten Reformen zu fördern. An der Armenpflege der Gemeinde habe ich nicht theilgenommen, weil ich der Ansicht huldige, daß die geschlossene Armenpflege, wie Spital und Siechenhaus, Aufgabe der Gemeinde sei; die offene Armenpflege könne man mit Beruhigung den Gemeindegenossen überlassen. Ich habe beim Altersversorgungshaus eine weitgehende Controle eingeführt, die sich vorzüglich bewährt; ich leite seit Jahren die Verköstigung armer Schulkinder in der Brigittenau und kann daher ruhig sagen: Wenn Ihnen meine Thätigkeit nicht genügt, ich selbst werde Ihnen selbstverständlich nicht genügen. (Lebhafter Beifall.) Kaiserl. Rath Friedrich Vogel: Es ist mir schwer, Ihnen, meine Herren, Rechenschaft über meine Leistungen zu geben, da die weitverzweigte Thätigkeit im Cultusvorstande vermöge unserer internen Gliederung und Organisation, die Thätigkeit des einzelnen Mitgliedes im Speciellen zu constatiren, sehr schwer zuläßt. Ich habe mein besonderes Interesse der Thätigkeit in der Schul-, Finanz- und Friedhofs-Section gewidmet; ich habe seinerzeit gelegentlich der Präterirung jüdischer Lehrer im Vereine mit 2 College» beim Bürgermeister und Statthalter intervenirt; die Thätigkeit des einzelnen Cultusvorstehers im Ganzen läßt sich jedoch am besten dadurch beurtheilen, wenn Sie erwägen, daß im Jahre 1898 173 und im Jahre 1899 195 Sitzungen stattfanden. Ganz abgesehen von den vielen Sitzungen der Steuer- und Schätzungscommissionen. Wenn ich mich heute abermals um ein Mandat bewerbe, so thue ich deshalb, weil ich mich in Folge meiner langjährigen Thätigkeit in so manche Frage, die demnächst zur Lösung gelangen dürfte, eingearbeitet habe und anderseits, weil mich Lust und Liebe für die gemeinsame, gute Sache beseelen. Wenn ehrliches Wollen in ihren Augen als ein Verdienst angesehen wird, dann versichere ich Sie, daß es mir hierin auch fernerhin nie fehlen wird. Emanuel H o f f m a n n : Ich trete heute in Ihre Mitte, vielfach als Fremder. Ich habe meine Thätigkeit im Jahre 1876 in Währing begonnen, woselbst ich 1879 eine Cultusgemeinde gegründet und 1889 einen Tempel erbaut habe. Bei der Bereinigung mit Wien, bin ich in den Cultusvorstand berufen worden, woselbst ich in 5 Sectionen thätig bin. Ich führe die Verwaltung des Währinger Tempels. In Währing habe ich eine Bibelschule gegründet, die derzeit von 76 Kindern besucht wird. Ich widme mich mit Vorliebe der Ueberwachung des Spitales, woselbst ich 2mal wöchentlich die Kranken besuche und die Ausspeisung überwache. Ich bin gerne bereit, wieder ein Mandat anzunehmen. Kaiserlicher Rath Wilhelm P o l l a k: Ich habe mich, seitdem ich im öffentlichen Leben stehe, stets für's Judenthum bethätigt. Was ich im Cultusvorstande leistete, müffen Sie das Präsidium fragen. Ich bin ein Glied jener Kette, welches in der Gesammtheit wirkt. Ich habe stets mein Möglichstes gethan, und wenn ich dem löblichen Präsidium nicht immer angenehme Sitzungen verschafft habe, so bitte ich, mir dies gefälligst zu Gute halten zu wollen. Ich halte dafür, daß die heutige Versammlung nicht so zahlreich besucht worden wäre, wenn nicht die Jugend sich so eifrig betheiligen würde, und ihr vindicire ich das Verdienst, daß selbst der verehrliche Präsident in dieser Versammlung erschienen, was früher nie der Fall gewesen ist. Ein frischer Zug schadet der Judenheit nicht. Ich kann mir eine wohlthätig wirkende Körperschaft ohne Opposition nicht denken, da sonst jede Schaffensfreudigkeit erlahmt. Ich war der erste, der gegen das alte Statut Front gemacht hat, da uns dasselbe in den äußeren Bezirken sehr geschadet hat. Ich bin stets entschieden für die obligatorische 5 Gulden- Steuer eingetreten, weil ich einen großen Werth darauf lege, die Juden politisch reif zu machen. Leider war mein Bestreben, die bezirksweise Wahl, die Bezirks commissionen vollständig durchzusühren, nicht von ganzen Erfolg begleitet. Ich dachte mir die Bezirkscommiffionen in der Weise, daß deren Obmann Sitz und Stimme im Cultusrathe haben solle, denn nur dann hätte der Cultusvorstand die Bedürfnisse der einzelnen Bezirke zur Genüge kennen gelernt. Sollte mich Ihr Vertrauen wieder in die Gemeinde berufen, dann will ich in derselben wieder wirken, so gut, wie ich es kann. (Lebhafter Beifall.) Kaiserl. Rath K l i n g e r, mit stürmischem Beifalle empfangen, bemerkte eingangs seiner Rede, daß er sich das Wort erbeten habe, nicht um zu candidiren, sondern zur Abgabe einer Erklärung. Wenn, sagte der Redner, ich Rücksichten der Bequemlichkeit oder den Bedürfnissen meiner etwas angegriffenen Gesundheit folgen würde, könnte ich Ihnen einfach danken für das mir wiederholt bewiesene Vertrauen. So aber sind es Rücksichten anderer Natur, von denen mich leiten zu lasten ich bemüßigt bin. Dazu gehört unter Anderem, daß man die unter meinem Präsidium zu Stande gekommene Wahlreform zum Angriffspunkte gemacht hat. Deshalb erscheint es mir als Pflicht, zu erklären, daß, wenn Sie mir wieder Ihr Vertrauen zuwenden sollten, ich bereit sein werde, Ihrem Rufe zu folgen. (Beifall.) Und nun gestatten Sie mir, geehrte Herren, Ihre Geduld für wenige Minuten iu Anspruch zu nehmen. Nicht um von mir zu sprechen. Dank der von uns eingehaltenen Oeffentlichkeit, find die Arbeiten