Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 46 (16.11.1900)
- Date
- 1900-11-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021378--10381-3034859- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 832 Vr» BlEs Wortzrnf^rM Nr. 4k mit Erweiterung der Lymphgefäße verbunden ist, litt. Am Unterschenkel der Kranken fand sich eine Oeffnung, aus der spontan Lymphe ausfloß. Es schien Professor Munk und dem damaligen Assistenten Dr. Israels, Dr. A. Rosenstein, wissenschaftlich von Interesse, an der Kranken den Einfluß verschiedener Nahrungsmittel auf die Zusammensetzung der Lymphe zu studiren. Dr. Israel gab die von ihm erbetene Einwilligung zu den Untersuchungen, die in einer Zeit vorgenommen wurden, in welcher Dr. Israel den Operatinnsplan für die Heilung der Fistelöffnung bei sich ausarbeitete. P,ofissor Pflüger faßt seine Klage gegen die Professoren Israel und Munk und Dr. Rosenstein ' ahin zusammen: „Der dirigirende Arzt Herr Dr. I. Israel überließ „in entgegenkommendster Weise" das arme Mädchen dem Herrn I. Munk und dessen Mitarbeiter A. Rosenstein „zur Anstellung von Untersuchungen". Es war ein Judenmädchen, wie aus der Angabe hervorgeht, das sich „aus religiösem Anlaß einem Fasttage unterzogen". Als sich das kranke Mädchen in das indische Krankenhaus doch zur Heilung aufnehmen ließ, hat es gewiß nicht vorausgesetzt, daß es von seinen Stammesgenoffen wie ein Hund zu physiologischen Versuchen mißbraucht werden würde. Obwohl die Kranke so gelagert werden konnte, daß der Ausfluß und Sästt Verlust aus der Fistel aufhörte, oder doch sehr gering war, wurden derselben Chylusmengen literweise entzogen, ebenso Blut zu Analysen abgezapft, nachdem die Kranke entweder widerwärtige chemische Präparate zu essen oder auch umgekehrt lauge zu fasten veranlaßt worden war. Professor Israel bat nun als Antwort in der neuesten Nummer der „Berliner Äinischen Wochenschrift" einen offenen Brief an Professor Pflüger veröffentlicht, der dessen Anklagen treffend und Punkt für Punkt widerlegt und die Bezeichnung der Versuche als Vivisection, die unerhörte Anschuldigung, daß die Patientin „wie ein Hund zu physiologischen Versuchen mißbraucht" worden sei, als den Thatsachen widersprechend auf das Energischeste zurückweist. Die Hauptsache ist, „daß die Patientin hierdurch keinen Schaden gelitten, vielmehr im blühenden Zustande mit geheilter Fistel das Krankenhaus verlassen hat". Da die antisemitischen Zeitungen sich des Stoffes bereits als willkommener Beute bemächtigt, haben wir <s für nützlich erachtet, diese Abfuhr hier ausdrücklich hervorzuheben. Jassy. (Das Jubiläum des Dr. Lippe.) Am 4. November feierte, wie bereits gemeldet, der rühmlichst bekannte Vorkämpfer der jüdisch-nationalen Idee in Rumänien, Herr Dr. K. Lippe, seinen siebzigsten Geburtstag. Im Laufe des Tages liefen zahlreiche Beglückwünschungsschreiben und Telegramme ein. Um 4 Uhr Nachmittags fand im jüdischen Leseclub eine Versammlung statt, an der sämmtliche Mitglieder, mehr als 150 an der Zahl, sowie ein zahlreiches Publicum theilnahmen. Der Vorsitzende des Clubs, Herr Hirschensohn, fkizzirte in einem Bortrage die Biographie des Jubilars, worauf der Rabbiner Dr. Niemerower die hohen Ideen feierte, die Dr. Lippe nach jeder Richtung hin, politisch, culturell und philanthropisch, vertritt. Ein kleines Mädchen declamirte darauf ein Gelegenheitsgedicht, worauf das Fest mit einer Rede des Herrn Dux geschloffen wurde. Abends fand zu Ehren des Jubilars eine Festsitzung des Vereines „B'nai Brith" statt. Herr Dr. B u r st i n hob bei dieser Gelegenheit die Verdienste hervor, die sich Dr. Lippe erworben als Arzt und als Sohn feines Volkes, für welches er große Opfer gebracht und eine unerschütterliche Treue kundgethan hat. Es sprachen noch verschiedene andere Persönlichkeiten, worauf ein Bankett zu 125 Gedecken den Festtag schloß. Auch eine Gedenkmedaille wurde geprägt. London, 14. October. (Die Parlamentswahlen.) Wie seinerzeit an dieser Stelle mitgetheilt worden, haben sich 22 jüdische Engländer bei den gegenwärtigen Wahlen um ^Mandate für das Unterhaus beworben. Bon diesen 22 Bewerbern sind 8 gewählt worden, 12 sind in der Minorität geblieben, 2 Wahlen stehen noch aus. Die Gewählten sind: 1. Benjamin L. Cohen, Vertreter für East Jslington, Mitglied der conservativen Partei. 2. Harry Simon Samuel, Vertreter für Limehouse, Mitglied der conservativen Partei. 3. Louis Sinclair, Vertreter für Romford (Essex). Mitglied der conservativen Partei. 4. Herbert M. Jeffel, Vertreter für South St. Pancras, Unionist. 5. Lionel Walther Rothschild, Vertreter für Mid-BuckS, Unionist. 6. Edward Saffoon, Vertreter für Hythe, Unionist. 7. Maurice Lewy, Vertreter für Loughborough, tLeicesterfhire), Mitglied der liberalen Partei. 8. Stuart Montagu Samuel, Vertreter für Whitechapel, Mitglied der liberalen Partei. Da die Unionisten mit den Conservativen verbündet sind, gehören von den 8 jüdischen Abgeordneten 6 der gouvernementalen; 2 der liberalen Richtung an. Von den 12 unterlegenen jüdischen Candidaten waren 10 liberal, 2 conservativ. — Von den Bewerbern allen, denen die Zionisten ihre Unterstützung zugesagt haben, ist nicht einziger durchgekommen. Das wird die Zionisten nicht abhalten, von dem großen politischen Einfluß zu fabeln, den sie bei den Wahlen ausgeübt haben. London, 14. October. (O b e r st Goldsmid.) Die Ernennung des Oberst Goldsmid zum Generalinspector der Communicationslinien im Westdistrict der von den britischen Truppen besetzten Landestheile in Südafrika ist ein neuer Beweis des großen Vertrauens, das die englische Regierung zu der Tüchtigkeit dieses Officiers hat. Schon in der verantwortlichen Stellung als Commandant von Griquatown hat Oberst Goldsmid die Anerkennung seiner Vorgesetzten gefunden, die neue Beförderung ist ein deutlicher Ausdruck dieser Anerkennung. New-Iork, 5. September. Henry Oswald von Nr. 160 2. Ave. stand im Iorkviller Polizeigericht unter der Anklage, gestern Nachmittag Frau Mary Roskalsky, Nr. 159 2. Ave. wohnhaft, mit einem Messer angegriffen und ihr mehrere Stichwunden beigebracht zu haben. Im Gerichte erklärte Oswald: -Ich hasse die Juden und habe die Frau nur deshalb angegriffen, weil sie eine Jüdin ist." Oswald ist ein geborener Schlesier. Er wurde vom Richter Meade unter Doll. 1000 Bürgschaft gestellt. Frau Roskalsky befindet sich noch im Bellevue-Hospital. John L. Dunlap von Nr. 73 West 11. Straße, gegen den ein Proceß wegen Wuchers vor den Specialassisen anhängig gemacht ist, wurde auf eine ähnliche Beschuldigung hin durch den Detective Sergeanten C a r e y ebenfalls verhaftet. Der Kläger ist Timothy Keene, der in einem Laden an der 14. St. angestellt ist. Er gibt an, daß er sich am 3. Juli zu Dunlap begab, um 20 Doll, zu borgen. Er erhielt Doll. 15.16 in Baar und mußte ferner fünf Schuldscheine im ungefähren Betrage von Doll. 20 unterzeichnen; außerdem wurden ihm Doll. 4.48 Zinsen berechnet. Er behauptet nun, das Gesetz verbiete eine höhere Zinsberechnung als 6 Percent. Dunlap wurde dem Richter McMahon in Abtheilung I der General-Assisen vorgeführt, der ihn unter Doll. 1000 Bürgschaft stellte, die James A. Campbell von No. 320 West 22. Str. hinterlegte. Dunlap ist bekanntlich ein Bruder des alten Judenbekehrers Dunlap, mit dessen Geld das Wuchersyndicat schon seit Jahren hier arbeitet. T. Chicago, 6. October. Sonntag Abends fand im Tempel Bnai Abraham eine Succothfeier statt, welcher ein überaus zahlreiches Publicum beiwohnte. Der vorhandene Raum war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt und die Anwesenden, zu denen außer dem Reverend A. R. Levy, dem Rabbiner des Tempels Bnai Abraham, auch die Rabbiner Hirsch, Felsenthal, Moses und Rappaport zählten, während die Mische Agricultur-Hilfsgesellschaft durch den Präsidenten Herrn Adolf Lveb und Herrn Israel Cowen, einem der Directoren, repräsentirt war, bewunderten die interessante Ausschmückung des Gotteshauses, die eine ausführlichere Beschreibung verdient. Auf der Plattform stand eine Succoth, die aus Kukurutzhalmen, Weizen- und Roggengarben gebildet und mit Obst- und Feldfrüchten reich geschmückt war. Auf den Treppen zur Biniah (?) lagen außergewöhnlich große Kürbisse, Melonen, Kartoffel, Rüben, alle Gattungen Gemüse und Obst malerisch geordnet. Alle Früchte waren Geschenke der jüdischen Farmer von Dakota, Michigan, Iowa, Minnesota, Wiskonsin und Illinois, welche diese Erzeugnisse ihrer Farmen dem Chicagoer Tempel zur Ausschmückung gesandt hatten. Rabbi Levy leitete den Gottesdienst und der Gemeindechor unterstützte ihn vortrefflich. Sämmtliche anwesenden Rabbiner, sowie auch die Herren Loeb und Cowen hielten kurze Ansprachen, in welchen sie die Wichtigkeit der Aufgabe betonten, die Juden zum Ackerbau zurückzuführen, und die Anwesenden aufforderten, sie in diesem Bestreben zu unterstützen. Am folgenden Morgen erhielt Dr. Levy nachstehenden Brief: Hochgeehrter Herr! Gestern Abends befand ich mich unter den Zuhörern, die Sie aufforderten, Ihre Cvlonisationsbestrebungen für arme Juden zu unterstützen. Ich habe mich nun entschlossen, Ihnen 160 Acre Landes in Scott County, Kansas, drei Meilen von Scott City, anzubieten und bemerke, daß dies Grundeigenthum frei von jeglicher Belastung ist. Ihr sehr ergebener Nathan Newfield, Advocat, 92—94 Lassallestraße, Chicago.