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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 46 Dr. BLoch's MochenfchrisL Seite 831 hat besagter Hort die erfreulichsten Resultate auszuweisen; viele^ Mädchen haben sich bereits eine vollkommen selbstständige Existenz erworben und gar mancher Familie, die im Elende unterzugehen „ drohte, wurde durch die Ausbildung ihres Kindes im Lehrmädchenhorte ein menschenwürdiges Dasein bereitet. Da die ein-? zelnen Details über das Wirken dieser wahrhaft segensreichen" Institution ohnedies in dem unseren Gönnern und Förderern zukommenden Jahresberichte behandelt werden, möchte ich nur noch, wie der geehrte Herr Verfasser des erwähnten Artikels dies freundlichst gethan, im Interesse der guten Sache, dem innigen Wunsche Ausdruck geben, daß unsere Glaubensgenossen ihr warmfühlendes Herz dieser dem gesammten Judenthume zur Ehre gereichenden Institution erschließen mögen, um dieselbe zu kräftigen und zu erweitern zum Wohle unserer armen, jüdischen Bevölkerung. L. W. Wien. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein im VIII. Bezirke der Stadt Wien versendet nachfolgenden Aufruf: Euer Wohlgeboren! Der Winter, der böse Feinds der Armen, hält. seinen Einzug und mit ganz besonderer Härte trifft er die armen hilflosen Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihnen gegen Wetter und Kälte schutzbietende Kleider zu geben. Welches warmfühlende und edle Menschenherz fühlt beim Anblicke eines so unglücklichen Kindes mcht das tiefste Mitleid, und Jedermann trachtet, derart unverschuldetes Unglück nach Möglichkeit zu lindern. Den humanen Intentionen unseres Vereines entsprechend, bekleiden wir auch heuer arme, bedürftige Schulkinder mit Winterkleidung, und zwar Wäsche, Schuhe, Oberkleider und Hüte, doch ist die Anzahl der Petenten eine so große, daß wir aus dem uns zu Gebote stehenden Vereinsbudget kaum die Hälfte berücksichtigen können. Wir erlauben uns daher an Euer Hochwohlgeboren die ganz ergebene Bitte zu richten, sich an unserem wohlthätigen Werke mit einem Beitrag zu betheiligen; jede Spende ist für den Verein von Werth, wird dankend angenommen und bestens verwendet. Indem wir der Hoffnung Raum geben, daß unsere Bitte allerseits freundliche Unterstützung finden wird, danken wir im Voraus bestens für jede an uns gesandte milde Gabe, welche im Jahresberichte ausgewiesen wird, und zeichnen hochachtungsvoll, für den Verein: die Präsidentin Amalie Beck, 3. Bezirk, Langegasse 1. Pilsen, 11. November. (Antisemitische Demonst r a t i o n e n.) Wie die „Nezavisle Listy" berichten, richtete Dr. Sedlacek an den Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber folgendes Telegramm: „Ich bitte um Schutz gegen die Gewaltthätigkeiten, welchen ich in Folge der lügenhaften Berichte der Prager „Radicalen Blätter" und des Pilsener Blattes „Nasche Snahy" ausgesetzt bin, daß in meiner Wohnung eine geheime Conferenz jüdischer Rabbiner abgehalten wurde. Die nationalen Arbeiter verübten große Demonstrationen und verfolgten mich bis ins Hotel. Die städtische Sicherheitswache schritt erst infolge Auftrages des Bezirkshauptmannes ein. Der Polizeirath Dr. S ch m i d ließ sich nicht blicken. Der jungczechische Stadtrath hat dieses Lügengerücht bisher noch nicht dementirt. Große Unruhen stehen bevor--"Die Führer der Demonstranten unterhalten intime Verbindungen mit den Mitgliedern des Stadt-- rathes." Prag. Vor einigen Tagen wurden die von dem „Privat- Frauen verein zur Erziehung arm er israelitischer Waisenmädchen" neuadaptirten Räumlichkeiten ihrem Zwecke übergeben. Rabbiner Dr. Fischer hielt eine Ansprache, in welcher er des 70. Geburtstages des Kaisers gedachte und das Wirken des Vereines schilderte. Dann weihte er die Localitäten ein. Die 23 Zöglinge der Anstalt brachten hierauf mit gutem Verständnisse Lieder und Gedichte zum Vortrag. Besondere Verdienste um die Adaptirung der neuen Localitäten haben sich kais. Rath Hahn und seine Gemalin, die Präsidentin des Vereines, erworben. Nach Absingung der Volkshymne wurden die Räumlichkeiten besichtigt. Allgemein wurde mit Befriedigung constatirt, daß alle Zimmer genügend hoch und luftig und in jeder Beziehung praktisch eingerichtet sind. Prag. (Modernes Culturbild.) Dem „Cas" (Realistenorgan) wird aus Beneschau berichtet: Der Rabbiner Dr. Vlastimil Kraus leitet den Religionsunterricht der israelitischen Schüler des Beneschauer Gymnasiums, welches vor drei Jahren die Stadt von den Piaristen übernommen hat. Doctor Kraus wurde erst ein Jahr später von der Gemeinde als definitiver Lehrer angestellt und nun weigert sich diese, ihm das Honorar für das erste Jahr im Betrage von 320 K zu bezahlen. Dr. Kraus hat nun auf Bezahlung geklagt und den Proceß in erster Instanz bereits gewonnen. Es ist zweifellos, daß er auch in zweiter Instanz obsiegen wird, da seine Ansprüche vollauf berechtigt sind. Prag. (Verein zur P i l e g e j ü d i s ch e r A ngelegenheite n.) Die diesjährige Generalversammlung wurde unter dem Vorsitze des kais. Rathes Falkovicz abgehalten. Der Geschäftsbericht wurde genehmigt. Aus diesem sind t besonders die Vorträge der Herren Dr. Joses Bloch aus Wien, Rabbiner Dr. Josef Hirsch, Doc. Dr. Alfred W i n t e r n i tz und Dr. Heinr. G o l d b e r g hervorzuheben. Dann wurden die Sectionsberichte verlesen. Aus dem Berichte der Section für Armenwesen, vorgetragen von Frau Julie Lei pen, geht hervor, daß diese Section seit 10 Jahren 24 Krankenpflegerinnen ausgebildet hat. Im Vereinsjahre besorgte der Verein 22 Krankenpflegerinnen. Im nächsten Jahre werden 2 Pflegerinnen aus der Baronin Hirsch-Stiftung mit Prämien ausgezeichnet werden. Die Einnahmen betrugen 5826 K, die Ausgaben 4496 K. Auch die Handwerker section hat bereits namhafte Erfolge aufznweisen. Der Bericht, vom Sectionsobmann Siegfried L i e b e r l s vorgetragen, weist darauf hin, daß bis jetzt 5 Zöglinge sich in Prag als Handwerker etablirten. Ein Zögling absolvirte heuer die Maschinenbauschule in Komotau. Heuer wurden 14 Lehrlinge sreigesprochen. Das ,,vermißte^ Dienstmädchen. Aus Prag wird uns telephonisch berichtet: In dem an der Franz Josefs-Bahn gelegenen Städtchen Rican verbreiteke sich vor Kurzem das Gerücht, daß die aus dem benachbarten Torfe S v e t i c gebürtige sechzehnjährige Marie B o u d a von Juden nach Wien gelockt und dort getöbtet worden sie i. Tiefes Gerücht, welches am verflossenen Samstag durch die behördlichen Erhebungen aufgeklärt wurde, ist auf Folgendes zurückzuführen: Marie Bouda war bei der Familie T o n n b a u e r auf dem Staatsbahnhofe in Prag bedienstet Vor etwa acht Monaten verließ sie diesen Posten, um mit der Familie des Agenten Adolf P e r e l e s, bei welchem sie in Dienst getreten war, nach Wien zu übersiedeln. Vier Monate lang blieb sie bei P e r e l e s. welcher hier in der Klosterneuburgerstraße wohnte, und correspondirte während dieser Zeit in Prag mit ihren Eltern. Anfangs August blieben plötzlich die Briefe der Marie B o u d a aus. Ihre Eltern, welche um das Wohlergehen ihrer Tochter sehr besorgt waren, schrieben ihr wiederholt, doch die Briefe kamen als „unbestellbar" zurück Auch das Arbeitsbuch, welches ihr der Vater schickte, und schließlich ein Geldbetrag mit der Aufforderung, nach Hause zurückzukehren, konnte nicht zugestellt werden. Diese Umstände bildeten nun die Veranlassung zu dem Gerüchte, daß die B o u d a in Wien ermordet worden sei, und auch die Eltern der Vermißten gaben dieser Vermuthung unumwunden Ausdruck. Schließlich nahm sich das Gendarmerie-Posiencommando in Ricau der Affaire an und erstattete der Bezirkshanptmannschaft in Zizkow (Lorort Prags) Bericht über die in Rican cursirenden Gerüchte und über die in Folge deffen hervorgerufene Erregung der dortigen Bevölkerung. Durch die sogleich eingeleiteten Erhebungen wurde endlich die Affaire aufgeklärt. Es wurde festgestellt, daß Marie B o u d a ihren Dienstvlatz gewechselt hat und sich gegenwärtig bei einem anderen Agenten in der Klosterneuburgerstraße 14 befindet. Merkwürdig ist jedoch, daß Marie B o u d a — wie sie einem unserer Berichterstatter erzählte — ihren Eltern in der letzten Zeit fünf Briefe geschrieben hat, welche ihre Eltern nicht erhalten haben sollen, die aber auch nicht als unbestellbar zurückgekommen sind. Gestern endlich hat Marie B o u d a, nach viermonatlicher Pause, vou ihren Eltern wieder den ersten Brief erhalten. Sie berichteten über die Gerüchte, welche an ihr Verschwinden geknüpft wurden und schrieben, daß sie ihre Tochter bereits als das Opfer eines Mordes beweint haben. — Die rasche Arbeit der Behörden hat in diesem Falle aller Wahrscheinlichkeit nach ein neues Stückchen der clericalen Wühler und Hetzer durchkreuzt. Die Affaire der B o u d a war auf dem besten Wege, von den Antisemiten der Sorte B a x a zu einem neuen Ritualmordmärchen ausgearbeitet zu werden, und mn: die sofortige Eruirung der „Vermißten" hat die Lancirung der Lüge in die von der Ritualmordpropaganda lebende Presse verhindert. Jedenfalls bedarf ein Umstand dringend der Aufklärung: Wieso erhielten die Eltern der Bouda plötzlich die Briefe ihrer Tochter nicht zugestellt, trotzdem s i e n i ch t, wie d a s M ä d ch e n. i h r e n A u f e n t h altsort gewechselt haben, und wieso haben sie jetzt nach Aufklärung der ganzen Geschichte, sofort wieder den Brief ihrer Tochter erhalten? Es wäre zu empfehlen, daß die Behörden sich die Aufklärung dieses Wunders zu Herzen nehmen! Berlin, 5. November. Gegen zwei jüdische Gelehrte von Ruf, den Chirurgen Professor James Israel und den Physiologen Profesior Immanuel Munk, erhebt Professor Pflüger in Bonn den schweren Vorwurf, sie hätten „physiologische Vivisectionen an Menschen" vorgenommen. Der Thatbestand ist folgender: Im Jahre 1889 lag im hiesigen jüdischen Krankenhause ein Mädchen, das an Elephantiasis des linken Beines, einer Erkrankung der Haut und des Unterhautbindegewebes, die

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