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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 830 Bloches Wochenschrr-r. Ütr. 46 Zeugniß ab. Zu Wohlstand und Ansehen gelangt, ist er doch immer der bescheidene anspruchslose Mann geblieben, er hat sich seiner einstigen Dürftigkeit nie geschämt, sondern mit berechtigtem Stolze stets darauf hingewiesen, daß er sich aus eigener Kraft emporgearbeitet. Und deshalb hat Eisenberger immer für die Noth und das Elend seiner Mitmenschen ein warmes Herz und eine offene Hand gehabt; wo es galt, gemeinnützige Zwecke zu fördern, da stand er in erster Linie; niemals hat er die Pflichten des Besitzes außer Acht gelassen. Durchdrungen von wahrhaft religiösem Gefühle und mit allen Fasern seines Herzens im Judenthum wurzelnd, sahen wir ihn schon vor 4 Decennien an der Spitze einer Vereinigung von Männern, die sich zusanimengethan, um im Bezirke Mariahilf eine Stätte der Gottesverehrung zu errichten; seit jener Zeit hat er ununterbrochen an hervorragender Stelle in der Leitung des nachmaligen Mariahilfer Tempelvereines, deffen Zwecke er in wahrhaft munificenter Weise stets gefördert, gewirkt, und noch wenige Tage vor seinem Ableben hat er einer Sitzung des Vereinsvorstandes beigewohnt, so bis zu seinem letzten Athemzuge ein leuchtendes Beispiel edelster Pflichterfüllung und vollster Hingabe für die Interessen des Judenthums bietend. Gewiß wird diese schöne Tradition in seiner Familie sortleben. Das am 8. November stattgefundene Leichenbegängniß des Verblichenen gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung; die weiten Räume des Trauerhauses konnten die Zahl der erschienenen Leidtragenden kaum fassen; wir bemerkten unter Anderen: den ehemaligen Gemeinderath Dr. Luwig Vogler, Gemeinderath Donat Z if f er e r, die Cultusvorsteher Salo Cohn, Architekt Max Fleischer, kaiserl. Rath Wilhelm P o l l a k, den Gesammtvorstand des Mariahilfer Tempelvereines, die Herren Sigmund und Leopold Tr ebitsch, kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben, Herrn Director Rudolf Mager der Oesterreichisch-ungarischen Bank, kaiserl. Rath Hermann R o b i t s e k u. v. A. Die meisten der anwesenden Trauergäfte gaben dem Dahingeschiedenen auf den Centralfriedhof das letzte Geleite. In der Ceremonienhalle wurden die üblichen Gebete von dem Herrn Obercantor Simon Dünmann in wahrhaft ergreifender und künstlerisch vollendeter Weise zu Gehör gebracht, worauf Herr Gemeinderabbiner Dr. T a g l i ch t in großen Zügen ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf; der Nachruf des ausgezeichneten Kanzelredners übte auf die Trauerversammlung einen nachhaltigen Eindruck. Nach der Recitation eines Psalmes wurde die Bahre gehoben und die sterblichen Ueberreste Sigmund Eisenberger's in die Familiengruft übertragen. Am offenen Grabe hielt ihm Herr Architekt Max Fleischer als Präsident des Mariahilfer Tempelverei nes folgenden Nachruf: „Sigmund Eisenberger! Wenn ich Deinen Namen nenne, dann steigen vor meinem Geiste Gedanken und Erinnerungen auf an längstvergangene Zeiten; dann sehe ich Bilder vor mir, wie sie uns die jüdische Geschichte, die jüdische Tradition aufbewahrt hat. Mir kommt auch sofort der Ausspruch des Patriarchen ins Gedächtniß: „Mit meinem Stabe zog ich über den Jordan und nun bin ich zu zwei Lagern geworden." Von kleinen Anfängen hast Du Dich durch ehrliche und rechtliche Arbeit emporgeschwungen; doch die Höhe, die Du erreicht, wachte Dich nicht stolz und übermüthig und ließ Dich nicht vergessen den Glauben der Väter, und so fühltest Du Dich hingezogen zu unserem Vereine, zu einem Vereine, deffen Ziel und Zweck reinste, edelste Gottverehrung ist. Von Anbeginn war Eisenberger unser eifrigstes Mitglied und treuester Berather. Als es endlich galt, das Gotteshaus im VI. Bezirk zu errichten, — keine leichte Aufgabe — fand man in chm einen unermüdlichen Mitarbeiter und Förderer. Schon war der Bau nahezu vollendet, da fehlte das Wichtigste, die heilige Lade. Die Herbeischaffung desselben hat Sigmund Eisenberger mit Lieb' und Freud' auf sich genommen. — Damit hat er sich ein bleibend Denkmal im Tempel und mr Herzen der Andächtigen errichtet und unverlöschlich wird sein Name sein in den Annalen des Vereines und des Tempels, für dessen Gedeihen und Bestand er ängstlich und fürsorglich gewirkt hat. Sigmund Eisenberger! Du bist nun von uns geschieden, bis zu Deinem letzten Athemzuge standst Du treu zu uns. Wir, Deine Vorstandscolleg>n, bringen Dir nun betrübten Herzens den Dank für Deine Mühe und Liebe, die Du bethätiget hast, und den letzten Scheidegruß. Wir werden Dir ein ehrend Gedenken bewahren! Ziehe hin in Frieden, theurer Freund und College, Du hast Dein Tagewerk ehrlich und recht vollbracht, ruhe sanft, die Erde werde Dir leicht!" Voll innerer Bewegung und mit edlem Schwünge hatte der Redner gesprochen und tiefe Ergriffenheit bemächtigte sich aller Zuhörer. Zum Schluß rief noch Herr Leopold Gollerstepper mit thränenerstickter Stimme als ältester Beamter des Hauses dem „innigst geliebten, besten Chef" die letzten Grüße seiner Angestellten nach; er sagte unter Anderem: „Nur Dein vergänglicher Leib weilt nicht mehr unter uns, der Keim des Edlen, Braven und Guten, den Du in unsere Brust versenkt, das leuchtende Beispiel von Anspruchslosigkeit, Biedersinn und Wahrheit im Handel und Wandel, das Du uns gegeben, Deine Rastlosigkeit im Schaffen und Wirken und Deine mit jedem Tage neue Bethätigung Deines edlen Herzens haben Dir ein Denkmal errichtet in unserer Brust, das dauernder ist als Erz. Wir begraben Dich tief, tief in unser Herz hinein, drin sollst Du leben, ein lebend'ger Todter sein! Friede und Ruhe Deiner Asche!" Scholle um Scholle rollte nun, von liebevoller Hand gestreut, auf den Sarg des Verewigten und damit endete die Leichenfeier für Sigmund Eisenberger. B—y. * * * Zahlreich sind die Beileidskundgebungen, die der schwer geprüften Witwe und den beiden Söhnen Max und Alfred, den gegenwärtigen Chefs des Hauses, von allen Seiten zugingen. Es condolirten theils schriftlich, theils telegraphisch unter Anderem der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, des Mariahilfer Tempelvereines, der Chewra-Kadischa, sämmtliche israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsvereine Wiens, Humanitätsverein Nachlat Jeschurun, die israelitische Allianz in Wien und der Neubauer Creditverein, in welchen Corporationen der Verstorbene Ehrenstellen bekleidete, die Direction der Länderbank und der Escompte- Gesellschaft, Verein zur Förderung der Handwerke, Gremium der Seidenwaarenerzeuger, Cultusvorstand und Chewra-Kadischa in Dürrwaul u. v. a. Corporationen. Der Präsident der Cultusgemeinde kais. Rath Heinrich K l i n g e r hatte sein Fernbleiben am Leichenbegängnisse entschuldigen lassen, Herr Vicepräsident Landesschulrath Dr. Gustav K o h n condolirte schriftlich, ebenso Herr Director Heller, Herr kais. Rath Fr. Vogel, kais. Rath Friedrich P o l l a k u. v. A. * * * Der Vorstand des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau, dem anläßlich des Ablebens seines verdienstvollen Vicepräsidenten Herrn Commercialrathes S. Eisenberger zahlreiche Condokenzen, u. A. vom Vorstande der Cultusgemeinde zugingen, veranstaltet am Dienstag, 20. November 7*6 Uhr Abends, im Vereinstempel, VI., Schmalzhofgasse 3, einen Trauergottesdienst. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort. Bezugnehmend auf den in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienenen Artikel: „Arbeitsförderung unter den Juden", erlaube ich mir dem sehr geehrten Herrn Verfasser dieses Artikels den wärmsten Dank auszusprechen. Gleichzeitig möchte ich noch der verehrlichen Redaction einige nähere Details im Interesse des Vereines mittheilen. Dieser vom Herrn Verfasser besprochene „Mädchen-Arbeitsförderungsverein" führt den Namen „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort" und wurde dieser Hort von dem unter der Leitung der Frau kais. Rath Bertha K o h n stehenden Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein auf deren Anregung vor zwei Jahren gegründet. Der Zweck dieses Hortes besteht darin, arme, verlassene, hauptsächlich Waisenmädchen in den verschiedensten, ihren Anlagen und Fähigkeiten entsprechenden Gewerben auszubilden, ihnen insbesonders während der Dauer ihrer Lehrzeit gänzliche Verpflegung und Unterkunft im „Horte" zu gewähren und ihnen überdies selbst nach erfolgter Ausbildung bis zur Erlangung eines hinreichenden Einkommens hilfreich an die Hand zu gehen. Nur derjenige, welcher einerseits die unendliche Noth unserer armen jüdischen Mädchen kennt, andererseits die geradezu Staunen erregenden moralischen und materiellen Erfolge, welche der genannte Verein bereits erzielte, zu beobachten Gelegenheit hat, vermag die Wichtigkeit und Ersprießlichkeit dieser jungen Institution zu würdigen. In der verhältnißmäßig kurzen Zeit seines Bestandes

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