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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-16 · 46 (16.11.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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nt. 46 Dr. Blocht MochenfttzrM» Seite 825 Bischoffsheim hat sich um die Begründung und Erhaltung dieser Anstalt hochverdient gemacht. Es wären auch noch die fourneaux publiques zu erwähnen, eine Art Volksküchen, die sich jedoch in einem sehr primitiven Zustande befinden und mit der Wiener Volksküche nach jüdischem Ritus und mit der Berliner nicht in Parallele gestellt werden können. In Frankfurt a. M. wurde das Gemeindespital schon im Jahre 1874 durch die Familie Königswarter erbaut. Es ist natürlich antiquirt, aber nichtsdestoweniger in vorzüglichem Zustande und musterhaft verwaltet. Auch das Gumpertz'sche Siechenhaus ist schon ziemlich veralteter Einrichtung. Aber diese alten Frankfurter Anstalten zeichnen sich durch ihre besonders ökonomisch richtig geführte Verwaltung und eine geradezu peinliche Sorgfalt für die Insassen aus. In einem neuen, schön gebauten Hause, ist die Suppenanstalt untergebracht, in welcher durch einen Verein 160 Personen beköstigt werden. In einer besonderen Abtheilung, die auch ihren aparten Zugang hat, sind Räume für verschämte Arme, für Studenten u. A. eingerichtet, so daß diese Personen, die für ein Mittagmahl 30 Pfennig zahlen, von allen übrigen Gästen ganz getrennt sind. Frankfurt besitzt auch ein Waisenhaus für Knaben und Mädchen, das den jetzigen Bedürfnissen vollständig genügt. In Berlin ist die Versorgungsanstalt zwar in einem alten Gebäude, in der Hamburgerstraße, untergebracht, allein die Verwaltung, an der sich das Damencomite und der Ausschuß gleich eifrig beteiligen, läßt nichts zu wünschen übrig. Die Verpflegskosten stellen sich hier auf nur 65^ Pfennige pro Tag und Kopf, wiewohl die Kost reichlich bemessen, sorgfältig zubereitet, wohlschmeckend und, worauf jeder Menschenfreund gewiß hohen Werth legen wird, individuell angepaßt ist. Marode und Schwächliche bekommen über ärztliche Anordnung, so oft es erforderlich ist, auch Braten und Geflügel. In der Schönhauser Allee ist ein neues Versorgungshaus errichtet, das ebenso wie das vorerwähnte vortrefflich verwaltet ist. Das von dem Ehepaar Mannheimer errichtete Siechenhaus in der Oranienburgerstraße beherbergt 104 Insassen, deren Verpflegung sich im letzten Jahre auf nur 59 Pfg. pro Kopf und Tag stellte. Allerdings war das Jahr 1899/1900 in dieser Beziehung ein Ausnahmsjahr. Im vorigen Jahre hatte die Verpflegung 63 Pfg. in Anspruch genommen. Derartige Resultate können nur durch die umsichtige Thätigkeit der Verwaltungsausschüffe, Einkauf im Großen, ökonomische Gebahrung, strenge Ueberwachung rc. erzielt werden. Das letztgenannte Institut verdient auch noch deshalb besonders hervorgehoben zu werden, weil es mit reichem Inventar versehen ist, so daß für jede Person vierfache Wäschevorräthe vorhanden sind. Das Berliner Krankenhaus entspricht modernen Anforderungen nicht mehr. Es heißt, daß es durchgreifenden Reformen unterzogen werden soll und daß binnen Kurzem ein neues Spital gebaut werden wird. Daß an diesem alten Krankenhause die berühmten Professoren Israel nnd Lazarus thätig sind, ist das Beste, was man von ihm sagen kann. Eine geradezu glänzende Institution ist das von Herrn Sachs in's Leben gerufene israelitische Pflegerinnenheim, eine wahrhaft mustergiltige Institution, reich dotirt, vollstänoig in der Lage, sich selbst zu erhalten. Es hat auch bereits Zweiginstitute in Hamburg, Nürnberg und in jüngster Zeit in München geschaffen. Die Pflegerinnen werden durch die Professoren Israel und Lazarus theoretisch und praktisch ausgebildet und verpflichten sich, nach der theoretischen Ausbildung, ein Jahr praktische Dienste im Krankenhanse zu verrichten. Erst nach einer neuen praktischen Prüfung werden sie zur Dienstleistung an das Publicum verwendet. Armen werden sie unentgeltlichbeigestellt, anderen Personen nach verschiedentlich abgestuften Taxen. Die Gebühren behebt die Anstalt, welche den Pflegerinnen die bestimmte Entlohnung zahlt und für alle ihre Bedürfnisse sorgt. Die Anstalt ist so zweckmäßig eingerichtet und so sinngemäß verwaltet, daß auch sür die Erholung der Pflegerinnen bestens gesorgt ist. (Leider ist der von Frau Rosa Zifferer, Frau Fröhlich und kaiserl. Rath Johann Lichtenstadt vor Jahren in Wien angeregte Gedanke noch immer nicht zur Ausführung gelangt, obwohl er schon zu einem vollständigen Programm geführt hat. Wer will in Wien der „Sachs" sein, der die schöne Idee zur Ausführung bringt? Anmerk, der Red.) Es sei schließlich noch der Breslauer Einrichtungen gedacht: Des Schottlände rffchen A l t e r s Versorgungshauses für 50 Personen, des Fr änke loschen Hospital es und des Waisenhauses für 33 Knaben und 32 Mädchen, Anstalten, die durchaus zweckentsprechend gebaut und geleitet sind. Aus dem Ganzen ist ersichtlich, daß der jüdische Wohlthätigkeitssinn überall ein sehr reger ist, hier mehr, dort weniger großartig sich kundgibt, immer aber die echte Nächstenliebe zum Ausdruck bringt. Manches können die Ausländer von uns Wienern lernen. Unser Vereinswesen steht auf einer höheren Entwicklungsstufe, allein Vieles müssen wir doch auch von ihnen lernen, namentlich die ausgiebige Dotirung nnd die nachhaltige Thätigkeit. Vre Opfer der Vluthetze in Könitz. Die seit der Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter von Berlin aus nach Westpreußen getragene Bluthetze hat neue Opfer gefordert. Der von Schurken propagirte Aberglaube des Ritualmordes hatte ganze Bolkstheile berauscht und die Leute derart bethört, daß sie sich nicht mehr scheuten, die Ausgeburten ihrer Phantasie als lebendige Wahrnehmungen vor Gericht zeugeneidlich zu erhärten. Man forschte nicht mehr nach dem Mörder, sondern man suchte die Beweise, daß die Juden den Mord begangen haben, denn daß es Juden gewesen sein muffen, darüber war sich die Menge nach den Darstellungen in den Hetzblättern vollständig gewiß. Dafür hatte man mancherlei Judicien, deren Bedeutung aber nur insolange gewürdigt wurde, als sie gegen Juden zu sprechen schienen. Neben dem Kopf der zerstückelten Leiche fand sich ein Taschentuch und dieser Thatfache hatte man die höchste Wichtigkeit beigemeffen, solange man lügen konnte, daß es einer Jüdin gehöre. Sobald ermittelt war, daß es der Frau Kreisschulinspector Rohde gehöre, war der Taschentuchfund ein belangloser Zufall, dem man nicht nachzufpüren braucht. Daß die Besitzerin sich zu dem Fund nicht gemeldet, obwohl man mit lärmendem Aufgebot nach ihr gesucht, machte nichts aus, rein gar nichts. Wie wäre es gewesen, wenn eine Jüdin Besitzerin des Taschentuchs war? Was hätte dann die antisemitische Meute angegeben? Hätte man die Scheu, in der leidigen Angelegenheit auch nur genannt zu werden, bei der Jüdin gleichfalls als ausreichende Erklärung gelten lassen? Da aber alle die gebildeten antisemitischen Agitatoren aus Berlin und die angesehenen Gymnafialprofefforen aus Könitz immerfort versicherten, daß der Mord von Niemand anderem als von Juden begangen worden - ist, so fanden sich auch die Zeugen, die es selber gesehen haben wollen. Ein antisemitischer Untersuchungsausschuß übernahm die Aufgabe, die Behörde zu controliren und das nöthige Zeugenmaterial gegen die Juden ihr zu liefern. Einige dieser Kronzeugen hatten sich nun vor dem Konitzer Schwurgericht wegen Meineides zu verantworten, es waren der Arbeiter Maßlos, seine Gattin, seine Schwiegermutter Namens Reis und deren Tochter. Der tolle Wahn hatte eine ganze Familie ins Unglück gestürzt. Maßlos hatte als Zeuge unter seinem Eide Folgendes ausgesagt: Er habe in der Nacht nach dem 11. März, dem Tage des Mordes, bei dem Schlächtermeister Lewy in der Rähmerstraße Fleisch stehlen wollen. Er sah im Lewy'schen Keller einen Lichtschimmer und hörte ein eigentümliches Geräusch. Es sei ihm

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