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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-09 · 45 (9.11.1900) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
45 (9.11.1900)
Date
1900-11-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 812 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 45 i« Libusza für die Zeit vom 1. Jänner 1901 bis 31. December 1903 um den jährlichen Zins von 1501 Kronen angenommen, wovon Sie mit dem Bemerken verständigt werden, daß der Termin zur Untersertigung des Vertrages in Kürze bestimmt werden wird und daß Sie als Caution zu den bereits erlegten 140 Kronen den Betrag von 235 Kronen zuzuzahlen haben. Schließlich hat der Bezirksausschuß aufgetragen, Sie zu verständigen, daß Sie die Einhebung der Mautheinkünfte nur selbst oder durch einen katholischenBevollmächtigten besorgen können. Der Secretär: Der Präsident: Galiski rn. p. Szaniecki nr. p. Prag. (Festfeier.) Im Mädchen-Waisenhause des israelitischen Privat-Frauenvereines, Jerusalemgasse 5, fand gestern Vormittags anläßlich der Adaptirung der Räumlichkeiten im eigenen Heim eine Kaiserfeier statt, die einen erhebenden Verlauf nahm. Der Festsaal, der von einem zahlreichen, distinguirten Publicum besetzt war, war mit einer von Blattpflanzen umgebenen Kaiserbüste geschmückt. Nach einer patriotischen Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. I. F i s ch e r, in der auch die segensreiche Thätigkeit des Frauenvereines gebührend gewürdigt wurde, nahm derselbe die Weihe des neuen Heims vor. Hierauf fanden Productionen der Waisenmädchen statt, die sehr gut executirt und von Herrn Musikdirector D. Rubin einstudirt und begleitet waren. Mit Absingung der Kaiserhymne schloß die schöne Feier. Allgemein fiel das gute, gesunde Aussehen der Mädchen auf, 23 an der Zahl. Dann erfolgte der Rundgang durch die ausgedehnten Räumlichkeiten des Hauses, welches ausschließlich nur Vereinszwecken dient; es ist besonders praktisch eingetheilt und ausgestattet. Ein Tract des Hauses, das auch früher schon Schulzwecken diente, steht noch leer, doch hofft der Verein, bei Anwachsen der Mittel bald in der Lage zu sein, noch mehr Zöglinge aufnehmen zu können. Herr kaiserlicher Rath Moritz Hahn und deffen Gattin Ernestine Hahn haben sich um das neugegründete Heim des von dem Privat-Frauenverein zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädchen gegründeten Waisenhauses unvergängliche Verdienste erworben. Sie studirten im Auslande die Einrichtungen derartiger Institutionen. Diese beiden edlen Menschen sorcirten die Adaptirungsarbeiten, damit die Kinder ehestens aus dem Affanirungsrayon in das lichte, luftige Heim übersiedeln können. Die Zöglinge besuchen die Volks- und Bürgerschule, die größeren die k. k. Lehrerinnen-Bildungsanstalt. Das Waisenhaus wurde im Jahre 1854 gegründet und hat eine große Anzahl armer Mädchen zu Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen herangebildet, die größtentheils in Böhmen in anständigen Familien segensreich wirken. Beionders erwähnenswerth ist, daß manche Kinder, die sehr ftüh verwaist wurden, bis zu ihrer Erwerbsfähigkeit 12—13 Jahre in der Anstalt zubringen. Hamburg. (Gesellschaft für jüdische Volkskunde.) Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft, welche ursprünglich auf den 22. October anberaymt, aus äußeren Rücksichten jedoch aufgeschoben worden war, hat am 29. October Abends von halb 9 bis 10 Uhr unter regem Zuspruch der Mitglieder im Patriotischen Gebäude stattgefunden. Aus dem Jahresbericht verdient hervorgehoben zu werden, daß Wachsthum und Finanzen der Gesellschaft während des abgelausenen Vereinsjahres als besonders günstig zu bezeichnen sind. Die „Mittheilungen" erfreuen sich, wie Kritiken der maßgebenden Zeitschriften bekunden, immer größerer Beliebtheit und Anerkennung. Aus freien Stücken traten in Schriftenaustausch die hochangesehene Deutsche Morgenländische Gesellschaft in Halle, die Schlesische Gesellschaft für Volkskunde in Breslau, das königl. böhmische Landesmuseum und Dr. Zibri's „Cesky Lud“ in Prag. Die Sammlungen der Gesellschaft sind im Patriotischen Gebäude, Zimmer 48, Montag und Donnerstag, Nachmittags von 2 bis 4 Uhr. sowie nach vorhergegangener Anmeldung bei Herrn E. H o r st m a n n, Patriotischen Gebäude, Sonntag Nachmittags von 3 bis 4 Uhr zu besichtigen. Gleichzeitig liegen daselbst die neuesten Nummern der verbreitetsten jüdischen Zeitungen auf. Eine Auswahl von Gegenständen ist im Museum Hamburgischer Alterthümer ausgestellt, welches, außer am Dienstag, täglich geöffnet ist. Den neugewählten Vorstand bilden die Herren: Dr. M. Grunwald, G. Tuch, E. Levinson, I. Tarlau, W. Keller, D. Benezra, I. Heinemann, M. Friedländer, L. Friedenheim, S. Mündheim. Die Vorführung einer größeren Anzahl von Originalaufnahmen der bedeutendsten Alterthümer des heiligen Landes und Synagogenbauten aus den. verschiedensten Zeiten und Ländern, sowie ein Referat des Vorsitzenden über die Ikonographie von Kirche und Synagoge in der bildenden Kunst des Mittelalters fand bei der Versammlung lebhaftes Interesse. Zuschriften und Sendungen nehmen entgegen die Herren: Rabbiner Dr. M. Grunwald, Bornstraße 2, und W. Keller, Brandstwiete 21. Der Jahresb e i t r a g ist auf M. 3, für Auswärtige auf M. 3.30 festgesetzt. Warschau, 24. October. Am 19. d. M. waren es hundert Jahre, daß Schmul Zbitkower, ein Mann, dessen Verdienste würdig wären, mit goldenen Lettern in das Buch der Geschichte eingetragen zu werden, das Zeitliche gesegnet hat. Er lebte in Praga, als diese Vorstadt Warschaus unter der Regierung von'Katharina II. von Suwaroff erstürmt wurde. „Pohulajte rebjata!“ (Amüsirt euch Kinder!) hatte der General zu seinen Soldaten (Kosaken) gesagt. Und sie amüsirten sich. Das Gemetzel, das angerichtet wurde, läßt sich mit Worten nicht beschreiben. Man zündete die Häuser an und watete in Blut. Suwaroff bezweckte durch dieses abschreckende Beispiel die Hauptstadt zur Uebergabe gefügig zu machen, und trug ihm diese glorreiche Heldenthat den Titel eines Feldmarschalls ein. Da ließ Schmul Zbitkower zwei mit Geld gefüllte Füßchen auf den Hof seines Hauses tragen, und erklärte: jeder Soldat, der ihm einen von Schwert oder Feuer geretteten Menschen, — gleichviel ob derselbe Christ oder Jude — zustellen würde, solle einen goldenen Ducaten erhalten; für eine Leiche, damit sie bestattet werden könne, einen silbernen Rubel. Die Nachricht von der versprochenen Belohnung verbreitete sich mit Blitzesschnelle, die Habgier überwand die Mordsucht, und bis zum Abend waren Schmul's Geldfäßchen geleert; aber unzähligen Menschen hatte er theils das Leben gerettet, theils eine letzte Ruhestätte verschafft. Außerdem gründete er die nach ihm benannte Schmulowizna*) und legte den ersten jüdischen Friedhof auf Praga an. Eingedenk dieser Verdienste ließ, seinem Andenken zu Ehren, der Vorstand der jüdischen Gemeinde einen feierlichen Gottesdienst erst am Grabe des Verewigten und dann in der Synagoge in Neu-Praga abhalten. Wäre Zbitkower kein Jude gewesen, man hätte sich seiner — da er doch Menschen ohne Unterschied der Confession gerettet — wahrscheinlich noch in anderen Kreisen erinnert. So aber begnügten sich einige Blätter mit einer kurzen Notiz, indeß andere der Sache gar nicht Erwähnung thaten. Wozu auch die Opferfreudigkeit eines Juden rühmend hervorheben? Solch' ein Dementi gibt sich die Presse von heutzutage doch wahrlich nicht! Vor Kurzem starb hier im Alter von 63 Jahren L a p i n s k i ein allgemein geachteter, seiner Wohlthätigkeit halber bekannter Mann und der reichste Bäcker Warschaus. Er hinterließ bedeutende Summen zu wohlthätigen Zwecken, und da er bei Lebzeiten Gutes gethan hatte, ohne die Bedürftigen nach ihrem Glauben zu fragen, wurden in seinem Testament ebenfalls jüdische Institutionen bedacht. So lange dies nicht bekannt war, äußerten sich alle Zeitungen mit ungetheiltem Lobe über den Verstorbenen. Bon dem Augenblicke jedoch, da man erfuhr, daß er Geld für Juden gespendet und einen Brief hinterlassen, des Inhalts, daß er der Rechtschaffenheit und Güte, mit der Juden ihm während einer Stockung seines Geschäftes an die Hand gegangen, die Möglichkeit sich zu erhalten und sein ganzes nachheriges Vermögen verdanke und einen Theil dieser Schuld abtragen möchte, — von diesem Augenblicke an erwähnte man seinen Namen nicht mehr, und der Todte wurde von nun ab . . . todtgeschwiegen. Aus Radziwillow (Wolhynier Gouvernement) theilt man uns mit, daß ein Jude daselbst aus eigenen Mitteln ein jüdisches Krankenhaus errichte. Bor mehreren Jahren hatte er, durch Elend gezwungen, die Stadt verlassen, und lange Zeit wußte Niemand, wo er hingekommen. Dann begann er seiner Familie aus Port- Arthur immer größere Geldbeträge zu senden, und im Laufe des vorigen Jahres schickte er der Gemeinde 50.000 Rubel behufs Gründung eines Krankenhauses. Wir erwähnen diese Thatsache, weil sie uns einen Beweis liefert, daß trotz häufiger gegentheiliger Behauptungen das Mitgefühl mit fremdem Leid nicht aufgehört hat, ein hervorragender Charakterzug des jüdischen Wesens zu sein, ein Umstand, der uns Anlaß zu Genugthuung und innerer Befriedigung gibt. X. Paris. Auf dem Rennplätze von Auteuil, der definitiv zum Tummelplatz der nationalistisch-antisemitischen Banden *) Eine Vorstadt PragaS.

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