Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 45 (9.11.1900)
- Date
- 1900-11-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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seile 8; 4 Vr. Bloch-s Wochenschrift. Nr. 45 hebräischen Gebetes bei der Seele — im Ganzen ein paar Zeilen — etwas hat abändern lassen; in der neuen Zeile nun, die von Gemeindewegen festgestellt wurde, finden sich ebenso viele Fehler im Worte, oder vielleicht gar im Buchstaben! Einige sind sogar recht dumme Sprachschnitzer, für die ein königlich-preußischer Sextaner eine ganze Bank „herunterkäme". Man sagt mir zwar, diese Schnitzer stammen aus der Gebetordnung des seligen Club — ich habe diesen Ritus niemals in den Kreis meiner Studien gezogen. Aber was beweist dies? Höchstens doch nur, daß die Ignoranz in jüdischen Dingen in Berlin einige Jahrzehnte alt ist. Ein Fehler wird aber nicht gut gemacht, wenn er in einer neuen Auflage erscheint. Ursprünglich wollte ich die hebräischen Sprachdummheiten meinem Schreiben an den Gemeindevorstand rügen; wohlwollende Freunde riethen mir aber davon ab, dies wäre anmaßend meinten sie, in solche Dinge darf sich nur ein Millionär mischen. Zu der Million fehlt mir aber leider noch immer die größere Hälfte, obwohl ich nun geraume Zeit Mitarbeiter dieser Zeitschrift bin und auch sonst literarisch arbeite. Meine Hoffnung, jetzt das große Los zu gewinnen und so einen soliden Grund zu einer Million zu legen, ist leider fehlgeschlagen. Ich bin blos mit dem Einsatz heraus. Die frommen Berliner müssen nun weiter in einem Kauderwelsch um die in die Ewigkeit eingegangenen Seelen beten. Mein Vorschlag geht deshalb an die Gemeinde, für das Studium des Judenthums etwas von dem vielen Geld anzuwenden. Vor mehr als einem Jahre wurde d e Gründung einer Vorbereitungsschule für die Rabbinerseminare angeregt. Dies war ein sehr guter Gedanke. Wir haben in Deutschland drei Rabbinerpressen, die in Thätigkeit sind. In der Regel kommen die jungen Leute auf die Anstalt, ohne auch nur hebräisch lesen zu können. Wenn ja, so gilt in solchen Dingen das Sprichwort: „Was Hänschen nicht gelernt, lernt Hans nimmer mehr." Denken Sie sich den Unsinn, daß Jemand, der classische Philologie studiren will, auf die Universität käme und da erst das griechische Alphabet zu lernen anfinge. Der Vorschlag ging also dahin, begabten Schülern, die sich dereinst dem Rabbinerstudium zu widmen gedenken, schon während ihrer Gymnasialzeit Gelegenheit zu gründlichen Vorstudien in der hebräischen Sprache und in der Wissenschaft des Judenthums zu geben. Was ist aber aus dieser Anregung geworden? Vorläufig wird sie nicht ausgeführt; sollte sie aber je verwirklicht werden, so darf man voraussetzen, daß diese Vorbereitungsschule sich in nichts von den andern Gemeinde-Institutionen unterscheiden wird: sie wird recht miserabel sein. In den Kreisen des jüdischen Mittelstandes ist zur Zeit überhaupt ein Verlangen nach Belehrung im Judenthum, seinem Wesen und seiner Geschichte bemerkbar. Man möchte die Kinder, wenn auch nicht religiös — dazu ist der Berliner viel zu „helle" — doch aber in der Kenntniß der nationalen Geschichte und Literatur erziehen. Eine Gemeindeverwaltung, die etwas mehr thun wollte, als blos pünktlich und gewissenhaft die Steuern zu erheben und zu verausgaben, hätte eine gute Verwendung für die überflüssigen Geldmittel. Wozu die Steuern immer mehr herabsetzen? Wer ein Einkommen von 6000 Mark hat, zahlte bisher 30 Mark jährlich, jetzt macht ihm die Gemeinde ein Geschenk von ganze 3 Mark! Während dessen ist unser Religionsunterricht sehr im Argen, und die Gemeindeverwaltung verewigte sich mit einem hebräischen Text, der reiner Unsinn ist und die ungeheuerlichsten Schnitzer aufzuweisen hat. Nebenbei möchte ich für den künftigen Literarhistoriker ausdrücklich bemerken, daß ich mich im Grabe umdrehen werde, sollte er etwa gar mich nitt diesem famosen Jiskor-Text in irgend welche Verbindung bringen. Dagegen protestire ich feierlich schon jetzt! Na, ich will schon unseren Gemeindevorstehern, denen Gott ein Amt, aber nicht den dazu nöthigen Verstand gegeben, Mittel und Wege zeigen, wie sie das viele überflüssige Geld los werden können. Daß sie es nicht mir geben wollten, verzeihe ich ihnen großmüthig; ich bin nicht so. Sogar den Jiskor-Text von den vielen Sprach dummh eiten zu reinigen, erbiete ich mich. Meine Adresse ist aus dem Adreßbuch zu erfahren; außerdem kennt mich der Cassenbote, der vierteljährlich bei mir die Gemeindebeiträge erhebt. Berlin. Dr. S. Bernfeld. Gin arisch-christlicher Musterstast. IV. (Schluß.) Alle byzantinischen Monarchen, welche durch Militärrevolten, Volksaufstände und Palastrevolutionen den Thron, mitunter auch das Leben verloren haben, aufzuzählen, dafür gebricht es hier an Raum. Und noch größeren Raum würde die Schilderung aller von ihnen, ihren Ministern und Soldaten begangenen Grausamkeiten beanspruchen. Einige dieser Greuelthaten, die gegen nahe Verwandte begangen wurden, haben wir bereits erzählt. Von den anderen müssen wir uns begnügen, nur die gräßlichsten Fälle zu erwähnen : Als Kaiser Moritz der Armee befahl, gegen die Avaren ins Feld zu ziehen, anstatt in den behaglichen Winterquartieren zu ruhen, empörten sich die Soldaten, stellten einen Hauptmann, Namens Phokas, an ihre Spitze und zogen nach Constantinopel (602). wo Phokas zum Kaiser ausgerufen wurde. Er ließ Moritz und seine fünf Söhne tödten und ihre Köpfe auf Pfählen in der Hauptstadt zur Schau stellen, wo sie vom Volke und den Soldaten verhöhnt wurden. Der Patriarch beeilte sich, den Rebellen und Kaisermörder in der Kirche zu krönen und Papst Gregor beglückwünschte und segnete ihn. Aber der Segen des Papstes hat ihm nicht viel geholfen, obwohl er sich als Frömmling erwies. Er gab den Befehl, alle Juden in Palästina und Syrien zu taufen. Als sich die in Antiochia widersetzten, ließ er Alle tödten. Schon nach achtjähriger Regierung verschworen sich sein eigener Schwiegersohn Crispus und der Gouverneur von Afrika, Heraklius, gegen ihn. Letzterer erschien mit seiner mit Kreuzen und Heiligenbildern geschmückten Flotte vor Constantinopel, nahm den Phokas gefangen und behandelte ihn wie schon oben erzählt wurde. Auch viele seiner Beamten und Höflinge wurden ermordet. Der Patriarch beeilte sich, Heraklius und seine Frau zu krönen, (a. 610.) Der beste Schutz gegen Königsmörder und Anarchisten ist die Religion und der christliche Clerus die treueste Stütze der Monarchen. Eine Revolte der Flottenmannschaft war es auch, welche (a. 716) den Kaiser Anastasius II., einen der besseren byzantinischen Herrscher, des Thrones beraubte und an dessen Stelle einen Steuereinnehmer als Theodosius III. darauf setzte. Aber schon nach einem Jahre wurde er von einem General herunter - gestürzt, der als Leo 111. den Thron bestieg. Im Jahre 797 wurde der Kaiser Constantin VI. von Verschworenen, an deren Spitze seine eigene Mutter Irene, eine Athenerin, stand, des Thrones beraubt und auf ihren Befehl geblendet. Der blinde Kaiser lebte noch.einige Jahre verlassen und in Armuth, während seine Mutter als Kaiserin regierte. Aber schon im Jahre 802 wurde sie vom Commandanten der Garde Nikephorus', einem Eunuchen, der sich mit mehreren Andern seines Gleichen, die ebenfalls hohe Staatsämter bekleideten, gegen sie verschworen hatte, gestürzt. Nikephorus ließ sich vom Patriarchen krönen und verbannte die Kaiserin nach Mytilene, wo sie sich vom Stricken ernähren mußte. Die Bibel verbietet zwar das Aufnehmen von Verschnittenen in die Gemeinde, aber in dem christlich - byzantinischen Staate gelangten sie zu hohen Ehren und wurden dementsprechend reichlich fabricirt. „Im Staatsdienste, in der Armee, selbst in der Kirche ist der Eunuche (bis weit ins XI. Jahrhundert) eine ständige Erscheinung," sagt Hertzberg. Neben der Eunuchenwirthschaft war es auch die Herrschaft schlechter Weiber, welche zur Herabwürdigung der Regierenden beitrug. Letztere hatte schon mit der mehr berüchtigten als berühmten Theodora begonnen, welche Kaiser Justinian (a. 527)