Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Date
- 1900-11-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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€äte?94 Dr. Bloch's WochenlÄzrrst. Nr. 44 ersten Bilduugscurs für Kindergärtnerinnen in Oesterreich ins Leben gerufen. Schon aus Anlaß der Weltausstellung im Jahre 1873, bei der Fischer die Kindergartenabtheilung leitete, wurde er mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet und aus Anlaß seines 25jährigen AmtsJubiläums wurde ihm von der Gemeinde die große goldene Salvatormedaille verliehen. Fischer war auch vielfach schriftstellerisch thätig, so auf dem Gebiete der jüdischen Literatur durch die Werke „Palmen und Cedern" und „Palästina", auf dem Gebiete der pädagogischen Literatur durch die Schriften „der Kindergarten", der soeben in 5. Auflage erschienen ist, „Poetisches Schatzkästlein", „Friedrich Fröbel" rc. Wien. (Verlobung.) Fräulein Karoline Neuron, Tochter des Herrn Max Neuron, hat sich mit Herrn Oscar Mautner, Beamter der israelitischen Cultusgemeinde, verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 4. November d. I., 3'/, Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräuleins Irene Jaiteles, Tochter des Herrn Jacob Jaiteles, mit Herrn Isidor Elias, Chef der Firma S. Elias, statt. Wien. L ö b l i ch e R e d a c t i o n! Am 26. October l. I» feierten Oberlehrer Ignaz Weber, Leiter der städtischen Volksschule, II., Novaragaffe 30, und Director der türkisch-israelitischen Schule und seine Gattin Leocadie geb Stern die 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Oberlehrer Weber ist der Begründer des I. österreichischen Taubstummen - Externates, durch welche Schöpfung dem österreichischen Taubstummen - Bildungs - und Erziehungswescn eine neue Richtung gegeben wurde. Er begründete ferner den Verein zur Unterstützung taubstummer, mittelloser Schulkinder, welcher gegenwärtig vom Landesschulinspector Dr. Earl Nieger geleitet wird und welchem sämmtliche Wiener k. k. Bezirksschulinspectoren als Vorstandsmitglieder angehören. Weber begründete ferner die Chewra-Kadischa" in Währing, schließlich ist der schöne Tempel ebendaselbst seiner Initiative zu verdanken. In eingeweihten Kreisen ist es Wohl bekannt, daß Oberlehrer Weber im Jahre 1885 — er war damals Obmann des Hernalser Lebrervereines — dem gottseligen Reichsrathsabgeordneten und Eultusgemeinde-Präsidenten Dr Ignaz Kuranda Vorschläge behufs Einberufung eines Cultusgemeindetages zum Zwecke der Bekämpfung des damals im Entstehen begriffenen Antisemitismus erstattete. Näheres über diese Vorschläge kaun wohl hier nicht erörtert werden, notorisch ist jedoch, daß sowohl Kuranda, als auch ein großer Theil des damaligen Cultusvorstandes diesen Vorschlägen große Sympathien, Kuranda geradezu Begeisterung entgegenbrachten. Leider starb diese jüdische Leuchte viel zu frühzeitig, und mit diesem Tode wurden auch die Weber'schen Vorschäge bestattet, da der Nachfolger Kuranda's, Pollak v. Borkenau, — kein Kuranda war. Nun hatte Weber die traurige Genugthuung, daß seine Vorhersagungen leider in Erfüllung gingen und schmerzlich berührte es ihn, als 10 Jahre später, leider viel zu spät von verschiedenen Seiten Anläufe im Sinne der Weber'schen Vorschläge genommen wurden. Dr. Ignaz Kuranda's vorzeitiger Tod war eben ein großes Unglück für die Judenschast. Am bezeichneten silbernen Hochzeitstage zeigte es zur sich Evidenz welcher Beliebtheit und Sympathien sich der Jubilar erfreute. Persönlich gratulirten: Die von ihm ausgebildeten Taubstummen, der Lehrkörper der Anstalt, Herr Religionsschul-Jnspector Kanitz, Obercantor Bauer, Schulleiter, Letrer und Lehrerinnen des II. und XVIII. Bezirkes; schriftlich beglückwünschten: Landesschul- Jnspector Josef Hülsenbeck und dessen Gemalin, Polizeichefarzt Negierungsrath Dr. A. Witlacil, Moriz Edler von Kuffner und dessen Gemalin Elsa Edle von Kuffner, der k. k. Schulrath Professor Hinterwaldner, Frau Emma Knoll v. Schauenstein, das Präsidium der türkisch-israelitischen Gemeinde, Bezirksvorsteher Georg Niebauer, Bezirksrath Moriz Brill, kais. Rath Dr. Theodor Lieben, Landesgerichtsrath Dr. Emanuel Weber, Steueroberinspector Dr. Julius Singer, Ortsschulrath S. Heit, Nordwestbahninspector August Schuhmann, Procurist der Kuffner'schen Brauerei Eduard Glaser, der Lehrerverein des II. Bezirkes u. A. m. Krakau. Samstag den 13. v. M. fand die IV. ordentliche Generalversammlung des akademischen Verbandes „Haschachar" (Przedswit) statt. Aus dem Berichte des scheidenden Ausschusses für das Sommersemester 1900 entnehmen wir folgende Daten: Es wurden in diesem Zeitabschnitte 2 große Nationalfeste: die Smolenskin- und die Bar- Kochba-Feier, abgehalten. Alle 14 Tage gab es Vorlesungen und Discuffionsabende im Vereinslocale. Zur Hebung der Geselligkeit unter den Vereinsmitgliedern trugen nicht wenig die Ausflüge bei. Außerdem ist zu bemerken, daß der Präses Dr. Wahrhaftig wie auch Vcreinsmitglied Dr. Syrop als Delegirte beim vierten Zionistencongreffe in London fungirten. Hierauf wurde die Neuwahl vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab: Präses: Dr. Goldwasser Lazar; Vice-Präses: stuck, meck. Hilfstein Chaim; Schriftführer: stuck, für. Landau Leon; Eaffier: cand. jur. Fruchthändler; Ausschussmitglieder : stuck, jur. Bulwa David, stuck, jur. Feldblum Simsom stuck, uieck Grüuzweig Bernard. Haubenstock Maximilian, Dr. Lauer, stuck, für. Molet Osias, stuck. pbil. Margulies Markus, stuck, für. Schächter Abraham. E. B. Triest. Am 11. November findet die Trauung des Herrn Moritz Wolf mit Fräulein Gemma Fontaneall im hiesigen israelitischen Tempel statt. Die Eltern des Brautpaares enstammen den besten hiesigen Familien und erfreuen sich des besten Rufes und Ansehens. Austerlitz. Freitag den 26. October starb hier der Cantor und Oberlehrer in Pension Herr Simon Diamant. Der Verstorbene wirkte in unserer Gemeinde über dreißig Jahre als Lehrer und Cantor mit seltener Pflichttreue; und während der verflossenen Feiertage noch erbaute er mit seinem ebenso corrccten als sinnigen Vortrage die Andächtigen, und keiner ahnte, daß er sobald aus unserer Mitte scheiden wird. — Von Nah und Fern strömten Verwandte und Bekannte herbei, Herr Dr. Oppenheim aus Brünn, Herr Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz und noch viele andere. Die Leiche war in der Tempelvorhalle aufgebahrt; an derselben hielt Herr Rabbiner Dr. Max Steif einen ebenso wahren wie tief empfundenen und zu Herzen dringenden Nachruf, der Alle zu Thränen rührte, worauf Herr Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz, den Lebens-- und Leidensweg des Verstorbenen, der sein Onkel war, schilderte und in Worten der Trauer von ihm Abschied nahm. Nachdem Herr Obercantor Schön unter Assistenz des Tempelchores die Trauerpsalmen in äußerst ergreifender Weise vorgrtragen, wurde der Sarg gehoben, und ein unabsehbarer Zug setzte sich trauernd und schluchzend in Bewegung, den theueren Todten das letzte Geleite zu geben. Am offenen Grabe sprach noch Herr Lehrer Gansel aus Butschowitz, der in rührenden Worten im eigenen, sowie im Namen seiner Collegen Abschied nahm. Breslau. In der am 17. October 1900 abgehaltenen Sitzung des „Jüdischen Rede- und Discutirclubs Graetz" hielt Herr Dr. Jur. Jsmar Freund ein Referat über das Thema: „Ein deutscher Judentag" (Vorschlag zur Organisation der Juden), in dem er im Anschluß an den Prof. Philippsohn'schen Vorschlag dessen Motive und Ziele auseinandersetzte. Trotzdem in der Discuffion einige Stimmen gegen einen derartigen Judentag laut wurden, schien jedoch die Majorität demselben sympathisch gegenüberzustehen. Eine officiöse Stellungnahme zu dieser Frage behält sich der Vorstand des Vereines für eine spätere Sitzung vor. Insterburg, 21. October. In jüdischen Zeitungen wird fortwährend Koscher-Wurst aus Budapest angeboten und viel nach Deutschland bezogen. Auf eine diesbezügliche Anfrage ist uns von zuständiger Seite berichtet worden, daß manche Händler erwiesenermaßen Trepha-Fleisch zu ihren Fabrikaten verwenden und daß deshalb Vorsicht geboten ist. Paris, 21. October. (Auszeichnung.) Bei dem vor Kurzem hier abgehaltenen internationalen Congreß für unbewegliches Eigenthum hat der Finanzminister das Mitglied der Pariser Consistoire Jsraelite, Herrn Alfred Neymarck, ganz besonders ausgezeichnet. In seiner Ansprache sagte der Finanzminister u. A.: „Zu meiner großen Freude sehe ich zu meiner Linken Ihren Präsidenten Herrn Alfred Neymark, der schon seit Jahren mit hingebender, priesterlicher Geduld ebenso zahlreiche wie werthvolle Documente über bewegliches und unbewegliches Eigenthum zusammengetragen hat. Ich beglückwünsche ihn zu seinen Arbeiten und danke ihm im Namen der Regierung und in meinem eigenen Namen für die Dienste, die er den Finanzen des Landes gelelstet hat." Feuilleton. Jankiel, der Makler. Von Pseudonym. Uebersetzt aus dem Polnischen von Malwina Vlumberg. „Jan kiel!" „Zu Befehl, Euer Gnaden!" „Fünfhundert Gulden brauche ich auf morgen. Verstehst Du?" „Ich verstehe Euer Gnaden, warum soll ich nicht verstehen?"