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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 793 S t e r n, Conlrolor der Kaschau-Oderberger Bahn. Zu Ersatzmännern wurden ernannt die Herren: Mor. S a f i e r, Josef Fabischkievitsch und Leop. Huppert. Als Beweis besonderer Anerkennung ihrer Verdienste um das Gedeihen des Vereines wurden die Herren Victor L u st i g, Josef Zänker und Leop. K a ß l e r einstimmig zu Ehrenmitgliedern des Vereines ernannt. Eine Zierde desselben ist ferner Herr Dr. Max Beer, der, obzwar er als Advocat sein Domicil in Mährisch- Ostrau hat, dennoch ein treues, eifriges und unschätzbares Mitglied des Vereines ist, welchem derselbe Vieles zu danken hat. Lemberg, 30. October. Sehr geehrte Redaction! In dem Dorfe Manaster, im Lemberger Bezirke gelegen, wurde unlängst ein allseits beliebter jüdischer Bürger und Gemeinderath aus Komarno, Namens Jacob Israel Sitzmann, wegen eines Trunkes Wasser von einem Bauer erschlagen. Im genannten Dorfe werden einigemal im Jahre Jahrmärkte abgehalten und fehlt es dort an Trinkwasser,' weshalb die zahlreichen Besucher des Marktes gezwungen sind, um den Durst zu stillen, sich zum Brunnen des nächstgelegenen Meierhofes zu begeben. Dies that auch der Genannte, der von Beruf Pelzhändler war; als er bereits den Krug Wasser in den Händen hatte, da sprang auf ihn der Bauer Namens Michael Wercholak zu und versetzte ihm (Sitzmann) mit einem scharfen Instrumente einen wuchtigen Hieb über den Kopf. Wercholak gab sich noch nicht damit zufrieden und versetzte weitere Hiebe gegen die Rippengegend. Trotzdem Sitzmann von Blut überströmt war, hatte er noch das Bewußtsein, zu bitten, daß man ihn in das naheliegende Städtchen Szczerzce zu einem Arzte führen soll. In Szczerzce angelangt, führte man ihn zum Arzte Dr. Acker, der constatirte, daß es eine Verletzung leichten Grades ist. Die Begleiter gaben sich damit zufrieden und setzten die Reise nach Komarno fort. Unmittelbar nach seiner Heimkunft verlor er die Sprache und fiel bewußtlos zusammen, den darauffolgenden Tag hauchte er den Geist aus. Bei der gerichtlich vorgenommenen Obduction constatirten die Aerzte Dr. Jaklinski und Dr. Blauer, daß der Schädel gänzlich zertrümmert und die Haut um das Gehirn durchgerissen war. Der Bauer wurde verhaftet. Erwähnenswerth ist es, als man die Eigenthümerin des Meierhofes, Marie Stefanowicz, fragte, weshalb der Bauer einen Menschen tödtete, sie antwortete, daß sie alle Juden, die um Wasser in ihren Hof kommen werden, tödten lasten werde. Bukarest, 30. November. Samstag Abends und Sonntag Früh feierte die Bukarester Tempelgemeinde das 25jährige Dienstjnbiläum ihres Rabbiners, des Herrn Dr. M. Beck. Für seine großen Verdienste, die er sich nicht nur um die Bukarester, sondern auch um die Glaubensgenosten des ganzen Landes erworben hat, dankte ihm der Vorstand, an desten Spitze gegenwäctig'Herr Philipp Focsänenu sich befindet. Weder der Undank, mit dem er von Manchen gar oft belohnt wurde, noch die niederträchtigen, lügenhaften Gerüchte, die über ihn verbreitet wurden, hielten ihn zurück, Körper und Seele für sein Volk zu opfern. Es sind Wenige in seiner Gemeinde, die ihn nicht Lehrer, Rathgeber, Tröster oder Erretter, oder alles zugleich nennen müßten. Seine Leistungen hervorzuheben, ist nicht nöthig, da fie doch jedem seiner Glaubensgenoffen aus Iftrmänien bekannt sind. Dies muß aber erwähnt werden, daß die Lage der Juden im Lande eine um viel ärgere wäre, wenn er nicht oft bald beim König, bald bei den Ministern mit zu großen Muth — er figurirte schon auf der Liste der aus dem Lande Auszuweisenden — sich beklagt hätte. Mit vorzüglicher Hochachtung Ben-Sem. Nürnberg, 17. October. Gegen den protestantischen Hilfsgeistlichen W i n t e r wurde die Disciplinaruntersuchung eingeleitet, weil er beim Religionsunterricht in der Volksschule eine die Konitzer Affaire betreffende antisemitische Aeußerung gemacht hatte. Er hatte den Kindern erzählt, daß ein Jude in einem Orte bei Berlin einen Gymnasiasten geschlachtet habe. Gemeint ist natürlich der Konitzer Mord. Und der Herr Vicar hat hinzugefügt, man dürfe einem Juden nichts zuwenden, weil die Juden die Christen betrügen. Statt des Ausdrucks „betrügen" gebrauchte der Religionslchrer ein schmutziges Wort, „das sich," wie ein Berliner Blatt hinzufügt, „aus dem Munde eines Pädagogen noch weit gemeiner anhören muß, als wenn es von den Lippen eines rohen, ungeschliffenen Ackerknechtes fließt". Petersburg. Die Actiengesellschaft für billige jüdische Wohnungen, über deren Begründung wir seinerzeit ausführlich berichtet haben, hat nach erfolgter Bestätigung durch den Finanzminister anfangs October ihre constituirende Generalversammlung abgehalten. Baron G. O. Günzburg eröffnete als officieller Begründer der Gesellschaft die Versammlung mit der Mittheilung, daß er sämmtliche Formalitäten erledigt und die zur Gründung der Actiengesellschaft gesetzlich vorgeschriebene Zahl der Actien gezeichnet und den Betrag für dieselben bei der Reichsbank deponirt hat. Die Actiengesellschaft wurde darauf formell als begründet erklärt und zur Wahl des Berwaltungsrathes geschritten. Es wurden in den Aufsichtsrath gewählt die Herren Lazarus Brodski-Kiew, Baron G. O. Günzburg-Petersburg, D. S. Poljakow-Moskau. M. A. Warschawski-Petersburg. und M. A. Wawelsberg-Warschau. Zu Stellvertretern des Auffichtsrathes wurden gewählt die Herren Ingenieur D. F. Feinberg, Baron Alfred Günzburg und Ingenieur A. Preß. Als Revisoren wurde» gewählt die Herren I. Back, A. Braudo und M. Mysch. Das von der Jca in Wilna erbaute Haus mit 220 Wohnungen, von denen 55 bereits verimethet sind, wurde von der Gesellschaft übernommen. Petersburg. (Ungünstige Senatsentscheidung.) Nachdem der russische Senat in einer großen Reihe von Processen zu Gunsten der Juden entschieden hat, wurden die russischen Juden plötzlich von eben diesen Senat mit einer Entscheidung überrascht, welche für sie von sehr schlimmen Folgen werden kann. Die Ueberraschung war umso vollständiger, als gerade in dieser nunmehr in letzter Instanz entschiedenen Angelegenheit das klare Gesetz sowohl seinem Wortlaute wie seinem Sinne nach so unzweideutig auf Seiten der Juden stand, daß Juristen wie Laien über die Auffassung des Senats die Köpfe schütteln. Es handelt sich auch in diesem Falle um das Wohnrecht der Juden, diesmal jedoch nicht mehr um das der armen jüdischen Handwerker, sondern einmal um das der reichen jüdischen Kaufleute erster Gilde. Diese genießen — falls sie sich einer kaufmännischen Corporation im Innern Rußlands anschließen, — „gleiches Recht mit dem eingeborenen russischen Kaufmann". Nach lOjähriger Angehörigkeit zu dieser Corporation erwirbt der jüdische Kaufmann dieses Recht für den ganzen Rest seines Lebens, selbst wenn er weiterhin keine Gilde mehr bezahlt. Dieses Vorrecht wurde nun bis jetzt so aufgefaßt, daß Juden, welche an einem bestimmten Orte des Innern Rußlands volle 10 Jahre hintereinander bie recht hohe Steuer für die Kaufmannschaft erster Gilde bezahlt haben, für ihr gutes Geld sich das Recht, überall in Rußland wohnen zu dürfen, erwerben. Diese Auffassung wurde auch von den Behörden getheilt, welche die gewesenen Kaufleute erster Gilde bisher haben überall in Rußland anstandslos wohnen lassen. Die jüngste Senatsentscheidung bannt nun diese gewesenen Kaufleute erster Gilde an ihre bisherigen Wohnorte und die russische Polizei, welche sich so etwas nicht zweimal sagen läßt, wird fortan gewiß mit Argusaugen darüber wachen, daß kein in Centralrußland wohnender ehemaliger Kaufmann erster Gilde seinen bisherigen Wohnsitz verläßt. Ferner wird wohl der Senat bald in die Lage kommen, entscheiden zu müssen, ob seine jetzige Resolution rückwirkendeKraft hat, respectiveob die Behörden, welche es zweifellos versuchen werden, berechtigt find, jüdische Großkaufleute, die nach Jahrzehnte langer, ehrenvoller Thätigkei: den bisherigen Schauplatz ihres Wirkens verlaffen, um an einem anderen Orte Rußlands sich zur Ruhe niederzulaffen, durch Ausweisungsordre in der wohlverdienten Ruhe zu stören. Daneben wird es die russische Polizei gewiß nicht Unterlasten, auf Grund der eben gefallenen Senatsentfcheidung die in Centralrußland lebenden activen jüdischen Kausleute zu drangsaliren. Vermischtes. Wien. (O e st err ei ch is ch - If r a e liti f ch e Unio Am 3. November, 8 Uhr Abends, findet eine Plenarversammlung in der Restauration Khuner statt, auf deren Tagesordnung die Cultuswahlen und die Stellungnahme zu den Reichsraths Wahlen stehen. Wien. Bei dem Synagogenverein „Beth-Jsrael", nack polnisch-jüdischem Ritus, in Wien wurde der bis nun provisorisch acceptirte Rabbiner E. M. Mayersohn in der Plenarsitzung vom 24 v. M. einstimmig mit einer Gehaltserhöhung definitiv angestellt. Wien. Am 5. November d. I. feiert Herr Albert S. Fischer, Director der Ersten Bildungs-Anstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgaffe 15, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war durch 33 Jahre Leiter der rühmlichst bekannten isr. Kinderbewahranstalt und hat in dieser Eigenschaft im Jahre 1868 den

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