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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gette 790 Dr. Bloch's Woürenschrist. sich birgt, indem er sagt: »Besser und nützlicher ist es, einfältig und wenig wissend zu sein, dafür aber Gott nahe zu kommen durch die Liebe, als sich für vielwissend und vielerfahren zu halten und dabei als Gotteslästerer befunden zu werden. Darum hat denn auch Paulus ausgerufen: »Die Gnosis bläht auf, die Liebe erbaut....". weil er wußte, daß Einige, aufgebläht durch eingebildetes Wissen, von der Liebe zu Gott abfallen und deshalb meinen, sie seien vollkommen, weil sie einen unvollkommenen Demiurgen einführen. Um also ihren Dünkel zu beschneiden, sagt er: „Das Wissen bläht auf/ Gibt es doch keine größere Aufgeblasenheit, als wenn Einer sich eiubildet, bester und vollkommener zu sein, als der ihn geschaffen, gebildet und den Odem des Lebens eingegeben hat/ Iren. II, 26, 1.) Das sind also dieselben Gnostiker, welche, wie früher das Judenthum, so jetzt das Christenthum vermittelst der Gnosis zu zersetzen und zu vernichten strebten. Haben doch die ältesten gnoftischen Secten, die Ophiten, sowie sie den „Judengott" für einen inferioren und „verfluchten" erklärten, später auf christlichem Boden Jesum geschändet, indem sie, wie Origenes berichtet, gegen ihn gehässige Beschuldigungen vorbrachten und keinen in ihre Gesellschaft aufnahmen, der nicht vorher Verwünschungen wider Jesus ausgesprochen hat/ „Man beachte" — so fährt Origenes gegen den philosophischen Heiden Celsus fort, dessen Angriffe auf das Christenthum er widerlegt — „man beachte, wie unvernünftig Celsus seine Sache gemacht hat, da er in seiner Schrift gegen die Christen Leute für Christen ausgab, die nicht einmal den Namen Jesu hören wollen, nicht einmal zugeben wollen, daß er ein weiser, tugendhafter Mann war. Kann es etwas Verkehrteres und Wahnwitzigeres geben als diese Leute, welche die Schlange als die Quelle und Vermittlerin des Guten betrachten und sich nach ihr benennen? ... . Jener griechische Philosoph, der ein Leben der Armuth führte, der durch sein eigenes Beispiel zeigen wollte, daß man auch ohne jeden Besitz glücklich leben könne, nannte sich selbst einen Cyniker. Diese Gottlosen aber handeln, als wären sie nicht Menschen, deren Feind die Schlange ist, sondern Schlangen, und rühmen sich, daß sie von der Schlange, von jenem Thiere, welches die Menschen als ihren Todfeind fürchten, vor dem sie den tiefsten Abscheu haben, ihren Namen Ophiten herleiten."/) Gegen wen also ist das am Ende des ersten Jahrhunderts verfaßte Birkas-Haminim (Verwünschung der Minim) gerichtet gewesen: Gegen die Judenchristen, oder — wie man sich, gestützt auf die späten Kirchenlehrer Epiphanias und Hieronymus, präciser ausdrückt — gegen die Nazaräer; oder ist es nicht vielmehr gegen die ophitischen und ähnlichen jüdischen Secten gerichtet gewesen, welche den Weltschöpser und sein Gesetz verachteten und später, als das Christenthum auf den Plan trat, auch deffeu Stifter verwünschten? Wahrlich, die Dinge liegen hier so klar zu Tage, daß ein Zweifel über die Adressaten unserer Berwünfchungsformel gar nicht bestehen sollte. Wäre aus jener alten Zeit, wo cs christliche Gnostiker noch nicht zu bekämpfen gab, keine andere Nachricht über die Exihenz von Minäer-Secten auf uns gekommen, als das früher citirte Document: Birkas-Haminim, dieses allein würde uns belehren, wie mächtig angewachsen und wie gefährlich die Minim schon damals — gegen Ende des ersten Jahrhunderts — gewesen. Gegen eine kleine, erst im Aufkeimen begriffene häretische Partei läßt nicht ein Patriarchat und so ostentativ eine Verwünschungsformel, und eine so ingrimmige, beschließen und sie in das heiligste tägliche Gebet einschalten. Schon zu Ende des ersten Jahrhunderts werden von dem Hervoragenden Gesetzeslehrer R. Eliezar, welcher durch Verkehr mit den Minim in schwere Verlegenheit gerathen war, die Schriftworte: „Durch ein verworfenes Volkwerde ich sie kränken" (Deuteron. 32, 11) auf die Minim bezogen; denn, so fügt er hinzu, von ihnen sagt auch der Psalmist: „Es spricht der Verworfene in seinem Herzen: e s i st k e i n G o t t". Und darunter soll die urchristliche Gemeinde verstanden sein! Fr. ') Orig, coutra Cels. III, 13, VI, 30, 28, VII, 40. In der Epistel Judae V. 4, 10, 11 wird von den Gnostikern gesagt: „Sie sind gottlos und ziehen die Gnade unseres Gottes auf Mnthwillen und Verleugnen Gott und unfern Herrn Jesum C h r i ft u nt. . Nr. 44 Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Cuttusvorstandes vom 28 Oktober 1900 unter dem Borsitze des Präsidenten Herrn kaiserl. Rath H. Klinger. Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben der Frau Honora Krall mit der Mittheilung, daß sie zum Andenken an ihren verewigten Gatten Herrn Heinrich Krall ein Capital von X. 10.000.— widmet, damit alljährlich am Todestage des Verstorbenen die Zinsen an 10 arme, insbesondere gelähmte Männer vertheilt werden, ferner zur Errichtung einer Bettstiftung im israelitischen Spitale einen Betrag von K. 12.000.—. Die Widmungen werden angenommen und zur formellen Erledigung an das Vertreter-Collegium geleitet. Der Spenderin wird der Dank votirt. An Spenden sind weiters eingelaufen: Von Herrn Wilhelm Kuffner, für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten.. . K. 1000.— und zwar für den Erhaltungsfond des Siechenhauses X. 800 —, für Ausspeisung armer Schulkinder der Bezirke XVI. und XVU. K. 100.-, für Ausspeisunq armer Schulkinder der Brigittenau X. 50.—, für die Talmud-Thora im 2. Bezirk, X. 50.-. Bon der Firma M. G r a b' s S ö h n e, anläßlich des Ablebens des Firmenchefs, durch den Herrn Bürgermeister der Stadt Wien für Arme .... ., 400.— Ergebniß einer Sammlung bei einer Briß-Mile im Hause des Herrn Rieß für verschiedene Wohlthätigkeitszwecke. „ 150.— Von Herrn Dr. Gustav Kohn für verschiedene Wohlthätigkeitsinstitute. „ 120.— Bon Frau Fanny Blum durch Frau Regine Breitner für den Wöchnerinnen-Verband . . „ 100.— Von Herrn und Frau Ludwig Rosenzweig, anstatt einer Kranzspende für den seligen Herrn Isidor Dietrichstein für das Alters-Versorgungshaus .. . . „ 20.— Von Herrn Adimar Limac für Arme ... „ 2.— Bon Herrn Isidor Buchbinder für Arme . „ 2.45 Aus den Sammelbüchsen des Leopoldstädter Tempels für die Armenanstalt. „ 72.25 für die Chewra-Kadischa. „ 47.25 Naturalien für das Alters-Versorgungs-, beziehungsweise Siechenhaus spendeten: Frau Honora Krall im Werthe von eit ca X. 120.—, Frau Cäcilie Adler im Werthe von X. 40.—, Herr Moriz B r a m m e r im Werthe von X. 24.—, Herr Jakob Kohn im Werthe von X. 9.—. Im Einlaufe befindet sich auch eine Zuschrift des Herrn Lucian Brunner in Wahlangelegenheiten, welche vollinhaltlich zur Verlesung gelangt. Aus einer Zuschrift des auf einer größeren Reise befindlichen Herrn Baurath Stiaßny ist zu entnehmen, daß er Gelegenheit sucht, die Wohlthätigkeitsanstalten der größeren jüdischen Gemeinden kennen zu lernen, sich überall des besten Entgegenkommens erfreut und die gewonnenen Erfahrungen im Interesse der Wiener Cultusgemeinde zu verwerthen gedenkt. Zuschrift des Bürgermeisters der Stadt Wien mit dem Ersuchen im Sinne des § 3 des Statutes des Curatoriums für die Verwaltung des zur Errichtung und Erhaltung eines Josefine von Königswarter'schen Kinderspitales bestimmten Capitales anläßlich der mit 31. Deeember d. I. ablaufenden Functionsperiode dieses Curatoriums die Neuwahl von zwei Mitgliedern des Cultusvorstandes für das genannte Curatorium vorzunehmen. Die bisherigen Mitglieder, Regierungsrath Doctor Heinrich Steger und Baurath Wilhelm Stiaßny, werden einstimmig wiedergewählt. Im Präsidialberichte erneuert der Präsident seine Aufforderung an die Sections-Obmänner, den Berathungen für das Budget des kommenden Jahres das ernsteste Augenmerk zuzuwenden und die diesbezüglichen Vorlagen des Bureaus raschest in Verhandlung zu ziehen. Anläßlich der ablaufenden Berichtsperiode wird für Mitte November die Abhaltung einer im Musikvereinssaale stattfindenden Wählerversammlung in Aussicht genommen.

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