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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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fccttt 788 Dr. Bloch's Worlrenschrrft' Nr. 44 verlor. — Auch aus den Worten des Herrn selbst ist leicht zu zeigen, daß er als den Ein en Vater auch den von Gesetz und Propheten verkündeten Urheber der Welt und Bildner des Menschen bekannte und einen Andern nicht kannte und diesen als den höchsten Gott."') — Und wiederum: „Der Urheber dieses Alls hat dem David, wie er selbst sagt, verheißen: „Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat." Ferner: „In seiner Hand sind die Grenzen der Erde und die Höhen der Berge sind sein; denn sein ist das Meer und Er hat es gemacht und das Festland haben seine Hände gegründet. Kommt, laßt uns anbeten und niederfallen vor Ihm und weinen vor dem Angesicht des Herrn, unseres Schöpfers, denn Er ist der Herr, unser Gott." Deutlich weissagt hier der heilige Geist durch David, daß Solche kommen werden, die da verachten werden unseren Bildner, den alleinigen Gott, darum sprach er auch das Angeführte, indem er zu bedenken gab: Irret nicht; außer diesem und unter diesem i st s o n st k e i n G o t t, auf den ihr mehr achten müßtet, um uns dadurch ehrfürchtig und dankbar, zu piachen gegen den Bildner, Schöpfer und Erhalter. — Was wird also mit denen geschehen, die eine so große Lästerung gegen ihren Schöpfer ersonnen haben!" * 2) — „Einer und derselbe," so rief Jrenaeus ein andermal aus, „einer und derselbe ist der von den Propheten prophezeite und von den Evangelien verkündete Gott!" 3) — Man belausche nur diesen Kirchenlehrer bei seinem Gebete, um die Erleuchtung ler Häretiker: „Auch ich," so betet er, „rufe dich an, Herr, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs und Israels, der du der Vater unseres Herrn Jesu Christi bist, Gon, der du durch die Größe deiner Barmherzigkeit geruht hast, unter uns dich kundzugeben, Schöpfer des Himmels und der Erde, Allbeherrscher, alleiniger und wahrhaftiger Gott, über welchem kein anderer Gott ist ... gib jedem Leser dieser Schrift dich zu erkennen, daß du allein Gott bist, um stark zu werden in dir und abzustehen von jeder häretischen, gottlosen und frevelhaften Gesinnung. Genau nach der Methode der jüdischen Gesetzeslehrer — das lehrt schon ein flüchtiger Blick in die im Talmud noch erhaltenen Cvntroversen mit den Minim — widerlegt Jrenaeus die gnostrsche Lehre von der Zweigotlheit. Hier ein Beispiel: „Auck die fälschlich sogenannten Gnostiker," sagt er, „welche lehren, die Propheten hätten durch verschiedene Götter geweissagt, werden lercht damit widerlegt werden, daß alle Propheten einen Gott und Herrn verkündet haben, und diesen als Schöpfer des Himmels und der Erde und alles dessen, was darin ist .. . Wenn aber manche die im Hebräischen verschieden lautenden Bezeichnungen in der Schrift eutgegenhalten, z. B. Sabaoth, Elve, Adonai und andere dergleichen — und daraus verschiedenartige Kräfte und Götter zu beweisen suchen, so mögen sie wissen, daß alle derartige Benennungen und Bezeichnungen für Einen und Denselben sind. Denn das Wort Elve bedeutet in der jüdischen Sprache Gott ... Eloeuth den Allumfaffenden; Adonai bisweilen den Unnennbaren und wunderbaren, bisweilen aber, und zwar mit doppeltem „d“ und mit gehauchtem „h", wie Haddonai den, „der scheidet und trennt das Land vom Wasser, damit es das Wasser nicht überfluthe." Aehnlich verhält es sich mit den Benennungen Sabaoth und Jaoh .. . Auch alles andere ist nur Bezeichnung für einen und denselben Gott, wie in anderen Sprachen, die Bezeichnungen: Herr der Kräfte, Allvater, allmächtiger Gott, Allerhöchster, Herr des Himmels, Schöpfer, Allwirker u. s. w. nicht Beinamen von verschiedenen, sondern von einem und demselben sind, wodurch der eine Gott und Vater bezeichnet wird, der Alles befaßt und Alles ins Leben gerufen."3) Wir sehen also die hervorragendsten jüdischen Gesetzeslehrer des ersten und die führenden Geister der Kirche im zweiten Jahrhundert gegen denselben, höchst gefährlichen Gegner mit denselben Waffen um ihre Exfftenz ringen; denn diese antinomistischen, aus ihre „höhere Erkenntniß" stolz pochenden Gnostiker — von Haus aus Juden — schmähenden „Judengott", den Weltschöpfer und sein Gesetz, leugnen die Auferstehung des Leibes c), ein Cardinal-Dogma des Juden- ') Iren. H, 11, 1. 2) Iren. III, 10, 4. l) Iren. III, 0, 2. 4) Iren, in, 6, 4. 6) Iren II, 35, 2, 3. 6) Augustin, haer. 18. berichtet von der gnostischen Secte der Kainiten, deren vor christlicher jüdischer Ursprung schon bei Philo nachweisbar: Llasxhemant legem et venm legis auetorem. earnisgue resurreetionem uegaut. und Christenthums, führen einen höheren, allen andern, außer ihnen, unbekannten Gott ein, zertrümmern also das Judenthum und entziehen dem um seine Existenz noch schwer ringenden Christenthum jeden Boden. Es ist sonach ganz widersinnig,' in den von R. Tarphon, R. Jsmael und R. Gamaliel bekämpften Minim Christen und in dem von dem letzteren gegen die Minim eingeführten Verwünschungsgebet eine gegen die Christen gerichtete Verfluchung sehen zu wollen. — Es ist aber auch verfehlt, in den Minim lediglich „Logosgläubige" zu sehen, wie dies Weinstein in seiner jüngsten Schrift „die Genesis der Agada" thut. Es ist ganz unglaublich: man sieht vor lauter Bäumen den Wald nicht. Auf Schritt und Tritt stoßen wir beim Durchblättern der ältesten Ketzerbestreitungen auf gnostische Häretrker, welche den „weltschöpferischen Gott" der Juden, den Demiurgos, für einen inferioren erklären und einen andern über demselben in unnahbaren Höhen befindlichen unfaßbaren höchsten Gott lehren — und die Minim, deren Hauptketzerei in der Annahme von zwei Gottheiten (Sch’te reschujot) bestand, sollen Christen oder alexandrinische Logosgläubige gewesen sein! — Die jüdisch-alexandrirische Schule Philonischer Observanz, welche den Logos lehrte, war so rechtgläubig, wie es nur pharisäische Gesetzeslehrer waren; weit entfernt, daß er den Weltschöpfer, wie ihn das Judeitthum lehrte, durch seine „göttlichen Mittelkräfte" oder seinen Logos profanirte, waren ihm diese vielmehr nur Behelfe, um dem Gott der Bibel dieselbe unnahbare und hehre Stellung einzuräumen, welche die größten griechischen Philosophen dem obersten Gott anwiesen. Philo hatte auch nicht die leiseste Ahnung davon, daß sein Logos die Einheit Gottes irgendwie schädigen könnte; ganz im Gegeutheil: sein Logos sollte doch gerade dazu dienen, die Einheit Gottes über jeden Zweifel, über jede Antastbarkeit zu stellen und unerschütterlich fest zu begründen. Hier gleich ein schlagender Beweis, einer von vielen. Philo spricht von dem Priester-Logos Melchisedek, „welcher der Priester des höchsten Gottes ist" und bemerkt dazu: „Nicht als ob es etwa noch einen andern nicht höchsten Gott gebe, denn da Gott Einer ist, so ist er im Himmel o ben und auf der Erde unten und keiner außer ihm, sondern wegen seiner erhabenen Auffassung der Gottheit erhält der Priester-Logos den Namen: Priester des höchsten Gottes". S chier zeigt es sich klar, wie Philo-peinlich darüber wachte, daß die Einheit Gottes nicht beeinträchtigt werde, tan.l aber auch, was ihm der Logos eigentlich bedeute. Aber auch der christliche Logos bedeutete und galt auch den Christen noch lange nicht eine Doppelgottheit, am wenigsten im Sinne der Gnostlker. Aehnlich wie Philo faßte auch Jrenaeus und mit ihm alle rechtgläubigen Christen seiner Zeit die Einheit Gottes und den Logos auf. Lassen wir ihn selbst sich hierüber äußern: „Es ist der Oberherrlichkeit Gottes eigen" — so lauten seine diesbezüglichen Ausführungen — „keiner anderen Werkzeuge zur Schöpfung zu bedürfen; sein eigen Wort reicht hin, alles zu gestalten, auch Johannes von ihm sagt: Alles ist durch dieses gemacht.... wie die Schrift der Genesis sagt: Alles, was hienieden ist, habe Gott durch sein Wort gemacht. Ebenfo verkündet auch David: „Er sprach, und es ward, er befahl, und es war geschaffen". Wem also sollen wir bezüglich der Wellschöpfung mehr glauben, den in Rede stehenden Häretikern, welche thörichte und sinnlose Dinge schwatzen, oder den Jüngern des Herrn und dem treuen Diener und Propheten Moses, der zuerst die Weltschöpfung darstellt, indem er sprach: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde u. s. w". „Aber nicht Götter und Engel".2) Auch hier wie bei Philo steht der Logos im Dienste der Einheit Gottes. Von einer Zweigottheit, deren eine der jüdische inferiore, wie die jüdisch-antinomistischen Gnostiker sie unter der Zertrümmerung des mosaischen Gesetzes lehrten, ist hier nirgends auch nur die geringste Spur; es wird im Gegentheil die Einheit des Gottes Mosis und der Propheten mit glühendem Eifer vertreten: Und doch sollen die Minim nichts weiter als Anhänger der alexandrinischen Logoslehre sein! . . . Wie unausrottbar doch eingefleischte Jrrthümer sind! Gegenüber den antinomistischen, den weltschöpferischen, Gott verachtenden Minim, wie harmlos nimmt sich da die Häresie der die Einheit Gottes und die Unantastbarkeit des mosaischen Gesetzes unaufhörlich betonenden Anhänger der alexandrischen Logoslehre aus ') Philo, leg. alleg. I, 102. M. 2) Irenaeus II. 2, 5.

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