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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Serie 774 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 43 eine füiifziggliedrige Depiltation der Gemeillde beim Jubilar vor. Districtspräsident Salomon S t e r n t b a l hob die Verdienste des Jubilars in schönen Worten hervor und verdolmetschte den Dank seiner Gemeinde. Zum Schlüsse seiner 9tebe überreichte er ihm das Ehrengeschenk der Gemeinde, ein Ehreildiplom, einen kostbaren Pocal und ein Sparcasse-Einlagebnch auf loOJ fl. Obcrcantor Löwenhcrz dankte sichtlich gerührt für die Ovation und versprach, auch fernerhin für den modernen und fortschrittlichen jüdischen Gottesdienst arbeiten zu wollen. Es sprachen noch vor: Die Deputation der israelitischen Wohlthätigkeits-Frauenvcreme unter der Führung der Iran Witwe Lina E isen st äd ter de B nz i a s, die Fabriker Schwestergemeinde unter Führung des Oberrabbiners Dr Singe r, die AintscoUegen unter Führung des Oberrabbiners Dr. M. L ö w y, die Deputation derEantoren unter Führung des Obercantors M. Sonntag, der Philharmonlsche Verein unter Führung des Präsidenten Dr. Josef W e l d i n n. A. Alle überbrachten werthvolle Geschenke, die Cantoren eine kunstvoll angefertigte Adresse. Im Laufe des Tages kamen dem Jubilar und der Gemeinde aus Nah und Fern Glückwunschdepeschen zu. Es gratulirten die Schwestergemeinden Budapest, Arad, Szegediu, Lugos, Csäkova rc., die au der Feier auch deputativ vertreten waren, ferner in besonders herzlicher Weise Obercantor Singer (Wien). Obercantor Bauer (Wien), Lazarus (Budapest), B a ch m a n n (Budapest), G r 0 ß k 0 p f (Frankfurt a. M.) u. v. A. Zahlreiche Collegen sandten als Widmung Eompositionen ein. Die herrliche Symphonie des Cantorjubilänms hat Abends im Nedontensaale einen würdigen Abschluß gefunden. Zu Ehren des jubilirenden Obercantors fand ein Festbankett zu 170 Gedecken statt. An der Spitze der Tafel rechts und links vom Jubilar sahen die Oberrabbincr Dr. Moritz L ö w y und Dr. Jakob Singer, der Präsident der innerstädtischen Gemeinde Salomon Sternthal, der Präsident des Philharmonischen Vereines Dr. Josef W e l d i n. der Delegirte der Esükovaer israelitischen Gemeinde Dr. Rudolf Koh». der Araber Musikdirector Adolf G r ü n z w e i g, die Lloyddirectorcn David H e r z l und Alexander Koh n, die Ehormeister N 0 v a c s e k und K ü r r ü s z, die Herren Dr. F a. y, Dr. Bortes, Dr. Feodor W e i ß und K e p p i ch. Beim Braten erhob sich Gemeindepräsident Salomon S t e r n t h a l und brachte nebst Wiirdiguug der Verdienste des Jubilars einen zündenden Toast auf denselbeu aus. Dr. I. W c l d i u leerte sein Glas auf den Jubilar, indem er denselben als Musiker und Mitglied des Philharmonischen Vereines in schwungvoller Rede feierte. Herr E. Löwen herz dankte seiner Gemeinde in bewegten Worten für dieses schöne Fest und leerte sein Glas auf die anwesenden Gäste. Professor Adolf P e r 6 n y i hebt in einem feurigen Toaste die Wichtigkeit des zum größten Theile aus Mitgliedern uichtjüdischer Eonfession bestehenden Philharmonischen Vereines für das gesellschaftliche Leben der Stadt hervor und leert sein Glas auf das Gedeihen dieses Vereines und auf das Wohl seines hochverdienten Präsidenten Dr. Josef W e l d i n. Dr. F ä y toastirte in einem glänzenden Speech auf den Gemeindepräsidenten Salomon S t e r u t h a l Dr. V 0 r t e s auf die Nabbinen Dr. Löwy und Dr. Singer, Dr. Singer ans die innerstädtische Gemeinde. Den Neigen der officielleu Toaste schloß ein vom köstlichsten Humor durchwehter Trinkspruch des Oberrabbiners Dr. Löwy, womit er sein Glas auf das Wohl des Jubilars leerte. Nun folgten die nichtofficiellen Toaste, deren Zahl sich bis ins Unendliche verstieg. Es sprachen die Herren Brudcrm a n n, Dr. H a j d u, Richard K u n, Dr. Rudolf K 0 h u re. Das Arrangement des Bankets lag in den bewährten Händen des Herrn Alexander K 0 h n, der die sehr schwierige Aufgabe mit der grössten Umsicht löste. Die Negimentscapelle des 2n. Infanterie-Regiments, unter Leitung des tüchtigen Kapellmeisters Wenzel Heller, besorgte die Tafelmusik. Bürgermeister königlicher Nath Dr. Karl T e l b i f$ richtete ebenfalls ein sehr warm gehaltenes Schreiben an Herrn Löwen herz, worin er namens des Stadtmagistrates denselben zu seinem 25jährigen Berufsjubilänm herzlichst begrüßte. Tobitschau. Sonntag den 21. October hat hier eine imposante Trauerandacht zu Ehren des verstorbenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann stattgefunden, der alle Mitglieder unserer Gemeinde, wie auch die Gntmann'schen Beamten von hier und aus der Umgebung ohne Unterschied der Eonfession beiwohnten. Nach Vortrag der üblichen Trauerpsalmen durch Herrn Cantor W e i ß bestieg Herr Bezirksrabbiner Ehrwürden Dr. Rose nzweig die Kanzel, entwarf in schwungvoller Rede und in beredten Worten das Lebensbild des edlen Verblichenen, schilderte seine großen Tugenden als Mensch und Jude und gab in ergreifender Weise dem schweren Verluste Ausdruck, den nicht nur die Familien Günzburg und Gutmann, sondern auch seine Beamten und das Judenthnm erlitten hat, da der Verewigte als warmfühlender Jude berufen war, es mit seinem Schatten einst zu schützen und zu schirmen. Alle Anwesenden waren von dem gehaltvollen Inhalte dieser Rede tief ergriffen und erschüttert und weinten dem vortrefflichen Verklärten aufrichtige, warme Thränen nach. Prag. (B e r u f s j u b i l ä u m.) Samstag den 13. d. M. feierte der Obercantor am Neuen Tempel in der Geistgasse, Herr Salomon Moor, der schon seit nahezu 40 Jahren in seinem Berufe thätig ist, das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit an diesem Tempel und wurden ihm ans diesem Anlasse ehrende Ovationen dargebracht, Nach dem Gottesdienste begab sich eine Deputation des Tempelvorstaudes, bestehend aus den Herren: M. A n st e r l i tz, W. H i r s ch, N. Perl m a n u, Dr. L. P i ck, M. Popper und S. W e l t s ch. iu die Wohnung des Jubilars, wo Herr Rabbiner Dr. I. Fischer im Rainen des Vorstandes eine Ansprache hielt und den Jubilar beglückwünschte. Hierauf betonte Herr Dr. L. Pick in einer längeren Rede die pslichteifrige Wirksamkeit des Jubilars, dessen erhebende, künstlerische Leistungen die Andächtigen stets erbauten, und überreichte ihm im Rainen des Vorstandes eine ansehnliche Ehrengabe. Dann sprach noch Herr Ehorinspector S. Weltsch einige beglückwünschende Worte. Sinnige Festgeschenke und Glückwunschschreiben waren zahlreich eingetrossen. Breslau. Eine brave Frau haben wir heute zur letzten Ruhe gebettet. Frau Amalie L a ch m a n n, geb. Frey Han, die Ehegattin des vor mehreren Jahren verstorbenen, allgemein geachteten Mitbürgers Herrn Isidor Lach m a n n, ist Freitag den 10. October im Alter von 74 Jahren nach längerem schweren Leiden sanft verschieden und Sonntag daraus unter zahlreicher Brtheiligung aus allen Kreisen der Gesellschaft der Beerdigung zngefnhrt worden. Die Heimgegangene, entstammte einer sehr angesehenen, durch Bildung und Frömmigkeit gleich ausgezeichneten Familie und erfreute sich wegen der zahlreichen Vorzüge ihres Charakters nicht blvs innerhalb dieses Familienkreises, sondern auch bei Allen, welche je Gelegenheit hatten, ihr näher zu treten, einer hohen Verehrung, welcher auch an der Bahre Herr Rabbiner Dr. G n t m a n u beredten Ausdruck verlieh. Sie hinterließ drei Töchter. Einer ihrer Schwiegersöhne ist der Herausgeber der „Oesterreichischeu Wochenschrift", der ehemalige Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch. Außer dem Rabbiner Dr. G n t m a n n sprach noch an der Bahre ein Enkel der Verblichenen, Herr Rabbiner Dr. Max Gr n n wa l d ans Hamburg, welcher im Namen der ungehörigen Familienmitglieder von der theueren Hingeschiedenen Abschied nahm. Jassy. Der als Arzt, als Mann der Wissenschaft, als Talmudist und als jüdischer Patriot hervorragende Dr. K. Lippe feiert am 4. November seinen 70. Geburtstag. Zahlreiche Freunde und Verehrer rüsten sich, diesen Tag festlich zu begehen, Pascwalk. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Ephraim F i n k e l hat sich mit Fräulein Hanna L y ch e n h e i m ans Attenkirchen a. Rügen verlobt. Feuilleton. Matchen. Ich kannte einen Mann, der einmal sehr reich war und er erzählte mir, was er empfand, als er erfahren, er habe sein ganzes Vermögen verloren. „Ich hörte nicht, was man zu mir sprach", sagte er, „ich verstand keines von ihren vielen Worten, aber ich suhlte ans einmal, daß ich verarmt sei, und ein Frösteln überlief mich." So ging es mir, als ich von Malchen's Tod hörte, ich verstand nichts genau, aber ich fühlte, daß ich ärmer geworden sei und mich fror in der Sonne. Dann bin ich zu den Kindern gegangen, die mit einander spielten und lachten, und sagte ihnen: „Matchen ist gestorben". Da verstummte ihr Lachen und die dunklen, tiefen Angen des kleinen Mädchens wurden noch einen Schein tiefer und dunkler und sie sprach langsam: „Matchen kommt in den Hnnmel, Matchen war gut." Malchen war gut und darum erzähle ich Euch von ihr, denn ein gütiger Mensch ist, wie das helle Licht der Sonne, Allen gemeinsam und wenn er erlischt, so wird es für Alle dunkler und kalter. Malchen war gut und hat Euch geliebt, denn sie liebte alle Menschen. Ihr hättet ruhig zu ihr kommen können mit Euren Schmerzen, sie hätte schon einen Trost gewußt, sie wußte immer einen Trost. Sie hätte Euch auch von den Tagen erzählt, da sie noch jung war und in derselben alten Stadt zur Schule ging.

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