Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021375--10318-3034793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 772 Nr. 43 Bwch's WochrnlUrM« älteren College» verweigerten ihm Gruß und Handschlag, angeblich. weil er vorschriftswidrig ernannt worden sei, in Wirklichkeit wohl deshalb, weil er Jude ist. Coblentz beschwerte sich bei dem Kciegsminister, und dieser versetzte strafweise sechs Hauptleute von der Schule zur Truppe. Nun ist eine heftige journalistische Fehde entbrannt. Die Nationalisten wühteu gegen den Kriegsminister, die republikanischen Blätter nehmen ihn in Schutz. Der Militär-Schriftsteller Le Maiichand behandelt den Fall ausführlich im »Siöcle" und findet ihn sehr bedenklich. Er sagt: »Man lehnt sich offen gegen eine Verfügung des Ministers ans; man will den Ofsicier, den der Minister als Lehrer an der Anstalt in Fontainebleau bezeichnet hat, zwingen, den Posten zu verlassen. Wenn er nachgegeben hätte, so wäre der Minister selbst compromittirt worden. Hauptmann Coblentz gab nicht nach, nnd General Andre zeigt sich entschlossen, seinen Willen dnrchzusetzen. Ec läßt außer den sechs Officieren, die bereits gemaßregelt wurden, den General Perboyre, den Commandanten der Artillerieschule, zur Disposition stellen. Damit sei es aber noch nicht abgethan, meint der »Siöcle". Man stehe nicht einem einzelnen Falle, sondern einem allgemeinen Problem gegenüber, dem schon die Dreyfus-Affaire entsprungen sei. Das Heer wurde durch eine Macht beherrscht, die lange verborgen blieb, die jetzt aber zum erstenmale hervortrete und erkläre, sie sei Herr im Hause, und wer ihr nicht folgen wolle, der möge hinausgehen. Jetzt stehe diese anonyme Macht dem Kriegsminister von Angesicht zu Angesicht gegenüber. »Einer von Beiden muß nachgeben nnd verschwinden. Welcher von Beiden wird es wohl sein?" — Der Oberst Du Paty de Clam, der in dem gegen Dreyfns gerichteten Justizmord- Versuch den gehorsamen Handlanger des meineidigen Generals Mercier und den Komplicen des Fälschers Obersten Henri gemacht hat, wird demnächst nach Vollendung seines dreißigsten Dienstjahres verabschiedet. Seit zwei Jahren ist er in Nichtactivität. Ihm die Pforten des Zuchthauses zu öffnen, hat die französische Jnstiz noch nicht Kraft genug gewonnen. PariZ. (Aufruf der französischen Liga der Menschenrechte.) Senator T r a r i e n x. Präsident der französischen Liga zur Bertheidigung der menschlichen und Bürgerrechte, versendet nachstehenden Brief an die Sections- Präsidenten der genannten Gesellschaft: Meine lieben College»! Sie werden von den abscheulichen Verfolgungen gehört haben, die seit einiger Zeit in Rumänien der Antisemitismus hrrvorgerufen hat. Mir sind viele Briese zugekommen, welche die Aufmerksamkeit unserer Liga auf diese Bewegung des Fanatismus lenken und uns anflehen, dagegen einen Protest im Namen der Ideen der Rechtes, der Gerechtigkeit und Freiheit zu erheben. Tausende und Abertausende menschliche Wesen, die sich geschützt glaubten durcy die Gesetze ihres Vaterlandes, sind ins tiefste Elend und in Verzweiflung gerathen in Folge von barbarischen Maßregeln, die sie aus ihren Wohnorten vertrieben haben. Gleichzeitig wurde ihnen auch verboten, in der Auswanderung ihre Rettung zu suchen. Martern und langsamer Tod schweben über diesen Leuten, und das ist gewiß unwürdig eines civilisirten Jahrhunderts. Wir haben in unserem eigenen Lande erfahren, zu welchen abscheulichen Gefühlen des Hasses und der Wildheit es geführt hat, als die Vornrtheile der Religionen und Secten wieder ausgeweckt wurden, und wir haben uns eine Ehre daraus gemacht, die großmüthigen Pcincipien unserer modernen Gesellschaft dawider in Bewegung zu setzen. Wir werden nur unseren Doctrinen treu bleiben, wenn wir der Aufforderung entsprechen, die aus der Fremde von den Unglücklichen an uns gerichtet wird, welche hoffen, daß wir, wenn wir zu ihren Gunsten einschreiten, im Stande sind, die entfesselten Leidenschaften zu beschwichtigen oder wenigstens eine Regung der vergessenen Menschlichkeit bei denjenigen zu erwecken, die diesen Unglücklichen Schutz schuldig sind. Es ist wahr, daß wir kein Recht haben, uns an die rumänische Regierung zu wenden, aber die öffentliche Meinung ist eine moralische Kraft, die ihre Wirksamkeit über die Grenzen hinaus ausdehnt, und sollte unsere Stimme auch nur ein schwaches Echo finden, so wird sie doch hoffentlich einige Gewissen aufrütteln. Darum bitte ich Sie, mir mitzntheilen, ob Sie Ihre Zustimmung geben zu der Adresse, deren Entwurf ich Ihnen hiemit vorzulegen die Ehre habe: »Die französische Liga zur Bertheidigung der menschlichen Bürgerrechte richtet, nachdem sie durch das Centralcomits alle Sectionen hat befragen lassen, an die lateinischen Brüder Rumäniens die dringendste Auffordecuig, sie mögen die antisemitische Bewegung bekämpfen, welche ihr Vaterland zerreißt und entehrt. Ueberall wo, wie in Rumänien, die Principien der französischen Revolution hingedrungen sind, kann die Menschheit nur aus Menschen bestehen, die vor den Gesetzen ihres Vaterlandes gleich sind." Ihr aufrichtig ergebener T r a r i e n x, Präsident der französischen Liga der menschlichen und Bürgerrechte. PortSmouth, 14. Oktober. (Bürgermeisterwahl.) Der Stadtrath Abraham Leon Emanuel ist in der letzten Sitzung der städtischen Behörden einstimmig zum Mayor von Portsmouth gewählt worden. Die Wahl ist in allen Kreisen der Stadt mit großer Befriedigung aufgenommen worden. Stadtrath Emanuel hat schon früher einmal dasselbe ehrenvolle Amt bekleidet, und die Bevölkerung erwartet in diesem Jahre besonders glänzende Leistungen von ihm. Für die Heimkehr der Truppen aus Südafrika sollen verschiedene festliche Veranstaltungen getroffen werden. Lord Roberts soll vom Mayor und den städtischen Behörden feierlich empfangen nnd ihm ein Ehrensäbel überreicht werden. Stadtrath Emanuel ist Vorstandsmitflied der hiesigen jüdischen Gemeinde. Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i f ch - I s r a e l i t i s ch e U n i o n.) Am 27. October 1!)00, präcise 8 Uhr Abends, findet eine Vereins-Plenarversammlung in Khuner's Nestaurationssaal, l.. Adlergasse. statt. Tagesordnung: l. Allgemeiner Bericht. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn Dr. M. L. S t e r n, Rabbiner in Triesch, über »Häckel's Welträthsel und das Jndenthum". (Während des Vortrages wird nicht servirt. — Nach dem Vorträge vereinigt uns ein gemeinsames Abendessen.) Wie». 21. October. Unter ganz außerordentlicher Betheiliqnng ans allen Schichten unserer Gemeinde fand heute Sonntag Nachmittags 2 Uhr die Trauung des Fräulein Elsa K o h n, Tochter des Bicepräsideuteu der Wiener Cnltnsgemeinde Herrn Dr. Gustav Kohn, mit Herrn Jnlins Heller ans Proßnitz statt. Die Ceremvnienhaüe nnd der Tempel in der Seitenstettengasse erstrahlten ans Veranlassung des Cnltns- und Bethansvorstandes zn Ehren des Brautvaters in Hellem Lichterglanze und Blumenschmuck und die Räume des Tempels waren bereits überfüllt, als noch immer neue Gäste sich herandrängten, nm Zeugen des Trauactes sein zu können. Der heilige Act begann mit einem vom Obercantor Singer unter Begleitung de5 Chorpersonales und Orgel überaus feierlich und stimmungsvoll vorgetragenen „Mah towu", woraus Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in ergreifender und sympathischer Rede die idealen Qualifkcationen des Hauses der Brauteltern nnd namentlich die rühmlichst bekannte, philanthropische Thätigkeit des Brautvaters Herrn Dr. Gustav Kohn schilderte und das Brautpaar auffor» derte, diese idealen Eignungen ihrer Elternhäuser auch in das neu zn aründende Familienhans zu verpflanzen. Nach vorgenommenem Trauungsacle durch Herrn Oberrabbiner Dr. Güdeman», stimmte Herr Obercantor Singer die Schema Brochos an, worauf das Chorpersonale mit Harfen und Orgelbegleitnng unter persönlicher Leitung des Herrn Chormeisters Professor Josef Snlzer eine von ihm componirte Trauungshymne .Mheroh" in ausgezeichneter Weise vortrug, welche allgemein sympattnsch anfgenommen wurde und der Tranungsfeier ein außergewöhnliches Relief verlieh. Die zu Hunderten anwesenden Festgäste namentlich anznführen, ist wohl unmöglich, doch wollen wir feststellen, daß der Cnltnsnnd Be'hansvorstand bis auf wenige Mitglieder, die momentan außerhalb Wiens weilten, vollzählig erschienen war; außer dem Bicepräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern (Herr Präsident kaiserlicher Rath Klinger war durch Unwohlsein verhindert), Herrn von Mises, kaiserl. R. Hirsch, Vogel und Pollak. Docent Dr. Gcünfeld, Regiernngsrath Dc. Steger, Salo Cohn rc. waren auch die Herrn Bethausvorsteher Dr. Spitzer, Ad. Stiaßny, Moor, Teltscher, Jaiteles. Langer und Wasservogel erschienen, welch Letzterer unter Assistenz des Herrn Secretärs Königsberger sich in überaus bemerkenswerther Weise um das schwierige Arrangement der Trauung ein besonderes Verdienst erwarb; auch sämmtliche Borstandsmitglilder der Vereine, namenrlich der Chewra-Kadischa unter Führung des Herrn Karpeles und Heit, sämmtliche dienstfreien Herren Rabbiner, Reltgionslehrer, Cantoren nnd Gemeindebeamte Wiens unter Führung der Herren kaiserl. Rath Dr. Lieben, Amtsvorstand Wiener, Dr. Adler

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.