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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 768 Dr. Blvch's Wvchrafchrrfl. Nr. 43 Die christlich-sociale Partei erklärt, sich in den Streit Baron D i p a u l i — Dr. Schöpfer nicht einzumengen, aus welchem Grunde es auch Niemandem gestattet ist, namens der christlich-socialen Partei — insoweit dieselbe im Wiener Gemeinderathe oder im niederöstcrreichischen Landtage vertreten ist oder im Abgeordnetenhause vertreten war — i n den betreffenden Wahlkampf ei »zu trete n. Mit dieser Constatirung ist der Standpunkt der Wiener christlich-socialen Partei präcisirt, der es als unzulässig erscheinen läßt, das; sich die Partei in eine autonome christlich-sociale Bewegung einmenge. Alle Conclusionen, die somit aus dem vielfach herangezogenen Briefe des Prinzen Alois Liechtenstein zu Gunsten der Candidatur D i p a u l i gezogen wurden, sind somit hinfällig; die Feststellung Schöpfe r's, daß Bürgermeister Dr. Lueger eine christlich-sociale Candidatur gegen Baron Dipauli nicht im Mindesten mißbillige, ist dadurch zur Genüge erhärtet." Was sagt Prinz Alois L i e ch t e n st e i n zu dieser officiellen Kundgebung seiner Partei? Kinderraub in Galizien. In Angelegenheit des aus dem Elternhause in ein Kloster entlaufenen Mädchens Rachme Weiß aus Wieliczka wurde dem Vertreter ihres Vaters ein Beschluß des Gerichtes in Wieliczka zugestellt, mit der Mittheilung, daß dem Ersuchen des Mädchens, daß ihrem Vater die väterliche Gewalt aberkannt und ein Vormund für sie bestellt werde, nicht stattgegeben wird. Der Beschluß des Gerichtes lehnt aber auch die Bitte des Vaters um Zurückstellung des Mädchens in sein Haus ab und betont, daß es der Tochter auch ohne seinen Willen erlaubt sei, sich einen ehrlichen Erwerb zu wählen. Gegen diese Begründung der Ablehnung wird nun der Rechtsanwalt des Weiß einen Recurs an das Krakauer Obergericht einbringen, in dem er, wie er ankündigt, den Beweis führen wird,. daß Rachme Weiß sich gegenwärtig überhaupt nicht mehr in dem Kloster befindet und nach einem anderen Orte gebracht worden sei. Gegen die Beduinen am Sinai mußten kürzlich ebenso wie gegen die Aufriihrer in Könitz Truppen geschickt werden, weil sie gegen die Mönche des Klosters am Berge Sinai eine Blulbeschuldigung erhoben und es versucht haben, dieses berühmte katholische Heiligthum anzugreifen. Die Sache selbst klingt wie ein Märchen. Man berichtet darüber Folgendes: „Zuleika, die 16jährige Tochter des frommen und reichen Achmed, der zahlreiche Kameele sein Eigen nannte, war so schön, das; Reisende aus Alexandrien dem glücklichen Vater gerathen haben, sie dem Khedive vorzuführen, welcher sie gewiß unter die Zahl seiner Frauen anfnehmen werde. Alle Vorbereitungen wurden getroffen, und am folgenden Tage sollte die Abreise nach Egypten erfolgen, als Zuleika des Abends auf Nimmerwiedersehen verschwand. Der fromme Achmed, der ebenso schlau wie gottesfürchtig war, schlug jedoch keinen Lärm. In dem Glauben, seine Tochter wäre von Räubern entführt worden, um in den Harem eines reichen Paschas verkauft zu werden, schulterte er sein Gewehr und schlich am Fuße des Sinai, wo Zuleika zum letzten Male gesehen wurde, allnächtlich wie ein Luchs umher. Da passirte Ende April ein zweites unerklärliches Ereignib: Achmed wurde in der Nähe des christlichen Kirchhofes des Sinaiklosters mit mehreren Stichtvunden im Rücken todt aufgefunden. Das neue Ereignis; lenkte den Verdacht der Beduinen sofort auf eine neue Spur. Die Mörder waren Niemand anders als — die Mönche des Sinaiklosters. Fielen doch die beiden aufregenden Mordthaten gerade um Ostern herum, wo doch bekanntlich die Giaurs zu religiösen Zwecken Menschenblut dringend brauchen. Die Aufregung unter den Beduinen steigerte sich nnd eines Tages — es war inzwischen Mitte Juni geworden — drangen sie gewaltsam auf den Friedhof, erbrachen ein frisches Grab und förderten aus demselben den frisch erhaltenen Körper der — schonen Zuleika zu Tage. Wie nnd von wem die Leiche des Mädchens auf dem Kirchhofe des Sinaiklosters beerdigt wurde, und wieso es kam, daß dieselbe noch frisch erhalten war, wird wohl niemals aufgeklärt werden, aber die Beduinen behaupten nnd schworen mehrere daß der Körper deutliche Spuren einer vorgenommenen Blntabzapfnng aufwies. Die Blutrache wurde proclamirt und die unschnldrgen und unglücklichen Mönche am Sinai mußten zwei Wochen lang die festen Mauern ihres Klosters Tag und Nacht mit den Waffen in gegen die wüthend stürmenden Beduinen vertheidigeu^ Erst Mute ^ull befreiten sie Truppen aus Egypten aus ihrer gefährlichen ^.age. — lieber den schließlichen Ausgang der Affaire berichtet unsere Quelle, der in Frankreich erscheinende „Le Katholigue", nichts." jHcbc des Herrn Rabbiners Doctor Schmiedl an der ^lahre des Herrn Dr. Ludwrg Ritter von Gutmann. Mögen an dieser trauerbedeckten Bahre nunmehr auch |®.lr bringe tiefst aus der Seele kommenden Worte gestattet fem. Aber ich spreche hier nur als vieljähriger inniger Freund und Schätzer und auch als einstmaliger akademischer Lehrer dieses tiefbeweinten edlen jungen Mannes, der so frühzeitig aus dem Leben und ^seinem rastlosen und segenreichen Schaffen scheidet. Durch seine vornehme Natur, seine feinsinnige und vielseitige Verstandes- und Geistesbildung, und namentlich durch die liebenswürdigste Bescheidenheit und Milde und Güte seines Wesens ist er Allen, die mit ihm verkehrten, eine Herzensfreude gewesen, nunmehr aber hat er. znm ersten Male in seinem Leben, uns Allen eine so tiefe B e t r ü b n i ß, durch sein frühzeitiges Scheiden ein so herbes Leid nnd Weh bereitet. Und wie namenlos bitter und wehe muß erst der unendliche Schmerz all jener Herzen sein, die durch tausend Bande und Fäden unaussprechlicher Liebe mit diesem edlen, feinfühligen Herzen sich verwachsen, ja Eins mit ihm fühlte»! Und nun alles dies gemahnt mich an jene drei Freunde, die gekommen waren zu dem vom Geschicke so hart geprüften Hiob. Sie kamen, um durch Worte des Trostes den Tiefgebeugten emporzurichten ans seinem namenlosen Schmerze — allein sie saßen sieben Tage lang an seiner Seite, ohne ein Wort aufrichtenden Trostes ftiiben zu können. Doch endlich öffnete der älteste der drei Freunde die Lippen und sagte: Hiob, ich weiß einen Arzt, einen wnnderthätigen Arzt, der alle Seelenschmerzen, wenn anch nicht heilt, so doch lindert, so daß unter seiner Hand jede Wunde endlich vernarbt. Dieser Arzt ist die Zeit. Sie wird anch deine blntende Wunde heilen! Doch Hiob entgegnete: Nein, es gibt Wunden, die so schmerzlich und blutend sind, daß selbst die Z e i t, die Alles zerbröckelt und zerfasert, ihnen nicht beikommeu kann. Darauf erhob sich der zweite Freund nnd sprach: Hiob, i ch aber weiß einen Arzt, der noch rascher als die Zeit dir Heilung bringen könnte, dieser Arzt ist die Klugheit, die dem Menschen zuruft: „Mache dich stark und sei ein Mann!"!tr'*6 rrvn nprm Die Klugheit sagt dem Tiefgebeugten: Du mußt an Deine Selbsterhaltung denken, Du mußt den Deinen, denen Du so theuer und unentbehrlich bist. Dein kostbares Leben zu verlängern. und was nicht mehr zu ändern ist, mit dem starken Muth Deines mannhaften Willens nicht nur zu ertragen, sondern auch zu besiegen suchen! — Doch Hiob sagte wieder: Nein, nicht jedes Herz ist geschaffen für solch berechnende Klugheit und solch kalten Egoismus. Aber da erhob sich der dritte Freund und rief: Doch ich, Hiob, weiß den wahrhaft wnnderthätigen Arzt und bin auch sicher, daß Du bei diesem großen wunder schaffenden Arzt die Heilung suchen und finden wirst — dieser Arzt ist die G o t t e r g e b u n g, die, demnthvoll ihr Haupt beugend, spricht: „Sollen wir denn nur das Gute von Gott annehmen und nicht auch das Böse?" Und diese Gottergebung, verbunden mit der Milde und Güte des Herzens, die ihren Trost sucht im W o h l t h un, im edlen Wirken und Schaffen, um ein Vater zu sein und eine Mutter armen elternlosen, verwaisten Kindern — und ebenso Schützer und Förderer zu sein dürftigen Kindern, die durch ein ehrliches und ehrendes Gewerbe sich redlich fortbringen wollen durchs Leben. Mit jeder Thräne, die die milde Hand in den Augen eines Anderen trocknet, trocknet auch im eigenen Auge die heißeste Thräne, und jedes Stück Leid vom fremden Herzen weggewälzt, erleichtert anch den Gram des eigenen Herzens. Und dann, diese tiefe Gottergebung deutet auch hinauf zum klaren Gottesbimmel nnd spricht: Dort oben weilt er nun, der feinsinnige, erleuchtete Geist, der Vater nnd Mutter so kindlich geehrt und nunmehr seinen Lohn dafür in den Lichtregionen des Jenseits erhalten soll. Dort oben weilt er nun als der Schutzengel der Seinigen, um himmlischen Trost zu erbeten — vor Allem für die traute, treue, theure Lebensgefährtin, an deren Seite er so viele Jahre innigsten Glückes verlebte und die anstatt des Bibelwortes: „Mein Loos ist ins Liebliche gefallen", jetzt das andere Bibelwort auf sich anwendet: „Nennt mich nicht mehr die Beneidenswerthe, sondern nennt mich Marali, der von Gotteshand Bitteres auserlegt ward!" Doch der Verewigte ruft nun Gottes Gnade an, daß die lieblichen Sprößlinge, von denen er wehmuthsvoll geschieden ist, heranwachsen und emporblühen mögen zum Tröste und zur Freude der geliebten Mutter und der geliebten Großeltern, in allen sittlichen und geistigen Tugenden dem verklärten Vater ähnlich, seinem Namen Ehre ^reitend über das Grab hinaus.

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