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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 758 Vro Bloch's Wochrnf<M'L° Nr. 42 stattgehabter Prüfung in jeden einzelnen Jahrgang erfolgen. Außerdem besteht einAbendcurs und ein einjährigerAbsolventencurs, der sich namentlich für fertige Cantoren, die ihr mangelhaftes Können vervollständigen wollen, eignet. Das Schuljahr 1900/1 nimmt mit L. November seinen Anfang. Absolventen der Anstalt erhalten unentgeltlich Stellen. Auskünfte und Anmeldungen täglich von 9—12 beim Secretar. Brünn. Der hier verstorbene Fabriksbesitzer David Hecht hat in seinem letzten Willen eine Reihe von Vermächtnissen angeordnet, aus welchen wir die nachfolgenden, für fromme und humanitäre Zwecke bestimmten Legate anführen: Der israelitischen Cultusgemeinde für eine Seelenstiftung 2000 K, dem israelitischen Frauenvereine für seinen Fond 1000 K, dem israelitischen Proseminarvereine für seinen Fond 1000 X, zu einer Studien - stiftung für israelitische Schüler der deutschen Staatsgewerbeschule 4000 K, für Arme christlichen und mosaischen Glaubensbekenntnisses je 600 K, sowie für den Unterstützungsfond der Arbeiterunterstützungs-Witwen- und Waisencassa der Schafwollwaarenfabriken 200 K. Olruütz, 16. Oktober. Am Simchath-Thorafeste übergab Dr. Oppenheim ein silbernes Kle Kodesch mit der Widmung „Zur Erinnerung an den siebzigsten Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I." dem löbl. Vorstande der israelitischen Cuttusgemeinde Olmütz als Spende. Lemberg. Der Kaiser hat den Rabbiner Dr. Moses S ch o r r aus Przemysl zum Feldrabbiner 2. Cl. in der Reserve ernannt. (Verordnungsblatt vom 6. October 1900, Nr. 34.) Ntera«. (Das israelitische Asyl in Meran) versendet soeben den 7. im Selbstverläge der Königswarter- Stiftung hier erschienenen Jahresbericht. 27 Pfleglinge fanden im abgelaufenen Jahre Aufnahme und erhielten, wie in den früheren Jahre», gegen ein geringes Entgelt nebst freier Wohnung die ganze Pension in der Anstalt, sowie Beleuchtung, Beheizung Bedienung, Medikamente und waren von der Zahlung einer Curabgabe befreit. Besonderer Dank wird im Jahresberichte für eine Spende von 2000 K dem Mitcurator und Ehrenpräsidenten Sanitätsrath Dr. R. Hausmann, sowie für eine solche von 4000 K der Frau Jda L i p st e i n, Berlin, gezollt. Czeruowrtzi 11. October. In der am 1. October stattgefundenen Plenarversammlung des jüdisch-akademischen Lesevereines „Humanitas" wurden in den Ausschuß folgende Herren gewählt: stuck, jur. Abraham Fischer zum Präses; stuä. jur. Abraham Sommer zum Vicepräses; stuä. jur. Ph. F l e i s ch e r zum Schriftführer; ferner die Herren stuck jur. F. S o b e l; stuä. phil. I. Kohau, stuck phil. M. Singer. Reichenberg. Die hohen Festtage sind vorüber und gerne erinnern wir uns derselben, hatten wir doch einen Gottesdienst, der an feierlicher Stimmung und Würde seinesgleichen suchen muß. Besonders befriedigt haben die „Owinu Malkenu", welche Heuer das erstemal von unserem Chorvereine vorgetragen wurM und welche auf die gläubigen, andächtigen Zuhörer einen mächtigen Eindruck übten. Erst nachher wurde es bekannt, daß dieselben von unserem verdienstvollen ersten Dirigenten Herrn Julius Fischer componirt sind, der von allen Seiten beglückwünscht wurde Teplich. Herr Abraham A l t s ch u l ist nach längerer Krankheit im 67. Lebensjahre hier gestorben. Der Genannte war durch mehr als 50 Jahre bei der Metallwaarenfabriks-Firma Balduin Heller und Söhne in Teplitz als Disponent bedienstet, feierte im December 1899 unter vielfachen Ehrungen sein 50jähriges Dienstjubiläum und sollte demnächst durch die Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnet werden. Troppau. (Vermählung.) Sonntag den 4. November d. I. findet im hiesigen Tempel die Vermählung des Herrn JUDr. Emil Eisler, k. k. Finanz-Commissärs, Sohnes des pensionirten Volksschuldirectors und Gymnasialprofessors Herrn Phil. Dr. Moriz Eisler, mit Fräulein Friederike Spitzer, Tochter des Herrn Fabrikanten Sigmund Spitzer in Troppau, statt. Prag. Der Obercantor des Neuen Tempels (Geistgafse) Herr S. M o o r, der auf eine nahezu 40jährige Berufsthätigkeit zurückblickt, feierte jüngst das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit an diesem Tempel. Nach dem Gottesdienste begab sich eine Deputation des Tempelvorstandes in seine Wohnung, um ihn zu beglückwünschen; gleichzeitig wurde ihm eine Ehrengabe überreicht. Sinnige Festgeschenke und herzliche Glückwunschschreiben langten von Nah und Fern ein. Karlsruhe. Zur Preisausschreibung des Gr. Oberrathes sind 18 Arbeiten eingegangen, von welchen sich 15 auf die ganze Preisaufgabe (Uebertragung der Liturgie für Freitagabend), die übrigen 3 auf einzelne Stücke dieser Liturgie erstrecken. Die Prüfung der Arbeiten und die Entscheidung über Zuerkennung der Preise dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen. Feuilleton. Das Kälbchen. Bruchstück aus den Papieren eines Phantasten von M. Z. Feuerberg. Uebersetzt von Malwina Blumberg. Es war um die Sommerszeit. Ich zählte noch nicht volle zehn Jahre. Die Sonne warf ihre feurigen Strahlen in das dunkle Zimmer und streifte, als wolle sie unseren „Melamed" beschämen, seinen schmutzigen „Thalit Kaftan" mit einem höhnischen Blick. Dann beleuchtete sie die Pfützen und sumpfigen Stellen auf dem Hofe, in dessen Bereich sich neben dem Cheder auch die Synagoge befand und der außerdem als Marktplatz, Versammlungsort der Melamedim und Schochetim und noch zu vielen anderen Zwecken diente. Hoch oben strahlte die Sonne und lächelte, als wolle sie sagen: „O, ihr dummen Kinder! Warum sitzt ihr denn, hier eingesperrt mit diesen blödsinnigen „Rebben"?" In der That, wie schön sie sind, wie lieb, die durch da.s Fenster tanzenden und hüpfenden Sonnenstrahlen! Und w^ schön, wie angenehm ist es im Freien! Wie hübsch steigen die Dünste aus den Sümpfen empor, und wie glücklich sind die Kinder, die dort im Schmutz spielen und die nasse Erde zu Kugeln formen, um selbige in der Sonne zu trocknen! Aber der Rebbe ist unerbittlich und grausam, Mitleid ist ihm ein fremder Begriff! Er sitzt und lehrt und wiederholt in einemfort dasselbe. Die Schweißtropfen rinnen auf das große Buch, das nasse Hemd klebt am Körper, die Hände werden schwer, der Kopf schmerzt, die Stimme klingt tonlos, — aber der Rebbe wiederholt und lehrt und wiederholt. . . Aber auch er wird bald müde werden. Jetzt endlich ist er mit dem Traktat zu Ende und treibt uns hinaus, damit wir zum Mincha-Maariv-Gebet in die Synagoge gehen. Rasch, athemlos verlassen wir die Schule. Bor uns auf dem Fahrwege erblicken wir eine Viehheerde. An der Spitze schreiten bedächtig und vom Bewußtsein ihrer Würde durchdrungen, ernste Böcke, gleich den Rabbinern oder Vätern der Stadt, die bei Gelegenheit einer „Symche", eines „Brismilah" oder eines Begräbnisses sich mit dem „einfachen Volke" vereinen. Dann folgen Ziegen, Kühe, Kälber, Schweine und Füllen, aber nicht in bunter Reihe, sondern jedes nur mit Seinesgleichen. Riesengroße Staubwolken steigen in die Luft empor und wir „Bachurim" mischen uns unter die Heerde. Der Eine besteigt eine Ziege, der Andere einen Bock, ein Dritter hänselt die Kühe und zerrt sie an den Schwänzen. Die Thiere ängstigen sich. Doch das thut nichts. Sie sollen wissen, daß sie mit „Menschen" zu thun haben, mit einem jener Wesen, welche die Herren der Welt sind. Da, ganz am Ende geht unsere Kuh. Der neben ihr einherschreitende Hirtenjunge trägt ein reizendes Kälbchen auf dem Rücken. Ich erkannte sofort daß es unser Kälbchen war, denn die Mutter, hatte mir schon lange gesagt, daß die Kuh eines haben würde. Meine Freude erreichte den Höhepunkt. Mit unendlicher Sehnsucht blickte ich dem Hirtenjungen nach, der das reizende Kälbchen sogleich in unser Haus trug. Wie gern wäre ich ihm gefolgt, wie gern hätte ich das Kälbchen umarmt, geküßt und an mich gedrückt! Aber was wieder! Der Rebbe! Das Gebet! Und was wird die Mutter dazu sagen, wenn sie sieht, daß ihr Sohn der schon „Gemara" lernt, solchen Unsinn treibt? Ich mußte also in das „Beth-Hamidrasch" gehen und beten. . . Nach Schluß des Gottesdienstes eilte ich nach Hause, um die Bekanntschaft des Kälbchens zu machen. Die jüngeren Ge-

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