Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 42 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 787 Energie und die Fähigkeiten der neuen Generation werden ihnen wahrscheinlich noch mehr Sympathien gewinnen. Philadelphia, 28. Sept. (Ein fürstliches G es ch e n k.) Der Rev. Dr. Joseph Krauskops, der Gründer und Präsident der „National Farm School" bei Doylestown, in der Nähe von Philadelphia, hat von Herrn Max Schönfeld, einem ehemaligen Bewohner von Philadelphia, gegenwärtig aber in Rorschach in der Schweiz ansässig, ein Schreiben erhalten, in welchem Herr Schönfeld 10.000 Dollars für die Anstalt beisteuert. Das Geld soll zum Ankauf von Farmen verwendet werden, auf welchen die Graduirten der Schule Gelegenheit erhalten sollen, den praktischen Beweis des Werthes des Unterrichts, den sie auf der Farmschule erhalten haben, zu demonstriren, zugleich aber auch darzuthun, daß der jüdische junge Mann im Stande ist, durch Betrieb der Landwirthschast seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Jede der Farmen, welche den Namen „Flora Schönfeld Memorial Farms" erhalten sollen, soll an Schüler der Farmschule, welche den vierjährigen Lehrcursus-durchgemacht haben, gegen nominelle Miethe auf fünf Jahre verpachtet werden. Die „National Farm School", welche gänzlich durch freiwillige Beiträge erhalten wird und seit vier Jahren besteht, hat, wie Dr. Krauskopf in seinem Jahresbericht sagt, dargethan, „daß die Befürchtung, daß die Jahrhunderte erzwungener commercieller Thätigkeit vielleicht die einst leidenschaftliche Vorliebe der Juden für den Ackerbau getödtct habe, sich nicht bewahrheitet hat". Vermischtes. Wien. Sonntag den 21. October d. I., 10 Uhr Vormittags, finden die Einschreibungen für den Bar-Mizwah-Unterricht, welcher in der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeiude, I., Seitenstettengasse Nr. 2 unentgeltlich ertheilt werden wird, statt. Der Cultusvorstand hat an alle Religionslehrer an Volks-, Bürger- und Mittelschulen das Ersuchen gerichtet, ihre Schüler hievon zu verständigen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 21. October, um 3 Uhr Nachmittags, findet im Tempel zu Baden die Trauung dcs Fräulein Adele Wolf mit Herrn Heinrich Kantor, Sohn des Herrn Ignaz Kantor, statt. Wien. (T r a u u n g.) Am Sonntag den 21. d. M., um 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel zu Fünfhaus, Tnrnergasse 22, die Trauung des Herrn Rudolf N e u f etd, Sohn des Herrn Heinrich N e u f e l d, Vicepräsident der Chewra- Kadischa und Bethausvorstand in Wien, XV. Bezirk, mit Fräulein Hermine Glattauer, Tochter des Herrn Hermann Glattauer, Weingroßhändler in Nckolsburg, statt. Wien. (Zum F a l l A r a t e u.) Samstag den 20. d. M. findet im Festfaale des Wiener kaufmännischen Vereiucs der erste Vereinsabend der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt, an welchem der Landtagsabgeordiute Herr Dr. Julius Ofner einen Vortrag über den Fall Avalen und ähnliche Fälle halten wird. Der Bortrag, dem m allen Kreisen großes Interesse entgegengebracht wird, beginnt präcise um 8 Uhr. Wien. Im Clublocale des Cafe „Adria" hielt vorigen Mittwoch der Verein „Marpe Lanefesch" eine außerordentliche Generalversammlung ab, u zw. handelte es sich um Erweiterung der Vereinsthätigkeit aus einem Humanitären Vereine in Verbindung mit dem Bethause und der dadurch nöthigen Statutenabänderung. Obmann Steiner begrüßte die Anwesenden, unter denen auch Herr Dr. Alfred Berger in Vertretung des Cultusvorstandes erschienen war. Es entspann sich besonders eine lebhafte Debatte über den Punkt der Bethausvorsteher, welchnach dem Anträge des Herrn R o s n e r vom Ausschüsse aus dem Plenum ergänzt werden sollten; doch auf die Einwendung des Herrn Dr. Berger, daß der Cultusvorstand quasi die Verantwortung trage für den Gesammtvorstand, wurde der Beschluß gefaßt, aus der Mitte des fünfzehngliedrigen Ausschusses die Gabboim zu ernennen. — Ebenso wurde der Vorschlag abgelehnt, daß sämmtliche Vorsteher vom jeweiligen Vereins-Rabbiner bestätigt werden müßten, was in der Folge Anlaß zu Mißhelligkeiten geben könnte. Dagegen blieb der Beschluß in Geltung, daß der gewählte Rabbiner von den orthodoxen Autoritäten a - erkannt sein und daß die Vorsteher ein streng religiöses Leben führen müssen auf Basis des Schulchan-Aruch. — n. Wien. D^r wolthätige Geselligkeits-Club „Eichenlaub" veranstaltet Samstag den 20. October l. I. im Festsaale des Hotel „Bairischer Hof" II., Taborstraße, sein III. Gründungsfest. Der Abend verspricht durch die Zusage bewährter Kunstkräfte, wie seine Vorgänger, einen glänzenden Verlauf. Das Reinerträgniß fließt humanitären Zwecken zu. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein.) In einer kürzlich in Balentin's Restaurant stattgehabten Besprechung von jüdischen Arbeitern wurde der Beschluß gefaßt, einen allgemeinen jüdischen Arbeiterverein in Wien zu gründen. Die Vorarbeiten werden von einem hiezu gewählten Counts besorgt. Die Statuten sind bereits überreicht und dürfte der Verein Anfangs November seine Thätigkeit beginnen. Insbesondere ist die Einrichtung von Tanz- und llnterrichtscursen in Aussicht genommen. Beitrittsanmeldungen, sowie Geld- und Bücherspenden sind zu senden an Bernhard Grün Hut, Wien, VII., Neubaugasse 11. Wien. (S p e n d e n.) Für die rumä nschrn Auswanderer siid uns von Herrn M. ll. Dr. G. Müller in BudweiS Kronen 10 zugegangen. Wien. Man schreibt uns aus Leitmeritz:Das hiesige „Wochenblatt" hat einen infamen Artikel „Jom Kippur" gebracht, in welchem die alten Lügen gegen Kol Nidre erneuert wurden. Darauf ertheilte unser Rabbiner, Herr Dr.Schornstein, mit einem in der „Leitmeritzer Zeitung" veröffentlichten „Offenen Brief" eine energische Antwort, in welcher er mit Hilfe zahlreichen fachlichen Materials den Verleumder der „tiefsten Verachtung aller anständigen Menschen ohne Unterschied der Confession" überliefert. Die Antwort, welche sehr gründlich und gemeinverständlich gehalten ist, hat in allen Kreisen den besten Eindruck gemacht. Wien. (Zur B e r u f s f r a g e.) Wenn an Eltern die Rothwendigkeit herantritt, ülnr die Art des Berufes ihrer Kinder eine Entscheidung zu treffen, da mögen sie oft im Zweifel darüber sein, welche Laufbahn wohl am rathsamsten wäre. Und kein Wunder. Die auf allen Gebieten herrschende Uebersiillung, der sich überall geltend machende Concurrenzkampf, der selbst bedeutende Begabungen nicht zur verdienten Geltung kommen läßt, erschweren die Prognose bezüglich der Zukunft ungemein. Dann wählt mau schließlich das. was einem als das geringere Nebel erscheint. Und doch gibt es hie und da einen Beruf, der allerdings ganz abseits vom geschäftlichen Getriebe liegt und dessen äußere Unansehnlichkeit die materiellen Bortheile, welche er bietet, verbirgt. Bei der Sichtung dieser Berufsarten fällt uns vor Allem der Caxtorstand ins Auge, welcher trotz des hohen Ansehens, dessen er sich erfreut, und trotz der sowohl in materieller als auch in jeder anderen Beziehung angenehmen Position, bei der Wahl Berufes gewöhnlich gar nicht in Betracht gezogen wird. Der moderne Cantor, welcher auf die gleiche künstlerische und musikalische Ausbildung Hinweisen kann, wie etwa ein Absolvent des Conservatoriums, uns dessen allgemeine Bildung eine dem Stande entsprechende ist, steht in der Achtung dem Rabbiner kaum nach. Es ist eben bedauerlich, daß nur eine ganz geringe Anzahl Repräsentanten dieses Berufes die erwähnten Qualitäten besitzt. Der Grund hiefür ist bald gefunden. Einerseits gab es bisher keine Schulen, in denen Personen, die sich dem Cantorstande widmen wollten, die nöthige künstlerische und musikalische Ausbildung hätten erhalten können, und andererseits haben der jüdische Mittelstand und die besitzende Classe bei der Wahl ihres Berufes diesen Stand niemals in Erwägung g^ogen. Darum ist er auch so arm au tüchtigen Kräften, und aus dem gleichen Grunde bietet dieser Beruf ein reiches Feld für erfolgreiche Thätigkeit. weil hier im Gegensätze zu den übrigen Berufskreisen, die an erschreckender Ueberfüllung leiden, sich ein fühlbarer Mangel an intelligenten und gediegenen Funclionären bemerkbar macht. Wenn man ferner bedenkt, daß der fixe normale Gehalt eines Cantors 1200—300V fl. (außerdem Nebeneinkommen) beträgt und auch Einkommen von 10.000 fl. oder 15.000 sl. keineswegs zu den Seltenheiten gehören, und die hochgeachtete sociale Stellung in Betracht zieht, so sind die Annehmlichkeiten. die dieser Stand bietet, genügend beleuchtet. Um nun die Ausbildung gediegener Kräfte zu ermöglichen, wurde die „Wiener E a n t o r e n - B i l d u n g s - A n st a l t", IX., Seegasse 2, gegründet. Die Leitung liegt in den bewährten Händen des Obercantors Philipp Kläger*), ein hervorragender «Fachmann, der zufolge seiner prachtvollen Stimmmittel und künstlerisch vollendeten Schulung den Ruf eines bedeutenden Cantors genießt. Der Unterricht an der Anstalt wird in 3 Jahrgängen ertheilt (siehe Inserat). Die Aufnahme kann nach *) Herr Kläger ist ein Absolvent des Wiener Conservatoriums (Schüler Prof. Gansbacher's).