Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 42 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 755 herabgesunken. Unser Land ist zur Brandstätte für diese Wanzen geworden, wir nähren diese Schmarotzer mit unserem Blut und cultiviren sie zum Schaden der ganzen Welt. Die Cultur dieser für die ganze Menschheit unheilbringenden Bacillen betreiben wir systematisch und mit Vorliebe, alljährlich eine Partie der bestgenährten Schurken Europa schenkend. Es ist zum Staunen. In der ganzen Welt wächst der Antisemitismus wie auf Hefen und bei uns — bei uns wird der jüdische Versöhnungstag gefeiert! Wir hatten Jesuiten, die uns moralisch und politisch zu Grunde gerichtet haben, heute haben wir eine Judengemeinde in Oesterreich, die uns materiell vernichtet. Bei unserer passiven, slavischen Gemüthsart gehen wir zu Grunde, feiern das jüdische Versöhnungsfest, statt wie es den Nachkommen Sobieski's geziemt, zum Schwerte zu greifen. Dies wäre für uns der einzige Weg zur Rettung. Durch passives Verhalten und Herzensgüte werden wir nichts richten. Herzensgüte eignet sich für Weib und Kind. Um in der Welt was auszurichten, bedarf es einer eisernen Faust. Galizien hat in Folge jüdischer Lumpereien und Finanzgrößeu ü 1a Szczepauowski, Zima und Marchwicki einen so guten Ruf erlangt, daß ihm nicht einmal die Brillanten-Tante neidisch ist. Wir sind alle verjudet und räudig geworden, zum Lumpenpack herabgesunken Gibt es keinen Rettungsanker für uns? Muß uns dies kriechende Ungeziefer vernichten? Ein einziger Rettungsweg steht uns offen, greifen wir, wie unsere Ahnen, zum Schwerte! Reißet dem Jonas den Kontusz vom Leibe und fügt ihm Schmachtlocken an! Mit der Faust schließet dem Byk das Maul und erhebet an den Stufen des Thrones Protest gegen die Zulassung solcher Bücklein als Sprecher des polnischen Volkes vor Seiner Majestät. Alle Löwensteins,. Sekler, Lilien, Kolischer und Lazarus vertreibt in alle vier Windrichtungen, öffnet die Fenster, damit diese jüdische Wirthschaft entweiche uub führet eine christliche Ethik ein. Aber vor Allem keine Compromisse bei den Wahlen, denn diese sind unser Unglück. Die Compromisse haben zur Folge, daß heute 18 räudige Schafe in Stadtrathe sitzen und uns zwingen, den Versöhnungstag zu feiern, daß Byk im Namen des polnischen Volkes vor dem Kaiser spricht. Der Platz für den Juden ist in der Judengemeinde, aber nicht als Volksvertreter in einem anderen Verwaltungskörper " Es nimmt uns nur Wunder, daß die Lemberger Staarsauwaltschaft eine solche Beleidigung und Herabwürdigung einer g setzlich anerkannten Religkonsgenossenschaft duldet, eine Beschimpfung würdiger Volksvertreter ungestraft passiren läßt und gegenüber so offenkundiger Aufreizung zu Feindseligkeiten ein Auge zudrückt. Wir sind wirklich neugierig, ob uns die Staatsanwaltschaft nicht obiger Verbrechen und Vergehen zeihen würde, wenn wir in gleichem Tone gegen diese und ähnliche Zeitungsschmierer auftreten wollten. M. D. Budapest. (E i n F e st des Z i o n v e r e i n s.) Der Zionverein hat anläßlich der Mcklenniumsfeier beschlossen, alljährlich an fleißige Kinder von Bereinsmitgliedern zur Anspornung für weitere Bethätigung von Fleiß Prämien zu vertheilen. Unlängst hat die feierliche Bertheilung der diesjährigen Prämien an 42 Kinder stattgesunden. Nachdem Schuldirector Alois S p a n n b e r g e r die im Festsaale erschienenen Gäste begrüßt hatte, hielt Paul T e n c e r eine Rede, in welcher er hervorhob, daß die Wohlthätigkeit und Nächstenliebe ein die derzeitige Gesellschaft zierender Charakterzug sei. Erst jüngst haben wir ersahren, mit welch fürstlicher Munificenz ein hochsinniger Magnat die lernbedürftige patriotische Jugend zu unterstützen sich entschlossen hat. Darin, daß der Zionverein gelegentlich der Feier des tausendjährigen Bestandes unseres Vaterlandes eine Stiftung errichtet hat, deren Zinsen zur Belohnung edlen Strebens und fleißigen Studiums verwendet werden, bethätigt sich auch nur Wohlthätigkeitssinn. Er wünscht, daß die Vereinsmitglieder die Intention des Vereins nicht verkennen und bestrebt sein mögen, ihre Kinder in patriotischer Richtung zu erziehen. Sodann wurde ein Schreiben des Oberbürgermeisters Josef Markus verlesen, der am Erscheinen verhindert ist. Es erfolgte dann in Begleitung einer Ansprache des Directors Spannberger die Bertheilung der Prämien. Nachdem von Seite der Prämiirten Rudolf Stein und Jbolya Fleißig für das Wohlwollen des Vereins gedankt und erklärt hatten, daß sie durch Bethätigung von Fleiß und Vaterlandsliebe sich der genossenen Wohlthat würdig erweisen werden, hielt der Abgeordnete Radocza die Schlußrede, in welcher er den Leitern des Vereins für ihr gemeinnütziges Wirken Dank aussprach. Berlin. Dem Landgerichtsrath Lion wurde beim Uebertritt in den Ruhestand der Rothe Adlerorden IV. Classe verliehen. — Die Leitung der neuerrichteten Universitätsanstalt für Massage wurde Herrn Professor Dr. I. Zabludowski hier übertragen. — Zu Handelsrichtern sind ernannt: der Fabriksbesitzer G e o r g B e e r m a n n, der Banquier und Consul a. D. Julius Paul F r i e d e m a n n, der Kaufmann Julius Grünwald, der Banquier Dr. phil. Paul Arons, der Kaufmann Theodor S ch ü ck, der Hofjuwelier Heinrich Strauß in Berlin bei dem Landgericht I in Berlin. Zu stellvertretenden Handelsrichtern sind ernannt: der Kaufmann Theodor P i n c u s, der Fabrikant Jacob P h i l i p p s o h n, der Banquier Selmar S o l m i tz, der Kaufmann Hermann Hansen, der Director Dr. jur. Byk, der Kaufmann Löbel Mendelssohn, der Buchdruckereibesitzer Hugo B e r n st e i n in Berlin, der Kaufmann Sally E i s n e r in Charlottenburg, bei dem Landgericht I in Berlin. — Infolge eines Herzschlages verschied am 7. d. M. im 75. Lebensjahre der Zeichen - und Schreiblehrer Loewent h a l. Seit dem 1. März 1859 widmete er fich an der hiesigen Knabenschule der jüdischen Gemeinde mit hingebungsvollem Eifer seinein Berufe. — Der in dem Preßproeeß anläßlich der Konitzer Mordthat zu einem Monat Gefängniß verurtheilte Redacteur Hans Contzen von der „Germania" hat die Revision gegen das Urtheil angemeldet. — Die Censur hat den „orientalischen N a t u r sä n g e r n" im Theater Grand Hotel, Alexanderplatz, das von der Direction eingereichte Melodrama von Goldfaden „Die Opferung Isaaks" für die Aufführung verboten. — Die antisemitische „Charlottenburger Kritik", herausgegeben von Rudolph Plack, ist nach halbjährigem Bestehen eingegangen. Berlin, 13. October. (Zum Konitzer Morde.) Mit dem Konitzer Morde wird eine Verhaftung in Verbindung gebracht, die in Tilsit soeben bewirkt worden ist. Die Polizei nahm dort einen Fleischergesellen Namens Fritz Georg Falk fest, welcher unrichtige Legitimationspapiere besaß und als seine Heimat fälschlich Schleswig-Holstein angab. Als er während des Verhöres gefragt wurde, ob er die Stadt Könitz kenne, erklärte er, dieser Ort sei ihm völlig unbekannt; bei längerer Vernehmung wurde j-'doch ermittelt, daß Falk zur Zeit der Winter'schen Mordthat in Könitz bei demFleischermei st er Hoffman» gearbeitet habe. Er wurde als Untecsuchungsgefangener in das Gerichtsgesängniß zu Tilsit eingeliefert. Die dortige Polizei setzte die Behörde in Könitz sofort von der Verhaftung des Falk telegraphisch in Kenntniß, um weitere Vernehmungen in dieser Angelegenheit herbeizuführen. Im Hinblick auf verschiedene eigenthümliche Erscheinungen in Könitz wird die „Danziger Ztg." (1. October) von einem angesehenen Juristen um Veröffentlichung der nachstehenden Zeilen ersucht: „Professor Dr. Forel in Zürich in seinem Buch: „Der Hypnotismus, seine psycho-physiologische, medici nische und strafrechtliche Bedeutung", und Professor Bernheim in Nancy in seinem Buch über „Die Suggestion" weisen auf die bedeutsame Thatsache hin, wie bei Zeugen, welche im Uebrigen völlig normal sind, unter dem Einfluß der Suggestion in wachem Zustande, ohne Anwendung der Hypnose, sich unrichtige Erinnerungsvorstellungen bilden, an welche sie selbst fest glauben und die sie mit Bestimmtheit unter ihrem Eide vor Gericht bekunden. Aus den Beispielen und den angestellten Experimenten, welche daselbst geführt werden, geht hcrvor, mit welcher Vorsicht Zeugenaussagen insbesondere in solchen Processen benützt werden müssen, in denen die Volks- Phantasie durch Schriften und Agitationen erregt worden ist, und wie leicht solche Zeugenaussagen den Richter irreführen können. In dem Tantener Mordproceß hat der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrath Brizius, bei seiner Vernehmung vor Gericht eindringlich auf diese Gefahr hingewiesen. Seite 327 des Steu.-Berichts sagt derselbe: „Die Leute haben sich ein Bild gemacht, worin einige Bruchstücke von selbst Erlebtem vorgekommen, sie haben sich allmälig in dies Bild hineingelebt und es kommt hinzu, was sie von Anderen gehört haben. Dies Bild besteht also aus drei Bestandtheilen, zuerst aus dem, was sie — vielleicht ungenau — selbst beobachtet, entweder gehört oder sonst wahrgenommen, dann aus dem, was sie von Anderen gehört, und zuletzt aus dem, was ihre Phantasie dazu ergänzt hat. Dazu kommt, daß ich bei vielen Zeugen die Ueberzeugung hatte, daß fie selbst fest an das glauben, was sie sagen, obgleich ich die Ueberzeugung hatte, daß es keineswegs ganz mit der Wahrheit übereinstimmte oder vielleicht gar nicht, sondern daß es so entstanden ist. wie ich eben sagte". Ebenso hob der Vorsitzende im Xantener Proceß wiederholt hervor, wie sich bei den Zeugen bloße Schlußfolgerungen zu Beobachtungen gestalten, und treffend schildert der Oberstaatsanwalt Hamm in seinem Plaidoyer daselbst, wie sich unter dem Einfluß der Suggestion falsche Zeugenaussagen bilden."