Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 42 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sk. 42 Dv, Bloches Wvchrnfchrifl. Seite 751 B o n d y, Chefarzt Dr. Berggruen, Maler S ch i d e l, Architekt Fleischer, der Präses, der türkisch-israelitischen Gemeinde R u s s o, Rabbiner Dr. G e l b h a u s. Obercantor Bauer, Obercantor Guttmann, Ritter v. S onnenth a'l, Ernst Hartmann, Fräulein Lola Be eth, Direktor Blasel, Kammervirtuose Alfred Grünfeld, die Componisten Löwenstamm und Professor Joseph Sulz er, Sänger Horwitz, BürgermeisterH.Kuffner aus Lundenburg, eine Deputation der israelitischen Gemeinde in Baden, geführt vom Rabbiner Dr. Reich und dem Obmann Moriz L e i t n e r, zahlreiche Schriftsteller und eine Deputation der Zöglinge des israelitischen Waisenhauses rc. Nach der Ceremonie setzte sich der Conduct nach dem Centralfriedhofe in Bewegung. Bedienstete der Niederösterreichischen Escomptegesellschaft mit Windlichtern schritten zu beiden Seiten des Wagens. Um '/.12 Uhr erreichte der Zug den Friedhof. Der Sarg wurde in die Ceremonienhalle getragen, wo Obercantor Singer die Todtengebete verrichtete. Oberrabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Dr. Schmied! hielten dem Verblichenen Nachrufe, in denen sie seine trefflichen Eigenschaften hervorhoben und dem tiefgebeugten Vater Trost spendeten. Sodann sprach der Procurist Ludwig L a z a r namens der Beamtenschaft und nahm in herzbewegter Weise von dem geliebten Chef Abschied. Der Sarg wurde sodann in der Familiengruft beigesetzt. Von den zahlreichen Personen, die Condolenzen sendeten, seien erwähnt: Ministerpräsident v. Ko erb er, Minister Rezek, Heinrich Graf L a r i s ch, Hans Graf L a r isch, Graf Dub sky, Graf Boos-Waldeck, Graf B u b n a, Graf Kuenburg, Fürst Salm - Reifferscheidt, Oberst - Küchenmeister Graf Bellegarde, Vice - Admiral von Barry, die Barone Bourgoing. Königswarter, Carl Offermann, Seidler, Paul Schey, Stummer, Sommar uga, Alfred und Gustav Springer, Erlanger, Josef Engerth, Popper, Gräfin Irma Taaffe - Csaky, Dr. Hubert v. Klein, Baron Alfred v. Oppenheim, Generaldirector Palmer, Senalspräsident v. M e z n i k, Generalmajor Zuviskovic, Victor v. E P h r u s s i, PH. von G o m p e r z, Sectionschef Herz, Paul v. S ch o e l l e r, das Präsidium vom Weißen Kreuz, Gemeinderathsvertr tung von M.-Ostrau, Vertretung vom Bürgermeisteramt und der Gemeinde Leipnik, Cultusgemeinde von Wien, von Badni und von Karlsbad, die Professoren Dr. H. Müller, Ed. R e g e r, Winternitz, Kaposi, Monti, Benedict, Singer,Mauth ner, Jellinek, Schrötter, Neumann; die Schauspieler Sonne nthal, Lewinsky, Hartman n. Broda, Müller (Oper), Frl. Dittrich; die Herrenhausmitglieder Proskowetz, Miller v. A i ch h o l z Dr. M i l l a n i ch, Baron Oppenheimer, Lobmeyer, Baron C z e d i k; die Hofräthe Jeitteles, Borkenau, Karais, Rampelt, Frydmann. * , * * Die Trauerrede des Oberrabbiners Dr. Güdemann. Wie wenn ein aufsteigender, an Helligkeit stetig zunehmender Stern Plötzlich verlischt — so scheidet aus unserer Mitte in der Vollkraft seiner Mannesjahre und auf der Höhe seines Wirkens unser vortrefflicher Glaubensbruder Herr Dr. Ludwig R. v. G u t m a n n. Es gibt wohl Keinen, der das Haus kennt, welches der Dahingeschiedene so würdig und wirksam mit vertreten hat, der nicht schmerzlich mitempfindet, was Vater und Mutter, Gattin, Kinder und Geschwister hier verloren haben. Dieses Haus hat selbst die Laufbahn eines Sternes genommen, und es gleicht diesem nicht blos durch seinen erfolgreichen Aufschwung, sondern auch durch den Glanz und die Reinheit seines Namens, der selbst heute, wo Alles angetastet wird, sich ungeschmälerter Anerkennung erfreut. Nun kommt plötzlich diese Trübsal, die alles Glück zertrümmert. Was kann man dem tiefgebeugten Vater Tröstliches sagen, dem der einzige Sohn zugleich der treueste Freund und Berather war, was der Mutter, deren Stolz, was der Gattin und den Kindern, deren Krone er gewesen ist? Man muß, um ihren ganzen Schmerz zu ermessen, ihr musterhaftes Familienleben kennen, eine Verwirklichung des Psalmwortes: „Siehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder zusammenwohnen'', ein Familienleben, in dem Großeltern, Eltern und Kinder wie Glieder einer Kette aneinandergereiht sind. Und nun wird aus dieser Kette dieser kostbare Edelstein ausgebrochen! Der Dahingeschiedene war ein Edelstein, dessen zahlreiche Facetten eben so viele Tugenden wiederspiegelten: die kindliche Pietät, die Gattentreue, den häuslichen Sinn, die Einfachheit der Lebensführung, die Rechtschaffenheit, Gutherzigkeit, Wohlthätigkeit und nicht am wenigsten die unerschütterliche Glaubenstreue. Er war ein Jude, nicht blos halb und halb oder hie und da einer, sondern ein Jude mit Herz und Seele, wie er es bei' den Eltern vor fich gesehen, wie die edle Gattin es ist, wie er wollte, daß seine Kinder es werden. Deshalb beklage ich im Namen unserer Gemeinde den frühen Hintritt dieses trefflichen Mannes, auf dessen Herz und Gesinnung sie mit Recht die größten Hoffnungen für die Zukunft gesetzt hat, wie Alle den Menschen beklagen dürfen, der keinen Unterschied zwischen Menschen machte, und dessen Herzen nichts Menschliches fremd geblieben ist. Indem ich aber seiner Kinder gedenke, theilt fich das Gewölk, das so schwer auf diesem Familienkreise lastet, und aus der Zukunft fällt ein Lichtstrahl in die trübe Gegenwart. Welches Dunkel vermöchten Helle Kindesaugen nicht allmälig zu lichten? In den Kindern wird die Mutter, in den Enkeln der Großvater Trost finden. Gott möge dem gebeugten Manne Kraft geben, die neuen, aber theuren Aufgaben, die nunmehr seiner harren, zu erfüllen, wie er von jeher die übernommenen Pflichten auf zahlreichen Gebieten der Wohlthätigkeit auf das Gewiffenhafteste erfüllt hat und hoffentlich weiter erfüllen wird. Er wird die Kraft dazu finden, wenn er die Schaar der Enkel überblickt, aus deren Augen das Bild des theuren Sohnes vervielfältigt ihm entgegenleuchtet. „Die Krone der Großeltern sind die Enkelkinder" sagt die Schrift. Mag auch die rauhe Hand des Todes das kostbare Mittelglied der Kette zerschlagen haben, die Enkel werden sie wieder verknüpfen zu einer Ehrenkrone, an welcher der Name des früh vollendeten edlen Vaters in unvergänglichem Glanze strahlen wird. Er ziehe hin in Frieden! Jüdische Volkskunde. Man erzählt sich, daß ein großer Denker, der von seinem Frnster aus einen Juden bemerkte, den Ausspruch that, daß er nun ein großes Wunder sehe. Die bloße Thatsache, daß es überhaupt noch Juden gibt, ist im Sinne dieses Spruches ein wahres Weltwunder. Und das Wunder bleibt bestehen, auch wenn der so angestaunte Jude nur dem Glauben und der Abstammung nach Jude ist, sonst aber in Kleidung, Sprache und Aufführung sich von anderen Menschenkindern durchaus nicht unterscheidet. Wie muß es erst als ein Wunder angesehen werden, wenn der Jude nach sovielen Jahrhunderten der Zerstreuung, nach sovielen Drangsalen, nach sovieler Anpassung an die fremde Umgebung und fremde Lebensweise, wenn der Jude trotz alledem auch noch eine gewisse Eigenart, ureigene Sitten und Gebräuche, mit einem Worte sein Volksthum bewahrt hat! Ja, haben die Juden ein Bolksthum? Sind sie, bis auf ihren Glauben, nicht schon längst untergegangen im Gewühle der Völker? Ist auch nur ein Zug an ihnen, der an den Orient, an Palästina gemahnt? So recht mitten im Abendlande lebend, ist auch nur ein Merkmal der fernen Heimat an ihnen haften geblieben? Und derjenige Theil, der im Orient lebt, hat der nicht auch seine Eigenart, in anderer Weise freilich, aber doch immerhin eingebüßt? Und besteht zwischen diesen disparaten Theilen, da doch das gemeinsame Band der Sprache fehlt, irgend eine Verwandtschaft? Man ftage nur unsere Widersacher, sie werden diese Frage bejahen. Nun, wir thun ihnen den Gefallen nicht, das Bestehen einer jüdischen Race zuzugestehen; falls ihnen eine solche Lehre für ihre Seelenruhe unentbehrlich ist, so mögen sie sie beweisen. Nur möchten wir wissenschaftliche Mittel hiefür bieten, denn damit wäre uns wirklich ein Dienst geleistet. Man kennt uns so wenig, man beschäftigt fich so wenig ernstlich mit uns, daß wir uns selber als Object des Studiums anbieten. Wie könnte das der Fall sein, wenn wir was zu verbergen oder zu verheimlichen hätten? Wenn eine Selbstaussage von Werth ist, so muß sie es in diesem Falle sein. Wir Juden find ja, Gott sei Dank, dafür noch da und müssen uns am besten kennen.. Wir fühlen uns nicht nur ethisch, sondern auch ethnologisch eins mit allen Völkern der Erde, also nicht nur mit unseren Schirmvölkern, sondern auch mit Kaffern und Hottentotten, denn nachdem wir als Natton nicht mehr existiren und wir uns tausendfach mit anderen Stämmen vermischt haben,