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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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bette 750 Nr. 43 Dr. Bloch-s Wochenschrift» Dr. Ludwig Kitter d. Gukmann Geboren am 2. März 1860. — Gestorben am 15. Oktober 1900. Mit einem gebrochenen Oelzweige kam die Taube in die Arche zurück und von diesem Oelzweige sprachen es die Weisen Israels aus, »er sei vorzeitig gebrochen worden; er hatte jedoch die Eignung gehabt, ein mächtiger Baumriese zu werden". Ein herrlicher Oelzweig ist gebrochen worden; Dr. Ludwig Ritter v. G u t m a n n, der einzige Sohn des verehrten Präsidenten David Ritter v. G u t m a n n, hat nach mehrwöchentlichem Leiden in seiner Billa in Baden ausgerungen. An dem Tage, an welchem die letzte Seite der heiligen Schrift in den jüdischen Gotteshäusern zugerollt wurde, hat der unerforschliche Rathschluß Gottes die letzte Seite seines hoffnungsvollen Lebensbuches abgeschlossen. Me Momente, die sonst den Tod eines noch im besten Mer stehenden Mannes zu einem tragischen Ende stempeln, haben sich hier vereinigt; die von Schmerz gebrochenen Eltern, die ihren einzigen Sohn verlieren; die junge Gattin, die nach zwölfjähriger glücklicher Ehe schon den Witwenschleier anlegt; sieben unmündige Kinder, die im zartesten Atter verwaist zurückbleiben, beweinen den schwersten Verlust, den Menschen erleiden können. Dies sind aber nur die allgemein menschlichen Momente, die das Mitgefühl erregen. An der Bahre des Dr. Ludwig Gutmann steht jedoch die österreichische Judenheit trauernd da; denn er war nach seinen außerordentlichen Vorzügen, nach seinem seltenen Charakter, nach seinem Bildungsgänge und besonders in Anbetracht seines echt jüdischen Sinnes und wahrhaft humanen Herzens geeignet, ein das Judenthum schützender Baum zu werden. Insbesondere die israelitische Gemeinde Wien blickte auf ihn wie auf ihren Mann der Zukunft. Man mußte ihn persönlich gekannt haben, oftmals in nähere Beziehung zu ihm getreten sein, um ihn ganz zu würdigen. Sein heiteres, freundliches Entgegenkommen gegen Jedermann, seine bürgerliche Einfachheit und Bescheidenheit im Benehmen, im Auftreten, im Verkehr und besonders im Hause waren patriarchalisch; sein Urtheil war klar, ruhig, überlegt, logisch durchgebildet, frei von jeder Hast und von jedem Haschen nach Effect. Er hatte große commercielle Unternehmungen zu leiten, und bei all' seiner anstrengenden Thätigkeit wendete er doch nicht seinen Blick ab von den Aufgaben, die er sich als Jude schuldete. Er hatte von seinem ausgezeichneten Vater eine hierauf streng gerichtete Erziehung erhalten und war außerdem vom Glück begünstigt, eine Tochter des berühmten Baron Horace G ü n zb u r g aus Petersburg als Gattin heimzuführen, mit der er sich am 23. December 1888 vermälte, die vom Hause aus eine echte, ftommjüdische Erziehung erhalten hatte und ihm in seinen Bestrebungen voll und ganz zur Seite stand. Mögen hier einzelne Charakterzüge erwähnt werden, die geeignet sind, ein Bild zu geben, wie das jüdische Bewußtsein in diesem Zweige des Hauses Gutmann heimisch ist. Als mir Herr David Ritter v. G u t m a n n das erstemal seinen Sohn vorstellte, hatte dieser eben seine Gymnasialstudien beendet und sein Vater sagte: »Sehen Sie, mein Sohn hat die Matura ausgezeichnet bestanden; glauben Sie aber nicht, daß ich deshalb sein jüdisches Wissen vernachlässigen ließ; er ist so weit bewandert im Hebräischen, daß er im Stande ist, selbst den »More uebuchim", wo immer Sie aufschlagen, leicht und verständlich zu lesen." Dr. Ludwig Ritter v. Gutmann hat aber die Erziehung seiner Kinder in gleicher Weise geleitet. Ich hatte oft Gelegenheit, seine beiden ältesten Knaben in Religion zu prüfen und er legte Gewicht darauf, immer dabei anwesend zu sein; Vater und Mutter warfen oft Zwischenfragen auf, um den Kindern ihr Interesse an der Sache zu zeigen. Als einmal seine Gattin mit den Knaben zu diesem Zwecke sich in meine Wohnung begab, bat sie mich, mit der Prüfung der Kinder zu warten, bis der Vater selbst kommen werde, da er sich verspätet hatte. Als er dann bei mir eintrat, entschuldigte er sich wegen der Verspätung und meinte, er lege Gewicht darauf, anwesend zu sein, damit seine Kinder sich bewußt werden, welch großen Werth er auf Religion lege. Ebenso gewissenhaft war er auch in Bezug auf die öffentlichen, jüdischen Angelegenheiten. Erst in diesem Sommer, als es sich um die Ordnung der Wanderzüge der rumänischen jüdischen Emigranten handelte und ich ihm in Abwesenheit seines Vaters über den traurigen Zustand derselben Mittheilung machte, fuhr er sofort nach Wien, um dort persönlich bei der »Israelitischen Allianz" einzugreifen und Eifer in die Sache zu bringen. Mehr als zwanzig Jahre sahen wir ihn im Gotteshause, treu an der Seite seines verehrten Vaters, und in späteren Jahren, umgeben von seinen reizenden Kindern, ernst und and richtig, in wahrhaft jüdischer Weise der Andacht sich hingebeuf- Eine große Bresche läßt sein tragisches Hinscheiden zurück, und Trost können den schwerbetroffenen, im Judenthum so hervorragenden Familien Gutm ann und Günzburg nur die zurückgebliebenen Kinder bieten, die gewiß im Sinne ihres nun selig entschlafenen Vaters ihre weitere Erziehung erhalten werden, daß eine spätere, kommende jüdische Generation ihrer sich erfreue, daß sein Andenken in ihnen und durch sie fortleben und sich erneuern wird zum Segen des Judenthums. Baden, am Ausgange des Schlußsestes 5661. Rabbiner W. Reich. Unter ungemein zahlreicher Betheiligung aus allen Kreisen der Wiener Gesellschaft, der Vertreter der Kunst, Industrie und Finanz ist Donnerstag Vormittags Dr. Ludwig Ritter v. Gutmann zu Grabe getragen worden. Die Salons im Palais in der Heugasse Nr. 2 waren überfüllt und Hunderte von Trauergästen mußten im Vestibüle und sogar auf der Straße zurückbleiben. In dem schwaczdrapirten großen Salon im ersten Stock war die Leiche in einem Metallsarge in einfacher Weise aufgebahrt. Um 1/211 Uhr nahm die Trauerfeier ihren Anfang. Ober- Cantor Singer, vom Tempelchor begleitet, brachte einen Trauerpsalm zum Bortrage. Dieser Feier wohnten bei: Die Mitglieder der Familie G u t m a n n, Bice-Admiral Ritter v. Barry, Sections-Chef Freiherr v. S ch w e g e l, die Freiherren Gustav und Alfred Springer, Freiherr v. Schey, der Präsident der Oesterreichisch-Uugarischen Staatseisenbahn- Gesellschaft Ritter v. T a u s s i g, Generaldirector Palmer, Generaldirector Hofrath Jeitteles, Generalsecretär Dr. Kunewalder, Director Lenz, Central-Jnspector Regierungsrath Lewis, der Präsident der Börsekammer Miller v. Aichholz, Börsenrath Kantor, der Präsident der Handelskammer Max M a u t h n e r, Herrenhausmitglied L o b m e y r, Freiherr v. S o ch o r, die Bankdirectoren Wiedmann, Minkus, v. Mauthner, Bauer, K a n i tz und Hammerschlag, Bezirks schulrath Dr. Marcus Spitzer, Ortsschulrath Heit, die Directoren B u n z l und K r a ß n y, sowie die Oberbeamten der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft, Procurist S t i e d r y, der Herausgeber der „Neuen Freien Presse" Dr. Eduard Bacher, die Hosräthe R. v. Borkenau, Meznik, Kargl, S. Ritter v. Hahn und K a r e i s, v. U l l m a n n, die Professoren Hofrath Ritter v. Schrötter, Regierungsrath Dr. Os er, Benedikt, Pollitzer und D. H. Müller, Regierungsrath Werner, Regierungsrath Director Küttig, Regierungsrath P i s l i n g, die kaiserlichen Räthe Erich S ch ä f f e r, Wilhelm P o l l a k, Julius P o l l a k, Dr. Lieben, Ne über, Wiesen bürg und Ro b i t s ch e k, Regierungsrath Dr. Schlag, Consul Edler v. Biedermann, der serbische Vice-Consul Kuh, Oskar v. H o e f f t, Ministerialrath Paul Schulz, die Docenten Dr. Herzfeld, und Dr. Joseph Grünfeld, Schriftsteller Dr. M. F r i e d l ä n d e r, die Bergräthe W u r z i a n, Suchard und Rücker, Corvettencapitän Frankl die Prokuristen des Hauses Gebrüder Gutmann, die Herren Wiedmann und Ludwig L a z a r mit den Beamten des Hauses, die Großindustriellen Moriz Edler v. K u f f n e r und Wilhelm K u f f n e r, die Bice-Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Dr. Stern und Dr. Gustav K o h n, Professor Zumbusch, Dr. Adolf Stein, Director Heller vom Blinden-Jnstitut, die Schriftstellerin Ottilie

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