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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr 42 Br. Blvch's Wochenschrift Seite 749 Es dürfte sich die Frage aufwerfen, wieso es möglich ist, daß unter den Augen der Schulbehörden eine so offenbare Verletzung der bestehenden Gesetze stattfinden könne. Die Antwort ist leicht gegeben. Das Schuljahr hat erst kaum begonnen, Inspektionen haben noch nicht stattgefunden, und wo kein Kläger, da ist auch kein Richter. Es erweist sich daher als dringend geboten, daß die maßgebenden Männer ihres Amtes mit aller Strenge und ohne jeden Verzug walten. Wir legen gegen das Beginnen des Leiters der Werderthorschule feierlichen Protest ein und geben der Erwartung Raum, daß derselbe für sein incorrectes Handeln zur Rechenschaft gezogen werden wird. Eine exemplarische Behandlung und Züchtigung aller derartiger Gesetzesverletzer erscheint dringend geboten, damit Nachahmungen, für die ja derzeit vielfach Lust vorhanden ist, vorgebeugt werde. Eduard Beer. Die Europäer und die Asiater. Motto:-die höchste derzeitige Bildung und die tiefste allzeitige Unbildung.- Wilh. Raabe, Ges. Erzähl. III, 328. Juli 1099. Am 15. Juli 1099 war das Kreuzheer unter Gottfried von Bouillon in die heilige Stadt eingezogen. Wie rasende Thiere wütheten und raubten die Sieger in Jerusalem. Die Juden Jerusalems zogen, da aller Widerstand als vergeblich erkannt wurde, unter Führung ihrer Rabbiner in die Synagoge und erwarteten dort den Tod. Die Kreuzfahrer steckten das Gotteshaus in Brand, und die ganze Gemeinde fand den Tod in den Flammen, unter den Jubelrufen der Mörder. Wilken, Gesch. der Kreuzzüge I, 296; Lliebanä, bibl. ä68 eroisaäks IV, 92. Juli 1900. Der Bischof Guillon, zwei Priester, zwei Nonnen und gegen dreihundert christliche Chinesen wurden von den Boxern angegriffen. Anfangs vertheidigten sie sich gegen die Feinde; als aber Artillerie aufgefahren wurde und der Bischof erkannte, daß aller Widerstand umsonst sein würde, befahl er den Christen, sich in die Kirche zurückzuziehen. Dort erwartete er an der Spitze der Gemeinde den Tod. Die Boxer legten Feuer an die Kirche, und die ganze Gemeinde fand den Flammentod. Brief von Missionspater Chom'et, abgedruckt in „Mssious Oatboligutzs". Sept. 1900. September 1900. . . . Bon Tongku (Kopfstation der Bahn) an haben wir die grauenhaftesten Zerstörungen des Krieges gesehen, wie sie fürchterlicher nicht gedacht werden können. Alle Dörfer an der Bahnlinie, an der zahlreiche russische Feldwachen stehen, sind systematisch niedergebrannt und verwüstet, todtenstill liegen sie da, nur ein paar Hunde streifen um den Ortsrand und suchen Leichen, alle Einwohner, ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, sind von den Russen niedergemetzelt worden. Die Ruffen sind übrigens reizende, gute Kameraden, nächst ihnen gefallen mir am besten die Japaner. In Tientsin spottet die Verwüstung jeder Beschreibung! Die Chinesenstadt ist ein Trümmerhaufen, das Europäerviertel größtentheils durch Granaten zerstört. Brief eines deutschen Officiers an die „Münch. Neuesten Nachrichten". October 1900. Beim Grafen Pückler. Der durch seine Dreschreden in der antisemitischen Bewegung und weit darüber hinaus schnell berühmt gewordene Graf Pückler aus Klein-Tschirne hat am 5. October wieder eine Gastvorstellung in Berlin gegeben, und die Ankündigung, daß diese bewährte erste Kraft auftreten werde, hatte ein zahlreiches Publicum „deutscher Männer und Frauen" in denBuggenhagen'schen Saal gezogen. In den öffentlichen Ankündigungen war zwar von einem besonderen Eintrittspreis keine Rede, aber auch der übliche Nickel genügte den den Eingang behütenden Männern nicht, die erklärten, der Eintritt sei nur durch Zahlung von 20 Pfennig zu erkaufen. Aber dem hohen Eintrittspreis entsprachen die Leistungen des unbezahlbaren Grafen. S o ist in Berlin niemals auf die Juden und die Socialdemokcaten geschimpft worden — nicht zur Z:it der Stöcker'schen Bewegung und durch Ahlwardt. Der Graf sprach über Deutschlands innere Politik mit besonderer Berücksichtigung der Judenfrage und führte den Nachweis, daß es nun die allerhöchste Zeit sei, die Juden und Judengenossen aus dem Lande hinaus zu hauen. Wie es dabei zuqehen soll, das ist aus den folgenden, seiner Rede entnommenen Stichproben zu erfahren: Unsere innere Politik ist schlapp und ziellos, es ist eine elende Jammerwirthschaft. Judenthum und Socialdemokratie wachsen, und solche Zustände müssen zum Untergang des Staates führen. Land, du bist dem Tode nah. Sieh dich vor, Germania! Unsere M i n i st e r aber stecken die Hände in die Hosentaschen, sagen: wir können doch n i s ch t machen, und lassen die Sache l o o f e n. Die Karre muß aber wieder aus dem Dreck herausgezogen werden; wir müssen hin und wieder mal dazwischen hauen» daß sie alle der Teufel holt. Es wird überhaupt nicht mehr regiert, es fehlt die starke Faust des großen Bismarck (Großer Beifall.) Gegen die Socialdemokratie ist in den letzten Jahren überhaupt nichts unternommen worden. Man pactirt mit der Revolution; mit Revolutionären und schlechten Subjecten darf man aber nicht pactiren Man muß decretiren: die Socialdemokratie ha. aufzuhören. Die Führer werden auf den Kop^ geschlagen oder ausgewiesen und damit ist die Sache zu Ende" Es werden vielleicht einige Socialistenführer auf der Strecke bleiben. Aber was ist denn dabei? Dann liegen sie eben auf der Strecke. Ob der Teufel ein paar Juden mehr holt, ist ganz Wurscht. (Großer Beifall.) Wir müssen der Nation einmal zur Ader lassen, erst dann kann das deutsche Volk wieder erstarken. Also bereiten Sie sich vor auf einen kräftigen A d e r l a ß, der kommen muß! Wir müssen ein ganz fideles und vergnügtes Revolutiönchen von oben machen, sonst kommt die Revolution von unten, bei der noch mehr Blut fließen wird. Der Graf schilderte darauf die schrecklichen Folgen einer siegreichen socialdemokratischen Revolution. „Nach dem Siege beginnt ein Schreckensregiment, in den Staub rollen die Häupter der königstreuen Männer. Die Königsburgen werden zerstört, das Blut fließt in Strömen. Wo früher Choräle erschallten, hört man Flüche. Ein Land ohne Sonntagsfrieden, ohne Glockengeläut, ohne Gottes Wort. Es muß entsetzlich sein!" Dann werde sich das Volk gegen die socialdemokratischen Schreckensmänner empören und werde mittelst einer neuen blutigen Revolution die alten Zustände wiederherstellen Um alles das zu verhindern, sei es nun die höchste Zeit, daß sich die königstreuen Männer zusammenschaarten, vor allem, um den Judenbann zu lösen; denn: „die sociale Frage ist die Judenfrage!" Auch Lassalle sei so ein Jude gewe'en, der sich habe zum Präsidenten der deutschen Republik machen wollen. „Diesem unverschämten Judenkerlhätte man sollen ein paar Backpfeifen st ecken. Wenn wir einem solchen niederträchtiaen Kerl gehorchen müßten, das wäre doch zu schauderhaft!' Der Führer eines siegreichen Arbeiteraufstandes werde aber ganz sicher ein Jude sein. Wir haben das große Ziel, daß wir die ganze Judenbande heraushanen werden aus Deutschland. Wenn ich diese gräßlichen I u d e n k e r l e auf der Straße herumschleichen sehe, dann denke ich immer: was mögen sie wohl wieder Böses im Schilde führen? Sie haben den Heiland ans Kreuz geschlagen und dafür müssen sie nun schon bald 2000 Jahre büßen. Aber so lange Gott sich ihrer nicht erbarmt, so lange thuu wir Unrecht, wenn wir ihnen gleiche Rechte einräumen. Wir müssen den Sturm wagen. Christus selber wird vorangehen mit dem siegreichen Banner, Gott wird unsere That segnen. Und wenn die Welt voll Teufel wär, Es muß uns doch gelingen. Jetzt wehe dir» Israel! Dröhnender Beifall folgte dem pathetischen Aufruf zur Straßenschlacht gegen die Juden und Socialdemokraten und der Vorsitzende der Versammlung nahm noch Veranlassung, dem Grafen für die kernigen Worte zu danken. Nach dem hielt der antisemitische Reichstagsabgeordnete Bindewald eine Rede über Deutschlands äußere Politik. Aber so redliche Mühe er sich auch gab, die Rede erschien matt und wässerig nach den bluttriefenden Tiraden des Schimpfgrafen. Auffallen könnte vielleicht das Verhalten der Polizei der gräflichen Aufforderung zur Judenschlacht gegenübir. Hielte ein Anderer eine ähnliche Rede, bemerkt hierzu mit Recht der „Vorwärts", er käme nicht über die ersten fünf Sätze hinaus. Pückler jedoch konnte seinen Aufruf zur Schlacht ruhig zu Ende bringen. Aber wir wollen durchaus nicht etwa gesagt haben, daß wir solchen Ausschreitungen gegenüber eine polizeiliche Auflösung der Versammlung oder dergleichen gewünscht hätten. Ein Mann wie Graf Pückler interessirt mehr die Aerzte als die Politiker. Aber es ist doch kennzeichnend für das Culturniveau unserer Antisemiten, daß solch blutrünstiger Blödsinn den zustimmenden Beifall einer großen Zahl anscheinend mündiger oder wenigstens nicht entmündigter Männer finden kann.

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