Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 41 (12.10.1900)
- Date
- 1900-10-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021373--10285-3034758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
!»r 41 >r. Hoch's Wochenschrift treibt, welches unbefugter Weise namens des obigen Vereines (auch unter der Firma der „Concordia") für eine Festschrift, zu der der Verein in keinerlei Relation steht, einen Betrag von 4 K herauszuschwindeln versucht. Nachdem dieser Unfug heute bei der k. k. Polizeidirection protokollarisch zur Kenntniß gebracht worden ist, werden hiemit alle Betroffenen auch auf diesem Wege vor dieser Schwindelei gewarnt und vom Vereine gebeten, auf die Festnahme des Schwindlers bedacht zu sein. Wien, 10. October 1800. Der Cantor an der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Don Fuchs, welcher am zweiten Neujahrstage unter allseitiger Anerkennung im Tempel der Leopoldstadt vorgebetet, ist an einer acuten, schweren Gelenksentzündung erkrankt und dadurch verhindert, seine Functionen auszuüben. — Herr Obercantor Bela G u t t m a n n wird in den nächsten Tagen eintreffen. um seine Functionen zu übernehmen. Wien. (O e st erreicht sch-JsraelitischeUnio n.) Herr Josef Fuchs, welcher in diesem Vereine seit seinem Bestände die Stelle eines Ehren-Secretärs bekleidete, ist von diesem Posten infolge beruflicher Ueberbürdung zurückzetreten. Der Vorstand hat in der am 4. d. M. stattgefundenen Sitzung Herrn Fuchs in Würdigung der dem Vereine in uneigennütziger Weise geleisteten langjährigen Dienste zum Beirathe gewählt. Wien. (Der neue Ortsschulrath der L e o p o 1 d st a d t.) Zufolge Trennung der Brigittenau von der Leopoldstadt wurde der bestandene Ortsschulrath aufgelöst. Die Bezirksvertretung Leopoldstadt hat in ihrer letzten Sitzung unter Anderem folgende Herren in den Ortsschulrath entsendet: Josef Fuchs, Secretär der israelitisch-theologischen Lehranstalt, Ferdinand K l e b i n d e r, Chefredactcur, Dr. Hermann L ö w y. praktischer Arzt, Julius P o l l a k, Ecsenwaarenhändler, Leopold Strauß, Kaufmann, Albert S a b o r s k y, Schlacht- und Stechviehhändler, und Dr. Ignaz Weiß, praktischer Arzt. Baden. Am 28. September starb der hiesige Curarzt Dr. Hermann Raab im Alter von 53 Jahren. Der Verblichene erfreute sich wegen seiner ausgesprochenen Herzensgute und außerordentlichen Menschenfreundlichkeit unter allen Schichten der Bevölkerung einer besonderen Beliebtheit. Die Badener Chewra-Kadischa, deren Ehrenmitglied er seit vielen Jahren war, veranstaltete ihm am 30. selben Monates ein imposantes Ehrenleichenbegängniß, an welchem die Vertretungen der Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa, wie sämmtliche Stadtärzte und ein sehr großer Theil der Stadtbevölkerung theilnahmen. An der Bahre sprachen S e. E h r w ü r d e n Herr Rabbiner Wilhelm Reich und der Arzt Dr. Josef Schwarz, welche beide Nachrufe einen tiefen Eindruck auf alle Trauergäste machten. Temcsvar. (Diebe im Tempel.) Aus Karansebes schreibt man: In der Nacht von Freitag auf Samstag drangen, den Spuren nach, jugendliche Diebe in den hierortigen israelitischen Tempel ein. Wie constatirt wurde, entwendeten die Einbrecher zwei Opferbüchsen mit reichem Inhalte, eine silberne Kette und diverse Kleinigkeiten. Die Polizei hat die Untersuchung eingeleitet. Losch itz. Zum Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde für Loschitz und Littau in Mähren wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Günzig, Redacteur des »Haeschkol", gewählt. Die feierliche Installation des neuen Rabbiners fand am 9. September statt. Jägerndorf. Der hiesige Liqueurfabrikant Herr Julius P o l l a k hat das Amt eines Vorstehers der Jägerndorfer israelitischen Cultusgemeinde, welches er länger als 22 Jahre hindurch bekleidete, aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. Eiu Versuch, Herrn Pollak zur Zurückziehung seiner Resignation zu bewegen, schlug leider fehl, weshalb die Vertretung der Cultusgemeinde auf Antrag des Advocaten Dr. Schnabel einstimmig beschloß, Herrn Pollak in Anerkennung der hervorragenden Verdienste um die Cultusgemeinde zum Ehrenvorsteher zu ernenllen. Eine Deputation, bestehend aus den Herren A. M. B,uber, Dr. Schnabel und Dr. Leopold Monds chein, überreichte dem neuernanntem Ehrenvorsteher das künstlerisch ausgestattete Ehrendiplom. Herr Pollak war auch fünfzehn Jahre hindurch in der Vertretung der Stadtgemeinde besonders hervorragend thätig und hatte zum Wohle seiner Mitbürger manch nützliches Werk in Anregung gebracht. Sadagora. (Baron Hirsch-Schule.) Die hier bestehende, überaus stark frequentirte Baron Hirsch-Schule hat vom k. k. Unterrichtsministerium das Oeffentlichkeitsrecht im Seite 741 Sinne des Z 72 des Reichsvolksschulgesetzes erhalten. Die Bedeutung dieser Schule in einer Stadt wie Sadagora ist allgemein bekannt. Die ihr gewordene Auszeichnung, die sie nunmehr mit einer größeren Zahl von anderen Baron Hirsch-Schulen theilt, ist eine wohlverdiente. Hamburg. (Jubiläum.) Der Prediger der israelitischen Gemeinde in Hamburg, Dr. D. Leimdörfer, begeht am 8. November d. I. sein fünfundzwanzigjähriges Seelsorger-Jubiläum. Dr. Leimdörfer, ein geborener Ungar, gilt als ein hervorragender Kanzelredner und hat als solcher schon bei verschiedenen Gelegenbeiten besondere Anerkennung gefunden. Bei der Feier des siebzigsten Geburtstages des Kaisers Franz Josef hielt er eine Festpredigt, die einen tiefen Eindruck auf alle anwesenden Oesterreicher und Ungarn ausübte und auf Veranlassung der österreichischen Consuln in Hamburg und Altona im Druck veröffentlicht wurde. In der wissenschaftlichen Welt erwarb sich Dr. Leimdörfer durch mehrere Werke über »Ecclesiastes" und die Psalmenliteratur einen Namen als gelehrter Bibelforscher; in verschiedenen Fachzeitschriften erschienen von ihm zahlreiche philosophisch-historische Abhandlungen. Feuilleton. Legenden. Von Heinrich Kohn. Uebersetzt von Malwina Blumberg. Kennst Du, mein Bruder, die jüdischen Legenden? Weise Parabeln, schauererregende Märchen, mystische, thränenreiche Träume, in denen die Seele des Volkes zittert, wie in der geschloffenen Blüthe die entfaltete Blume lebt. . . Hörtest Du je, mein Bruder, wie jüdische Jungfrauen einander »Maases" erzählen, in denen es von Schrecknissen wimmelt, sahst Du, wie die Schulkinder ihren Kameraden mit abergläubischer Angst lauschen, wie die Einwohner eines kleinen Städtchens mit gedämpfter Stimme von Wundern berichten, die vor Kurzem stattgefunden? . . . Reiche mir, mein Gast und Bruder, die Leier, die an jener Wand hängt ... Es ist nicht die goldenbesaitete Leier, die unsere Propheten einst an die Weiden Babylon's gehängt, und der wir, Zwerge, keine Klänge zu entlocken verstehen, aber eine einfache, winzige Leier. Siehe, es ist Winter draußen . . . Eine blendend weiße, weiche Schneeschicht bedeckt die hartgefrorene Erde, die entlaubten Bäume strecken ihre kahlen Arme zum Himmel empor, und die kleinen, übermüthigen Sperlinge suchen, vor Kälte zitternd, vergeblich nach Futter . . . Dort, unter der Last eines schweren Sackes gebückt, geht ein Jude. . . Woran denkst Du, mein Gast? . .. Weißt Du, mein Bruder, was das Schlimmste auf der Welt ist? . . . der Tod; unstreitig; der knochige, feindselige, aber gewaltige Tod . . . Und doch gibt es Menschen, die ihn suchen. Der Grieche Tymantes bestieg den Scheiterhaufen, weil er sich überzeugt hatte, daß er nicht mehr die Kraft besaß, den Bogen zu spannen. Den alten Hellenen ging eben nichts über die physische Kraft . . . Und im Tagebuch der Brüder Goncourt lesen wir: »Ich fühle einen Leichengeruch neben mir, den Geruch der Verwesung und Vernichtung, und kann mir dies nur dadurch erklären, daß es mir unmöglich, aber vollständig unmöglich ist, zu lieben. Ich kann nicht mehr lieben, versteht ihr? . . . Und das gleicht doch dem Tode." Denn dem modernen Menschen gilt Genuß als Ziel und Inhalt des Daseins. Aber der Jude Baruch Tulczynski, ein im vorigen Jahrhundert lebender »Cadyk", sprach anders: »Wenn ich wüßte", sagte er, »auch nur einmal in meinem Leben ein talmudisches Gesetz verletzt zu haben, ich zöge den Tod vor." Das ist eben der Unterschied zwischen den Ansichten und dem Streben der »sinnlichen Griechen und der im Geiste lebenden Hebräer", wie Mickiewicz sie nannte. Warum bist Du so traurig mein Bruder? Beklagst Du die Untreue einer Frau und verwünschest, infolgedessen, das ganze, so falsche Geschlecht? . . . Lästere nicht; die Frau ist da- Glück und höchste Gut des Lebens. Höre, was eine alte Legende darüber erzählt :