Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 41 (12.10.1900)
- Date
- 1900-10-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 740 Dr. Blach's Wochenschrift. Nr. 41 bauakademie zu Jekaterinoslaw von 60 Juden nur 4, in Kiew von 150 Juden nur 56 ausgenommen werden. In Charkow konnten nur 1*, in Odessa 38 Inden in die Universität gelangen. Bezeichnend für den bösen Willen der russischen Universitätsb chörden ist die Thatsache, daß Hunderten von Juden alljährlich die Aufnahme verweigert wird, obgleich auf den betreffenden Universitäten zahlreiche Plätze unbesetzt bleiben So wurde in Odessa 1898 nicht weniger als 74 Juden die Aufnahme verweigert, wahrend noch 111 Plätze frei waren. In Charkow gab es 1899 mehr als 550 Vacanzen, ausgenommen wurden 270 Christen und 12 Juden; 48 Juden gingen leer aus, während zu gleicher Zeit 268 Plätze auf der Universität unbesetzt blieben. Dasselbe geschah 1898 in Kiew. Von 750 Plätze wurden nur 540 besetzt, während 210 leer blieben, gleichzeitig aber wurden von 120 jüdischen Candidaten 72 zurückgewiesen Die bekannte Verordnung, welche die Aufnahme von Juden in den mittleren und höheren Schulen auf 3 bis >0 Procent beschränkt, kann das harte Benehmen der Universitätsbehörden keineswegs entschuldigen. Diese Verordnung wurde seinerzeit mit dem in den russischen Unterrichtsanstalten herrschenden Platzmangel motivirt. Diese an und für sich sehr seltsame Motivirung trifft aber bei der für die Juden am meisten in Betracht kommenden 3 südrussischen Universitäten seit Jahren nicht mehr zu. Hier blieben 1699 nicht weniger als 588 Plätze unbesetzt, trotzdem aber wurden in demselben Jahre einem großen Theil der nach Bildung lechzenden jüdischen Jugend die Pforten der Universität vor der Nase geschloffen. Die russischen Universitätsbehörden, welche die freien Plätze lieber unbenützt lassen, als sie mit Juden zu besetzen, verfahren wie der Hund, der in einer wenig bekannten Fabel einen Heuschober bewacht: Selber kann er das Heu nicht freffen, bellt aber wüthend die arme Ziege an, welche davon einen Mundvoll nehmen möchte, um ihren Hunger damit zu stillen. Coustantiuopel. (JüdischeColonieninKleinasien.) Den 600 rumänischen Colonisten in Beilyk-Ahour geht es herzlich schlecht. Das daselbst herrschende Sumpffieber hat bereits zahlreiche Opfer gefordert und wird schließlich die rumänischen Colonisten ebenso fortjagen, wie es schon früher einmal die türkischen Colonisten fortgejagt hat. Schon vor mehreren Jahren wurde nämlich der Versuch gemacht, Beilyk-Ahour zu besiedeln, allein die Colonisten gaben den Versuch bald wieder auf, und nur ein Kirchhof zeugt davon, daß Menschen es vor Jahren gewagt haben, sich in der fieberschwangern Gegend von Beilyk-Ahour niederzulassen. Leider kann die Colonie nicht so ohneweiters verlassen werden, dazu gehört eine specielle Erlaubniß des Sultans, der die Colonisten aus seiner Chatouille eine Zeitiaug unterstützt hat. Wie man hört, will der Chacham-Raschi auf Veranlassung der Alliance es versuchen, diese Crlaubmß beim Sultan zu erwirken. Weit besser geht es den 255 bulgarischen Juden auf der am Ufer des Schwarzen Meeres 8 Stunden von Constantinopel gelegene Colonie Heften Der Boden der Colonie ist vortrefflich, das Klima gesund und Wasser ist da im Ueberfluß vorhanden Allein die Colonisten, die bis jetzt noch von keiner Seite irgend eine Unterstützung erhalten haben, sind so bettelarm, daß sie am 15. September eine Abordnung nach Constantinopel geschickt haben, um da 2000 Frcs. aufzubringen. Mit diesem Gelde wollen sie drei Monate auskommen, nach deren Ablauf sie sich schon allein weiterhelfen werden. Jaffa. Ueber das fernere Schicksal der Jaffaer Schule Beth- Sefer, welche bekanntlich zum 1. October d. I. geschloffen werden sollte, ist zwischen der Alliance und dem Odessaer Comite für Kolonisation Palästinas eine Uebereinkommen zu Stande gekommen. Bei der 1892 bis 1894 erfolgten Gründung dieser Schule hat die Absicht gewaltet, sie allmählich zu einem hebräischen Gymnasium auszustatten, diese Absicht ist aber nie erreicht worden, vielmehr ging das Beth- Sefer statt vorwärts immer rückwärts. Da als Grund dieses Rückganges stets Mangel an Mitteln angegeben wurde, so soll jetzt der Versuch gemacht werden, der Schule in erster Reihe eine gesunde finanzielle Basis zu verleihen. Das Jahresbudget der Schule, welche im vorigen Jahre von 412 Kindern — 165 Knaben und 247 Mädchen — besucht wurde, soll von 24.000 auf 21.000 Frcs., der Beitrag der Alliance von 6680 auf 5000 Frcs. herabgesetzt, dagegen di zu zahlenden Schulgelder von 1475 auf 3000 Frcs. erhöht werden. Der Beitrag des Odeffaer Comite bleibt ebenso wie der des Moskauer Hauses Wolf Wiffotzky unverändert 4000 Frcs. Die aus ganz Rußland für die Schule einlaufenden Spenden, welche im Jahre 1899 6500 Frcs. betrugen, wurden vorsichtiger Weise nur mit 3000 Frcs. in Anschlag gebracht. Den Rest zahlt das zionistische Wiener Actions-Comite, welches der Londoner Cougreß beauftragt hat, für die Schule Beth-Scfer 2000 Frcs. auszuzahlen. Sollten die in Anschlag gebrachten Posten die veranschlagte Summe nicht ergeben, so ist die Alliance wie das Odeffaer Comite verpflichtet, das Fehlende zu gleichen Theilen zu ersetzen. Die Verwaltung der Schule liegt nach wie vor in den Händen der Alliance, welche jedoch dem Odessaer Comitö das Recht der Controle eingeräumt hat In den untersten Classen bleibt die Unterrichtssprache wie bisher hebräisch, dagegen solle als Concession an die Alliance in den oberen Claffen für solche Gegenstände, für die noch keine hebräischen Schulbücher vorhanden sind, das Französische als Unterrichtssprache gelten. Das Odessaer Comite behielt sich das Recht vor, die Schule jcde^eit in eigene Verwaltung zu übernehmen. . jfg itjj Wien. Der Cultusvorstand bringt zur Kenntniß, daß die Wählerliste zu den Ersatz- und Neuwahlen in den Cultusvorstand zur Einsicht der Gemeindeangehörigen in der Kanzlei der Cultus? gemeinde I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock aufliegt. Reklamationen wegen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind innerhalb 14 Tagen vom heutigen Tage ab, schriftlich in der Kanzlei der Cultusgemeinde einzubringen. Wien. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Am 20. October 1900, präcise 8 Uhr Abends, findet eine Plenarversammlung im Festsaale des Wiener kaufmännischen Vereines, I., Johannesgasse 4, statt. Tagesordnung: 1. Allgemeiner Bericht über die Vereinsthätigkeit seit der Generalversammlung. 2. „Der Fall Araten und Fälle gleicher Art", Referat, erstattet vom Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Julius Ofner. — Am 27. October 1900, präcise 8 Uhr Abends, eine Bereins- Plenarversammlung in Khuner's Restaurationssaal, I., Adlergasse. Tagesordnung: 1. Allgemeiner Bericht. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn Dr. M. L. Stern, Rabbiner in Triesch, über „Häckel's Welträthsel und das Judenthum". (Während des Vortrages wird nicht servirt. Nach dem Vortrage vereinigt uns ein gemeinsames Abendessen.) — Am 3. November 1900, präcise 8 Uhr Abends, eine Plenarversammlung in Khuner's Restaurationssaal, I., Adlergasse. Tagesordnung: 1. Allgemeiner Bericht mit anschließender Discussion. 2. Die Reichsrathswahlen und unsere Stellungnahme zu denselben. Wien. (Der zweite Proceß Hilsner.) Die Hauptverhandlung gegen Hilsner ist, nachdem von der Erhebung des Einspruches Abstand genommen wurde, für den 25. October anberaumt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 21. October 1900, 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Elsa K o h n, Tochter des k. k. Landesschulrathes Dr. Gustav Kohn, Vice-Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, mit Herrn Julius Heller, Fabrikant in Proßnitzstatt. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferien hei m.) Im großen Festsaale des Hotel Continental wurde, wie alljährlich, am 4. October, dem Namenstage Sr. Majestät des Kaisers, ein Kindei fest veranstaltet, zu welchem die im heurigen Sommer in den Colonien Tischnowitz, Petrau, Darkau, Baden, Neulengbach und Preßburg untergebracht gewesenen 520 Schulkinder geladen waren. Ein äußerst distinguirtes Publicum von Gönnern des Vereines und Kiuderfreunden hatte sich hiezu zahlreich eingefunden. Als Vertreter hervorragender Corporationen sah man Banrath Ritter v. Goldschmidt, Bezirks-Ausschuß Ludwig Waldstein, Ortsschulrath Leopold Strauß, kaiserl. Rath N. Schefftel, Docent Dr. Josef Grünfeld, die Präsidentin des Vereines „Kinderhort" Frau Dr. Frischauer und aus der Kunstwelt Frau Lanius vom Jubiläums-Stadttheater. — Auch die Lehrerschaft war zahlreich vertreten. Nach einem von Frau Dr. Jenny Schnabl schwungvoll verfaßten und von einem Fräulein des Mädchen-Comites wirkungsvoll vorgetragenen Prolog producirten sich Kinder mit ernsten und heiteren Vorträgen, welche sie in den Colonien erlernt hatten, und zum Schluffe boten die gleichmäßig uniformirten Knaben einige Proben ihrer militärischen Abrichtung, worauf unter Fahnenschwenken und Trommelwirbel die Volkshymne intonirt wurde. Mit einer vom Vorstände und seinem Mädchen- Comite arrangirten Festjause für sämmtliche Colonisten fand , die schöne Feier ihren Abschluß. Wien. Se. Ehrwürden Herr Dr. Armin A b e l e s Vereinsrabbinec im III. Bezirke in Wien, wurde mit allerhöchster Entschließung zum k. und k. Feldprediger zweiter Classe ernannt. Wien. Frau Professor Rosalie Hermann übersiedelt für die Wintermonate nach Paris und ersucht die jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, deren Mitglied Frau Professor Hermann bis nun war, davon Kenntniß zu nehmen, daß sie Ende des Monates Mai kommenden Jahres nach Wien zurückkehrt, wo dann ihr die Mitgliedskarten und eventuellen Quittungen hier präsentirt werden mögen. Wien. (Warnung^.) Zufolge wiederholter Anzeigen aus dem Kreise der Mitglieder des Vereines „Ferienheim" sieh! sich der Vorstand hiemit genöthigt, zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, daß sich gegenwärtig in Wien ein Individuum herum-