Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Dk, Dloch's Wochenschrift. Sette 7*47 nach, zu danken, daß das jüdische Volk aus Egypten befreit wurde daß es trotz wiederholter Knechtschaft» trotz des Druckes harter Gesetze, die.Verachtung der Nationen, der aussaugenden und entwürdigenden Staatskunst vieler Regenten sein Eigenleben bis auf den heutigen Tag beibehalten hat. Das Vaterland, fast auch seine Sprache hat es verloren Aber sein Blut, seinen Charakter, sein Selbstgefühl hat es, dank der Frauen, bis auf den heutigen Tag bewahrt. Zu allen Zeiten haben die jüdischen Frauen das Hauptcontmgent der Märtyrerinnen geliefert. Ihnen folgte nicht der Ruhm des Martyriums, ihnen jauchzte keine bewundernde Menge nach, keine Zeile spricht von der edlen Gesinnung, mit der diese holden, muthlgen Frauen ihr und der Ihren Leben hingeben, um ihrem Volke noch «n Tode freu zuÄein. P _ Und wenn auch heute ein großer Vruchtheil unserer Frauen fahnenflüchtig geworden, und wenn auch manche, die sich ihrer Confesswn nach noch zu den Unseren zählen, vor der unangenehmen Thatsache, daß wir gehaßt seien von Nord nach Süd, von Ost nach West, gewaltsam Augen und Ohren verschließen und das Elend, dem Tausende zum Opfer gefallen sind und noch Tausende fallen werden, Mit dem Satze abthun, — es werde wieder besser werden, — so können wir doch getrost behaupten, daß der größere Vruchtheil unserer Frauen, ja unseres Volkes, ohne Unterschied seiner gesellschaftlichen Stellung, sich als eine unterdrückte, beherrschte und benachtheiligte Minderheit fühlt und diesen Zustand, soweit dies in der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung möglich ist, zu beseitigen sucht. , . . Es ist ein alter Fehler unseres Volkes, daß wir bei Anderen betteln und unseren eigenen Boden brach liegen lassen. Wir kennen die Literatur, die Geschichte aller Völker, nur nicht die des ^zudenthums. Wir bewundern die Heroen des Geistes und die der That bei allen Nationen, nicht aber bei der eigenen. , . Wir verhimmeln die griechische Weisheit, die römische Tapferkeit, die deutsche Treue. Wir vergöttern einen Alexander, einen Julius Cäsar. O, für solche Thaten können wir uns begeistern, unser Herz schlägt höher bei ihrem Klange, unsere Brust weitet sich stolz, wenn wir von ihnen sprechen. . . Wer aber denkt der Heldenthaten der Makkabäer. der;emgen eines Barkochba? Wer bewundert den Muth einer Esther? Und warum dieses vergessen? „ Weil wir in einer Zeit leben, in der wir für die bedeutendsten Errungenschaften jüdischer Cultur nur mehr ein überlegenes Lächeln haben, in einer Zeit, in der man sich schämt, Jude zu sein. Der stolze Ruf „Iwoi onauchi“ „Ich bin ein Jude" ist längst verklungen, Und darum, jüdische Frauen, ergeht an Euch der Ruf, helfet als Schwestern, Gattinnen und Mütter die verloren gegangene Selbstachtung, das entschwundene nationale Selbstbewußtsein wiedergewinnen, tretet in die Reihen jener Mädchen, die sich fast ein Jahrzehnt mit der Verwirklichung dieser Idee belassen. Lernet oder bethätigt bei Ihnen jüdisches Können, Denken und Fühlend Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hat sich seit jeher bestrebt, jüdische Geschichte und Literatur zu verbreiten und seinen Mitgliedern echt jüdische Gesinnung beizubringen. , . Während der Sommermonate war es diesem Vereine auch vergönnt, seine Kräfte in den Dienst der allgemeinen Sache zu stellen. Von der„JsraelitischenAllianz" benachrichtigt, daß jüdische Emigrantinnen in Wien angelangt seien, hielt es die „Moria" für ihre heiligste Pflicht, diesen unglücklichen Schwestern, die, aller Existenzmittel beraubt, ohne Heim und Herd, ohne ein Fleckchen, auf das sie ihre müden Glieder lagern konnten, hier angekommen waren, ihre Hilfe angedeihen zu lassen Viele Augen haben das Elend dieser Aermsten gesehen, manche kalt und gleichgiltig, andere mit einem momentanen Aufflackern von Mitgefühl, wieder andere mit aufsteigenden Thränen Wenige haben geholfen und unter diesen in erster Reihe die Damen der „Moria". Der Verein hat also auch hier seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" wird jedenfalls nach wie vor, als sein edelstes Bestreben, jüdisches Können, Denken und Fühlen vermitteln. R. K. Glaubensgenosien! Am 25 August l. I. brach in dem Städtchen Uhnüw (Galizien) eine verheerende Feuersbrunst aus, welche im Laufe von 2 Stunden beinahe die ganze Stadt eingeäschert hat. Rettung war unmöglich, die vom Feuer Ueberraschten konnten kaum ihr nacktes Leben retten. Das grenzenlose Elend läßt sich noch nicht überblicken. 500 jüdische Familien sind obdachlos! Die traurige ökonomische Lage der hiesigen Juden erlaubte nur Wenigen, ihr Hab und Gut zu versichern, so . daß der nicht versicherte Schaden die Summe von 600.000 Kronen bedeutend übersteigt. Die verarmte Stadt ist nicht im Stande, auch nur im Geringsten dem gräßlichen Elend zu steuern. Brüder! Unterstützt, nach Kräften unsere Hilfsaction. Spendet Alle, reich wie arm; jede Gabe, groß wie klein, findet ihre Verwendung. Von Eurer Opferwilligkeit und Freigiebigkeit hängt es ab, ob eine große Zahl armer Glaubensgenossen an den Bettelstab greifen oder in Hunger und Kälte verkommen soll. Gebet rasch und willig, denn nur so find wir in der Lage, die durch Elementarereignisse verursachten Wunden Eurer verzweifelten Brüder zu heilen. Jüdisches Hilfs comitS in Uhnüw: Dr. M. Munk. Obmann Dr. B. Kibitz, Obm.-Stellvertreter Samuel Rokach, Depositair S. Orange, Controlor Josef Kibitz, Schri tführer. Lazar Rokach, Rabbiner zu Uhnüw. Erhaltene Beiträge werden öffentlich bestätigt. Geldsendungen sind erbeten unter der Adresse: Samuel Rokach, Lemberg Kopernika Notiz. Das bekannte, seit dem Jahre 1882 bestehende Möbeletabliffement Sigm. Oppenheim, früher I., Wipplingerstraße altes Rathhaus, hat im II. Bezirke, Praterstraße 30, ein neues Etablissement gegründet, da es sein früheres Domicil aus bekannten Gründen aufgeben mußte. Wir können Jedermann, der sich für Möbel überhaupt intereffirt, nur empfehlen, sich dieses, in echt großstädtischem Style angelegte Geschäft anzusehen, denn Oppenheim bietet darin, sowohl was Solidität, Eleganz und geschmackvolle Ausführung der Möbel betrifft, als auch in Bezug auf die Preise wirklich Bemerkenswerthes. Die Fabrik befindet sich XVII., Hernalser Hauptstraße 158. Danksagung. Außer Stande, für die zahlreichen Beweise inniger freudiger und freundschaftlicher Theilnahme, die uns aus Anlaß der Barmizwa-Feier unseres jüngsten Sohnes Arthur zugekommen sind, jedem Einzelnen persönlich zu danken, bitten wir auf diesem Wege unfern tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen. Wien, am 1. October i960. 656 Jakob und Bertha Spuh. Gebildetes Fräulein, Israelitin, aus gutem Hause, bescheiden, heiteren Charakters, tüchtig im Häuslichen und in Handarbeiten, wird als Gesellschafterin zu einer älteren Dame gesucht. Vorzustellen von 2-4 Uhr. Cäcilie Adler, IX.» Wasagaffe 8. Spinoza in Deutschland Gekrönte Preissehrift. Von Dr. Max Grunwald IV, 380 8. — M. 7.20. Verlag von 8. Calvary & Co. Berlin N. W. 7. „Der mit Glück erfasste und originell durchgeführte Gedanfte, die Wandlungen in der Erkenntniss und Auffassung Spinoza’s in engem Zusammenhänge mit dem Umänderungsprocesse der modernen Weltanschauung selbst in Verbindung zu bringen, hebt die Arbeit über das Durchschnittsmass literarhistorischer Leistungen hinaus und gewährt ihr die Bedeutung eines durchaus eigenartigen Beitrages zur modernen Culturgeschichte“. (Aus dm Urtheilen der Preisrichter.) „Ich weiss nicht, was ich mehr bewundern soll, die ungeheure Gelehrsamkeit, die das gigantische Material zxu ammenbrachte, oder die Klarheit, mit der es verarbeitet ist. Ich, der Ungelehrte, würde da an ein Wunder, glauben, wenn ich es als Spinozist dürfte. Und wie viele, ausser mir, sind Ihnen für die gewaltige Arbeit zu innigstem Danke verbunden.“ (Aus einem Briefe Spielhagm’s an dm Verfasser.) Eine zweite Preisschrift von demselben Verfasser: , Die Eigennamen des Alten Testamentes in ihrer Bedeutung für die Kenntniss des hebräischen Volksglaubens. Verlagsbuchhandlung Wilhelm Koebner (Inhaber H. & H. Harens) in Breslau. Preis Mk. 2.50. In dem Bericht der Facultäten an der kgl. Universität zu Breslau vom 27. Jänner 1894 äussert sich die evangelisch-theologische Facultät über diese Arbeit: „Diese Abhandlung zeugt von grossem Fleiss und reichen' Kenntnissen“ und bekundet „reiches und vielseitiges Wissen auf dem Gebiete der Sprach- und Religinswissenschaft“.