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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seife 721 Vr. Bloch's Wochenschrift» Nr. 40 hebräischen Gebete, wie sie an den Gräbern von Verwandten verrichtet werden, fehlerlos und fließend. — Diese Mittheilung aber rief bei dem alten Schammes Reb Oscher, der schon seit fünf Jahren in den wohlverdienten Ruhestand versetzt worden war, ein mißbilligendes Kopfschütteln hervor, welches er damit genügend zu motiviren glaubte: daß es in Israel nicht Sitte sei, Kinder, deren Eltern noch am Leben, an dem Grab der Großeltern beten zu lasten. Allein da die gesammte Zuhörerschaft entzückt war, daß der französische General seinen Kindern eine jüdisch-religiöse Erziehung gegeben und sie im Hebräischen unterrichten ließ, auch der gegenwärtige französische General, der einst als anspruchsloser Mensch unter ihnen gelebt, den höchsten Stolz eines jeden W.er Gemeindekindes bildete, wurde RÄ> Oschers krittsche Zwischenbemerkung nicht einmal einer Widerlegung gewürdigt, sondern über diese einfach zur Tagesordnung übergegangen und Reb Perez mit stürmischer Ungeduld aufgefordert, in feinem interessanten Berichte fortzufahren, und dieser, höchlich geschmeichelt, einmal im Leben zu einer — allerdings nur ephemeren Bedeutung gelangt zu sein, nahm den Faden seiner unterbrochenen Erzählung wieder auf. Ec und sein Weib, haben, wie sie bei den Kworos/') gestanden, solche Bechios gethan * 4), daß auch die beiden schöne« Knaben aus Rachmonis 5 * *) über ihre Eltern zu weinen begönne» und mir selbst, der ich doch an solche Dinge gewohnt bin, ganz weich mus Herz geworden ist.Es hat sehr lange gedauert und ich Hab' gesehen, daß es ihnen sehr schwer geworden ist, weg zu gehen, aber wie pflegt man zu sagen: Wenn der Chasen noch so schön singt, einmal muß man doch aus der Schul gehen. Endlich haben sie sich doch entschloffen und sind langsam fortgegangen. Ich bin hübsch weit von ihnen gestanden, und Hab' mich ntt zu muksen noch viel weniger so einen so noblen Herrn anzusprechen getraut; aber wie er mich erblickt hat, geht er gerade auf mich zu und sagt: Du bist ja Perez Holleschau, der mtt mir in die Schul' gegangen ist? und während er so schön und bechowed ®) mit mir reden thut, zieht er e prächtige Börse aus der Tasch' — ewadde hat sie ihm sein Weib, die bekannte Sara gestickt, nimmt zwei goldene Ducaten heraus und quetscht mir sie in die Hand. So soll ich leben und gesund sein; ich Hab' gemeint, daß mich vor Freud' auf der Stelle der Schlag trifft. Ich Hab ihm wollen die Hand küssen, aber er hat's nit gelitten und hat mich gefragt: »Kennst Du mich denn nicht mehr?" und ich schrei. »Ob ich Dich kenn'!? Du bist ja Mecaß R b Michael, der gnädigste Herr Obergeneral von die Franzosen, und bist bei dem choschewen Reb Aron Brack sichrono liwrocho aufgezogen worden (der gelehrte Leser wird wohl bemerken, daß Reb Perez seinem ehemaligen Schulcollegen wohl dem ihm gebührenden Titel nicht vorenthielt, ohne jedoch hierbei auf das altgewohnte kameradschaftliche Du zu verzichten) und er hat vor Vergnügen, daß ich mich noch so gut auf ihn erinnern thu, obwohl ihm die Thränen in den Augen gestanden sind, doch ein klein Bistel im Stillen gelacht. Wie ich gesehen Hab', daß er gar ntt stolz geworden is, Hab' ich schon e Bisl Courage bekommen, und Hab' ihm gefragt, wie es ihm seit die dreizehn Jahr', wie er mtt dem S'zone^ von hier wegmarschirt ist, ergangen is, und er sagt mir, daß er, weil er bei einer Schlacht schwer am Fuß verwundet worden ist, in Pension gegangen ist. Er hat gesagt, daß er von hier aus mit seiner Familie nach Ungarn in die Kehilla reist, wo sein Vater begraben liegt, aber daß er auf seiner Rückreise nach Frankreich einen andern Weg einschlagen und W. nicht berühren wird. Dann hat er sich erkundigt, ob die Stiftung genau gehalten wird, und welcher Lamden jetzt das ehemalige Haus seines Schwiegervaters bewohnt. Ich Hab' ihm gesagt, daß Alles in schönster Ordnung geht. Dann sind sie Alle traurig zu ihrem Wagen hinuntergegangen und haben sich noch, wie sie in den Wagen geseffen sind, so lange es möglich war, nach dem Bes ha chajim umgesehen. Die feinen, noblen, choschewen Menschen! Da nun das Gebet begann, eilten die Leute in die Synagoge, aber Reb Perez' Erzählung hatte einen so nachhaltigen Eindruck hervorgeruftn, daß Reb Jostef Langermann, der als Dritter zur Thora aufgerufeu wurde, dem General Michael ') Gräbern. 4) Geschluchzt. r>) Mitleid. r) Mit Achtung. ") Feinde. Klein — dessen Vatersnamen in W. noch bekannt war, einen Mischeberach machen 8) ließ und bei diesem Anlasse, die für jene Zeit bedeutende Summe von Neun Gulden Wiener Währung 9) für die Armen der Gemeinde spendete. * Michael und Sara Klein hatten weder Bekannte noch nähere Verwandte in W., und man hat seit jener Zeit dort von ihnen nichts mehr gehört. Eines General Klein geschieht in allen kriegsgeschichtlichen Werken jener Zeit sehr häufig, als ein-s der tüchtigsten und tapfersten Reiterführer, die ehrenvollste Erwähnung. Briefkasten. H. P. in I. D. „Das Gesetz, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft", wurde im Monate Februar 1890 im Reichsrath durchberathen und am r l. März 1890 publicirt. (R.-G.-Bl Nr. 57, V.-Bl. Nr. 18.) I. V. Daß der Volksbildungsverein einen Vortrag über hebräische Archäologie für den Abend des Versöhnungstages ankündigt, ist ebenfalls eine Wiener Specialität. Wollte man die Juden von dem Besuch zurückhalten? I. M. Proßnitz. Ueber die Art, wie Prof. C. die Unterstützungen an Schüler verschiedener Konfession an der deutschen Landesrealschule aus den Mitteln des „Johann Zajicek'schen Unterstützungsvereines" vertheilt, werden wir nächstens ausführlicher berichten. M. in H. Herr Fabian Zolles ist ein bekannter jüdischer Gelehrter und bedeutender Folklorist und wohnt seit längerer Zeit bereits in Wien. Justus. Der bekannte ungarische Politiker Chorin ist ein Enkel des einstigen Arader Rabbiners A. C h o r i n. Dr. H. M. Die bisherigen Vorbereitungen für die Wahlcampagne zeigen ganz genau, daß die Clericalen, trotz des ausgesprochenen Tadels des Kaisers, dafür Sorge tragen, daß der Clerus sich in erster Reihe mit Politik beschäftige. Ego. Die Fleischhauer.,enossenschaft hatte allen Grund, Doctor Lueger zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Der Herr Bürgermeister hat sich ja die größten Verdienste um die — großen Fleischhauer erworben. i. Vielleicht die Mehrheit der größten Schachspieler der Gegenwart besteht aus Juden. Ein Rüste. R u b i n st e i n wurde noch als Jude geboren. Fleißiger Leser. Da ein Sohn des Grafen T a a f f e eine Jüdin heiratete und seine Tochter sich mit einem Juden verlobt hat, circulirt nicht ohne Grund folgendes Scherzwort: Graf T a a f f e gehörte vielleicht zu den Vätern des Wiener Antisemitismus, aber er ist sicherlich der - Schwiegervater von lauter Juden. M. N. Die Maßregelung des Lehrers K a t s ch i n k a jun. beweist nur neuerdings, wie sehr die Christlich-Socialen die Lehren des Alten Testamentes mißachten. Dort heißt es : „Die Sünden der Väter sollen nicht an den Söhnen gerächt werden", und Herr Katsch in ka jun. muß hiefür büßen, daß sein Vater als freisinniger Mann ein Gegner der Christlich-Socialen war. B. R—g. Wenn bei uns politische Reife und Verständniß herrschten, dann würde Herr Dr. Lueger, der gegen die obersten Richter haranguirte, nicht den Muth haben, Empörung zu heucheln, daß man es wagt, die ungerechten Entscheidungen des Landesschulrathes zu kritisiren. a. Das Urtheil über Mitter mayer ist noch nicht rechtskräftig geworden. Die Möglichkeit, daß der Edle als christlich-socialer Abgeordneter ins Parlament gelangt, ist daher noch nicht völlig ausgeschlossen. Eingesendet. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria".) Wir leben in einer Zeit, die man als die Zeit der jüdischen Revolution bezeichnen könnte. Durch alle Schichten der jüdischen Gesellschaft geht eine Bewegung, die von Tag zu Tag größere Dimensionen annimmt. Der Boden, auf dem wir Jahrtausende hindurch gestanden, schwankt; eine Frage ist aufgetaucht, die immer weitere Kreise beschäftigt, über deren Lösung für und wider gestritten wird — die Frage: Sind die Juden ein Volk oder eine Religionsgemeinschaft, haben die Juden das Recht, trotzdem sie räumlich weit, weit vom Vaterlande entfernt sind, trotzdem bei vielen die Sehnsucht für den Heimatboden beinahe im Erlöschen ist, sich als Nation zu bekennen? Bei dieser Frage, die für das ganze jüdische Volk von höchster Bedeutung isi, sind nicht nur die Männer, sondern in fast noch höherem Maße die Frauen interessirt; denn sie sind es ja, die schon seit Urzeiten als Schwestern, Gattinnen und Mütter den bedeutendsten Einfluß auf das jüdische Volk ausgeübt haben, ihnen allein ist es, dem Talmud 8) Vom Vorsänger einen Segen für ihn sprechen. *0 Nach heutigem Gelbe etwa 4 österreichische Gulden oder tewas weniger als sieben Mark.

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