Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021372--10268-3034740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

SLr. 40 Seile 7?5 Dr. BlochV MocklenfchrifL dieser Firma. Dem Jubilar, der sich um die Förderung des österreichischen Glasexports große Verdienste erworben hat und wegen seines wackeren Charakters sich allgemeiner Werthschätzurg erfreut, wurden von den Chefs und der Beamtenschaft herzliche Ovationen dargebracht. Wien. (Bethau s-B e r e i n „M a r v e L a n e f e s ch".) Am 10. Oktober, 7 Uhr Abends, findet im Clublocal des „Cafe Adria", II., Große Pfarrgasse 1, eine außerordentliche Generalversammlung statt. Auf ver Tagesordnung steht die Aenderung bezw. Erweiterung der Statuten. Wien. Dienstag den 16. October a. c. veranstaltet der humanitäre Verein „Ungar.-Herz", (XVI., Weyprechtgasse 5) in Seifert's Saallocalitäten, XVII., Ottakringerstraße 3, ein großes Wohlthätigkeitsfest verbunden mit Tanzkränzchen. In Anbetracht des eminent humanen Zweckes haben bedeutende Kunstkräfte ihre Mitwirkung zugesagt. Das Reiilerirägniß fließt dem israelitischen Ausspeisungs-Vereine für den XVI. und XVII. Bezirk zu. Eintrittskarten ü 50 kr. sind im Vereinslocale zu haben. Wien. Der unter der Leitung des tüchtigen Musiklehrers und Chormeisters Herrn Julius H i r s ch l e r stehende jüdische Gesangsverein „Jvria" ladet Gesangsfreunde zu den Proben, welche jeden Montag, Abends 8 Uhr, in I. Oczeret's Restauration, Keplerplatz 7, abgehalten werden, ein. Gäste, die den Proben beiwohnen wollen, sind jederzeit herzlich willkommen. Wien. (Spende».) Für die rumänischen Juden sind uns von Herrn Gottlieb Strauß in Kceibitz 3 Kronen als Resultat einer Sammlung, von Herrn L. Schlesinger in Petrovic 2 Kronen, von dem Betverein in Zeraw-tz 10 Kronen, unter G. B. P. 10 Kronen, von Herrn D.'. Lorenz Singer, Advocat in Szombathely, 8 Kronen zugekommen. Temesvar. (Jubiläum des Obercantors Löwenherz.) Die hiesige innerstädtische Cultusgemeinde, begeht am Tage des Simchas-Thorafestes das fünfundzwanzigjayrige Amtsjubiläum ihres Obercantors, Herrn Eduard Löweny e r z. Der Jubilar gehört zu den hervorragendsten Repräsentanten des Cantorenstantes und reicht sein Ruhm weit über die Grenze seiner Gemeinde. Das imposante Fest soll durch eine Tempelfeier eingeleitet werden, nach welcher die Gemeinderepräsentanz dem Jubilar ein Ehrengeschenk nebst Adresse überreichen wird. Abends findet ein Festbankett statt. Obercantor Löwenherz hat sich aus dem Gebiete des modernen Synagogengesanges besondere Verdienste erworben und viele junge Collegeu achten in ihm ihren verdienstvollen Lehrer. An seinem Jubiläum wird sich auch die nichtjüdische Bürgerschaft Temcsvars in großem Maße belheiligen. Naab. (A m t s j u b i l ä u m.) Herr Gustav Wilhelm Szögyi ist bereits 31 Jahre Lehrer. 20 davon wirkte er an der Raaber Israel. Volksschule. Es wurde ihm zu Ehren aus diesem Aul sse eine solenne Feier veranstaltet, wobei Ehrw. Oberrabbiner Herr Dr. Moriz Schwarz, sowie der andere CollegeHerr Moritz Pfeiffer die Festreden hielten. Schließlich überraschten die College» den von dieser Liebenswürdigkeit zu Thränen Gerührten mit einem prachtvollen silbernen Pocal mit der Inschrift: „Unserem Collegen Gustav Wilhelm Szögyi anläßlich seiner 2bjährigen Raaber Amtsthätigkeit 1875—1960." Wien. (L e i ch e n b e g ä n g n i ß.) Am 28. September a. e. fand das Begräbnlß des namentlich auch in musikalischen Kreisen wohlbekannten Secretärs der österreichischen Nordwestbahn Dr. Hugo P o h l i d a l statt. Mit dem Verblichenen scheidet wieder einer der wenigen Arier wahrhaft liberaler Denkungsart aus, die in den Juden nicht nur Menschen, sondern sogar zuweilen bessere Menschen sahen. Er hatte Zeit seines Lebens die Sache der Freiheit hoch gehalten und noch in diesem Frühjahre bethätigte er als 67jähriger Mann seine aufrichtigsortschrittliche Gesinnung dadurch, daß er sich anläßlich der Wahlen für den Gemeinderath im 1l. Bezirk in Wort und Schrift für die Candidaten tnr liberalen Partei einsetzte und sogar einer Wahlversammlung von Eisenbahnbeamten präsidtrte in welcher Dr. Ellenbogen sprach. Wer die Durchwühlung der Eisenbahnbeamtenkreise durch die „christlichsocialen" Emissäre und Streber kennt, kann der Ausdauer und dem Muthe des Verstorbenen seine Anerkennung nicht vorenthalten. Leider war es ihm, dem von Josefinischen Ideen und Idealen erfüllten hochgebildeten Mann, nicht mehr vergönnt, den Sieg der gerechten Sache zu erleben. Besser kann sein Feingehalt wohl nicht charakterisirt werden, als durch die Worte, die ein eifriger, durch seine Unwissenheit und Beschränktheit bekannter Antisemit hervorstieß, als die Todesnachricht bezüglich Dr. P oh lid a l's an ihn gelangte, nämlich: „Das war auch so ein Atheist, der da behauptete, zehn Juden wären ihm lieber als ein Christ" .... Allein bcsser konnte sich selbst auch diese christlich-sceiale Säule kaum charakterisiren, als eben durch solches Wuthgeheul und überdies bei solcher Veranlassung! Galatz, 26. September. Am 22. d. M. fand im hiesige» Theater ein großes Concert zu Gu sten der israelitischen Mädchenschule statt, deffen Urheberin Frau S. Mendl, Präsidentin der hiesigen Mädchenschule, war. Das reichhaltige Programm, in tadelloser Weise ausgeführt, gewährte dem auch aus Rumänen bestehenden Publicum einen wahren Kunstgenuß und die immer hervorgerufenen Darsteller mußten durch wiederholte Zugaben das Programm bedeutend vergrößern. Das technisch in jeder Beziehung vollkommene Spiel der Damen Mendl und Sulzer, die glockenhelle, reine Stimme des Fräulein Steiner, einer begabten Schülerin der Leria, und der komische Vortrag des Herrn Th. Fischer fanden einen verdienten, riesigen Beifall. Herzlich wurde der harmonisch zusammeuklingende Mädchenchor, sowie der Gesang der Frau Consul Schmierer ausgenommen. Das mit der Comödie „Die Braut" begonnene Concert, von Herrn H. Fischer und O. Drucker gespielt, fand unter tosendem Applaus seinen Abschluß. Der moralische und materielle Eriolg dieser Veranstaltung ist in jeder Hinsicht ein großer, und könne» wir Frau Mendl nur unseren tiefempfundenen Dank aussprechen. Möge ihre hervorragende Thätigkeit im Gedeihen der Mädchenschule Genugthuung finden. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Schluß.) Es-war ein Frühlingstag des Jahres 1818, als der jüdische Friedhof in W. einen ungewöhnlichen Besuch empfing. Ein eleganter mit vier Pferden bespannter Reisewagen war von der Hauptstraße, den abzweigenden Weg bis zum Fuße des Berges gefahren, auf welchem der jüdische Gottesacker lag. Zu der nicht geringen Verwunderung des Wächters, der draußen in einem kleinen Häuschen wohnte, entstiegen dem Wagen ein großgewachsener Herr, etwa in der ersten Hälfte der Vierzig stehend, welchen man trotz seiner bürgerlichen Kleidung an dem aufrechten Gange und der militärischen Haltung sofort als Officier erkennen mußte, eine elegant gekleidete Dame, die, obwohl nach der sprechenden Aehnlichkeit mit den zwei Knaben von etwa 12 und 10 Jahren, die an ihrer Seite gingen, offenbar deren Mutter, doch noch immer von ungewöhnlicher Schönheit war. Die ganze Gruppe stieg den Berg zum Friedhof empor, schritt der Herr an der Spitze durch das Thor und sofort zu jener Gräberreihe, in welchen die irdischen Ueberreste Aron Brack's, seiner Gattin und der Mutter ihres Pflegesohnes, Lea Klein, ruhten. Der Wächter war den vornehmen Besuchern in einiger Entfernung scheu gefolgt. Der Herr sprach, auf die Gräber deutend, einige französische Worte, die der Wächter allerdings nicht verstand, aber da gleichzeitig die Dame den Kindern deutsch sagte: „Seht Ihr, Arnold und Nathan, das sind die Gräber Eurer beiden Großmütter und Eures Großvaters, mutterfeits", so mußte er sofort erkennen, daß die Fciedhofbesucher nur General Klein und deffen Gemahlin sein konnten, und da der gegenwärtige Wächter Reb Perez Holleschau, ein W.er Gkmeindekmd war, erkannte er jetzt auch sowohl Michael Klein, mit dem er als Kind in die Schule und in's Cheder gegangen war, als auch deffen Gemahlin, die Tochter des vor dreizehn Jahren verstorbenen Roschhakohols. Selbstverständlich wagte er es aus Ehrfurcht nicht, seine alte Collegenschaft zu einer Ansprache an den General zu benützen, und blieb fortwährend in respectvoller Entfernung; dagegen öffnete er Aug' und Ohr so weit als möglich, um Alles was vorging, genau zu sehen und zu hören. Wie er am nächsten Sabbath vor dem Minchagebete einem äußerst aufmerksam lauschenden Auditorium im Synagogenhofe erzählte, hatte sein ehemaliger Chawer'), Michael Klein, wie er den General kurz mit einem Schmunzeln der Befriedigung bczeichnete, ein Buch aus der Rocktasche gezogen und nicht nur er und seine Frau, sondern auch die beiden schönen Knaben, die wie Reb Perez bei seinem Leben und seiner Gesundheit beschwor, so fein und so schön wie Bne Mlochim-) aussahen, lasen die >) Kamerad, College. *) Königskinder, Prinzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.