Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021372--10267-3034739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 724 Dr. Blvch's Wocheafchrift. ' Nr. 40 nicht würden ausüben können. Bei den allgemeinen Wahlen in -den Jahren 1880 und 1885 ist im gleichen Fall auf Ersuchen des Borstandes der Londoner jüdischen Gemeinde die gleiche Rücksichtnahme gewährt worden. — Ein Schreiben ähnlichen Inhalts hat der Chief-Rabbi von England Dr. Adler an die „Times" geschickt. Ferrara. (Zuckerindustrie.) Hier wurde unter Anderem ein großes Zucker-Etablissement errichtet. In Anwesenheit vieler Notablen und Autoritäten wurde die unter der bewährten Leitung des Prof. Adr. A d u c c o erbaute Zuckerfabrik dem Betriebe übergeben. Dadurch ist die Zahl der Zuckerfabriken in Italien auf 28 gestiegen. Man kann sagen, daß diese Industrie seit wenigen Jahren in Italien einen ungeahnten Aufschwung genommen hat und noch immer im Fortschreiten begriffen ist. Es ist ferner eine feststehende Thatsache, daß die Begründer dieser Industrie in Italien sich ein bleibendes Andenken gesichert haben. Einer von diesen verdienten Männern ist unstreitig der angesehene böhmische Techniker Theodor G r ü n w a l d, welcher uns Allen vortheilhaft bekannt ist. Dieser war als Erster von dem Großindustriellen E. Mariani nach Italien berufen und wurde mit der Leitung der Zuckerfabrik in Rieti betraut. Grünwald besorgte auch den Bau der Zuckerfabriken in Segni und Seuigaglia und bekleidet gegenwärtig die Stelle eines technischen Jnspectors an der Zuckerfabrik in Ferrara. Dieser böhmische Landsmann, welcher sich schon seit Jahren um die Förderung unserer heimischen Zuckerindustrie unvergängliche Verdienste erworben hat, darf an der ersten Stelle unserer verdienten Männer genannt werden. Constantinopel. (Feuersbrun st im Ghetto.) Am Freitag den 21. September, Abends 6 Uhr, als die Juden von Constantinopel gerade im Begriff waren, sich in die Synagoge zu begeben, warf in Peri Pascha eine unvorsichtige Frau eine Petroleumlampe , um. Sofort stand das betreffende Haus in Flammen und ein heftiger trockener Wind fegte ganze Feuergarben gegen die benachbarten Häuser, so daß in weniger als 10 Minuten das ganze betreffende Viertel ein einziges Flammenmeer bildete. Der Polizeiminister von Constantinopel, der Commandant von Pera und die gesammte Constantinopler Feuerwehr waren sofort zur Stelle, allein das zerstörende Element gewann bereits eine solche Ausdehnung, daß an eine Localisirung der Gefahr nicht mehr zu denken war. In weniger als fünf Stunden waren 250 Häuser, 30 Läden, sowie die Misrachi- Synagoge ein Raub der Flammen geworden. Mehr als 2000 Juden, meist den ärmsten Ständen angehörend, haben alle ihre Habseligkeiten eingebüßt und sind völlig obdachlos. Ein Theil von ihnen wohnt in der zerstörten Synagoge, in einer benachbarten Moschee, sowie in 5 bis 6 anderen öffentlichen Gebäuden, der Rest liegt aber buchstäblich auf der Straße und hat nur den milden Himmel zur Decke. Der Sultan ließ sich sofort von seinen! Adjutanten Bericht erstatten und ordnete an, daß unter den Nothleidenden Brot vertheilt werde. In der Redaction des jüdischen „ei Tiempo“ trat cut Hilsscomite zusammen, das sofort an die Alliance in Pans, an die Anglo Jewish Association in London, an die Häupter aller großen jüdischen Gemeinden, sowie an Oberrabbiner Adler und Lord Rothschild in London Depeschen abschickte. Letzterer hat telegraphisch 100 Pf. St. angewiesen. Vor 18 Jahren wurde das Ghetto von Constantinopel von einer gleichen Katastrophe heimgesucht. Damals stellte sich der Sultan in eigener Person an die Spitze eines Hilfscomites und eröffnete die Sammlung mit einer Zeichnung von 25.000 Francs. Vermischtes. Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Vor' st an des der israelitischen Cultusgemeinde Wien, L, Seitenstettengasse 4, II Stock, Sonntag, den 7. Oktober 1900, 10 Uhr Vormittags Tagesordnung: 1. Einlauf. 2 Präsidialbericht. 3. Vorbereitung zu den bevorstehenden statutengemäßen Wahlen in den. Vorstaud. 4. Berichte des Vertreter-Collegiums. 5. Berichte der I., II., IH. und V. Section. Wien, I. Oktober 1900. Der Präsident. An die Herren Industriellen und Kaufleute jüdischer Confessio» in Wien! Angesichts der bevorstehenden Reichsrathswahlen richten wir an die Herren Industriellen und Kaufleute jüdischer Confession die dringende Bitte, rechtzeitig festzustellen, ob alle Herren ihres Personales, die auf das Wahlrecht Anspruch haben, dasselbe auch thatsächlich besitzen. Unser Rechtsschutzbureaux IX., Berggasse 20, stellt allen jmen Herren, denen das Wahlrecht zusteht, die erforderlichen amtlichen Schritte zur Erlangung desselben kostenfrei zur Verfügung. Das Bureau ist zu diesem Zwecke an allen Wochentagen zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags geöffnet. Steuerbogen und Heimatsdocument sind mitzubringen, die Dauer des Aufenthaltes in Wien anzugeben. Wien, 20. September 1900. Das Präsidium der O e st e r r. - I s r. Union. Wien. (Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser hat gestattet, daß der Frauen-Wohlthätigkeitsverein „Kinderhort" in Wien sich von nun ab „Frauen-Wohlthätigkeitsverein Kaiser Franz Josef-Kinderhort des II. Bezirkes in Wien" nennen dürfe. — Der Verein, der auf eine 5jährige segensreiche Thätigkeil znrückblickt, eröffnet diesmal am 1. October seine beiden Horte und nimmt, so weit der Fassungsraum es gestattet, neue Aufnahmsanmeldungen die Vereinspräsidentin Frau Dr. Frischauer, II., Stefaniestraße Nr. 9 entgegen. Sprechstunden in Vereinsangelegenheiten jeden Mittwoch im Locale des Knabenhortes an der städtischen Knabenvolksschule, ll., kleine Sperlgasse 2, von 2 — 4 Uhr Nachmittags. Wien. Am 28. November wurde Frau Bertha Fürth, Gattin des Holzgroßhändlers E. Fürth, zu Grabe getragen. Die Verstorbene war eine durch Frömmigkeit und jüdische Tugenden sich auszeichnende Israelitin. Eine große Zahl von Leidtragenden gab der Verblichenen das letzte Geleite. Der hervorragenden commerciellen Stellung des Herrn Fürth entsprechend waren im Trauerhause viele Vertreter des Großhandels und der Großindustrie erschienen. Auch die Ceremonienhalle am Eentral-Friedhof war von Traucrgäüen dicht gefüllt. Herr Gemcinderabbincr Dr Gelbhaus hielt eine zu Herzen gehende Trauerrede. Herr Obercantor Kläger recitirte die Gesänge mit tiefer Empfindung. Am Grabe sang Herr Obercantor Roman eine Elegie in ergreifender Weise. Wien. (Ferienhei m.) Für die aus dem Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in Tischnowitz, sowie aus den anderen Colonien in Petrau, Dar kau, rc. heimgekehrten Schützlinge des Vereines (520 an der Zahl) fand am 4. October 1900 um 4 Uhr Nachmittags aus Anlaß des Allerhöchsten Namenstages Sr. Majestät im Hotel Continental, II., Taborstraße, ein Kinderfest statt, zu welchem die Mitglieder und Kinderfreunde geladen waren. Wien. Unter den zahlreich vom Schah von Persien anläßlich seiucs Aufenthaltes in Wien und Budapest mit hohen persischen Orden decorirten Persönlichkeiten befinden sich die Herren General-Director Kornfeld in Budapest, Professor Basch in Marienbad und k. k. Kammer-Virtuose Alfred G r ü nf e l d in Wien. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 7. October 1900 um 3/42 Uhr Nachmittags findet im Tempel, I., Seitenstettengaffe die Trauung des Herrn Dr. Samuel Stimmer, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, mit Fräulein Josefine Peretz, Tochter des Herrn Salomon Peretz, Privatier in Wien, statt. Wien. (Danksagung.) Die Mitglieder des israelitischen Bethausvereines im XX. Bezirk erachten sich verpflichtet, dem Bereinspräsidentrn Herrn Hermann Eltbogen für sein ersprießliches Wirken und seine erfolgreichen Bemühungen bei Erbauung unseres neuen schönen Gotteshauses hiermit öffentlich die Anerkennung und den Dank auszusprechen. Wien, 1. October 1900. Zahlreiche Mitglieder des israel. Bethausvereines im XX. Bezirk. Wien. Der Brigittenauer israelitische Unterstützungs- Verein veranstaltet Montag den 15. October d. I. im Prachtsaale „Weilandshof", XX., Klosterneuburgerstraße 33, ein Simchas-Thora-Wohlthätigkeits-Kränzchen, dessen Reinerträgniß dem humanen Zwecke dieses Vereines zufließt. Concert und Ball-- musik besorgt die k. u. k. Regimentscapelle der Tiroler Kaiserjäger. Entree 2 Kronen. Bei der großen Anzahl von Hilfesuchenden, welche stets an die schwachen Kräfte des Vereines appelliren, wäre es zu wünschen, daß das Fest gut besucht und der Verein dadurch in die Lage versetzt würde, den an ihn gestellten humanitären Anforderungen wenigstens theilweise entsprechen zu können". Wien. (Jubiläum.) Am 2. d. M. feierte Herr Adolf S t r a ß m a n n, Procurist der Glasfabrik-firma S. Reich u. Com p., das vierzigjährige Jubiläum seiner Thätigkeit bei