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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-10-05 · 40 (5.10.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
40 (5.10.1900)
Date
1900-10-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40 Vr. Bwch/s Wochenschrift Sette 723 verdient umsomehr das jüdische Volk das Mitgefühl der gesammten eivilisirten Welt. Die Griechen gaben uns freilich die wunderbaren Statuen Meneras, Apollos, die unsterblichen Schöpfungen Platos, Aristoteles, Eurypides, Eschillos. Die Juden aber gaben uns etwas noch Größeres: das bedeutendste aller Bücher; das göttliche Buch! Die Juden haben aus ihrem überreichen Vorrath geistiger Kraft zwei Religionen ausgefondert, deren Bekenner die größte Hälfte der Erde beherrschen: die muselmännische und die christliche Welt!" Für diese zwei geistigen Gaben, mit denen das jüdische Volk die eivilisirte Welt bereichert hat, trägt diese eivilisirte Welt die heilige Pflicht, früher oder später die Schuld diesem Volke abzutragen, dem Volke, dessen geistige Kraft jahrtausendelang nicht erlahmt wurde, sie muß ihm die verlorene Heimat wiedergeben, die ihm durch Vergewaltigung von. ruchloser Hand geraubt wurde. „Und ich bin fest überzeugt, daß, sobald Palästina mit dessen ganzen Mittelmeerstreifen, von Egypten bis Beyruth, in den Besitz des jüdischen Volkes gelangen wird, dieses Volk bei seiner frappanten Begabung, Zähigkeit und Energie dort wieder ein Reich gründen wird, wo einst das geschäftige Leben der Phönizier brauste, wo solche opulente und mächtige Städte blühten. Und das wird einmal geschehen. Ich glaube unerschütterlich daran. Das Volk, welches unter furchtbarem Drucke, durch Ströme von Blut, seine Ideale jahrtausendelang getragen hat, wird „in der Schwüle" nicht zugrunde gehen. Allein ich muß meinen Fragestellern noch hinzufügen: „sie sollen sich ja nicht der Täuschung hingeben, daß ihnen die jüdischen Größen, wie Rothschild rc., auf diesem Wege folgen werden. Nein, sie gehen lieber nach Baku.... Für diese Walfische des schäumenden Finanzmeeres ist Palästina ein zu seichter Teich. Sie brauchen Oceane und in diesen Oceanen werden sie schwimmen und Gold schlucken, bis das Gold seinen Werth auf Erden verloren hat!" Mögen diese ernsten Worte des arischen Federritters bei seinen Racengenossen Gehör finden! A. M. Moskau. Der größte Künstler des russischen Judenthums, Jsaac Jljitsch L ew it an, ist todt! Er war der größte russische Maler der Gegenwart, und auch im Auslande kennt man recht wohl die Erzeugnisse seines hervorragenden Talents. Seine wundervollen Landschaften feierten Triumphe in der Kritik und in den maßgebenden Kunstkreisen von Italien, Paris, München, Berlin u. s. W. „ü a la conception tout a fait slave!“ äußerte sich ein tonangebender Pariser Kunstkritiker. Aus den Tiefen der jüdischen Gesellschaft war der arme blaße Knabe hervorgegangen, in dessen geistvollen Augen der Director der Petersburger Akademie der Künste ahnungsvoll das Schicksal des dereinstigen Künstlers las. Seine vornehmen Schöpfungen in der landschaftlichen Malerei bilden die Zierden von berühmten europäischen Museen und unter anderen auch der weltbekannten „Tretjakow'schen Galerie" zu Moskau. Er wird als der wahre Interpret und Poet der russischen Natur betrachtet, und eine Note klingt in seiner Farbenharmonie, die besonders seinen Stammes genossen verständlich ist! — Es ist die Melancholie, der Zwiespalt der jüdischen Seele, die vergebens Ruhe und Frieden in ihrem bedrängten Erdendasein sucht. — Der Künstler war aber auch ein guter Jude, voller Theilnahme an den Leiden seiner Glaubensgenossen, stets bereit, ihre Noth zu lindern und jedes ihrer guten Werke zu fördern. Zum letzten jüdischen Studentenball in Moskau, der wohlthätigen Zwecken gewidmet ist, malte Lewitan ein Placat, das eine lange Reihe von Juden darstellt, die einem fernen Lande zueilen. Aehnliche Sujets behandelte er auch bei gleichen Gelegenheiten wie diese und weckte dadurch die Erkenntniß, daß sein Künstlergenius auch auf anderen Gebieten als auf dem der Landschaft sich glänzend bethätigt hätte, wenn sein Schicksal ihn nicht so früh abgerufen hätte. „Legt mich auf den jüdischen Friedhof" waren seine letzten Worte und so geleitete die Moskauer Gemeinde einen ihrer größten Söhne jetzt zur letzten Ruhestätte. Fürst Lwow, der berühmte Mäcen von Kunst und Wissenschaft, sprach am Grabe: „Ganz individuell war das Talent und das Schaffen von Lewitan. Er hat Epoche gemacht in unserem Kunstleben und was der Dichter Tjutschew einst für unsere Literatur war, das war Lewitan für unsere Malerei." Der Präsident v. Btflowski äußerte sich, daß die Werke Lewitan's „die Quelle eines neuen geistigen Lebens in der Malerei darstellen und ihrem Schöpfer dos ewige Andenken sichern." Unter den zahlreichen Kränzen, die den Grabhügel völlig bedeckten war einer vom Gouverneur von Moskau, einer vom Comits der Kunstausstellungen und viele von hohen Würdenträgern, großen Künstlern und Gelehrten des In- und Auslandes. Paris. (Eine Blutbeschuldigung gegen Christen.) Brauchen die Christen Muhamedanerblut? Gibt es in den christlichen „Geheimbüchern" eine Stelle, welche den Christen vorschreibt, zu religiösen Zwecken Menschenblut zu verwenden? Haben schon die Christen einmal einen Menschen ermordet, um sein Blut in der Kirche zu verwenden? Wir Juden haben auf all' diese Fragen ein lautes entschiedenes Nein! Anders denken aber die Beduinen am Sinai, gegen die ebenso wie gegen die Christen in Könitz Truppen geschickt werden mußten, weil sie gegen die Insassen des Klosters am Berge Sinai eine Blutbeschuldigung erhoben und es versucht haben, dieses berühmte katholische Heiligthum anzugreifen. Die Sache klingt wie ein wunderbares Märchen: Zuleika, die 16 jährige Tochter des frommen und reichen Achmed, der zahlreiche Kameele sein Eigen nannte, war so schön, daß Reisende aus Alexandrien den glücklichen Vater gerathen haben, sie dem Chedive vorzuführen, welcher sie gewiß unter die Zahl seiner Frauen aufnehmen werde. Alle Vorbereitungen wurden getroffen und am folgenden Tage sollte die Abreise nach Egypten erfolgen, als Zuleika des Abends auf Nimmerwiedersehen verschwand. Der fromme Achmed, der ebenso schlau wie gottesfürchtig war, schlug jedoch keinen Lärm. In dem Glauben, seine Tochter wäre von Räubern entführt worden, um in den Harem eines reichen Paschas verkauft zu werden, schulterte er fein Gewehr und schlich am Fuße des Sinai, wo Zaleika zum letzten Male gesehen wurde, allnächtlich wie ein Luchs herum. Da pasfirte Ende April ein zweites unerklärliches Ereigniß: Achmed wurde in der Nähe des christlichen Friedhofes des Sinaiklosters mit mehreren Stichwunden im Rücken todt aufgefunden. Das Ereigniß lenkte den Verdacht der Beduinen sofort auf eine neue Spur. Die Mörder waren niemand anderer als — die Mönche des Sinaiklosters. Fielen doch die beiden Mordthaten gerade um Ostern herum, wo doch bekanntlich die Giaurs zu religiösen Zwecken Menschenblut dringend brauchen. Die Aufregung unter den Beduinen steigerte sich und eines Tages — es war inzwischen Mitte Juni geworden — drangen sie gewaltsam auf den Friedhof, erbrachen ein frisches Grab und förderten aus denselben den frisch erhaltenen Körper der — schönen Zuleika zu Tage. Wie und von wem die Leiche des Mädchens auf dem Kirchhof des Sinaiklosters beerdigt wurde und wieso es kam, daß dieselbe noch frisch erhalten war (sie mußte wohl auf Eis gelegen haben . . .) wird wohl niemals aufgettärt werden, aber die Beduinen behaupten und schworen mehrere Eide daß der Körper deutliche Spuren einer vorgenommenen Blutab-> zapfung aufwies. Die Blutrache wurde proclamirt und die unglücklichen Mönche am Sinai mußten zwei Wochen lang die festen Mauern ihres Klosters Tag und Nacht mit den Waffen in der Hand gegen die wüthend anstürmenden Beduinen vertheidigen. Fast Mitte Juli befreiten sie Truppen aus Egypten aus ihrer gefährlichen Lage. Ueber den schließlichen Ausgang der Affaire berichtet unsere Quelle, der in Frankreich erscheinende „!e Icatdoliqus" nichts, vermuthlich ist sie noch nicht zu Ende und wird wohl zugleich mit der Konitzer Affaire ihren Abschluß finden. London, 23. September. (Jüdische Parlamentsmitglieder.) Bon den jüdischen Parlamentsmitgliedern, die dem jetzt aufgelösten Unterhaus angehört haben, werden die Herren Sir Samuel M o n t a g u und H. I. Marks keine Wahl mehr annehmen; die übrigen acht Abgeordneten: B. L. Cohen, Hauptmann H. M. I e f s e l, S. F. M e n d l, Walter Rothschild, Harry S. Samuel, Sir Edward S a s s o o n. Louis Sin c l a i r und Arthur. Strauß werden in ihren bisherigen Wahlkreisen wieder als Candidaten ausgestellt. Neun weitere jüdische Candidaten sind für bisher anderweitig vertretene Wahlkreise in Aussicht genommen; sieben von ihnen gehören der liberalen, zwei der conservativen Partei an. Bon den acht bisherigen jüdischen Unterhausmitgliedern find sieben konservativ oder unionistisch und einer liberal. Der Secretär der Londoner jüdischen Gemeinde hat an die Wahlcommifsion ein Schreiben mit der Bitte gerichtet, für solche Wahlkreise, in denen jüdische Wähler in Betracht kommen, die Parlamentswahlen nicht für den 3. Oktober, den Bersöhnungstag, und für den 8. und 9. Oktober anzusetzen, da die Juden an diesen Festtagen weder schreiben noch fahren dürfen und demgemäß in vielen Fällen ihr Wahlrecht

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