Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrifk. Sette 791 für die Besserung der geistigen und materiellen Lage der Arbeiter, für die Abschwächung der socialen Unterschiede, für die Stärkung unserer Nationalkraft sichtbar und erfolgreich mitzuwirken. Jglau. (Amtsjubiläum.) Wie bekannt, feierte am Freitag den 21. September l. I. der hiesige Rabbiner Herr Dr. I. I. Unger sein 40jähriges Amtsjubiläum. Am genannten Tage versammelten sich corporativ in der Wohnung des Jubilars: die Repräsentanz der israelitischen Cultnsgemeinde Jglau, der Vorstand des israelitischen Frauenvereines, der Gesammtvorstand der Chewra-Kadischa und der Ausschuß des Gesangvereines „Schir Zion". Der allverehrte und hochgeschätzte Vorsteher der Cultusgemeinde, Herr Adolf Lieblich, beglückwünschte den Jubilar, hielt an denselben eine schwungvolle Ansprache, in welcher er deffen unvergängliche Verdienste um das Judenthum überhaupt, sowie um die hiesige Cultusgemeinde insbesondere, hervorhob. Hierauf gratulirte in warmen Worten die hochgeehrte Vice-Präsidentin des Frauenvereines Frau Josefine Lieblich im Namen dieses Vereines. Sodann ergriff Herr Wilhelm O e st r e i ch e r als Präses der Chewra-Kadischa das Wort und entbot die herzlichsten Glückwünsche im Namen aller Vereinsmitglieder. Ferner ehrte der Gesangverein „Schir Zion" den Jubilar, indem dessen Obmann Herr Gustav H e l l m a n n denselben aufs Innigste beglückwünschte und ihn als den Förderer des zeitgemäßen, modernen Gottesdienstes pries. Der Tempelvorstand, die Cultusbeamten, sowie die Religionslehrer der hiesigen Volks-, Bürger¬ und Mittelschulen erschienen ebenfalls corporativ und brachten ihre Glückwünsche dar. Sämmtliche angeführte Corporationen überreichten dem gefeierten Rabbiner als Zeichen besonderer Hochachtung. Werthschätzung und Verehrung, sowie zur Erinnerung an den Jubeltag sinnreiche Geschenke. Tief ergriffen dankte der Jubilar allen Corporationen für die ihm in so reichem Maße erwiesenen Ehren. Viele hochansehnliche Persönlichkeiten der hiesigen Stadt hatten sich zur Gratulation in der Behausung des Rabbiners eingefunden. Die überaus große Anzahl von von Gemeinden, Vereinen, Amtscollegen und anderen hochgestellten Persönlichkeiten dem Jubilar zugegangenen Telegrammen und Zuschriften, über 500, macht es unmöglich, letztere namentlich anzuführen. Nach der stattgefundenen Gratulation wurde der gefeierte Rabbiner vorn Gemeindevorstande und den anwesenden Vereinen von seiner Wohnung aus in den Tempel geleitet, woselbst ein solenner Abendgottesdienst stattfand Aus diesem freudigen Anlasse war das Gotteshaus entsprechend geschmückt und festlich beleuchtet; der Sitz des Rabbiners und die Kanzel waren besonders sinnig und schön decorirt. Bei diesem Festgottesdienste hielt der als Kanzelredner weit berühmte Jubilar eine formvollendete Predigt, in welcher er der Gesammtgemeinde seinen tiefempfundenen Dank für die ihm zu Ehren veranstaltete Jubelfeier aussprach. Diese Rede machte auf die zahlreichen Anwesenden einen tiefen Eindruck und wurde mit Begeisterung ausgenommen. Herr Obercantor David Weiß sang bei diesem Gottesdienste meisterhaft und ergreifend, wodurch sich die Feier besonders weihevoll und würdig gestaltete. Auch der Gesangverein „Schir Zion" unter der Leitung des neuangestellten Chormeisters Herrn Josef Kohn trug durch den vorzüglichen Vortrag eines Psalmes und einer Fefthymne zur Verherrlichung dieses Gottesdienstes bei. Budapest, 23. September. Das vor vier Jahren aus Anlaß der Millenniums-Feier erschienene interessante Buch von Dr. Alexander v. Matlekovitz „Das Königreich Ungarn, volkswirthschaftlich und statistisch dargestellt", liegt jetzt in deutscher Uebersetzung vor, welche, wie das ungarische Original, im Aufträge unserer Regierung herausgegeben wurde. Dasselbe bietet in seiner Fülle von authentischem Material auch vielerlei bemerkenswerthe Einzelnheiten über unsere Glaubensgenossen. Einige dieser Ziffern seien hier, wiedergegeben. Es wohnten i. Königreich Percent dav. i. Croatien - Percent Ungarn der Bevölkerung Slavonien der Bevölk. 1840 243035 1-89 1380 1850 368525 2-99 1857 412702 3 02 4850 0-31 1859 552133 3-61 9876 0-54 1880 638314 4-08 13488 0 71 1890 725222 4-18 17261 0-79 Also sowohl im eigentlichen Ungarn, als in Croatien eine ganz außerordentliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung, welche viel größer ist als bei den anderen Consessiouen und auf eine starke Einwanderung hinweist. Wie groß dieser Zuwachs im Verhältniß zu der der anderen Bevölkerung ist, zeigt die folgende Tabelle. In den Zählungsperioden vermehrten sich durchschnittlich pro Jahr in Percenten 1850—57 1858—69 1870- 80 1881- 90 1890—96 Gesammtbevölkerung 0-61 0-93 015 113 0-69 Römisch-katholische 0-63 1-23 0-42 1'24 0-95 Griechisch-katholische 0-23 1-25 0-55 114 0-55 Griechisch-orientalische 0-53 0-45 0-51 0-81 0-29 Evangelische A. C. 0-01 3-83 019 0-63 6-49 1850—57 1858-69 1870—80 1881 —90 1890 -96 Reformirte 0-35 0-89 0-03 095 0-57 Unitarier 0-85 0-92 0-22 1*05 0-75 Juden 1'71 2-81 1-42 1-36 187 Diese Ziffern beweisen, wie gastfreundlich Ungarn jüdische Einwanderer ausgenommen hat. Dieselben haben diese Gastlichkeit gelohnt, denn die große Mehrzahl unserer Glaubensgenossen hat sich der magyarischen Nationalität angeschloffen, während durch die anderen Einwanderer meist feindliche Elemente verstärkt wurden. Von den Juden gaben bei der letzten Volkszählung als ihre Muttersprache an: Ungarisch Deutsch Slovakisch Rumänisch Ruthenisch Croatisch 62-61 33 51 1-84 0-74 006 0 73 Bekanntlich begegnet fast überall gleichmäßig die Erscheinung, daß bei den Juden weniger Geburten, als bei allen anderen Nationalitäten Vorkommen, daß dagegen die Kindersterblichkeit so viel geringer ist, als bei den Nichtjnden, daß dadurch die natürliche Vermehrung dennoch gesichert erscheint. Bei den Juden in Ungarn kamen auf 1000 nur 364 Geburten, bei den katholischen Confeffionen dagegen circa 46, bei den protestantischen circa 40. Sehr betrübend ist die Thatsache, daß ein erheblicher alljährlich steigender Percentsatz auf illegitime Geburten entfällt und daß die Zunahme bei den Juden am größten ist. Bon 1000 Geburten bei den Juden waren illegitim in dem Jahrfünft 1881—1885 durchschnittlich 34, 1886 — 1890 nicht weniger als 72 und 1891—1897 sogar 88'5, ein erschreckend hoher Percentsatz, der nur von den Unitariern und Griechisch-Orientalischen übertr. ffen, von den Römisch-Katholisch'« erreicht wird, während die illegitimen Geburten bei den Reformirten. Evangelischen, Griechisch- Katholischen weit unter jener Z ffer bleiben. Diese Erscheinung gibt zu denken und predigt eine ernste Mahnung, die nicht überhört werden sollte. Außerordentlich günstig ist, wie bereits bemerkt, das Sterblichkeitsverhältmß bei unseren Glaubensgenossen. Während die Z ffer der Todesfäll! bei der Gesammtbevölkerung von 34 pro Jahr und 1000 Seelen im Jahre 1881 langsam auf 28 im Jahre 1897 heruntergegangen ist, kamen bei den Juden im Jahre 1881 auf 1000 Seelen nur 19. im Jahre 1897 sogar nur 17 Sterbefälle. Was speciell die Kindersterblichkeit angeht, so entfielen auf 1000 Geburten im Jahre 1897 bei den Juden 213, dagegen bei der Gesammtbevölkerung 341 Sterbefälle von Kindern unter 5 Jahren, also um die Hälfte mehr. Diese geringe Kindersterblichkeit ist neben der Einwanderung der hellste Punkt in dem Bilde, das die Bevölkerungsstatistik der ungarischen Juden bietet. Budapest. Der königlich ungarische Honvedminister Baron Fejervary hat an den Vorstand der Temesvarer orthodoxen Gemeinde folgende Zeilen gerichtet: „In Folge Ihrer ehrenden Aufforderung vom 3. September habe ich am heutigen Tage im Wege der Post hundert Kronen an Ihre werthe Adresse für den Bau der orthodoxen Synagoge angewiesen und wünsche aufrichtig, daß'meine geringe Spende die Erreichung Ihres Zieles einigermaßen fördern möge. Mit besonderer Werthschätzung Baron G. Fejervary." Slatina, Slavonien. (Tempeleinweihung.) Am 20. September l. I. hat unsere israelitische Cultusgemeinde ein erhebendes Fest gefeiert. Es wurde nämlich der neu errichtete Tempelbau, um deffen Zustandekommen unser langjähriger, angesehener Präses, Herr Salomo» Deutsch, sich große Verdienste erworben hatte, eingeweiht. Zur Feier find erschienen: Der Bezirksvorstand zu Slatina. der Bezirksrichter daselbst, der griechisch-orientalische Geistliche, der Schuldirector an der Spitze der Communallehrer. Sämmtliche Nachbargemeinden haben zur Feier Vertretungen geschickt. Punkt 7*12 Uhr Vormittags begann die Feierlichkeit mit dem Ueberführen der Thorarollen aus dem Gemeindesaal in das neuerbaute Gotteshaus. Am Portale desselben hielt der Baumeister Herr Ruf an den Vorsteher unserer Gemeinde eine längere Ansprache und überreichte ihm feierlich den Tempelschlüffel, worauf Herr Deutsch das Gotteshaus öffnete und mit einer kurzen, aber inhaltsreichen Ansprache zum Eintritt in dasselbe einlud. Unter feierlichem Orgelklang begann dann der neugewählte Cantor zu Virovitica, Herr Simon Trompeter, mit seiner wohltönenden, klangreichen Stimme das Matowu zu recitiren. Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Dr. H. E. Kaufmann aus Virovitica, dem die Leitung dieser schönen religiösen Einweihungsfeier von unserem Vorstände übertragen wurde, zündete dann das Ner-tomid an und hielt dabei eine die Bedeutung des ewigem Lichtes würdigende Rede, die mit solcher Wärme und Klarheit der Gedanken vorgetragen wurde, daß sie die Hörer zur Begeisterung hingerissen hat. Nach Abfingung eines