Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 40 (5.10.1900)
- Date
- 1900-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 7)6 Vr. BloUsts i^ochrnschrisL. Nr 40 Minister Sturdza veranstaltete Judenplünderung vom November 1897 ein Act der Rache, die er gegen die jüdischen Banquiers in Berlin verübte, well sie seinen Crebitansprüchen nicht entsprechen wollten. 2. Ms im Laufe dieses Sommers das Ministeriuni Cantacuzene-Jouescu den Entschluß faßte, sich zurückzrehen und die Entente cocdiale mir den Iuuimisten noch nicht zu Stande gekommen war, da schöpfte Sturdza die Hoffnung, von der Krone zur Bildung eines nationallrberalen Ministeriums berufen zu werden. Durch Verbindungen seiner Politischen Agenten an oer Bukarester Nationalbank ultt den Berliner Fiuanzyäusern hatte S t u r d z a Füyluilg iii Berlin und andereii deutschen Finanzplätzen, ob man geneigt wäre, einem Ministerium Sturdza eine Anleihe zu gewähren. Die Antlvort war a vs o lu t negativ, selost dann, als er sich s cy ri ftiich zu erklären anheischig machte, alte gegen Fremde bestehenden restrtctiven Gesetze rückgängig zu machen und alle w l r t h s cy a s i l i ch e n Einnaymsguelleu des Landes als Garantie der neuen Aiileiye lheils zu Verpfänden, ryeils zu verkaufen. Nur soll die antisemitische Jeremiase uns nicht icreführeu, als stünden wir am Vorabende einer radicalen und gniisrigen tlmwandlung der Fremdeltsrage in Rumälilen. Zuerst muß man den E a r p gemachten Vorwurf, er wäre der einzige Inden freund in Rnulaliieu, entschieden zulickweisen. Ms solcher bezeichnet ihn keine seiner stüyereu Acten, und dort, wo er gegen die ungerechten Angriffe aus die Inden eullrat, war er mchr der einzige. Ec zeichnete sich nur hiermit von allen Ailveren aus, dag er den Muiy halte, die an den Juden begangenen Verbiechen offenillch zu cvnstaliren und sein diesfälliges Zeugmß dem Materiale der Zeitgeschichte als Beleg vetzufügen, ohne aber auch eine der Rcusisoerletzungeu abznjchuffen, obwohl er mehrfache Eclegenhetr hatte, dies zu rhun. Wir nehmen an, C a r p werde dem Parlameiite alle Reformprosecte voclegen, wie sie von oen ÄlUlsemuen befurchte' und von der Carpsreundlicheu Presse erhofft werden. Wir gehen weiter; wir ueymeu sogar au, oer Ko..ig, der in R u m änten Alles v e r in ö g e n o c K ö n l g, wäre 0 i e sm a t*) auf Seite seines Ministers. Mit all diesem ist aber blutwenig geschehen. Ruralguler zu erwerben, ist ein verfaffungsmäßiges Recht, welches nur denen zusteyt, welche Staalsvürgerrecyl besitzen. Wenn Herr C a r p ocrartlge Reformen zu vollsuyun gedenkt, müsse er eine RevlsionS k a m in e r elnberusen und . . *) lieber die Gesinnung König Carols in der Judenfrage bestehen verschiedene Ansichten. Aus den veröffeuiticyici, Tageouchern König Earois geht nur hervor, daß er sich in cuiun Schreivcii an feinem Valer betiagte, daß, wahrend inan in bluniamen ihii der I n d e nfreundfchafi anklagr, im Auslände er als Judenfeind vezeichnct wird. Es gehl noch hervor, daß er das Huldenusi, dem An. *4 des Berliner Beitrages gerecht zu werden, nur ui der bestehenden Strömung im Lande und uu Parlameilte ersieht, gegen welchen er, a l s c o nst i t u l i o n e l l e r Fürst, zu kämpfen nicht die Mittel besitzt. Beide Ausflüchte sind Entstellungen der ytstorlfchell Wahrheit. Die Nevisionskammer, welche berufen mar, die Belfügungeu des Berliner Vertrages in der rumänischen Verfassung z>l inclausuliren, bestand aus Mitgtcederu, welche rioch vor den Wahlen vom E e n t r a l w a h l - E o m t1 e tu Bukarest bezeichnet waren. Das Eomilä war vom Muilsterpräfidenten Bratianu ernannt und von feinem Freunde E. A. vt o s e t t t geleitet. Nur solche konnten gewählt werden, deren Gesinnungen in Bezug der Revlsionsfrage dem Ministerium bekannt waren. Die Strömung — ging also von denBureanx der Regierung aus. Wir sind im Besitze autl}eiili,ci;er Tocumente, um diese Behauptung zu beweisen. In Bezug der p e r s ö n l i ch e n Gesinnungen König Carols in der Judenfrage werden diese, u n g e f ä l s ch t, durch seine eigenen, feierlichst gesprochenen Worte vom 17. Mai lfc83 gekennzeichnet. Am 17. Mai 1883 wurden die Kammern aufgelöst und der König machte in se ner bei dieser Gelegenheit gehaltettcn Rede folgende feierliche Aeußerung: „Gewählt unter schweren Umständen, mit der Aufgabe der so wichtigen Frage der Modrfication des Art. 7 der Verfassung eine Solution zu geben, habt Ihr es verstanden, die geschriebenen Verfügungen des Berliner Vertrages mit unseren vitalsten Interessen zn versöhnen. Eine Arbeit solcher Natur würde allein schon einen bedeutenden Act im Leben einer ganzen Legislatur abgeben". Also, im Geiste des Königs entsprach die gegebene SoiuUon des Arnk>.t 7, wodurch alle Juden als Fremde erklärt und vom Erwerb der Ruralgütcr verdrängt wurden, denvitalstenJntereffendesLandes. vom gegenwärtigen Parlamente zur Einberufung des Revisionsparlamentes ermächtigt werden. Wenn diese aber ihm verweigert wird? Ist er wirklich im Besitze des Auflösungsdecreles? Carp ist zu ehrlich, um seine Vorgänger nachzuahmen, Staatsgklder zum Ankauf der Wählerstimmen zu verwenden, abgestrafte Verbrecher in öffentlichen Aemtern anzustcllen, Contracte für große Lreferungen üno Verpachtungen der Staatsgüter, ohne öffentliche Licitation, an die Wähler der bevorrechteten Wahlcurien und ihre Agertten zu vergeben. Und nur mit solchen Mittelit lassen sich rasch Masvriläten fabriciren. Aus Opportunitätsgründen mag es wahr sein, daß der König diesmal einer Aenderung der Fremdengesetze nicht ymderlich entgegentreten wird. Herr Carp wird seine Reise nach Berlin und Wien nach Schluß der Kammern antrelen, wird wahrscheinlich, dort ui den maßgebenden Finanzkreisen auf Eutgegenkommen nicht mit Unrecht hoffen, aber die Vorlagen feiner Reformprojecte werden nicht den geringsten Einfluß auf die creditgebenden Facloren ausznüven vermögen, denn hiermit wird Carp nicht den kleinsten Beweis zu erbringen im Stande sein, daß er die Macht besitz', seine gewollten Reformen in Gesetze zu verwandeln. Die fremdenfeindlichen Elemente, nicht die Gesetze, müssen aus dem Wahlsystem ausgeschaltet werden. Anstatt der künstlich geschaffenen p o l i t i s ch e n N a t i v u, welche die vorhandenen Wahlcurien beherrschen, dem Blute und den Interessen des Volkes fremd, und ihre Macht im Dienste der Mdenfelndlichen, politischen Condottieris stellen, müsse d e m Volke, dem rumänischen autochthonen Volke, das allgemeine, passive und active Wahlrecht zuerkaunr werden, und dieses Volk wird zweifellos jede humanitäre Reform mit Jubel begrüßen und dem wirthschaftuchen Aufschwung des Landes die Bahn öffuen. Spartacus. P. S. Schon ivar der obige Artikel unter oer Presse, als wir aus Bukarest den „Uonstitutionalul“, den Offlciosus des Herrn Carp, vom 2. d. M. und eine Privalcorrespondtiiz seitens einer zuverlässigen Person aus Bukarest erhietlen, in welcher sowohl der Inhalt der von uns besprochenen Corre-. spondenz der „Neuen Freren Presse", als auch die Neugestaltung der Judenlage in Rumänien behandelt werden. Unter der Ausschrift: „Proeekile D-lui Carp“ (Die Pi listete des Herrn Carp) zieht der „Elonslilmioüalul" alle ln der Correfpondenz der „Reuen Freien Pr'fse" vom 28. September enthaltenen Ausführungen iiiS Lächerliche. Nach dem „^onstileitionalul“ wirb das Ministerium sich darauf beschränken, den Kammern nur Finauzborfchiüge zu machen, und erwariel nnt Zuversicht die Annahme versetben. Bemerkenswerth ist nur die gerrngjchätzende Betrachtung, die sie üvec jene inländische Presse anstellie, welche den U n j in n der „fit. F. P." reproducirle und oppositionell verwerlhete. - Die Donnerstag-Nummer der „N. Fr. Pr." vom 4. October enthält Ausführungen des Herrn Canla cuze n e, welcher meinl: „Es ist nicht gut, wenn das Ausland zu lebhaftester die Juden Rumäniens sich einsetzt"; „diese ewigen Appelle . . . haben elwaS Verletzendes für unser nationales Seibstbewußlsein." Durch zwei Jayrzeyilte hat das Ausland die rumänischen I u o e n ihrem Geschick überlassen und diese Jahre wurden benützr, um immer neue Ausnahms- und Verfolgungsgesetze gegen die' Jude» zu ersiuucn und zu decretiren; das rumänische Seibstbewußlsein hat sich inchl gekrankt gefühlt, als man arme, wehrlose Juden in der Donau erlränken ließ. Wenri aber die Ertrinkenden Nicht lautlos m den Tod gehen, sondern unwillkürlich einen Weherus vernehmen lassen, so „hat das etwas Verletzendes" für das rumänische Nationalgefüyl; wenn die Mißhaiidelten und Gepeinigten aus dem Lande der Verfolgung und Knechtschaft sich flüchten, so zeigt das „von einem Mangel au Vertrauen" zu den Rumänen. Die Juden des Westens sollen Rumänien nur die nöthigen Millionen vorfchießen, alles Uebrige werden die Rumänen selber schon besorgen. Das ist die Ansicht des Herrn Cantacuzene. Uns will erscheinen, daß man lange genug den Gräuelthalen schweigend zugescham. Simi aber muß Europa seiner Verpflichtung gegen die Cwilisation auch eingedenk bleiben. Der gewesene Ministerpräsident versichert, daß die Rumänen auch dem Juden gegenüber „Menschen" sind. Das rumänische Menschenthum offenbarte sich aber in Heller Beleuchtung am 14. November 1897, als man die Läden der Juden in Bukarest, Galatz und Jassy auf directen Befehl des Ministers Ferikidis plündern lüß und mit Hilfe der Banden des derzeitigen Ministers Filipescu Inden mißhandelte, odtr als unter seiner Minister Präsidentschaft Hunderte von Juden auf die Polizeicommiffariate geschleppt wurden und von öeu Untergebenen des Polizeipräfecten Puiu