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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 709 Tempelbaufrage in günstiger Weise erledigt und mit dem Baue eines neuen Tempels im kommenden Frühjahre begonnen werden wird? Budapest. Der an der oberen Abtheilung der Landesrabbinerschule zu Budapest bestehende „Theologische Verein" hielt am 14. d. M. seine constituirende Generalversammlung. Gewählt wurden: Präsident: Dr. Berthold Edelstein; Vicepräsident: Ignatz Hirschler; Cassier: Julius Fried mann; Secretär: Jacob Silberfeld; Vice-Secretär: Michael Guttmann; Ausschußmitglieder: Isidor Goldberger, Emanuel Hirschj e I b, Heinrich Urbach und Moriz R i ch t m a n n. Hamburg. Man meldet dem „Israelit": „Ein hier wohnhafter und beliebter junger Gelehrter, Herr Dr. Phil. Ascher, wurde durch seine Promotionsarbeit, die auf der Pariser Schulwissenschaftlichen Ausstellung bei den Fachgelehrten berechtigtes Aufsehen erregt hat, einem deutschen, herzoglichen Hofe empfohlen, woselbst ihm eine besondere Vertrauensstellung mit ansehnlichem Gehalt übertragen worden ist. Gleichzeitig hat ihm ein in nächster Nähe der Residenz wohnender jüdischer Rittergutsbesitzer die Erziehung seines einzigen Sohnes anvertraut. Herr Dr. Ascher, der ein streng-religiöser Jehudi ist, hat vor der Annahme beider Aemter sich die Zusicherung und Gewißheit verschafft, daß er ohne Schwierigkeiten wie bisher leben könne und wird er dieser Tage nach seinem neuen Wirkungskreise übersiedeln. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Michael und Sara mußten sofort errathen, daß der zum Tode verurtheilte Officixr, der sein Ehrenwort gebrochen. Lorenz Horneck-Golzinger war. Die Erinnerung an diesen regte Sara im höchsten Grade auf. Er hatte endlos schweres Unglück über sie und ihre Theuersten gebracht, e r hatte es verschuldet, daß ihr Vater frühzeitig eines plötzlichen Todes gestorben, er hatte sie und Michael unschilderbar unglücklich gemacht und hätte sie noch unglücklicher gemacht, wenn nicht Gottes wunderbare Huld diesen gerettet, die beiden Treuliebenden wieder vereinigt hätte. Ein leichtes convulsivisches Beben durchflog ihren schönen Körper, Leichenblässe überzog ihre Wangen. Michael hatte in den sieben Jahren seiner Trennung von Sara nicht verlernt, in ihrer Seele zu lesen und erkannte den Grund ihrer Aufregung, allein der Adjutant mußte annehmen, daß das österreichische Mädchen, wenn auch jetzt die Braut eines französischen Generals, dem znm Tode Berurtheilten, wenn auch nicht ihre Sympathien, so doch mehr Mitleid, als er verdiene, zuwende, und er sprach: „Mademoiselle, Sie schenken Ihre Theilnahme einem vollkommen Unwürdigen, seine Strafe ist nach den Kriegsgebräuchen aller civilisirten Rationen eine wohlverdiente. Ihr Verlobter, der Herr General, wird gewiß die Güte haben, dies zu bestätigen, und ich bin in der Lage, auch noch einen zweiten Gewährsmann anzuführen, dessen autoritativer Ausspruch Sie, Mademoiselle, gewiß gleichfalls beruhigen wird. Der österreichische Feldmarschall- Lieutenant Fürst Johann Liechtenstein, einer der ersten Edelleute Oesterreichs, ein Kriegsheld, der sich des Vertrauens seines Monarchen und der Achtung unseres Kaisers erfreut, war eben anwesend, als der Gefangene eingebracht wurde, und war über das unwürdige Benehmen desselben empört, erklärte ihn als einen Schandfleck der österreichischen Armee, und forderte General Nansouty auf, mit der vollen Strenge des Gesetzes zu verfahren. Fürst Liechtenstein hielt es im Interesse aller kriegführenden Nationen für nothwendig, ein abschreckendes Beispiel zu statuiren." Unwillkürlich hatte Sara, der Aufforderung des Adjutanten Folge leistend, sich von dem Fauteuil, der unweit des Fensters stand, erhoben und sich mit einigen Schritten der Mitte des Zimmers genähert. Kaum hatte der Adjutant seine längere Auseinandersetzung beendet, als eine Gewehrsalve und ein Todesschrei aus dem Hofe herauftönten. General Klein, der am Fenster stehen geblieben war, trat nun an Sara heran und sprach, während bisher die Conversation französisch geführt worden war, deutsch: „Gott hat gerichtet! — Soeben wurde Lorenz Horneck- Golzinger, der uns mit szintias chinoml) verfolgt hatte, erschossen!" In dem Momente öffnete sich die Thür des anstoßenden Zimmers und die beiden Generäle, der österreichische, Fürst Johann Liechtenstein, und der französische, Graf Nansouty, traten in das Borzimmer. Die beiden Männer standen ungefähr in gleichem Alter, Liechtenstein zählte fünfundvierzig Jahre, Nansouty mochte ein, zwei Jahre jünger sein. Ersterer war größer und stärker. Graf Nansouty beeilte sich, sofort als er des General Klein und seiner Braut ansichtig wurde, Beide dem Fürsten Liechtenstein vorzustellen. „Ich hatte", sprach der Fürst, dem General Klein die Hand reichend, „schon am 2. Dccember während der Schlacht bei Austerlitz die Ehre gehabt, Sie" — ein feines Lächeln umspielte Liechtenstein's Lippen — „leider von der besten Seite kennen zu lernen." „Durchlaucht", unterbrach ihn Klein, „gestatten Sie mir. Ihnen meine Bewunderung für Ihre an diesem für Sie unglücklichen Tage bewiesene Bravour und über die Tüchtigkeit Ihrer Reiterei auszusprechen. Das Zeugniß wird Ihnen Niemand versagen, daß nicht Sie die Schuld an dem Ausgange der Schlacht trugen!" Fürst Liechtenstein war nicht nur ein tüchtiger General und feiner Diplomat, sondern auch ein gewandter Hofmann. Da er, wie alle österreichischen Cavaliere das Französische vollkommen beherrschte, konnte er allerdings in der Manier und Sprechweise jener Zeit Sara die Artigkeit sagen: sie könne stolz sein, einen solchen Helden, wie ihren Verlobten, besiegt zu haben, was aber bei ihrem ersten Anblicke vollkommen erklärlich sei; worauf Sara bei ihrem Feingefühle und angeborenem Takte einige passende Worte zu erwidern wußte. Nach diesem kurzen Höflichkeitsaustausche verabschiedete sich der Fürst, und General Klein und Sara traten in Graf Nansouty's Cabinet. Es war in letzter Zeit so viel des geradezu Undenkbaren mit märchenhafter Plötzlichkeit über Sara gekommen, daß sie zu träumen, die Beute einer Hallucination zu sein glaubte. Wer ihr je in ihrem Leben, wer ihr noch vor einigen Tagen wo sie in bodenloser Hoffnungslosigkeit versunken, gesagt hätte, daß sie als Braut eines französischen Generals von Fürsten und Grafen in auszeichnender Weise behandelt werde, den hätte sie in der That und mit vollem Rechte als einen Wahnsinnigen betrachtet. Aber Sara war ein ungewöhnlich feelenstarkes Mädchen; sie wußte ihre Aufregung vollkommen zu beherrschen und Graf Nansouty's schmeichelhafte Ansprache in so kluger und anmuthiger Weise zu erwidern, daß auch dieser, wie Alle, welche Sara näher kennen lernten, ebenso entzückt von ihrem Geiste, als von ihrer äußern Erscheinung war. Siebenunddreißigstes Capitel. Die Friedensunterhandlungen, welche jetzt österreichischerseits von dem Grafen Giulay und Fürsten Liechtenstein mit dem französischen Minister, Fürsten Talleyrand, gepflogen wurden, waren Plötzlich ins Stocken gerathen. Kaiser Franz konnte sich nicht entschließen, die exorbitanten Forderungen, die Napoleon durch seinen Minister neuerlich stellen ließ, zu bewilligen, und Napoleon, durch seine Erfolge und seine günstige Position übermüthig gemacht, wollte jene nicht ermäßigen, und die Situation hatte eine so gefährliche Physiognomie angenommen, daß man jeden Augenblick erwartete, der Waffenstillstand werde gekündigt, der Krieg von Neuem mit großer Energie eröffnet werden. Unter solchen Umständen konnte Michael nicht daran denken, sich einen noch so kurzen Urlaub zu erbitten, sich mit seiner Verlobten trauen zu lassen. Endlich war es der Ausdauer und der Zähigkeit der österreichischen Unterhändler gelungen, günstigere Bedingungen zu erlangen. Sie hatten dem Fürsten Talleyrand in der entscheidenden Schlußconferenz die noch vorhandenen Hilfsquellen der österreichischen Monarchie auseinandergesetzt, auf die Armeen, welche unter den Erzherzogen Carl und Johann in Ungarn standen, hingewiesen und namentlich die großen, vom Kaiser Napoleon selbst anerkannten Feldherrntalente des Ersteren betont, und Talleyrand entschloß sich (Thiers behauptet in seinem Geschichtswerke, ohne hierzu Napoleon's Genehmigung eingeholt zu haben, ') Grundlosem Hasse.

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