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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 708 Dr. Bloch's Woche nfchrrfl. Nr 39 Streik in der Zigarettenhülsen-Fabrik von Atlas stattgefunden, der mit dem Siege der Arbeiterinnen endete. In Smorgon (Gouvernement Wilna) hat unter Betheiligung von ein paar hundert Arbeitern eine Demonstration aus Anlaß der Beerdigung eines Genossen stattgefunden. An dem Grabe wurde eine Rede gehalten. Da Smorgon ein kleines Städtchen ist, ist diese Demonstration kein unbedeutendes Ereigniß. Der «Streif der jüdischen und christlichen Gerber dauert noch fort. Zur Zeit erstreckt er sich auf die folgenden Ortschaften: Krynki, Smorgon, Ruschany und Sabladowo. Diese Mittheilungen bestärken uns in dem Urtheile, das wir schon öfter ausgesprochen haben. Der Socialismus ist für die jüdischen Arbeiter in Rußland und für die russischen Juden geradezu ein Verhängniß, ein Fluch und ein Unglück. Ec gaukelt ihnen Phantasiegemälde vor und läßt sie einen kurzen Traum des Glücks mit lebenslänglichem Elend büßen. Berlin. Dem Prügelprofeffor, der, wie bereits erwähnt, in den „Deutsch-socialen Blättern" es keinem deutschen Manne verargen würde, wenn er Juden und Judenschützer, Polen, Dänen und Protestler mit der Rettpeitsche traktirte, gibt die „Köln. Volksztg." folgenden beherzigenswerthen Rath: „Für einen modernen „Uebermenschen" mag es ein gewisser Genuß sein, politische Gegner zu prügeln, aber die Sache hat ihre zwei Seiten, denn man kann doch auf einen „Tropf" stoßen, von dem mau, anstatt ihm eine Tracht Prügel zu verabreichen, selbst windelweich gehauen wird, und das ist doch für einen Urteutonen einigermaßen unerfreulich. Die „Deutsch-socialen Blätter" sollten daher ihre neue politische Moral folgendermaßen modificiren: „Prügle nur kleine und schwächliche politische Gegner!" Aus der Aussicht, in diesem Falle sich dann auf einige Wochen aus der Welt zurückziehen zu müssen, darf man sich allerdings nichts machen". Vermischtes. Wien, 23. September. Geehrte Redaction! Ich erlaube mir an sir die Bitte zu richten, mir für den Dank und die Erwiderung auf die mir zu Theil gewordenen Schonutowuwünfche einen kleinen Raum in ihrem geschätzten Blatte geben zu wollen. Bei diesem Anlasse möchte ich eine Anregung geben, die. wenn auch nicht neu, doch unseren Armen zu Gute käme: sich nämlich durch einen Act der Wohlthätigkeit von den Glückwünschen zu Roschhaschona entheben zu lassen. Zu diesem Behufe erlege ich an der Cassa der Cultusgemeinde 10 K mit dem Wunsch e, daß dieses Beispiel viele Nachahmer finden möge. Hochachtungsvoll Dr. Theodor Lieben. Wien. (Verlobungen.) Fräulein Paula S i mo n. Tochter des Cultusvorstehers, Bürger. Director Simon, hat sich mit Herrn Dr. Max Schornstein, Rabbiner in Leitmeritz, verlobt. — Fräulein Hedwig Rappaport, Tochter des verstorbenen Dr. Jacob Rappaport, hat sich mit dem ungarischen Großgrundbesitzer und Großindustriellen Dr. Aladar Wohl verlobt. — Herr Dr. Marcel Wurzel, praktischer Arzt in Grinzing, hat sich mit Fräulein Emilie K o h n, Tochter des Herrn Dr. Karl Kohn, städtischen Bezirksarztes in Döbling, verlobt. Wien. („Ferienheim".) Für die aus dem Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in Tischnowitz, sowie aus den anderen Cvlonien in Petrau, Darkau rc. heimgekehrten Schützlinge des Vereines (520 an der Zahl) findet am 4. October 1900, um 4 Uhr Nachmittags, aus Anlaß des Allerhöchsten Namensfestes Sr. Majestät im „Hotel Continental", II., Taborstraße, ein Kinderfest statt, zu welchem die Mitglieder und Kindersreunde geladen werden. Wien. Herr Richard K r a i t h, Beamter des Wiener Bankvereines, hat sich mit Fräulein Hansi Mens ch, Tochter des Bezirksrathes im zweiten Bezirke, Herrn Jacob Mensch, verlobt. Wien. Der k. k. n.-ö. Landesschulrath hat mittelst Erlasses vom 17. September 1900, Z. 10829, dem Vorstände der israel. Cultusgemeinde in Wien eröffnet, daß der Herr Minister für Cultus und Unterricht laut des Erlasses vom 12. September 1900, Z. 25894, gestattet hat, daß das Lehrbuch für den israelttischen Religionsunterricht: Auerbach, kleine Schul- und Hausbibel, I. Theil, 10. Auflage, und II. Theil, 6. Auflage, Leipzig, Brockhaus, noch im Schuljahre 1900—1901in Verwendung genommen werde. Wien. Unser langjähriger Mitarbeiter, der bekannte Schriftsteller Herr Rabbiner Dr. Friedländer in Pisek, hat sich vor Kurzem hier einer Operation unterziehen müssen, die er, Gott sei Dank, glücklich überstanden. Ec befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung und dürfte in kürzester Zeit wieder so weit hergestellt sein, um sich seinem Berufe widmen zu können, was wir diesem fleißigen, verdienstvollen Gelehrten vom Herzen wünschen. Wien. Die bekannte Charakterleserin und beeidete Schrift- Sachverständige Dolphine Poppöe, von deren erfolgreicher Thätigkeit in Italien und Agram die Wiener Blätter schon berichteten, ist bis Ende October in dem böhmischen Eisenbad Bechen und begibt sich dann nach Wien, wo es sich entscheiden wird, ob sie daselbst verbleibt oder dem Rufe der ersten Anthropologen des Auslandes folgt, welche sich für deren neuesten Erforschungen auf graphologischem Gebiete sehr interessiren, da es in das Fach der Criminal-Anthropologie schon einschlägt. Eingesendet. Geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie, in Ihrem geschätzten Blatte eine sehr gerechtfertigte Bemerkung an das Tempelpublicum des 2. Bezirkes zu richten: „Da wir die Erhaltung unserer Cultusinstitutionen mit ihren umfangreichen lebenden Factoren selbst bestreiten müssen, muß Jeder seinen Tribut zollen, der an gottesdienstlichen Handlungen theilnehmen will, und wahrlich, der Jude bringt große Opfer für den Tempel, wenn er denselben in berechtigter Weise genießen will. Die Männer machen sich frei von ihrem Berufe und die Frauen von ihren häuslichen Obliegenheiten und Familienpflichten, um dem oft sehr entfernten Gotteshause zuzueilen. All dies und mehr noch wird als selbstverständliche Pflicht erachtet, die, wenn auch manchmal schwer, so doch gerne erfüllt wird. — Nur eine Pflichterfüllung scheint unserem Tempelpublicum unmöglich und unnöthig: Eine ruhige, würdige, dem heiligen Orte entsprechende Haltung während der Anwesenheit im Gotteshause. Besonders schwer wird es den Frauen und auch Männern, neben einander zu sitzen, ohne alle möglichen Vorkommnisse und Familienangelegenheiten zu besprechen. Wenn dies nur während des Vorlesens der Haftorah der Fall wäre, könnte man noch glauben, das Unverständniß für die Vorlesung sei Schuld au der Langeweile, die so durch Gespräche ein wenig vertrieben wird. Aber leider ist auch die geistreiche, dem Feste angepaßte Predigt eines gottbegnadeten, , hochverehrten Greises auch nicht im Stande, die Conversationen zu hindern oder zu unterbrechen Die profansten, nichtigsten und nichtssagendsten Themen werden eiftigst bearbeitet, während ein schwacher Greis sich anstrengt, mit fester Stimme seine begeisterte, belehrende und aufklärende Predigt ausführlich dem Verständnisse und Herzen seiner Zuhörer zu entwickeln. Weder das Interesse für dieselbe noch der Respect vor dem greisen Seelenhirten sind im «Stande, eine andächtige Haltung und lautlose Stille herbeizuführen. So opferfähig wir Juden sind - das Opfer der Enthaltung vom Conversiren im Tempel und völlige Hingabe zur Andacht und stillen Betrachtung, das Opfer — ist zu schwer. Und doch sollte der Respect, den wir mit Recht für unsere Religion fordern, zuerst uns zur Ruhe und Enthaltsamkeit im Tempel mahnen, dadurch möchte unser Ansehen nach Außen gewinnen, statt zu verlieren." Str. Pahau. Am 23. September, am Vorabende des Neujahrsfestes, fand hier in äußerst solenner und erhebender Weise die Wiedereinweihung der völlig renovirten Synagoge statt. Durch die echt jüdische Opferwilligkeit des Herrn Adolf Weiß aus Prag, eines bewährten Gönners der hiesigen Gemeinde, welcher die gesammten Renovirungskosten spendete, besitzen wir jetzt ein ein wahrhaft schönes Gotteshaus, welches nunmehr auch äußerlich seines erhabenen Zweckes würdig erscheint. Besondere Verdienste um das Zustandekommen dieses gottgefälligen Werkes erwarb sich auch unser Vorsteher, Herr Ignaz Ascher, welcher unermüdlich in der Beaufsichtigung und thatkräftig in der Durchführung mit eingriff. So hallte denn auch der Dank, den Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Hoch in der Einweihungsrede den genannten Wohlthätern und Förderern der hiesigen Gemeinde zum Ausdruck brachte, in den Herzen aller Anwesenden wieder. Möge den edlen Männern fernerhin Gesundheit und langes Leben beschieden sem, auf daß sie noch lange segensreich wirken zur Ehre Gottes! — o— Essegg-Unlerstadl. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden hohen Feiertage und in Ermangelung eines anderen geeigneten Betlocales gestattete der hiesige Magistrat die Abhaltung des Gottesdienstes noch im bisherigen Bethause, welches nach den Feiertagen, weil baufällig und der bestehenden Bauordnung in keiner Weise entsprechend, unbedingt gesperrt wird. Es ist nun begründete Aussicht vorhanden, daß die seit Jahren bestehende

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