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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochrnfchrrst. Seite 707 meinde vergönnt ist, unter der gnädigen Herrschaft Sr. Majestät des Königs Franz Josef (Stürmische Eljenrufe), der seine Unterthanen ohne Unterschied der Religion liebt und schützt, sich zu entwickeln; er dankte Gott für die Regierung, welche die Devise „Recht, Gesetz und Gerechtigkeit" auf ihre Fahne schrieb, und dafür, daß wir in einer solch' toleranten Stadt leben, deren Geschicke von einem weisen, gütigen und edlen Manne, wie Bürgermeister kön. Rath Dr. Carl Tel biß (Eljenrufe) gelenkt werden. Er dankt auch der innerstädtischen Muttergemeinde und deren verdienstvollen Präsidenten Salamon Sternthal, den Präsidenten und den Mitgliedern der Orthodoxen-Gemeinde und all' Jenen, welche die Entstellung dieses Gotteshauses förderten. Die Rede übte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Sodann erfolgte das Anzünden des ewigen Lichtes, worauf der Rabbiner vor der offenen Thoralade ein Gebet für das Wohlergehen des Königs sprach. Damit war die öffentliche Feier zu Ende. Hohenems. (Erzherzog Eugen in der Synagoge.) Aus Hohenems in Vorarlberg wird uns berichtet: Anläßlich eines mehrstündigen Aufenthaltes in Hohenems empfing Erzherzog Eugen am 20. d. eine Deputation der hiesigen Jsraelitengemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Tänzer, sowie den beiden Vorstehern Michael M e n z und Ivan Rosenthal, wobei er den Besuch der imposanten alten Synagoge in Aussicht stellte. Nach Besichtigung der Pfarrkirche fuhr denn auch der Erzherzog in Begleitung seines Adjutanten, des Kreisgerichtspräsidenten v. L a r ch e r, des Bezirkshauptmannes v. Z i e g a u, des Bürgermeisters und des Gemeinderathes von Hohenems vor der Synagoge vor. Unter Führung des Rabbiners besichtigte er das schöne und große Gebäude auf's Eingehendste. Mit Interesse vernahm der Erzherzog auch die historischen Erörterungen des Rabbiners über die Deckengemälde in der Synagoge, ein Geschenk des ersten in der ehemaligen Reichsgrafschaft Hohenems amtirenden österreichischen Amtmannes. Nach längerem Verweilen verließ der Erzherzog sichtlich befriedigt die Synagoge. Budapest. (Ritualmordpropaganda in Ungarn.) Das Gendarmerie-Commando Debreczin erhielt folgendes Telegramm von dem Gendarmerieposten-Commando in Abot-Salok: „Heute wurde hier Rosalia Pentek ermordet. Es liegt offenbar Ritualmord vor. Die Einwohnerschaft des Dorfes ist furchtbar erregt". Die Gendarmerie hat sofort verfügt, daß ein verstärkter Posten nach dem genannten Orte abgeht, um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die jüdischen Einwohner zu schützen. Eine Untersuchung zur Eruirung sowohl des Mordes, als auch des Verbreiters des Gerüchtes, daß ein Ritualmord vorliege, wurde eingeleitet. — Es bleibt abzuwarten, ob sich die Meldung bestätigt. Pohrlich. Am 16. September d. I. starb hier nach längerem Leiden der Cultusvorsteher und frühere langjährige Bürgermeister der hiesigen politisch-israelitischen Gemeinde Herr Wilhelm Schnabl im Alter von 66 Jahren. Mit dem Verblichenen, der sich um die hiesige Gemeinde bedeutende Verdienste erworben, verliert dieselbe einen ausgezeichneten Mann, der durch circa 2 Decennien die Gemeinde-Institutionen in aufopferungsvoller Weise leitete und der durch seinen offenen rechtlichen Charakter, den er im privaten und öffentlichen Leben betätigte, sich der allgemeinen Hochachtung erfreute. Dieselbe kam auch bei dem Dienstag den 18. d. M. stattgefundenen Leichenbegängniffe des Dahingeschiedenen in ganz außerordentlichem Maße zum Ausdrucke. An demselben betheiligten sich die hiesige politische und Cultusgemeinde-Bertretung corporativ, die Spitzen der hiesigen Stadtgemeinde, die Schuljugend mit dem Lehrkörper, fast sämmtliche hiesigen Vereine, Vertreter mehrerer auswärtiger Cultusgemeinden, sowie eine zahlreiche Menschenmenge. In der Friedhofshalle hielt Ehrwürden Herr Rabbiner Josua Weiß dem Verstorbenen einen Nachruf, in dem er die vortrefflichen Eigenschaften desselben rühmte und auf den Verlust, den die Gemeinde durch seinen Abgang erleidet, hinwies; am Grabe nahm Herr Dr. Isidor Schnabl aus Wien in bewegten Worten namens der Verwandten, Herr Lehrer Moriz Bader namens der Beamten der hiesigen Gemeinde, denen der Verblichene stets ein warmer Freund war, von demselben Abschied. Ein ehrenvolles Andenken bleibt dem Dahingeschiedenen in unserer Gemeinde, sowie bei Allen, die ihn kannten, gesichert. d. Preßburg. (Joel Wolf.) Ueber den Heimgegangenen unvergeßlichen Joel Wolf, über dessen Beerdigung wir in der letzten Nummer berichtet haben, wird uns von geschätzter Seite geschrieben: Wenn jeder Tod eines Einzelnen einen unersetzlichen Verlust für die Gemeinde bedeutete, so ist dies zweifellos bei Joel Wolf der Fall. Sein Name bedeutete ein Programm, ein conservatives Programm, Erhaltung des Judenthums. Sein Name verKrprrte aber auch die Begriffe von Menschenliebe und Wohlthätigkeit. In deren Ausübung sah er seinen Lebenszweck und war nur stets besorgt, ob er hinreichend gegeben hat. Wenn bei einzelnen philanthropisch veranlagten Naturen ein Vorherrschen des Geistes und der Verstandesschärfe bemerkbar war, so erhielt Joel Wolf seine Inspiration aus dem guten Herzen. In den ärmlichsten Verhältnissen auferzogen (sein Vater war ein armer Schächter in Preßburg), hatte er Elend und Entbehrungen kennen gelernt. Ohne jede nennenswerthe Bildung heran gewachsen, wandte er sich dem Kaufmannsstande zu, brachte es durch rastlosen Fleiß zu einem ansehnlichen Vermögen und einer geachteten Stellung. Wie wenig Befriedigung ihm das „Schätzesammeln" bereitete, erhellt aus der Thatsache, daß er in voller Manneskraft sein Geschäft aufließ, um sich dem öffentlichen Berufe zu widmen. Wolf war, wenn der Ausdruck gestattet ist, ein Specialist im Wohlthun. Er suchte die Hütten des Elends selbst auf, beim Verlassen derselben hatte er einen leeren Sack und ein thränenvolles Auge. Jeden Freitag war er am Fischmarkt zu sehen, wo er für 20 bis 25 fl. Fische kaufte, die, zu Hause anständigst zubereitet, in discretester Weise an Arme verschickt wurden, damit sie — nach altem Brauche — einen vergnügten und guten Sabbath haben sollen. Ein armer Geflügelhändler entlieh von ihm zur Führung seines bescheidenen Geschäftes 200 fl. und ohne zahlen zu können starb der Mann. Die zurückgebliebene Witwe kam nun weinend zu Wolf und bat ihn, nachdem sie ihres Ernährers beraubt ist, um die Erlaubniß, die Schuld ihres Mannes in kleinen Raten tilgen zu dürfen. Wolf sagte ihr, sie möge sich nur gar keine Sorge darum machen, und nachdem sie doch jetzt ohne Ernährer dastehe, will er ihr auch beistehen; sprachs und ging über die Cassa, um der Armen weitere hundert Gulden einzuhändigen. Am besten für feine Denkungsart spricht seine Schöpfung des hiesigen israelitischen Altersversorgungshauses. Diese Institution allein sichert dem Dahingegangenen einen Ehrenplatz in der Geschichte unserer Gemeinde und durch die Schöpfung derselben allein schon hat sich Joel Wolf ein edles Denkmal errichtet. Wolf ist sich bis an sein Lebensende treu geblieben; er war selbstlos und seine Anspruchslosigkeit ist geradezu sprichwörtlich geworden. Sein ganzes Denken galt der Verfolgung seines einzigen Feindes und der war das Elend — Anderer. Was er zur Ausrottung dieses Feindes thun konnte, das that er mit vollem Herzen und mit ganzer Kraft, ohne damit zu prunken, nur von dem Bewußtsein durchdrungen, seine Menschenpflicht gegen — Menschen erfüllt zu haben. Ehre seinem Namen! Preßburg, im September 1900. Sigmund Feßler. Berlin. (Bon der jüdischen Arbeiterbewegung in Westrußland und Polen.) Der socialdemokratische „Vorwärts" theilt mit: In Warschau haben die während der Beerdigung eines Mitgliedes der ehemaligen Partei „das Proletariat" Verhafteten im Gefängniß eine Hungerrevolte veranstaltet. Die inhaftirten Arbeiter haben sich geweigert, auf Befehl der Gefängnißdirection Waffer aus dem Dienstgebäude nach ihren Zellen zu tragen. Infolge dessen blieben sie ohne Waffer und nun weigerten sie sich, überhaupt jedwede Nahrung zu sich zu nehmen. Dieser „Hungerstreik" endigte nach einer dreitägigen Dauer mit einem Siege der gefangenen Arbeiter. In Lodz sind 600 jüdische Weber, dieselben, die vor ein paar Monaten streikten, in einen neuen Streik getreten. Sie fordern Erhöhung der Löhne und Herabsetzung der Arbeitszeit. In Schaulen (Gouvernement Kowno) hat ine ganze Reihe von Streiks stattgefunden. Die jüdischen Schuhmacher haben den zehnstündigen Arbeitstag gefordert und errungen. Die Schlosser haben durch einen Streik den Arbeitstag um eine halbe Stunde verkürzt. Der Streik der jüdischen und christlichen Maurer hat zu einer Herabsetzung des Arbeitstages auf 11'/, Stunden geführt; es ist das auch ein großer Erfolg, da vordem ihre tägliche Arbeitszeit 15—16 Stunden dauerte. Es hat auch ein

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