Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 39 (28.9.1900)
- Date
- 1900-09-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 706 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 39 behörde, des k. k. Kreisgerichtes, der k. k. Staatsbahnen, der priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn, welche corporativ erschienen waren die Mitglieder des Stadtverordneten-Collegiums und Gemeinderathes mit dem Herrn Vice-Bürgermeister Sachs und kais. Rath MLik, die Professoren der Olmützer Lehranstalten mit de« Herren Direktoren Bachauek, Holzinger, Seyß und V r z a l und Bezirksschulinspector Herrn Professor Prichistal, die Mitglieder des „Deutschen Casino", die Olmützer Berufskollegen des Verblichenen, unter ihnen Herr Primauärzt Dr. Reich v. Rohrwig, Primarius Professor Dr. Frank, Stadtphysicus Dr. Cantor, Dr. Mrazek, Dr. Jahn, Dr. Langer, die Aerzte des Olmützer Districtes mit Herrn Dr. Purschke, Vertreter des k. u. k. militärärztlichen Corps, die Mitglieder des „Vereines reisender Kaufleute" mit Herrn Handelskammerrath Sigmund Zweig an der Spitze, die „Schlaraffia" und andere Vereine zu einem Conducte, in dem noch Herr Großindustrieller Franz M a y, die Herren Theaterdirector L e s s e r und Verwalter H a i e r der m. L. A., ja Mes von Rang und Namen, sichtbar war. Den Schluß desselben bildete eine lange Reihe von Damen. Am offenen Grabe hielt Prediger Dr. Oppenheim eine von lauten Zeichen der Rührung unterbrochene Rede, in welcher er den Dahingeschiedenen als Meister seiner ärztlichen Kunst, als Freund aller Leidenden und Unglücklichen und als edlen Menschen von hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften pries. Nachdem der Tempel- Chor' unter Leitung des Obercantors Schlesinger ein Trauerlied, bei dessen Klängen kein Auge thränenleer blieb, gesungen hatte, wurde der Sarg im Beisein einer den ganzen Friedhof füllenden Menge, welche dem wackeren Manne das letzte Geleite gegeben hatte, in die Gruft gesenkt. Dem Dahingeschiedenen ist bei Allen/die ihn kannten, ein ehrendes Andenken gesichert. Meran. Geheimer Regierungsrath Prof. Dr. Lazarus und Gemahlin sind vor einigen Tagen vom sechswöchentlichen Sommeraufenthalt in Reichenhall wieder hier eingetroffen. Der Gelehrte hat sich von seinem monatelangen Kranksein erfreulicher Weise so erholt, daß er nicht nur in vollster geistiger, sondern auch körperlicher Frische, beglückwünscht aus Nah und Fern, seinen 76. Geburtstag begehen konnte. Unter den zahlreichen Gratulanten fand sich auch der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur an der Universität Berlin" mit einem kalligraphisch musterhaft ausgeführten Diplom ein, in welchem er den Geheimen Regierungsrath Prof. Dr. Lazarus nachträglich zum fünfzigjährigen Doctorjubiläum „als Zeichen seiner Dankbarkeit" zu seinem Ehrenmitglied ernennt. Der gefeierte Gelehrte freut sich, wieder seinen Büchern, seinen Studien in Statistik, Pädagogik, Paleontologie rc. sich widmen, wieder Einsicht nehmen zu können in die zahlreichen dickleibigen Bände, die dem Doctor dreier Facultälen ehemalige Schüler, Erziehungsinstitute, Regierungen des Continents und von überm Meer zukommen lassen. Es ist ein Vergnügen, den geistvollen Erzählungen aus der Lehrthätigkeit, der lebendigen Wiedergabe kleiner Episoden aus Zusammenkünften Lazarus' mit berühmten Gelehrten, mit Kaiser Friedrich, der den Professor mit Vorliebe aus dem Kreise der College» ins Gespräch zog, zu lauschen. Mit liebevoller Zärtlichkeit hat die um ihren Mann stets gleich besorgte Gattin das neue Heim, Villa Rath in Untermais, geschmückt; unter ihrer Pflege und Obhut gedeiht das das Haus umgebende Gärtchen, in dessen mit Trauben reich gesegneter Rebenlaube der greise Gelehrte sich in seinen Mußestunden mit Vorliebe aufhält. Temesvar. In der jüngst abgehaltenen Plenarversammlung der Temesvar-Fabriker israelitischen Status quo-Gemeinde wurden mit Acclamation gewählt: zum I. Bicepräses Herr Max Steiner und zum II. Bicepräses Herr Martin Kohn. Temesvar, 17. September. Der mit dem Aufwand bewunderungswürdiger Energie zustande gebrachte neue Tempel der Fabriker orthodoxen Filialgemeinde in der Nußblättergaffe wurde gestern in solenner Weise eröffnet. Die Anwesenheit unseres Municipalchefs, des Bürgermeisters kön. Rathes Dr. Karl T e l b i ß, verlieh der Feier ein besonderes Lustre und der Bürgermeister war denn auch ununterbrochen der Mittelpunkt begeisterter Ovationen. Im Tempel selbst ertönten, als der Festredner dem Bürgermeister dankte, stürmische Eljenrufe. Der Tempel, dessen Baukosten der unermüdliche Rabbiner Herr Joachim L ö w y, unterstützt vom Gemeindepräses Herrn Josef Grünfeld, sozusagen selbst aufbrachte und zu welchem die Stadt eine namhafte Spende, die Fabriker Statusquo -Gemeinde aber den größten Theil der inneren Einrichtung beisteuerte, — präsentirt sich als weiß-rother Rohbau mit seiner hübschen, an maurische Formen gemahnenden Front überaus vortheilhaft. Der Erbauer, Herr Baumeister Josef Kremer hat da wieder — angesichts der geringen, zur Verfügung stehenden Mittel — seine Kunst gezeigt, während die Ausschmückung des Innern die Meisterhand des Kunstmalers Herrn Bernat M e n c z e r rühmt. Er hat auf die schlichten Wände einen ganzen Reichthum stylvoller Ornamentik hingezaubert. Die Baucommiffion bestand aus den Herren Rabbiner Joachim Löwy, Präsident Josef Grün feld, Vicepräsident Salamon A b r a h a m s o h n, Secretär Jzsü Klauber, Schriftführer Alois Kohn und den Mitgliedern Samuel Deutsch, N. P L l, Naftali H ö n i ch und N. A r a u y o s i. Ueber die Einweihungsfeier liegt uns folgender Bericht vor: Vor dem Tempel nahmen die zahlreichen Festgäste und Deputationen Aufstellung. Darunter befanden sich die innerstädtische Cultusgemeinde unter Führung ihres Präsidenten Salamon S t e r n t h a l und des Vicepräsidenten Max Frommer, die Fabriker isr. Status quo-Gemeinde mit Herrn Vicepräsidenten Max Steiner an der Spitze, Oberrabbiner Dr. Mvriz Löwy, Secretär Armin Kümmelheim, der Direktor der Josefstädter Spiritusraffinerie Herr Moriz Hermann, sowie der Stadthauptmann rc. Um 3 Uhr Nachmittags erschien Bürgermeister kön. Rath Dr. Carl T e l b iß, der mit frenetischen Eljenrufen begrüßt wurde. Alsbald traf auch der feierliche Zug, mit welchem die heiligen Thorarollen unter einem Baldachin vom alten Tempel in den neuen herübergebracht wurden, am Festplatze ein. Nunmehr trat der Präsident der Orthodoxen-Gemeinde Herr Josef Grün seid hervor und richtete an den Bürgermeister eine ungarische Ansprache, in welcher er den Dank der Gemeinde sowohl ihm, als auch dem Municipium der kön. Freistadt TemesvLr für das gütige Wohlwollen, ganz besonders aber für die materielle Unterstützung aussprach, ferner all' Jenen, die den Bau des Gotteshauses durch moralische und materielle Unterstützung förderten und ermöglichten. „Im Namen unserer Gemeinde — so schloß der Redner — begrüße ich Ew. Hochwohlgeboren und die erschienenen Gäste auf das Herzlichste und bitte Ew. Hochwohlgeboren die Pforte unseres Gotteshauses zu öffnen, auf daß wir in demselben immerdar zu Gott beten, er »löge unseren heißgeliebten König, unser theures Vaterland und unsere Stadt schützen und beschirmen!" (Eljenrufe.) Bürgermeister kön. Rath Dr. Karl Telbiß erwiderte, er sei mit großer Freude erschienen, um der Einweihung des neuen Tempels beizuwohnen. Ec habe bisher schon drei Synagogen in Temesvar eröffnet und jedesmal that er es mit dem Bewußtsein, daß der Religiösität eine neue Stätte erstanden sei. Ec wünscht, daß die Mitglieder der Gemeinde in ihrem neuen Heim auch fürderhin gute Juden, gute Ungarn und gute Temesvarer bleiben mögen. (Eljenrufe.) Redner dankt im eigenen, wie auch im Namen des Municipiums jenen begeisterten Männern, welche den Bau dieses Gotteshauses ermöglicht haben; sie werden den Dank für ihre unermüdliche Thätigkeit in dem Bewußtsein finden, ein gottgefälliges Werk geschaffen zu haben. Er bittet die Mitglieder der Gemeinde, in dem Tempel für unseren erlauchten König Franz Josef zu beten, unter dessen weiser Regierung alle Confessionen in Frieden und glücklich leben, und für das Vaterland, das alle seine treuen Söhne beschützt. (Stürmische Eljenrufe.) Nach den mit außerordentlichem Beifalle aufgenommenen Worten des Bürgermeisters wurde ihm auf reichgesticktem Polster von einem weißgekleideten Mädchen, dem kleinen Fräulein Hermine G r ü n f e l d, Tochter des Gemeindepräses, der Schlüssel der Pforte überreicht. Der Municipalchef öffnete nun die Tempelthüre und zog, dem Baldachin mit den Thorarollen folgend, an der Spitze der Gäste in das Gotteshaus ein. Die vier Thorarollen wurden nun unter Jubelgesängen in der Bundeslade untergebracht. Nach einem kurzen Gebete hielt nun Rabbiner Joachim Löwy die Festpredigt. Nach einem Vergleich mit dem Tempelbau des Königs Salomon dankt der Rabbiner dem Allmächtigen, daß es der Ge-