Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 39 (28.9.1900)
- Date
- 1900-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Sette 706 David Spitz, Dr. Hermann Deutsch, Adolf Feuer und Jakob Koh n, und das Executivcomitä, bestehend aus den Herren: Heinrich Weiner, Obmann, Emil Fürth, Obmannstellvertreter, Theodor Robitschek, Schriftführer, I. Wünsch, Joses Steiner, S. Dub, Architekt Mandeltort und A. Wünsch, hervorragende Verdienste erworben. Auch den übrigen Mitgliedern des israelitischen Bethausvereines Brigittenau gebührt für ihre stets opferwillige Theilnahme an dem Zustandekommen des Tempelbaues Dank und Anerkennung. Wien. Am 9. Juli starb im Sanatorium zu Claremont nach langem schweren Leiden Herr Moritz Pickler, ein alter geachteter Einwohner von Kimberley und Cape-Town und wurde am folgenden Freitag unter allgemeiner Theilnahme der jüdischen Gemeinde begraben. Unter anderen Legaten hinterließ derselbe auch die folgenden: Zu Händen des Mayors von Cap-Town und der Herren Henry Mathew Arderne, Henry Ralph Arderne, William George Fairbridge und Thomas Edward Lawton Gesellschafter der Firma Fairbridge, Arderne und Lawton den Betrag von 2000 Pfd. St., welchen die Genannten nach ihrem Gutdrücken unter jene christlichen öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten — Kirchen jeder Richtung ausgeschlossen — vertheilen sollen, welche Unterstützung am meisten benöthigen und verdienen. Der „Jewish Philantropie Society" in Cape-Town den Betrag von 1000 Pfd. St. mit der Bedingung, daß dieses Capital in Staatspapieren angelegt und nur die Zinsen hieraus als jährliches Einkommen verwendet werden. Der „Jewish Congregational School" in Cape-Town den Betrag von 1000 Pfd. St. Zum Baue eines neuen Tempels in Cape-Town den Betrag von 1000 Pfd. St., welche vorerst angelegt und erst, wenn der Bau beschlossen werden sollte, sammt den Zinsen zu diesem Zwecke gebraucht werden sollen. Der „Jewish Philantropic Society" in Kimberley den Betrag von 250 Pfd. St., dem Mayor in Kimberley zur BertHeilung unter die dortigen Armen ohne Unterschied des Glaubens 250 Pfd. St. und dem „Nazareth House" in Kimberley den Betrag von 100. Pfd. St. Ferner zu Händen des Herrn Theodor Pickler den Betrag von 1000 Pfd. St. zur Vertheilung in der ihm am besten scheinenden Weise und zwar: unter die armen Juden in Jglau Mähren 500 Pfd. St., unter die armen Juden in P o l l e r s k i r ch e n, (Böhmen) 300 Pfd. St., unter die armen Juden in Stoecken (Böhmen) 200. Pfd. St. Zahlreiche Verwandte in Oesterreich erhalten beträchtliche Legate und sind auch zu Mironalerben eingesetzt. Zu Testamentsvollstreckern wurden vom Erblasser die Herren G. W. Steytler und Allan Wrrght ernannt. Wien, 26. September. (Der öffentliche Ankläger als P r i v a t k l ä g e r.) In der Nummer 8 der Zeitschrift „Das Barreau" erschien unter dem Titel „Ein galizischer Staatsanwalt" eine Notiz, in welcher folgendes Plaidoyer, welches der Staatsanwalt von T a r n o p o l am 12. Juli d. I. vor dem Schwurgerichte hielt, veröffentlicht war: „Nach dem gänzlichen Niedergange des Handels und Gewerbes in Galizien verblieb uns blos der Kleinhandel, welcher sich in der schmutzigen jüdischen Masse, die sich zu uns sogar aus dem Auslande eindrängt, concentrirt. Diese hat nicht blos den ganzen Adel um dessen Erbe gebracht, sondern auch in den Städten und Dörfern die Bevölkerung jeglichen Vermögens entblößt, sie hat sich wie ein Krebsschaden eingewurzelt, und wir können sie in keiner Weise los werden. Ihre Religion gestattet nicht blos, sie gebietet, Betrügereien zu ihrer Erhaltung zu verüben. Zu solchen Jüdlein gehört auch dieser Angeklagte." Die Notiz erzählt nun weiter, daß der Abg. Byk diese Ansprache zum Gegenstände eines Schreibens an den Justizminister gemacht hat, und kritisirt in äußerst scharfen Worten die consessionelle Hetzrede des Staatsanwalts von Tarnopol. Der Staatsanwalts-Substitut Leo S a s Ritter v. B erecznicki von. Tarnopol ist nunmehr als Privatkläger gegen den verantwortlichen Redacteur des „Barreaus", Dr. Gustav Morgenstern, aufgetreten, und hat durch den Wiener Advocaten Dr. Joseph L u b i c z Ritter v. Orlofski beim Bezirksgerichte Josefstadt eine Klage nach § 496 des Strafgesetzes eingebracht. In der Klage sind lediglich zwei Aeußerungen „dieser lumpige Staatsanwalt" und „Schweineseele" incriminirt. Ueber diese interessante Klage, die am letzten Tage vor Ablauf der Verjährungsfrist eingebracht ist, findet am. 5. Oktober vor dem Vorstande des Bezirksgerichtes Josefstadt in Strafsachen, Landesgerichtsrath v. Heidt, die Verhandlung statt, bei welcher Dr. Morgenstern von Dr. Friedrich E lbogen vertheidigt werden wird. Friedek. (Sch ul weihe.) Am 15. September fand in Gegenwart des Bürgermeisters K o l t s ch a r s ch, der Mitglieder des Magistrats, des Bezirksschulrathes. der Gemeindevertretung, des Cultusvorstandes, zahlreicher Mitglieder der Cultusgemeinde, des Lehrkörpers der israelitischen Volksschule und der Schuljugend die Einweihung des neuen, zur Erinnerung an das 50jährige Regierungsjubiläum des Kaisers erbauten Gemeinde- und Schulhauses der Cultusgememeinde statt. Die Feierlichkeit wurde mit einem Jugendgottesdienste im Tempel eingeleitet, wobei Rabbiner Dr. I. Bergmann eine di- Bedeutung des Tages würdigende Anrede an die Schuljugend und die zahlreich anwesenden Andächtigen hielt. Der eigentliche weihe- und würdevolle Einweihungsact wurde in dem Jubiläumsgebäude vollzogen. Die Honoratioren und die zahlreichen Gäste hatten sich im Sitzungssaale versammelt, wo auch die Schuljugend Aufstellung genommen hatte. Ein vom Obercantor Weiß dirigirter, exact vorgetragener Chor bildete den Anfang der erhebenden Feier. Cultusvorsteher L ö w hielt eine patriotische Anrede, wünschte, daß an dieser Stätte stets Friede und Eintracht herrsche und von ihr auch ausgehe, und dankte dem Bürgermeister, dem Bezirksschulrathe, der Sparcaffe-Direction, sowie allen Förderern des Baues und hob das rühmen? werthe, unermüdliche Schaffen des Baucomites, besonders das Walten des Herrn Adolf Reik. hervor, und wünschte, daß die Lehrer auch hier mit jenem Eifer und Erfolge in dem neuen Heime wirken, wie sie es in lobenswerther Weise bis nun gethan haben. In schwungvollen Worten hielt Rabbiner Dr. Bergmann die Weiherede, die die Wissenschaft feierte und die Erziehung der Jugend zur Frömmigkeit, zur Herzensbildung und zu tüchtigen tauglichen Staatsbürgern zum Gegenstände hatte. In gediegenen Worten sprachen weiter Borstandsmitglied Schwarz und Schulleiter Kraus. Die Cultusgemeinde wurde vom Herrn Bürgermeister und dem Bezirksschulrathe zu dem schönen Tage beglückwünscht. Mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und mit der Bolkshymne schloß der denkwürdige Tag, deffen exacte gesangliche Ausschmückung dem Obercantor Weiß volles Lob und ungetheilte Anerkennung brachte. Prag. (Das Ritualmordmärchen und feine Folgen.) Das Verschwinden des Schulknaben Franz Jirsak aus Alt-Benatek im Juli l. I., der aus Angst vor elterlicher Züchtigung davongelaufen war und erst nach Tagen aufgegriffen wurde, hat, wie noch erinnerlich sein dürfte, Ausschreitungen gegen die Juden in Alt-Benatek zur Folge gehabt, weil es hieß, der Knabe werde vom Handelsmann Moritz Pick im Keller eingesperrt gehalten. Am Abend des 22. Juli rotteten sich vor dem Pick'schen Hause an 200 Leute zusammen, welche unter den Rufen: „Schlagt die Juden todt!", das Haus buchstäblich zu demoliren begannen. Sie drangen mit Gewalt in die Wohnung ein, verwüsteten sie und stürmten dann den Keller, wo sie aus Wuth, weil sie den gesuchten Jungen nicht fanden, einem Faß Effig den Garaus machten. Die zu Tode erschrockene Familie Pick hatte sich rechtzeitig durch den Garten geflüchtet und in einem herrschaftlichen Gebäude Zuflucht gefunden. Bon den Wütherichen wurden zwei, der Taglöhner Wenzel Jirsäk, Vater des unglückseligen Knaben, und der Tagarbeiter Franz Sulz wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit zur Verantwortung gezogen und Ersterer zu sechs. Letzterer zu vierzehn Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Olmüh. (Dr. LeoPoldLöw f). Die tiefe Theilnahme, welche das Sonntag so unerwartet erfolgte Hinscheiden des k. k. Ober-Bezirksarztes Herrn Dr. Leopold Löw in allen Kreisen, welche zu dem leider so früh Verblichenen in Beziehungen standen, erweckte, fand bei dem gestern um halb 5 Uhr Nachmittags stattgehabten Leichenbegängnisse einen imposanten Ausdruck. Lange vor der festgesetzten Stunde erfüllte eine tausendköpfige Menge Leidtragender die Umgebung des Trauerhauses in der Bernhardinergaffe, vor dem auch die israelitischen Schüler der Olmützer Mittelschulen und die Zöglinge der k. k. Lehrer-Bildungsanstalt, geführt von ihren Professoren, Stand genommen hatten. Unter Vorantritt derselben, bewegte sich der unübersehbare Zug zum israelitischen Friedhofe. Dem mit prächtigen Kränzen, welche von mehreren Behörden, Vereinen und Corporationen gespendet worden waren, geschmückten Leichenwagen, dem die Mitglieder der Ortsgruppe .Olmütz"' des Vereines Reisender Kaufleute zur Seite schritten, folgten leiderfüllt die trauernden Anverwandten des Verblichenen. Sodann reihten sich die Vorstandsmitglieder der Cultusgemeinde mit Herrn Eduard Hamburger an der Spitze, die Beamten der k. k. Bezirkshauptmannschaft, der k. k. Finanz-