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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Date
1900-09-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 36 Vr. Bloch's Wochenschrift. Seite 685 „Die vorliegende Predigtsammlung, deren zweiter Theil (Sabbathreden) im nächsten Jahre folgen soll, will nicht nur jungen Rabbinern Material und Anregung zu Vorträgen, sie will auch den Lehrern, die in Gemeinden ohne Rabbiner amtiren, eine Anzahl Reden bieten, die sie entweder wörtlich oder nach entsprechender Umarbeitung zu benutzen vermögen." Auch sonst erfährt man allerlei Wiffenswerthes aus dem Vorwort, so daß der Herausgeber „nicht auf dem Standpunkte einzelner Collegen steht, die durchaus den Lehrern die Berechtigung zum Halten von Predigten absprechen." Er theilt diese Meinung mit dem großherzoglichen Oberrath der Israeliten in Baden, der die Einrichtung geschaffen, „daß die Bezirksrabbiner an den Festtagen an Gemeinden ihres Bezirkes hektographirte Predigten verschicken, die durch den Lehrer vorgetragen werden." Und endlich versichert der Herausgeber, daß man durch solche Predigten „der Gemeinde eine Wohlthat erweist". Ich bin überzeugt, daß Dr. Ackermann, Rabbiner in Brandenburg a. H., Recht hat, ich bin überzeugt, daß sein Buch verdienstvoll wirken wird, daß er und seine Mitarbeiter, die „HerrenRabbinenDoctoren" Blumenthal, Eschelbacher, Feilchenfeld, Güdemänn, Kroner, Leimdörfer, Lewin, Placzek, Rosenberg, Rosenthal und Seligkowitz, wirklich Vortreffliches geleistet Habens Dennoch ist es mir merkwürdig mit diesem Buche ergangen. In italienischen Büchern kann man von einer kunstreichen Uhr lesen, die Ricolo Pareschi, vielleicht ein Zeitgenosie Benvenuto Cellini's, geschaffen und die auf das Reizendste beschrieben wird. Sie stellte einen Säulenhof dar und alle Stunde, wenn die Uhr mit silberhellem Schalle die Zeit angab, öffnete sich eine geheime Thüre und ein putziges Figürchen bewegte sich über den Hof hinweg nach einer anderen Thüre, in der es beim letzten Glockenschlage verschwand. Zwölf solcher Figürchen gab es in der Uhr, eine von der anderen grundverschieden, alle aber stellten edle und vornehme, fromme und berühmte Persönlichkeiten dar. Da kam zum Beispiel König David mit der Harfe im Arme und tänzelte lächelnd nach der jenseitigen Thüre; nach ihm schritt würdig und ernsthaft ein Pfarrer einher, dem folgte höflich grüßend ein eleganter Staatsmann, dem ein behäbiger Handelsherr und so weiter, bis die Zwölfzahl erreicht war. An diese kunstreiche Uhr dachte ich bei der Lectüre der Predigten. Nicht so sehr deshalb, weil es gerade zwölf Personen sind, die Beiträge zu dieser Sammlung lieferten, als wegen der Verschiedenheit der Temperamente, der Ansichten, der Lebensauffassung, die sich klar und deutlich in den Vorträgen documentirt, trotzdem die Verfasser, Einer wie der Andere und Einer nach dem Andern, das Gleiche thun, wie die Figuren der Uhr, eine kurze Spanne Weges gehen von einer Thür' zur anderen. Wie verschieden sprechen diese Prediger! Der eine — er kommt mir vor wie König David, fromm und vergnügt, er verschmäht sicherlich ein Tänzchen vor der Bundeslade nicht — der eine nimmt sich nicht einmal zu einer Anrede Zeit. Ec ruft den Bibelspruch, denn er zum Thema sich wählt, wie einen Posaunenruf seinen Zuhörern zu. Er ist ein köstlicher Optimist, spricht zumeist in kategorischen Imperativen und fordert die Gemeinde gebieterisch zum Frohlocken auf. Mir ist er der Liebste von Allen. Dann kommt ein anderer, der ein gewisses Ceremoniell eingeführt hat. Den Anfang seiner Predigten bildet stets ein Gebet — wie der officielle Kaisertoast — dann spricht er würdevoll und eindringlich zu seiner Gemeinde. Er ist entschieden Hofmann und hat Talent zum Repräsentiren. Sein Stil ist beinahe ohne Gesten; nicht von Jedem dieser Redner kann man das behaupten. Manche tituliren die Zuhörer: „Meine andächtigen Freunde" oder noch zärtlicher und intimer: „Meine Themen", einer hatte den genialen Einfall: „In festlicher Andacht Versammelten" zu sagen. Ich bin überzeugt, daß diesec Mann Nachahmer finden wird. Er leistet überhaupt das denkbar Originellste. Eine seiner Predigten beginnt er z. B. mit dem. Satze : „Erwachsene Söhne, in Andacht Versammelte, hatten ihren Eltern Aergerniffe bereitet". Dieser Redner muß es zweifellos in seiner Kunst so weit gebracht haben, sei es nun durch den Klang seiner Stimme oder durch die Stärke der Betonung, hörbar zu machen, wann er den Buchstaben des großen und wann einen des kleinen Alphabetes anwendet. Es ist erstaunlich aber wahr, unter den Predigern gibt es welche, die in Momenten des Selbstvergessens gut deutsch schreiben. Einer besonders frappirt geradezu mit richtig construirten Sätzen, aber bald beginnt er sich wieder als Kanzelredner zu fühlen und das liebe Publicum mit Witzchen zu amüfiren, mit Wortspielen zu unterhalten, die hie und da an die Art eines Abraham a Saneta Clara, der allerdings auch kein Unbedeutender war, erinnern. Belustigend wirken zuweilen die an die Gemeinden gesandten Predigten. Da ist Alles für den beschränkten Unterthanenverstand eingerichtet; sehr viel gütige Herablassung zeichnet diese Reden zumeist au?. Wie heißt es doch in dem Kinderliede? „Hast brav gesprochen lieber Kleiner, Du bist so gut wie Unsereiner." Alles in Allem enthält das Buch zumeist ehrenwerthe, tüchtige Leistungen, die nur manchmal ganz vorübergehend ein klein wenig erheiternd wirken. Zum Schluffe muß ich noch die Ausstattung des Buches rühmend hervorheben. Der Einband ist unaufdringlich, beinahe geschmackvoll, das Papier hübsch. Bor Allem ist es gut gedruckt, zuweilen auch gut geschrieben. In Kreisen junger Theologen wird es sicherlrch bald beliebt werden. L. I. Literatur- Von dem Roman »Michael", welcher in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erscheint, aus der Feder unseres geschätzten Mitarbeiters, Schriftstellers S. K o h n in P r a g, wird laut einer Ankündigung, in dem von Lunz herausgegebenen Kalender, eine hebräische Ausgabe veranstaltet. -|np jnbw Schulchan Aruch, II. Theil. JoreDeah in deutscher Uebersetzung. Die religiösen Satzungen, Vorschriften, Sitten und Bräuche des Judenthums. Zum Handgebrauchs für Rabbiner, Lehrer, Cantoren, Gemeindebeamte und Synagogenvorsteher. Schulchan Aruch, III. Theil. Ewen Hasser. Nach den Quellen zum erstenmale bearbeitet und herausgegeben von PH. L e d e r e r, Rabbiner i. R., Pilsen, Kopernikgaffe 25. Briefkasten. Moses Horowitz in Ä. Ungeeignet. Rabbiner in R. Die Frage ist controvers und seit je viel umstritten. Dieselbe zur Erörterung zu bringen, würde eine langwierige Discuffion eröffnen. »Pädagog". Dr. Lueger hat öffentlich nur von den deutschnationalen und 'socialdemokratischen Lehrern es gesagt, daß sie nicht befördert würden. Hinsichtlich der jüdischen Lehrer brauchte er das nicht erst zu versichern. M. W.» Budapest. Diesen Bericht finden Sie in der ersten Ausgabe der von Gregorio L e t i verfaßten Biographie Sixtus V. Dr. S. H. In Deutschland hat Liebermann von Sonnenberg mit seinem Radaü-Antisemitismus abgewirthschaftet. Der Arme sieht mit bitterem Neide auf seine gesinnungsverwandten Streber in Oesterreich, die inzwischen zu immer größeren Reichthümern und Ehren gelangen. Gustav R. Der Religionslehrer kann dort schwer Erfolge erzielen, wo das Beispiel der Eltern seine Bestrebungen lähmt. W. R—nn. In der That haben Dr. Lueger, Prinz L i e ch t e n st e i n u. s. w. dem Herausgeber des „Deutschen Volksblattes" nach dem ihn diffamirenden Urtheile der Geschworenen eine — Ehrenerklärung gegeben. Herr Vergant wäre sonst wohl fähig gewesen, in seinem Blatte Manches auszuplaudern, was den Parteihäuptlingen nicht zur Ehre gereicht hätte. R. W. Die Leute schämen sich jetzt, aber damtt werden fie nicht die Thatsache aus der Welt schaffen, daß die Führer der Partei von Lueger angefangen Alle für die Wahl des Herrn Earl Mittermayer sich enthusiastisch einsetzten. A. H. Das erinnert genau an die Anekdote, wo ein kleiner deutscher Fürst einem witzigen Schriftsteller gegenüber sagt: „Ich verachte Jene, die sich einen Orden kaufen", worauf dieser antwortet : „Und ich Diejenigen, die ihn verkaufen." Arthur B. Vielleicht fürchtet Dr. Lueger doch den Eindruck, den die Antisemiten vom Caliber Strobach's und Schneider's auf die Pariser üben könnten, und er fährt deshalb auch selbst nach Paris. Alfred N. Man versichert, daß Dr. W ä h n e r an die Zeit, wo er als Verficherungsbeamter sein Brod verdiente, sich nicht gerne erinnern läßt. A. R—g. Es fällt uns gewiß nicht ein, zu leugnen, daß die deutsche Literatur seit Luther's Bibelübersetzung stark vom jüdischen Geiste beeinflußt ist.

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